Freibad Weißensee (Quelle: Alexander Schüller)
Audio: Inforadio | 20.05.2020 | Birgit Raddatz | Bild: Alexander Schüller

Saisonbeginn in Berlin - Berliner Strandbäder stehen vor großen Herausforderungen

Ab dem 25. Mai dürfen die Frei- und Strandbäder wieder öffnen. Die Vorbereitungen sind bei den meisten schon länger in vollem Gang. Die Auflagen sind hoch und setzen vor allem Pächter von Strandbädern enorm unter Druck. Von Birgit Raddatz

Die Schilder für den 1,5-Meter-Abstand stehen bereits im Eingangsbereich vom Strandbad Weißensee. Trotzdem ist Betreiber Alexander Schüller noch etwas ratlos, wie der erste Tag in seinem beschaulichen Bad ablaufen wird. "Das wird interessant und turbulent", sagt er nachdenklich. Mit 5.000 Quadratmetern gehört das Strandbad Weißensee zu den kleineren in Berlin. Viele Gäste kamen auch hierher, weil es regelmäßige Veranstaltungen gab oder um einen Feierabend-Cocktail zu genießen. All das fällt als Einnahmequelle in dieser Saison weg.

Schüller sorgt sich um die Senioren

Die Berliner Bäderbetriebe hatten am Montag ein erstes Eckpunktepapier veröffentlicht, das Regeln für alle Frei- und Strandbäder festlegt. So soll ein reduzierter Eintrittspreis von 3,80 Euro gelten, Jahreskarten und ermäßigte Tickets entfallen, die Gäste sollen nach einer bestimmten Zeit wieder gehen. Maximal darf Alexander Schüller dann 50 Menschen gleichzeitig in das Strandbad Weißensee lassen.

Um Warteschlangen vor dem Einlass zu verhindern, gibt es ein Online-Ticketsystem. "Die älteren Gäste werden das kaum nutzen, denen muss ich dann erklären, dass ich sie unter Umständen nicht reinlassen darf, weil das Bad voll ist", sorgt sich Schüller.

Schwimmen im Schichtmodus

Es werde eine außergewöhnliche Saison, hatte Bäderbetriebe-Sprecher Matthias Oloew schon vor zwei Wochen gesagt. Trotzdem will das landeseigene Unternehmen sie ermöglichen. Immer noch gilt die Ansteckungsgefahr als sehr hoch, deshalb sollen Umkleiden, Duschen und Sprungtürme geschlossen bleiben, auch in den gechlorten Freibädern. Ähnlich wie in der Gastronomie müssen Badegäste ihre Kontaktdaten für eine eventuelle Infektionsnachverfolgung hinterlassen. Fünf Meter sollen die Menschen zueinander einhalten, auch im Wasser.

Da die Hallenbäder auf unbestimmte Zeit noch geschlossen bleiben, unterstützt das Personal von dort die Freibäder, insbesondere bei der Kontrolle der Regelungen. "Wir setzen bei den Gästen vor allem auf Vernunft und Einsicht", sagt Oloew. In drei Schichten kann geschwommen werden, die Bademeister werden streng darauf achten, dass nicht zu viele Menschen auf einmal im Becken schwimmen. Zwischen den Schichten bleiben die Bäder kurzzeitig zu, damit alles gereinigt werden kann.

Freibad Weißensee (Quelle: Alexander Schüller)Noch verwaist: das Strandbad Weißensee

Strandbadbetreiber wünschen sich Unterstützung

Angesichts der Fülle an Auflagen und den geringen Besucherzahlen bangt Alexander Schüller um seine Existenz. Als privater Pächter muss er selbst für die Wirtschaftlichkeit seines Bades sorgen. Rücklagen konnte er in den letzten Jahren nicht bilden, erst 2017 kämpfte er mit einem Rohrbruchschaden, der durch den Bau von angrenzenden Mehrfamilienhäusern entstanden war. Auch deshalb würde er sich mehr Unterstützung vom Senat wünschen. "Zum Beispiel könnte die Pacht gestundet werden. Und eine direkte finanzielle Unterstützung für Zusatzmaterial wie Desinfektionsmittel würde schon sehr helfen."

Schüller würde in diesem Jahr am liebsten gar nicht für Badegäste öffnen, sondern nur für Schulklassen oder Menschen mit Behinderung. Außerdem könnte er sich vorstellen, das Strandbad für die Ausbildung von Rettungsschwimmern zu nutzen. Ob der Senat ihn bei diesen Plänen unterstützt, ist fraglich.

Sorgen auch im Strandbad Plötzensee

Die Situation der kleineren Strandbäder kann Michel Verhoeven sehr gut verstehen. Sein Bad am Plötzensee ist viermal so groß wie das in Weißensee. Nach seiner Rechnung könnte er je morgens und nachmittags mehrere Tausend Menschen reinlassen, sagt der gebürtige Niederländer. Anfang der Woche hat er fleißig an seinem Hygiene- und Nutzungskonzept geschrieben, das die Betreiberinnen und Betreiber selbst erstellen müssen. Nun wartet er darauf, dass das zuständige Gesundheitsamt zustimmt.

Aber auch obwohl er genug Platz für Badegäste hat, plagen auch ihn Sorgen. Erst vergangenes Jahr hat er das Bad gepachtet, aufwendige Sanierungsarbeiten getätigt. Diese Saison sollte das eigentlich wieder gut machen, eine Sauna hatte er geplant und holländische Pommes mit Backfisch. Denn allein vom Eintrittspreis könne ein Strandbadbetreiber kaum leben, weiß er. Trotz allem ist Verhoeven optimistisch: "Wenn wir alle zusammenarbeiten, dann wird das schon!"

Sendung: Inforadio, 20.05.2020, 15:25 Uhr

Beitrag von Birgit Raddatz

Kommentar

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Antwort auf [Ralf] vom 22.05.2020 um 14:13
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17 Kommentare

  1. 17.

    Was heisst denn hier "immer nur an sich denken"? Ich denke dank dieses Artikels gerade an die Strandbadbetreiber, die ums wirtschaftliche Überleben kämpfen. Ich werde "mein" Bad auf alle Fälle ausgiebig nutzen, insofern es mir erlaubt ist. Hoffentlich werden die Auflagen im Sommer nochmal weiter gelockert - die Hitze hält man doch sonst nicht aus!

    Immer dieses Gewese um die vermeintlichen RIsikogruppen: wer Angst vor einer Ansteckung hat, möchte den Sommer doch gern auf dem eigenen Balkon verbringen, wo man geschützt ist vor den anderen Menschen.
    Aber: alle anderen zu knechten, die gerne wieder normal leben möchten / ins Freibad gehen wollen / whatever - nur für einen verschwindend geringen Prozentsatz an Menschen? Also bitte, Solidarität ist keine Einbahnstraße!

  2. 16.

    Egon und Falk, ihr seid hier irgendwie beim falschen Thema ... aber .... Mein Mann und ich gehören auch zur Risikogruppe... wir wollen trotzdem ins Freibad ... denn ohne Schwimmen , Bewegung und frische Luft drohen ganz andere Krankheiten und mittlerweile können wir uns in Eigenverantwortung ganz gut schützen und zur Arbeit muss ich auch. Und habe es bisher überlebt. Also was soll das ganze Theater?

    @Ralf, du kannst jetzt Tickets buchen. Viel Spaß, ich hoffe, dein Schwimmbad ist dabei, meins leider ... noch ... nicht.
    Vielleicht klappt es ja noch vor dem Herbst?

  3. 15.

    Ich stimme Falk hundertprozentig zu.
    Genauso ist es. Es geht vor allem auch um die Risikogruppen, dass sind mehr als man denkt.
    Nicht nur alte Leute, sondern auch jüngere mit z. b. einer Chemotherapie wegen einer Krebserkrankung, leider haben wir derzeit mehrere solcher Fälle im Bekanntenkreis.
    Es ist äußerst unsozial immer nur an dich zu denken,
    nicht wahr @Jana ? Aber immer schön ohne Argumente meckern und zeigen, dass man die Zusammenhänge scheinbar nicht verstanden hat. Das hilft uns natürlich sehr......

  4. 14.

    @Krea: Welche anderen Länder meinen Sie? Schweden, Brasilien, Weißrussland, USA, Russland...? Bisher hat es in Deutschland mit den Maßnahmen doch sehr gut funktioniert.

  5. 13.

    @Brandenburger:
    1. Wissen leider nicht alle wie sie sich verhalten sollten.
    2. Ich war gestern ein Corona-Engel. Ich kann mich nämlich disziplinieren. Habe trotzdem mit meinem Vater angestoßen ohne HalliGalli zu machen.
    3. Habe ich keine Angst um mich. Das ist der Denkfehler von Leuten wie Dir. Ich habe Angst um meine Mitmenschen, die beispielsweise Risikopatienten sind und von den unvernünftigen angesteckt werden könnten.

  6. 12.

    Ja nun ist aber auch gut. Jeder weiß doch, wie er sich zu verhalten hat. Kein Grund, den Sport weiter zu behindern. Oder wart ihr Männer gestern alle CoronaEngel ? Bleibt doch mal auf dem Fußboden und wenn du Angst hast, bleib zu Hause. Alle anderen können doch schwimmen gehen. Mann oh Mann....

  7. 11.

    Andere Länder haben es anders gemacht und komischerweise hat es funktioniert und gestorben wird immer egal ob an Grippe oder einen Virus der eigentlich nichts anderes ist.
    Ein wenig muss ich @ Jana schon Recht geben, man hat in Deutschland den Wissenschaftler und Viriologen das Ruder in die Hand gegeben und sich danach gerichtet. Was soll man darüber noch reden ist ja nun eh alles zu spät.
    Und die Strandbadepächter müssen alle aus eigender Tasche bezahlen. Was ist alles pleite gegangen und kämpft, war es diese Regeln wert-ich sage nein.

  8. 10.

    Eine gute Antwort hat Frank schon gegeben. Wer's immer noch nicht glaubt sollte auf den amerikanischen Kontinent schauen, von Nord nach Süd. Da sind Regierungen am Werk die fürs Massensterben sorgen und dabei immer noch die Schuld auf Andere schieben.

  9. 9.

    @Jana: Und warum sind die Zahlen wohl so lachhaft niedrig? Weil die Maßnahmen durchgesetzt worden sind.

  10. 7.

    Ich wollte mir fürs Bahnen Schwimmen für Montag ein Ticketsichern,
    aber leider nicht zu sehen auf der Homepage der Bäderbetriebe. Einfach nur Schade!!!!

  11. 6.

    So, und jetzt fragen wir uns mal, warum die "Neuinfiziertenzahlen sind lachhaft niedrig"?

    Genau, eben wegen "den verrückten politische Zwangsmaßnahmen"!

  12. 5.

    Wann hören die endllich auf mit dem Corona-hype und den verrückten politische Zwangsmaßnahmen?

    Die niedrigen Neuinfiziertenzahlen sind lachhaft niedrig. Dennoch wird das Pandemiespiel durchgezogen und die Wirtschaft weiter in den Bankrott getrieben.

    Was geht vor in diesem Land?

  13. 4.

    Ich befürchte, dass in einigen Bädern, die Corona-Regeln weder befolgt noch durchgesetzt werden.
    Es gibt Anlagen wie Saunen oder Sportstätten, wo es wesentlich respektvoller dahergeht. Diese hätte man auch öffnen können - einfach damit es sich besser verteilt.
    Ich hätte auch ein Einlass-Verbot für Jugendliche bis 18Uhr erlassen, dami auch ältere Menschen angstfrei baden können.

  14. 3.

    Ich wünsche allen Betreibern einen guten Start in die Saison. Ich kann die Pächter gut verstehen, dass sie Angst ums Überleben haben. Und ich weiß auch nicht, warum Berlin schon wieder alles so kompliziert macht!?!? Ein Blick in die ebenfalls Großstadt Wien genügt. Dort werden Kinder und Behinderte nicht diskriminiert ... die Eintritte errechnen sich hier wie folgt: 3 Euro Erwachsene, 2 Euro Ermäßigte, 1 Euro Kinder. Das ist FAIR, weil es auch dort Zeitfenster gibt. Die Kasse geht durch die runden Beträge schnell und Menschen, die kein Internet(banking)haben, werden nicht ausgeschlossen. Warteschlangen bilden sich auch bei Onlinetickets, das sieht man, wenn man an Zoo und Tierpark vorbei kommt. Und ob schwimmen ohne vorheriges Duschen noch schön ist ... bbbbääähhhh ... ich weiß nicht. Liebe Pächter macht euch stark für andere faire Bedingungen! Wir wollen euch auch im nächsten Jahr noch besuchen!!! Vielen Dank, dass Ihr trotzdem öffnet, zusammen schaffen wir das. :-)

  15. 2.

    Ehrlich gesagt werde und würde ich bei solchen Auflagen überhaupt nicht schwimmen gehen. Die ganzen Auflagen wo keiner mehr durchblickt , nicht mal das Ordnungsamt, sind meiner Meinung völlig rechtswiedrig.
    Wie soll so etwas gehen. Nach einer bestimmten Zeit soll man wieder raus aus dem Wasser.
    Den Menschen die nun entlich wieder raus wollen werden durch solche Massnahmen vergrault Geld aus zu geben, da fährt mal lieber nach Holland.
    Auf der einen Seite braucht der Senat Geld und auf der anderen Seite wird alles getan das man keine Lust hat Geld aus zu geben.

  16. 1.

    Da die Schulen und Kitas ja mehr oder weniger immer noch dicht sind, haben die Kinder wenigsten die Zeit sich im Schwimmbad zu treffen. Da kann das Coronavirus auch mal Pause mache. Das Thema Bildung und Erziehung sind sowieso viel zu anstrengend (und zu gefährlich für die Gesellschaft natürlich!!) Ja, dieser Beitrag ist Sarkastisch gemeint.

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