Wohnhaus am Salzufer, das für ein Bordell abgerissen werden soll. (Quelle: rbb/D. Donschen)
Bild: rbb/D. Donschen

Berlin-Charlottenburg - Verwaltungsgericht weist Klagen gegen geplantes Großbordell ab

Ein Großbordell direkt neben der Mercedes-Welt am Salzufer? Das will der Eigentümer des benachbarten Grundstücks nicht hinnehmen und hat Klagen beim Verwaltungsgericht eingereicht. Die sind jetzt abgewiesen worden - auch mit Verweis auf die Kiezstruktur.

Das Berliner Verwaltungsgericht hat eine Nachbarklage gegen ein in Charlottenburg geplantes Großbordell abgewiesen. Geklagt hatte der Eigentümer des Nachbargrundstücks in der Englischen Straße unweit des Salzufers, das unter anderem an Mercedes Benz vermietet ist. Konkret klagte die Immobiliengesellschaft gegen zwei Bauvorbescheide für das Bauvorhaben.

"Bauvorbescheide sind gültig und rechtmäßig"

In der Englischen Straße 29 in Charlottenburg soll ein 130 Jahre altes ehemaliges Wohnhaus abgerissen werden. Stattdessen soll dort ein sechsstöckiges Gebäude entstehen, das mit bis zu 93 Zimmern das größte Bordell Deutschlands werden könnte.

Einer der dafür erteilten Vorbescheide sei nicht mehr gültig, hatte die Klägerin argumentiert. Zudem sei das geplante Bordell den Nachbarn gegenüber rücksichtslos. Beide Argumente wurden jetzt vom Berliner Verwaltungsgericht entkräftet. Zum einen seien die Bauvorbescheide nach wie vor gültig und rechtmäßig, heißt es in der Mitteilung des Gerichts vom Dienstag.

Großbordell erreicht nicht "Schwelle der Rücksichtslosigkeit"

Zum anderen sei das Vorhaben gegenüber der Klägerin auch nicht rücksichtlos, eine Abwertung des Bereichs zeichne sich nicht ab. In der Gerichtsentscheidung heißt es dazu weiter: "Es ist auch nicht erkennbar, dass die von dem geplanten Bordell ausgehenden Nachteile und Belästigungen, nämlich vor allem der Lärm des An- und Abfahrtverkehrs und sonstige milieubedingte Unruhe im Verhältnis zur Klägerin die Schwelle der Rücksichtslosigkeit erreichen."

Die Klägerin kann gegen das Urteil beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg in Revision gehen. 

"Wo, wenn nicht hier?"

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hatte die Vorplanung für das Großbordell mit zwei Bauvorbescheiden in den Jahren 2014 und 2015 genehmigt. Remzi Karaalp, Leiter der Stelle für Rechtsangelegenheiten des Bezirks, hatte schon bei einem Ortstermin des Verwaltungsgerichts im Februar im Gespräch mit rbb|24 die jetzige Entscheidung des Gerichts angedeutet: "Wo, wenn nicht hier, wäre ein Bordell genehmigungsfähig gewesen?" Die Gegend um das Salzufer sei ein Bereich, in den sich ein Bordell einfügen würde.

In einem reinen Wohngebiet oder einem Gebiet mit Mischnutzung sei das hingegen undenkbar für den Bezirk. Rund um das geplante Bordell gibt es neben der Mercedes-Welt auch ein Studentenwohnheim, eine internationale Schule und, direkt an der Spree, eine Wohnanlage.

Sendung: Abendschau, 2.6.2020, 19:30 Uhr 

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

1 Kommentar

  1. 1.

    Gute Nachbarschaft, aber schade um das Haus.

Das könnte Sie auch interessieren