21.03.2020, Berlin: Eine Reisende sitzt mit Mundschutz am Flughafen Tegel und wartet. Der Senat kündigt weitere Maßnahmen an, um die Ausbreitung des Corona-Virus in Berlin zu stoppen. (dpa/Zinken)
Audio: Inforadio | 24.06.2020 | Jenny Barke | Bild: dpa/Zinken

Reisewarnungen und Risikogebiete - Was Berliner und Brandenburger Flugreisende wissen müssen

Pünktlich zu den Sommerferien kann auch wieder "gelockert" in ferne Urlaubsländer geflogen werden. Doch Obacht: Sowohl bei der Einreise in sowie der Rückreise aus bestimmten Gebieten droht eine 14-tägige Quarantäne. Ein Überblick, was Sie wo beachten müssen.

Wohin kann ich wieder frei reisen?

In den meisten europäischen Ländern gilt wieder die Reisefreiheit. Die Bundesregierung hat Mitte Juni die Reisewarnung für 27 europäische Länder aufgehoben. Allerdings hängt es auch von den Regelungen der Urlaubsländer ab, ob der Sommerurlaub wieder stattfinden kann. Einen Überblick darüber hat das Auswärtige Amt [auswaertiges-amt.de] zusammengefasst.

Für Norwegen und Finnland bleibt es noch bei der Reisewarnung bei der Einreise. Viel Zeit für den Urlaub sollte in Großbritannien, Irland und Malta eingeplant werden: Hier droht eine zweiwöchige Quarantäne bei der Einreise.

Was ist der Unterschied zwischen Reisewarnungen und Risikogebieten?

Reisewarnungen enthalten den dringenden Appell des Auswärtigen Amts, Reisen in ein Land oder in eine Region zu unterlassen, da Gefahr für Leib und Leben droht. In diesem Fall können Urlauber ihre Buchung bei einem deutschen Anbieter stornieren.

Neben der Liste mit den Reisewarnungen des Auswärtigen Amts gibt es noch eine zweite Liste mit sogenannten Risikogebieten. Sie verzeichnet Regionen in der Welt, in denen entweder ein erhöhtes Risiko besteht, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, oder in denen die Fallzahlen zwar niedrig sind, es aber zu wenige Testkapazitäten oder etwa unzureichende Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung gibt.

Die beiden Einstufungen sind nicht automatisch miteinander verknüpft. Als Risikogebiet können auch nur Teile eines Landes gelten. Und: Wer aus einem solchen Risikogebiet zurück nach Deutschland kommt, riskiert hier in Berlin und Brandenburg eine zweiwöchige Quarantäne.

Wem droht bei Rückflug Quarantäne?

Auf der Webseite des Bundesinnenministeriums [bmi.bund] heißt es, dass die 14-tägige Quarantänepflicht für "Personen, die aus einem Risikogebiet in die Bundesrepublik Deutschland einreisen" gelte. Eine entsprechende Einstufung, was als Risikogebiet gilt, nimmt das Robert-Koch-Institut (RKI) vor - und hat eine Liste aller weltweiten Risikogebiete angelegt [rki.de]. Ob und wie diese Quarantänepflicht umgesetzt wird, ist Ländersache.

So müssen sich alle Reisenden in die Quarantäne begeben, die zum Beispiel aus Teilen der USA, Schweden, Ägypten und der Türkei einreisen.

Wie wird die Quarantänepflicht in Tegel und Schönefeld umgesetzt?

Sowohl Berlin als auch Brandenburg folgt den Anordnungen des Bundesinnenministeriums am Flughafen Tegel sowie Schönefeld. Zuständig ist das Gesundheitsamt von Reinickendorf für Berlin-Tegel und das Gesundheitsamt des Landkreises Dahme-Spreewald für Schönefeld.

Sie sammeln die Daten der aus Risikogebieten ankommenden Passagiere ein. Das heißt, dass die Reisenden verpflichtet sind, diese der Airline zu übergeben, mit der sie fliegen. Viele Fluggesellschaften sind dazu übergegangen, Formulare kurz vor Ankunft auszuteilen. Diese sogenannten Aussteigekarten müssen dann abgegeben werden, wenn die Fluggäste den Flieger verlassen. Die Airline übergibt die Karten an den Bodendienstleister, der sie für die Gesundheitsämter aufbewahrt.

Alle Reisenden aus Risikogebieten müssen sich selbstständig, sofort und auf direktem Wege vom Flughafen in die häusliche Quarantäne begeben.

Wie wird kontrolliert, ob die Quarantäne eingehalten wird?

Theoretisch sind die Gesundheitsämter dazu verpflichtet, stichprobenartig die Ankommenden aus Risikogebieten zu Hause zu besuchen und ihre Quarantäne zu kontrollieren. Doch für den Amtsarzt von Berlin-Reinickendorf, Lars Larscheid, eine unrealistische Vorstellung. Denn es würden bereits jetzt täglich 2.000 Passagiere in Tegel landen. Tendenz steigend. "Es ist praktisch nicht durchführbar."

Auch in Brandenburg setzt man auf die Eigenverantwortlichkeit der Fluggäste. "Wer aus einem der 119 Risikogebiete einreist, soll sich umgehend bei uns melden", sagt Astrid Schumann, Leiterin des zuständigen Gesundheitsamts Dahme-Spreewald [dahme-spreewald.info].

Was passiert mit den Daten, die ich abgebe, wenn ich aus einem Risikogebiet einreise?

Die Fluggesellschaften sind verpflichtet, die Daten 30 Tage nach Ankunft der Reisenden aufzuheben und gegebenenfalls den Gesundheitsämtern auszuhändigen. Diese arbeiten in Berlin und Brandenburg unterschiedlich: In Berlin werden sogenannten Aussteigekarten täglich vom Gesundheitsamt kontrolliert.

Das Gesundheitsamt Dahme-Spreewald holt die Daten am Flughafen Schönefeld nur ab, wenn es einen positiven Kontakt zurückverfolgen muss. Es habe auch bereits ein positiver Kontakt durch die Formulare zurückverfolgt werden können. "Da waren die Karten sehr hilfreich", sagt Amtsärztin Schumann.

Kann man sich mit einem Corona-Test bei Ankunft "freikaufen"?

Ja. Zum einen kann man mit einem ärztlichen Attest aus einem Risikogebiet einreisen, das höchstens 48 Stunden vor Abflug ausgestellt wurde. Zum anderen ist es möglich, nach Ankunft am Flughafen zu einer Teststation zu gehen. Bei negativem Testergebnis wird die Quarantäne aufgehoben.

Aktuelle Fluggastzahlen

Die Passagierzahlen an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld haben sich innerhalb der vergangenen sieben Tage mehr als verdoppelt, bleiben aber auf niedrigem Niveau. "Etwa 8.000 Fluggäste werden aktuell täglich an beiden Flughäfen abgefertigt", teilte die Betreibergesellschaft am Dienstag mit. "Der Flugverkehr steigt in den letzten Tagen erheblich, die Airlines stocken ihr Angebot deutlich auf", stellte Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup fest. "Anfang Juli wird sich das Streckenangebot noch einmal deutlich erhöhen."

Seitdem die Bundesregierung zahlreiche Reisewarnungen aufgehoben hat, können mehr als 50 Destinationen in rund 30 Ländern von Berlin aus wieder angeflogen werden. Vom Vorkrisen-Niveau ist die Hauptstadt allerdings weit entfernt: Normalerweise werden rund 100.000 Passagiere täglich in Tegel und Schönefeld abgefertigt. In der Corona-Krise war der Flugverkehr nahezu vollständig zum Erliegen gekommen.

Sendung: Inforadio, 24.06.2020, 6.00 Uhr

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14 Kommentare

  1. 13.

    Was die Presse da veröffentlicht ist leider nur 1:1 die Erklärung der Fluggesellschaften. Die man nicht wirklich als objektiv betrachten kann.
    Faktencheck:
    Auch als Vielflieger habe ich noch nie in einem Abwärts-Luftstrom gesessen, der mich in den Sitz drückt. Das wäre aber nötig, wollte man etwa beim Niesen oder laut sprechen herumströmende Virii konsequent und sicher ableiten.
    Angeblich wird die gesamte Kabinenluft innerhalb weniger Minuten einmal gefiltert. Das glaube ich gern. Schweissfußgeruch, Bier- und Knoblauchgestank in einem Ferienflieger wären sonst unerträglich. Nur: Das sind chemische Filter, die Geruchsstoffe aussondern, und in keiner Weise für Kleinstpartikel wie Viren spezifiziert - Virus-Filter bekämen im Leben nicht den Luftdurchsatz hin, den man braucht, um die ganze Kabinenluft eines A340 in wenigen (<10) Minuten durchzuleiten.

  2. 11.

    @ 9&10: Wer lesen und dass Gelesene auch zu verstehen vermag, ist klar im Vorteil und zieht keine Rückschlüsse auf Personen, die er/sie nicht persönlich kennt und daher schlichtweg nicht persönlich beurteilen kann.
    Herrlich, lesen zu dürfen, wie geurteilt wird, obwohl wider besseren Wissens ein Urteil wegen Worten gefällt wird, obgleich die Worte und deren Stellung in der Aussage nicht verstanden wurden.
    Danke für diesen Einblick in Ihre Persönlichkeit, die ich hier nicht be- geschweige denn verurteile.
    Ihre Worte spiegeln Ihre Meinung, so wie meine desgleichen, wenn auch subtiler verpackt.

  3. 10.

    Was haben Sie zu einscheiden was stumpfsinnig ist und was nicht? Laut ihrer Darlegung kennen sie die Orte nur aus dem Free-TV.

  4. 9.

    Der Vorteil im Ausland ist: Deutsche Ökos haben da nichts zu sagen, es gibt Plastiktüten, der "Klimawandel" interessiert keine Sau, und das Wetter ist besser.

  5. 8.

    Tja die Wissenschaft sucht umsonst nach Antworten: Hören Sie das Radiointerview heute morgen: rbbkultur
    Do 25.06.2020 | 09:10
    Coronavirus: Wie groß ist die Ansteckungsgefahr in Flugzeugen?
    Ein Gespräch mit Prof. Dieter Scholz von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW)
    Fast überall muss der Mindestabstand eingehalten werden, nur in Flugzeugen nicht. Das ist nur einer der Umstände, die das Fliegen in Coronazeiten alles andere als sicher machen - so jedenfalls die Einschätzung des Flugzeugbauforschers Dieter Scholz von der HAW Hamburg. Über die Ansteckungsgefahr beim Fliegen sprechen wir mit ihm auf rbbKultur.
    Jeder Mensch muß nun über sein persönliches Risiko entscheiden und er muß die anderen schützen!!!

  6. 7.

    Die Flugzeugluft soll. OP-Qualität habe und permanent ausgetauscht und gefiltert werden. Der Luftstrom erfolgt vertikal, so dass keine Verteilung der Luft durch das gesamte Flugzeug erfolgt. Das einzige Infektionsrisiko besteht durch den direkten Sitznachbarn. So wurde dies mehrfach in seriösen Medien veröffentlicht, u.a. auf tagesschau.de

    Also absolut nicht vergleichbar mit Schlachthöfen... Das Risiko ist überschaubar. Absolute Sicherheit gibt es natürlich nicht, aber wo gibt es die?

  7. 6.

    Ich stimme Ihnen vollinhaltlich zu.
    Der massenhafte(!) Flugverkehr hat den Virus SARS-CoV2 besonders effektiv und schnell über alle Kontinente verteilt.
    Vor ca. 750 Jahren dauerte es mit Yersinia Pestis aus Asien per Schiff etwas länger.
    Waren die Menschen damals weniger wissend als wir? Sind wir jetzt besser als die Menschen damals? Hat die Menschheit seither aus Fehlern gelernt, oder ist das alles einfach nur Schicksal?
    Wir sollten jetzt unsere gesamte Kraft auf die Rettung der Arbeitsplätze bei Flugbetreibern und anderen Großindustrien legen! Business as usual - Habgier und Egoismus regieren die Welt! Mit sehendem Auge in die nächste Katastrophe - die kommen wird - GANZ SICHER!

  8. 5.

    Die Klimaanlage in den Flugzeugen ist das Problem, da sich in geschlossenen Räumen die Viren auf Aerosolen verteilen...
    Es ist z. Zt. in den Ferien nicht zu verantworten eine Flugreise anzutreten. Reisende werden zum Übertragungshotspot.
    Da könnte man sich gleich in die engen Reihen der Fleischzerteiler in den Schlachterfirmen einreihen...Ansteckungsrisiko ist hoch! Der internationale Flugverkehr hat fein säuberlich das Corona Virus überall hin verteilt!

  9. 4.

    Jedes Jahr nach Malle. Wie stumpfsinnig. Bevor man nicht seine Heimat kennt, braucht man auch nicht zum Saufen oder für irgendein stupides Instagramfoto in irgendeinem Winkel der Erde die Luft zu verpesten.
    Gerade zu dieser Zeit sollten man mal mit dem Allerwertesten zuhause bleiben und die hiesige Wirtschaft stärken.

  10. 3.

    Zu einem anderen Beitrag fordern Sie auf, alle Autos zu verkaufen - jetzt das Fliegen ....
    Was bezwecken Sie damit - wohin wollen Sie mit Ihren Aussagen?

  11. 2.

    Und weiter? Wollen Sie das Fliegen komplett verbieten? Das fordert nur jemand, der sehr unrealistisch ist.

    Interessant finde ich das:
    "Die Airline übergibt die Karten an den Bodendienstleister, der sie für die Gesundheitsämter aufbewahrt."

    Durch wieviele Hände gehen meine Daten denn noch? Da kann ich sie doch gleich ans Schwarze Brett nageln.
    Die Airline hat die Karten DIREKT dem Gesundheitsamt auszuhändigen. Die haben wohl noch nie was von Datenschutz gehört.

  12. 1.

    Dass der Klimawandel durch Fliegen trotz Corona weiterhin beschleunigt wird, ist auch zu beachten.

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