Archivbild: Radfahrer nehmen an der Fahrrad-Sternfahrt teil. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Audio: Radioeins | 02.06.2020 | Gespräch mit Henrik Barth | Bild: dpa

Alljährliches Protestradeln in Berlin - Die Sternfahrt wird zum digitalen Fahrradstern

Viele Dinge laufen wegen der Corona-Pandemie anders als gewöhnlich. Dazu gehört auch die jährliche Fahrradsternfahrt des ADFC Berlin. In diesem Jahr werden die Radfahrenden nicht die Stadt fluten, sondern sich schlicht digital sichtbar machen. Vor Ort und in echt.

Eigentlich ist die sommerliche Fahrradsternfahrt das Berliner Rad-Ereignis des Jahres. 2019 radelten zehntausende Menschen sternförmig über die Avus und die anderen großen Zufahrtstraßen zur Siegessäule nach Berlin-Mitte, um für "Mehr Platz fürs Rad!" zu demonstrieren.

Doch in Corona-Zeiten muss die Sternfahrt wegen der Infektionsgefahr ausfallen. Stattdessen lädt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) am kommenden Sonntag, 7. Juni, zu einem digitalen Fahrradstern.

Corona-bedingte Teilnehmerbegrenzungen für Demonstrationen gibt es in Berlin seit dieser Woche nicht mehr. Trotzdem bleibt man beim ADFC bei der Idee des Fahrradsterns. Denn wenn viele tausend Radfahrende zusammenkämen, würde es vermutlich doch an vielen Stellen zu eng, meint Radioeins-Fahrrad-Experte Henrik Barth. Dann könne der ADFC als Veranstalter den nötigen Sicherheitsabstand nicht gewährleisten.

Standort-Punkt muss vorab im Netz gebucht werden

Teilnehmende können vorab über die Homepage des ADFC-Berlin [adfc-berlin.de] einen Standort-Punkt buchen, an dem sie am 7. Juni stehen möchten. Die einzelnen Abschnitte, auf denen die Punkte liegen, liegen alle entlang der großen Straßen, die sternförmig von der Siegessäule wegführen. Wer sich einbucht, bekommt zur Bestätigung eine Mail mit den genauen Koordinaten. Die seien leicht verständlich, versichert der ADFC.

Auf der Anmeldeseite ist bereits ein grünes "Sterngebilde" zu sehen. Mehrere der insgesamt zwölf Strahlen sind schon ausgebucht. Damit der Stern am Sonntag virtuell sichtbar wird, ist die kostenlose App "Criticalmaps" von Bedeutung. Von den Mitfahrenden heruntergeladen und aktiviert, zeigt diese App, wo (weltweit) gerade Menschen auf dem Rad unterwegs sind. Sie wird alle Teilnehmenden am Sonntag sichtbar machen, indem sie deren Standort anzeigt. Die einzelnen Abschnitte sind dabei "in echt" etwa hundert Meter voneinander entfernt.

Eine App für das Gemeinschafsgefühl

Die App soll für das Community-Feeling sorgen. "Wenn man schon nicht Seite an Seite gemeinsam auf der Autobahn radeln kann, ist es ziemlich eindrucksvoll, wenn man die anderen wenigstens digital sieht", sagt Lisa Feitsch vom ADFC Berlin dem rbb. So solle trotzdem das Gefühl entstehen, mit vielen anderen gemeinsam für mehr Platz für Fahrräder auf der Straße unterwegs zu sein.

Wichtig, so Fahrrad-Experte Barth, sei, mit voll aufgeladenem Handy-Akku loszufahren und dafür zu sorgen, dass die App aktiviert sei. Außerdem sei zu bedenken, dass der Autoverkehr an diesem Tag, anders als zur üblichen Fahrradsternfahrt, regulär unterwegs sein wird. Üblicherweise kommt es in Berlin und Brandenburg wegen der ADFC-Sternfahrt zu umfangreichen Straßensperrungen für alle Verkehrsteilnehmenden.

Die Sternfahrt gibt es bereits seit 1977, sie hat seit Jahren immer mehr Zulauf. Der ADFC fordert mit der Aktion eine Umverteilung von Flächen im Straßenland zu Gunsten des Radverkehrs.

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9 Kommentare

  1. 9.

    Christian hat recht. Vor dem Genderwahn war „Radfahrer“ im allgemeinen Zusammenhang automatisch für alle Geschlechter gültig. Dies ist in der Sprachwissenschaft das so genannte generische Maskulinum, was geschlechtsneutral ist. Sprachwissenschaftler raufen sich die Haare und das Ausland schüttelt über unsere angebliche Gendergerechtigkeit den Kopf.

  2. 8.

    @Maik, „Radfahrende“ ist eine geschlechtsneutrale Option, die in Zeiten des Genderwahn in unserer Sprache häufig gebraucht wird. Alternativ wäre noch „Radfahrer*innen“ gegangen. Beim Sprechen ist das für mich aber eine Qual ständig mitten im Wort zu unterbrechen. Leider sind im Deutschen „Geschlechter“ von Substantiven direkt erkennbar und werden als solche interpretiert. Mir wäre es auch lieber, wenn „Radfahrer“ im allgemeinen Zusammenhang automatisch für alle Geschlechter stünde. Das würde vieles vereinfachen. Im Englischen ist das einfacher.

  3. 6.

    Lieber rbb! Das Wort heisst “Radfahrer”, “Radfahrende” ist ein substantiviertes Verb (Gerundium) und in diesem Zusammenhang grammatisch falsch.

  4. 5.

    Wie absurd. Beim Fahrradfahren ist das Infektionsrisiko gleich Null. An der freien Luft und mit zwangsläufigem Abstand. Ich werde jedenfalls mitfahren. Es gibt nämlich noch andere Probleme, z.B. die nicht existente Verkehrswende, auf die man massiv aufmerksam machen muss!

  5. 4.

    Sehr geehrte Rosi , vielleicht den Text mal genau lesen ??!!!

    Doch in Corona-Zeiten muss die Sternfahrt wegen der Infektionsgefahr ausfallen. Stattdessen lädt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) am kommenden Sonntag, 7. Juni, zu einem digitalen Fahrradstern.

  6. 3.

    Wie schön. Ein Kropf weniger.

  7. 1.

    Unnütze Veranstaltung in Zeiten von Corona, besonders wenn die Menschenmassen sich am Brandenburger Tor treffen.Da müsste auch jeder Teilnehmer seine Adresse hinterlegen, wie beim Restaurantbesuch und danach wird wieder über die hohen Fall zahlen geheult. Ein ach lächerlich dieser Senat.

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