Archivbild: In dem 1906 gebauten Gebäude in der Kreuzberger Fontanepromenade 15 war während des Dritten Reiches die vom Berliner Arbeitsamt eingerichte Zentrale Dienststelle für Juden, die Zwangsarbeiter an 260 Betriebe vermittelte. 26 000 Juden mußten sich dort melden. Seit Anfang der 1950 hat eine Mormonengemeinde das Gebäude für Gottesdienste genutzt. Vor dem Gebäude weist eine Stele auf die Geschichte des Gebäudes im Dritten Reich hin. (Quelle: imago images)
Bild: imago images

Staatsschutz ermittelt - Steine auf früheres Berliner NS-Zwangsarbeitsamt geworfen

Ein 27-Jähriger hat in der Nacht auf Donnerstag mit mehreren Steinen Fensterscheiben eines Gebäudes in der Fontanepromenade in Berlin-Kreuzberg eingeworfen. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, handelt es sich um das ehemalige "Berliner Zwangsarbeitsamt für Juden". Eine entsprechende Gedenktafel sei gut sichtbar am Gebäude mit der Hausnummer 15 angebracht.

Täter stand offenbar unter Medikamenten

Zwei Zeugen hatten gegen 2.30 Uhr beobachtet, wieder der Mann Pflastersteine aufsammelte, gegen die Fensterscheiben warf und dann auf einem Fahrrad davonfuhr. Polizisten stellten den 27-jährigen Steinewerfer in der Nähe des Tatorts.

Die Beamten vermuteten, dass er unter Medikamenteneinfluss stand und veranlassten einen Bluttest. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Zwischen 1938 und 1945 befand sich in der Fontanepromenade 15 die "Zentrale Dienststelle für Juden" des Berliner Arbeitsamtes. Etwa 26.000 Berliner Juden wurden von hier aus in Berliner Betriebe zur Zwangsarbeit genötigt. Der geschlossene Arbeitseinsatz der Berliner Juden endete Ende Februar 1943 mit der "Fabrik-Aktion", einer Razzia an den Orten der Zwangsarbeit, die zur Deportation von 11.000 Zwangsarbeitern und tausenden anderer Berliner Juden in die Vernichtungslager führte.

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