Der Wittstocker Unternehmer Maik Koch arbeitet an einer App für Sehbehinderte (Quelle: rbb/Jörn Pissowotzki)
Audio: Antenne Brandenburg | Jörn Pissowotzki | Bild: rbb/Jörn Pissowotzki

Wittstocker Pilotprojekt für Sehbehinderte - Wenn das Smartphone mit der Ampel kommuniziert

Ein App-Entwickler treibt in Wittstock ein Pilotprojekt voran, das Sehbehinderten und Blinden dabei helfen soll, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Der Standort für eine per App kommunizierende Test-Ampel ist bereits gefunden. Von Jörn Pissowotzki

Im Zusammenhang mit der Landesgartenschau hatte Maik Koch vor über einem Jahr eine App entwickelt: Kochs Firma Ygo stand für WLAN-Hotspots und die dazugehörige App, über die es möglich war, an mehreren Punkten in Wittstock freies Internet zu bekommen.

Doch die Anwendung konnte schon damals mehr: Sie war mit einem Signal ausgestattet, das allzu vertiefte Internetsurfer vor einem herannahenden Bus warnte. In Wittstock wurden 19 Busse mit einem Sensor ausgerüstet. Nähert sich beispielsweise ein eifriger WhatsApper einer Straße, während von links der Bus kommt, bekommt er ein Warnsignal aufs Handy.

Sehbehinderte werden durch ein fühlbares Signal vor der roten Ampel gewarnt (Quelle: rbb/Jörn Pissowotzki)
Bild: rbb/Jörn Pissowotzki

Eine speziell ausgestattete Ampel

Zusammen mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Brandenburg und dem Landesbetrieb für Straßenwesen kam dem Wittstocker nun der Gedanke, seine App zu überarbeiten, und gemeinsam haben sie ein in Brandenburg einmaliges Pilotprojekt gestartet. An der Perleberger Straße in der Nähe eines Supermarktes wird der Landesbetrieb eine Ampel aufbauen, und Kochs Firma sie so ausstatten, dass sie mit einer App kommunizieren und einem Sehbehinderten per Smartphone ein Signal geben kann, ob die Ampel auf Rot oder Grün steht.

Bereits vorab soll die Anwendung dem Nutzer genau sagt, wie weit die Ampel entfernt ist, und am Ziel gibt es dann ein hörbares und ein fühlbares Signal, wenn die Straße frei ist.

Signal aus der Hosentasche

Marcus Schumacher ist Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Prignitz. Ihm ist wichtig, dass er über die Straße geführt wird, ohne dass er das Smartphone in die Hand nehmen muss. "Wenn man das Handy wirklich in der Hosentasche lassen kann, und die App mich darauf hinweist: 'Da ist eine Ampel in der Nähe!'" Genau das hat Maik Koch ihm zugesagt.

Nach dem Test Entscheidung über weitere Standorte

Schumacher berichtet, dass Verbandsmitglieder häufig darüber klagen, wenn akustische Signale an Ampeln ausgeschaltet sind, weil sich Anwohner gestört fühlen oder sie defekt sind.

Die sehbehinderte Andrea Karnowski ist viel in Wittenberge unterwegs. Sie orientiert sich auf ihrem Weg durch die Stadt an den vorbeifahrenden Autos. Manchmal stehe sie dann an einer Ampel, es komme kein Auto, aber die Ampel gebe kein Signal. Dann ist sie unsicher, ob sie rübergehen kann. Die App würde ihr helfen.

Der Landesbetrieb für Straßenwesen entscheidet darüber, ob es in Zukunft weitere speziell ausgestattete Ampeln geben wird. Betriebssprecher Steffen Streu sagte dem rbb, dass zunächst eine Auswertung der Ampel in der Perleberger Straße geplant sei.

Noch steht sie aber nicht. Im Spätsommer soll sie eingeweiht werden.

Um seine App zu entwickeln, sammelt Maik Koch derzeit Geld über das Crowdfunding-Portal Startnext. Und Andrea Karnowski hätte da schon eine Idee für eine weitere App: Fußgängerüberwege ohne Ampel seien für Sehbehinderte ein großes Problem. Mal würden die Autos halten, mal nicht.

Beitrag von Jörn Pissowotzki

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3 Kommentare

  1. 3.

    Smartphones haben im Betriebssystem enthaltene Sprachausgaben für Blinde. Bei iOS VoiceOver, bei Android TalkBack. Sie geben nicht nur den Bildschirminhalt in Sprache aus, sondern sind mit einem für Blinde optimierten Bedienkonzept verbunden. Für uns Blinde ist das Smartphone daher ein wichtiges Hilfsmittel, da wir z.B. Navigations-Apps nutzen können, um unabhängig durch die Stadt zu laufen.

  2. 1.

    Ohne Vorurteile; ein/e Blinde/r mit einem Smartphone? Wie soll das gehen??????

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