Ein Mann steht mit seinen Bollerwagen auf einem Weg. (Quelle: dpa/Ina Fassbender)
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Audio: Antenne Brandenburg | 21.05.2020 | Ulrike Bieritz | Bild: dpa/Ina Fassbender

Himmelfahrt und Herrentag - Was Bibel und Bollerwagen miteinander zu tun haben

Für die einen ist Himmelfahrt, für andere Vatertag und so fragt sich dann doch mancher, was eigentlich beide Tage miteinander zu tun haben. Eine Betrachtung zum Feiertag von Ulrike Bieritz.

Abstandsregeln und Bollerwagen passen irgendwie nicht so richtig zusammen. Und so wird, wie so vieles derzeit, auch dieser Feiertag anders gestaltet werden als in den vergangenen Jahren. Es ist Vatertag und Vater bleibt zu Hause? Eine ganz neue Variante.

Der Vatertag oder Herrentag wurde, wie auch Halloween und Valentinstag, in den USA von einer Frau erfunden. Für den Handel ist er, neben diesen beiden und dem Muttertag einer der umsatzstärksten Tage. "Vater sein ist vielfach Plag, drum leb er hoch der Vatertag“, dichtete der Werbechef eines österreichischen Hemdenproduzenten in den 1950er Jahren und gehörte damit zu den Wegbereitern dieses Feiertags hier in Europa – auch um den Muttertag etwas entgegenzusetzen.

In anderen Ländern, wie Frankreich oder den Niederlanden, bekommen Männer – vielmehr Väter – heute Geschenke. In unserer Region ist das Geschenk, dass der Mann mal so richtig über die Stränge schlagen kann.

Für Christen ist 40 Tage nach Ostern Himmelfahrt. In den ersten Jahrhunderten war die Feier noch mit Pfingsten verbunden. Seit dem 4. Jahrhundert ist es ein eigenes Fest, an dem Christen an die sogenannte Aufhebung Jesu in den Himmel erinnern. Komplizierte Geschichte, weil es auch hier nicht so sehr um eine historische Tatsache, sondern um eine Glaubenssache geht. In der Bibel wird im Lukas Evangelium und in der Apostelgeschichte das Geschehen folgendermaßen beschrieben: Nach seiner Auferstehung ist Jesus noch eine Weile unterwegs gewesen, er hat sich 40 Tage lang seinen Anhängern und anderen Menschen gezeigt, mit seinen Jüngern gesprochen – und wurde dann – Zitat "vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm in auf und entzog ihn ihren Blicken".

Weg war er, aufgefahren in den Himmel, wie es im Glaubensbekenntnis heißt, das jeden Sonntag im Gottesdienst gebetet wird. Und weiter: Er sitzt zur Rechten Gottes. Das ist das Entscheidende, denn gemeint ist: aus dem Menschen Jesus, der als Botschafter Gottes auf der Erde unterwegs war, wurde nun der Botschafter der Menschen bei Gott. Das ist das Positive an diesem Feiertag – er weist nach vorne, in die Zukunft. Denn der Himmel ist kein geographischer Ort, sondern der Herrschaftsbereich Gottes und dort ist Jesus eben nun.

Dem Himmel ein Stück näher

Der Himmel ist immer auch ein Sehnsuchtsort, der oft besungen wird. Bryan Adams besingt den "Heaven", Led Zeppelin die "Stairway to heaven" und Bob Dylan klopft schon mal an die Himmelspforte "Knockin‘ on Heavens Door", um nur ein paar berühmte Beispiele zu nennen. Nicht zu vergessen Queens "Heaven for everyone" und Eric Claptons Hit "Tears in Heaven". Irgendwie wollen wir alle immer auch ein Stück vom Himmel haben.

Es gibt übrigens eine Verbindung zwischen Vatertag und Himmelfahrt. Traditionell finden die Gottesdienste unter freiem Himmel statt und dazu haben die Kirchen gerade dieser Tage auch aufgerufen – draußen sind die strengen Corona-Regeln leichter einzuhalten. In manchen Regionen gibt es Prozessionen, um für eine gute Ernte zu bitten, die allerdings fallen aus. Bollerwagen, Kutschfahrten oder Radtouren sind quasi die Überbleibsel dieser Tradition.

Ein Stück vom Himmel – das hätten wir allerdings alle wohl gerne – gerade in diesen Zeiten. Mancher, der heute unterwegs ist, kommt dem vielleicht ein Stück näher.

Sendung: Antenne Brandenburg, 21.05.2020, 13:04 Uhr

Beitrag von Ulrike Bieritz

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6 Kommentare

  1. 6.

    Charly:
    "Mal ganz ehrlich: Auch als Atheisten sollten wir über die kirchlichen Feiertage im Kalenderjahr froh sein. Sonst wäre Ebbe im Kalender. Sogar in der ehemaligen DDR ( für die ehemaligem Wessis = Ost Zone) wurde an diesen Feiertagen nicht gerüttelt.
    Da gäbe es auch keine Bollerwagen oder Pferdekutschen mit alkoholhaltigen Getränken."

    Aber wo wäre denn das Problem, christliche durch atheistische oder agnostische Feiertage zu ersetzen? Dann heißt es eben nicht mehr "Ostern", sondern "Hasenfest". Und für die Bürger bleibt alles beim Alten. Ich brauche jedenfalls keine kirchlichen Feiertage, wenn ich stattdessen atheistische oder agnostische Feiertage habe.

    Und atheistische Feiertage haben dann den Vorteil, dass die Christen-Fundis nicht mehr den Atheisten vorschreiben dürfen, was sie an diesem Tag zu tun und zu lassen haben. Ich meine z.B. das karfreitägliche Verbot unchristlicher Veranstaltungen bei manchen Eingeborenenstämmen in Deutschland, zum Glück nicht in Berlin.

  2. 5.

    Mal ganz ehrlich: Auch als Atheisten sollten wir über die kirchlichen Feiertage im Kalenderjahr froh sein. Sonst wäre Ebbe im Kalender. Sogar in der ehemaligen DDR ( für die ehemaligem Wessis = Ost Zone) wurde an diesen Feiertagen nicht gerüttelt.
    Da gäbe es auch keine Bollerwagen oder Pferdekutschen mit alkoholhaltigen Getränken.

  3. 4.

    "In einem Bericht wird berichtet,..." schreiben Sie.
    Allerdings kann man einem Bericht Glauben schenken - oder auch nicht. Es könnte vielleicht jemand einen Bericht für eine Legende halten. Muss jeder selbst entscheiden.

    Der Verfasser der Apostelgeschichte sieht für mein Textverständnis sein Werk als Bericht. Denn er schreibt in Apostelgeschichte 1 Vers 1:
    Den ersten BERICHT habe ich verfasst, Theophilus, vor allem, was Jesus angefangen hat zu tun und auch zu lehren, ...
    Das Lukas-Evangelium ist sein erster Bericht und die Apostelgeschichte sein zweiter Bericht.

  4. 3.

    "Komplizierte Geschichte, weil es auch hier nicht so sehr um eine historische Tatsache, sondern um eine Glaubenssache geht." Bravo... Sehr gut geschlussfolgert Frau Bieritz. Bei Religion geht es um den Glauben, nicht um Historie. Oh man.... Oder wollten Sie hier mal nur einen Kalauer raushauen?Lesen Sie eigentlich die Sachen nochmal bevor sie veröffentlicht werden? In einem Bericht wird berichtet, im Glaube wird geglaubt... Ich komme aus dem Lachen nicht mehr heraus. Dieses Niveau ..

  5. 2.

    Der Bollerwagen ist Vermittler zwischen Bibel und Ballermann.

  6. 1.

    Nicht ganz ernst gemeint, sie fangen beide mit "B" an.

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