Symbolbild: Einsatzkräfte der Feuerwehr sind auf der Flohrstraße im Stadtteil Tegel zu sehen. (Quelle: dpa/P. Zinken)
Video: Abendschau | 22.06.2020 | Kerstin Breinig | Gespräch mit Karsten Homrighausen | Bild: dpa/P. Zinken

Jahresbericht 2019 - Berliner Feuerwehr beklagt 211 Angriffe bei Einsätzen

Mehr Einsätze, aber nur ein Bruchteil davon wegen Bränden - die Berliner Feuerwehr hat ihren aktuellen Jahresbericht vorgestellt. Erstmals wurden auch systematisch Angriffe gegen Einsatzkräfte aufgeschlüsselt.

Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr sind im Jahr 2019 mehr als 200 mal angegriffen und verletzt worden. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht [berliner-feuerwehr.de] hervor, den Landesbranddirektor Karsten Homrighausen und Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Montag
vorgestellt haben.

Demnach gab es im vergangenen Jahr 211 Übergriffe auf haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter der Berliner Feuerwehr, dabei wurden 35 Feuerwehrleute verletzt. 2019 sei zum ersten Mal eine derartige Statistik geführt worden, sagte Homrighausen.

Allein in der Silvesternacht 2018/2019 gab es laut Jahresbericht 23 Angriffe gegen Feuerwehrkräfte. Als mögliche Gründe nannte Homrighausen eine Enthemmung etwa durch Alkohol und die Anonymität der Großstadt.

Künftig sind Bodycams dabei

Aus den 211 Übergriffen gingen laut der Statistik 100 Strafanzeigen bei der Polizei hervor. Bislang gebe es dazu 15 bis 20 konkrete juristische Verfahren, so Homrighausen. "Es kann nicht sein, dass wir bespuckt, beleidigt und bedroht werden", kommentierte er diese Entwicklung. Um solche Situationen zu dokumentieren, dürfen Polizeibeamte, Feuerwehrleute und Sanitäter in Berlin in Zukunft Bodycams tragen. Benjamin Jendro, Pressesprecher der Gewerkschaft der Polizei, nennt diesen Schritt "längst überfällig".

Innensenator Geisel sagte, Angriffe auf Einsatzkräfte seien "in keinster Weise zu entschuldigen". "Wer Retter angreift, verspielt jegliches Verständnis meinerseits. Ich wünsche mir, dass Sie immer gesund auf Ihre Wachen zurückkehren und die Anerkennung und den Respekt erhalten, der Ihnen gebührt", teilte er am Montag auf Twitter mit.

Höhepunkt war der Stromausfall in Köpenick

Die Zahl der Krankenwagenfahrten, Rettungs- und Löscheinsätze der Berliner Feuerwehr ist derweil weiter gestiegen. Insgesamt waren es im vergangenen Jahr 478.281 Einsätze, rund 14.000 oder 3 Prozent mehr als im Vorjahr. Nur bei einem Bruchteil der Alarmierungen ging es um Brände (6.688). Die meisten Einsätze wurden absolviert wegen verletzter Menschen durch Unfälle oder sonstiger Krankheitsfälle, zu denen Sanitäter und Notärzte fahren.

Ein besonderes Augenmerk legt der Jahresbericht der Feuerwehr auf den Stromausfall im Februar 2019 in Berlin-Köpenick. 30.000 Menschen, 2.000 Gewerbebetriebe und zahlreiche Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäuser waren ab den 19. Februar ohne Strom. Erst am Abend des 20. Februar konnte die Stromversorgung wiederhergestellt werden. An den Einsätzen zur Bewältigung des Stromausfalls waren 700 Kräfte der Berliner Feuerwehr beteiligt. "Der Einsatz wurde von den Einsatzkräften und Fachdiensten professionell und gut gemeistert. Dennoch gibt es Verbesserungspotenzial und wir müssen uns noch intensiver vorbereiten", heißt es im Fazit des Jahresberichts.

Viele Einsätze nicht nötig

Seit 2009 steigen die Einsatzzahlen bei der Feuerwehr Jahr für Jahr an. Vor allem, weil die Stadt wächst und immer häufiger Sanitäter und Notärzte gerufen werden. Viele dieser Einsätze sind nach der langjährigen Einschätzung der Feuerwehr aber nicht nötig, weil es sich um leichte Verletzungen oder Krankheiten handelt. Damit könnten die Menschen etwa am Wochenende auch zu einem Bereitschaftsarzt gehen, statt sich von den Rettungswagen der Feuerwehr ins Krankenhaus fahren zu lassen.

Solche überflüssigen Einsätze schmälerten die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr, kritisiert Benjamin Jendro, Pressesprecher der Gewerkschaft der Polizei. Er ruft die Bevölkerung auf, solche Notrufe zu unterlassen: "Wir helfen gern, wenn jemand in Not ist und Hilfe braucht, aber nicht, wenn die Milch im Kühlschrank sauer geworden ist."

Sendung: Inforadio, 22.06.2020, 11:20 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

16 Kommentare

  1. 16.

    Keine Ahnung ob die AFD die richtige Partei dafür ist, aber wir brauchen jemanden der sich traut dagegen vorzugehen.

  2. 14.

    "Bei Angriffen gegen Polizeibeamte und auch Rettungskräfte,dürfte die Anwendung von Bewährungsstrafen nicht stattfinden." Gilt das nicht für alle Angriffe auf jegliche Menschen? Aber solange es für Kinderschänder Bewährung gibt und die Justizministerin nicht gewillt ist, daran etwas zu ändern und auch nicht auf Terminwünsche reagiert, wird sich wohl auch für Polizei und Rettungskräfte nichts ändern!

  3. 13.

    Ja, sie könnten theoretisch auch auf den Bereitschaftsarzt warten, aber da wurden sie vorher schon abgewimmelt.
    Die Kette: Der niedergelassene Arzt hat keine Termine frei und keine Akutsprechstunde. Der Bereitschaftsarzt ist überlastet. Bei allen heißt es: entweder rufste den Notarzt oder lebst ohne ärztliche Versorgung.
    Im Neoliberalismus werden selbst schlimme Krankheiten zu Bagatellkrankheiten.

  4. 12.

    @truri nun verbreiten sie mal keine Fake News. Ich bin ein alter Ossi....und NIEMAND hat es gewagt auf Polizei oder Feuerwehr einzuschlagen oder mit Feuerwerk zu schmeißen. Im Osten gab es noch richtige Strafen.

  5. 11.

    Der Elefant stand auch schon vor 40 Jahren in der „ausländerfreien“ DDR im Raum: Macker, die im Suff durchdrehen und sich in der Menge stark fühlen. Damals wurde bloß nicht in der Zeitung darüber berichtet, wenn Silvesterraketen auf Feuerwehr und Krankenwagen abgeschossen wurden.

    Also packen Sie Ihren Elefanten mal schön wieder ein.

  6. 10.

    Strafen für bereits begangene Taten gegenüber den Hilfskräften ist eine Sache. Mich interessiert tatsächlich, warum Menschen so werden. Wo ist was schiefgelaufen? Warum haben diese Menschen kein Verständnis für die heikle Arbeit der diversen Rettungsdienste? Mir ist klar, dass nicht jeder empathisch ist, aber wo es geht versuche ich zumindest schlichtend einzugreifen, auch wenn ich die Personen nicht kenne. Immer mit gutem Beispiel voran.

  7. 9.

    So lange Straftäter in diesem Land grinsend eine Polizeiwache oder ein Gericht verlassen, läuft etwas schief. Es braucht auch keine härteren Gesetze, die Ausschöpfung des möglichen Strafrahmens würde schon reichen. Alle Einsatzkräfte brauchen den Rückhalt des Dienstherrn. Den verantwortlichen Politikern müsste die Schamesröte wegen Untätigkeit im Gesicht stehen.

  8. 8.

    Angriffe auf Polizei und Rettungskräfte müssten viel härter bestraft werden! Aber was will man von Kriminellen erwarten wenn die eigene Landesregierung nicht hinter Ihrer Polizei steht und die TAZ unsere Polizei auf dem Müll entsorgen will! Wem haben wir hier unsere Stadt anvertraut und welcher Geist äußert sich in unserer Presse! Wenn der Staat sich nicht mehr gegen solche brutalen Verbrecher durchsetzten kann...Wo soll das hinführen?

  9. 7.

    Ein großer Dank!!! an alle die trotz dieser Idioten ihren Dienst machen.
    Nur der Dank reicht nicht, wann greift die Justiz durch?
    Auch Richter können in die Lage kommen Hilfe zu benötigen.

  10. 6.

    22000 Angriffe auf Rettungspersonal in 2019 in Deutschland.
    Haben die Täter nur Grütze im Kopf?
    Minimum 5 Jahre Knast für die die erwischt werden, das spricht sich schnell rum.
    Wenn nicht bald hart durchgegriffen wird wird es nur schlimmer.

  11. 5.

    "Als mögliche Gründe nannte Homrighausen eine Enthemmung etwa durch Alkohol und die Anonymität der Großstadt." Und auch hier steht wieder ein riesiger rosa Elefent im Raum. Bloß nicht beim Namen nennen. Immer schön drumherumlavieren.

  12. 4.

    Jährlich steigen die Alarme und der Nachwuchs fehlt. Somit steigt die Belastung und der Krankenstand steigt. Aber außer warme Worte kommt nichts von der Politik, dabei hat sie uns kaputt gespart. Die Tonne ist aus und was hat sich geändert?
    Und Übergriffe sind die Folge der RRG Politik, den jeder kann ohne Konsequenzen machen was er will.
    Dankes Worte passen nicht mehr in meinen Keller, ich will Tatsachen mal erleben.

  13. 3.

    Ich höre die Politiker immer sagen, dass der Staat durchgreifen und die Täter bestrafen wird.Dazu muss man erst einmal "alle" Täter haben.Die Angriffe auf die Polizei liegt darin begründet,dass die Beamten keinen Rückhalt bei Staat und vor allem der Justiz haben.Bei Angriffen gegen Polizeibeamte und auch Rettungskräfte,dürfte die Anwendung von Bewährungsstrafen nicht stattfinden.
    Anstatt Rückhalt zu geben,wird die "gesammte" Polizei,wegen einer Gruppe von Beamten mit rechtem Gedankengut,an den Pranger gestellt.Da muss man sich nicht wundern,wenn die Bürger keinen Respekt vor Polizeibeamte und Rettungskräfte haben.Wenn die Politik und vor allem die Justiz nicht schnell,zum Schutz von Ordnungshütern und Rettungskräften,etwas verschärfendes unternimmt,droht ein fortführen der Angriffe gegen Ordnungskräfte etc.Also liebe Richter seid endlich konsequent und hart,ihr habt auch eine gesellschaftliche Verantwortung.

  14. 2.

    Seien wir doch mal ehrlich. Jeglicher Respekt ist verlogen gegangen und außer einem erhobenen Zeigefinger passiert doch eh nichts. Im Gegenteil, greift man durch ist das Rassismus oder sowas. Traurig, aber wahr.

  15. 1.

    Unsere Gesellschaft,bzw. Teile davon verrohen immer mehr,sind aggressiv und gewalttätig, sowohl gegen Einsatzkräfte ,wie auch gegen Polizisten. Das geht gar nicht und muss entsprechend geahndet werden,wenn es schon im Vorfeld nicht verhindert werden kann. Wann statten alle Bundesländer ihre Polizisten/ innen alle mit Bodycams aus? Was gar nicht geht,sieht mann gerade in Stuttgart und Göttingen. Da filmen Beteiligte Randalierer und Gaffer mit den Handy und stellen diese Vidios in die sozialen Netzwerke. Wieso die eigentlich noch so bezeichnet werden,frage ich mich schon länger. Alle sollten auch ihre Wortwahl in den Diskussionen,denn dieses " Bullenbashing" kommt auch nicht einfach so.

Das könnte Sie auch interessieren