29.01.2018, Berlin: Ein Feuerwehrmann steht nach einem Unfall an einem beschädigten Polizeiauto. (Quelle: dpa/Maurizio Gambarini)
Bild: dpa/Maurizio Gambarini

Nach Verschiebung wegen Corona - Prozess gegen Polizisten im Fall Fabien beginnt im Oktober

Der Prozess gegen einen Berliner Polizisten nach dem Crash, bei dem die 21-jährige Fabien M. gestorben war, startet am 27. Oktober. Das teilte eine Gerichtssprecherin am Montag auf Anfrage mit.

Ursprünglich sollte die Verhandlung am Amtsgericht Tiergarten am 17. März beginnen, der Termin wurde aber wegen der Corona-Pandemie aufgehoben. Geplant seien nun fünf Verhandlungstage.

Alkohol-Vorwurf musste fallengelassen werden

Der Fall hatte für großes Aufsehen gesorgt. Angeklagt ist ein 52-jähriger Hauptkommissar wegen fahrlässiger Tötung. Laut Anklage raste er am 29. Januar 2018 mit seinem Polizeiwagen und überhöhter Geschwindigkeit in das Auto der 21-Jährigen. Die junge Frau starb noch an der Unfallstelle in der Nähe des Alexanderplatzes.

Gefährdung des Straßenverkehrs durch Alkohol am Steuer - wie zunächst von der Staatsanwaltschaft angeklagt - musste als Vorwurf fallengelassen werden. Die Ermittlungen dauerten fast zwei Jahre. Im Eröffnungsbeschluss des Landgerichts zu dem Prozess heißt es nun, die beschlagnahmte Patientenakte des Polizisten dürfe nicht als Beweismittel verwendet werden.

Beschlagnahme der Patientenakte war rechtswidrig

Die Eltern der getöteten jungen Frau sind Nebenkläger in dem Prozess. Auf einer Internet-Gedenkseite [gedenkseiten.de] für ihre Tochter zeigten sie sich tief enttäuscht von den Behörden.

Erst Monate nach Beginn der Ermittlungen wurde bekannt, dass eine in der Charité in Wedding genommene Blutprobe des Fahrers 1,24 Promille Alkohol enthielt. Die Ergebnisse der Blutabnahme wurden allerdings erst ein Jahr nach dem Unfall bekannt. Es kam der Verdacht auf, das habe vertuscht werden sollen. Die Polizei hatte direkt nach dem Unfall keinen Alkoholtest durchgeführt. Staatsanwaltschaft und Polizei wiesen Vorwürfe zurück, den Fall nicht intensiv genug zu untersuchen.

Die Patientenakte des Polizisten wurde beschlagnahmt, die Ermittlungen wurden erweitert. Die Akte darf im Prozess aber nicht als Beweismittel verwendet werden. Die Beschlagnahme sei rechtswidrig gewesen und ein bewusster Verstoß gegen die Strafprozessordnung, hatte die Sprecherin zu dem Eröffnungsbeschluss des Gerichts mitgeteilt.

Sendung: Abendschau, 8.6.2020, 19:30 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    Das mit den Wattetupfern ist wohl nicht ernst gemeint? Damit eine solche Menge über Wunden in die Blutbahn kommt, müsste er darin stundenlang gebadet haben. Der Alkohol wurde nachgewiesen und dokumentiert. Das er nicht als Beweismittel verwendet werden darf, hängt mit der angeblich rechtswidrigen Beschlagnahme der Akte zusammen. Hier wollte ein unerfahrener Ermittler verhindern, das an der Akte manipuliert wird. Das rächt sich jetzt.

  2. 9.

    Mir tun die Eltern unendlich leid.
    In Gedanken bei Fabi und ihrer lieben Mama und ihrem lieben Papa.

    "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."
    Antoine de Saint-Exupery

  3. 8.
    Antwort auf [anni] vom 08.06.2020 um 20:08

    Ich finde es unerträglich, wenn hier Rasen unter Alkoholeinfluss und die in diesem Zusammenhang stehende Verursachung eines tödlichen Unfalls relativiert wird. Mein Beileid der Familie des Opfers.

  4. 6.

    Dieser Polizist scheint nicht das zu sein, was Sie gerne in ihm sehen wollen, "Besorgter".

    ". . . Fotos von G. landeten in Zeitungen. Sie stammen von seinem Foto-Blog, inszenierte Bilder. Auf einem Foto hält G. sich einen Revolver an die Schläfe. Der Blog war den Vorgesetzten bekannt, er wurde gewarnt, es nicht zu bunt zu treiben. Doch der Revolver interessierte die Polizei lange nicht."

    "Nicht einmal eine Stunde vergeht, dann fällt Richter Andreas Rische sein Urteil: 1700 Euro Geldstrafe wegen illegalen Waffenbesitzes. Denn in der Wohnung des Polizisten sind zwei Schlagringe gefunden worden, allein deren Besitz ist strafbar."

    Quelle: tagesspiegel.de

  5. 5.

    Zitat: ". . . der Alkohol kann auch durch Alkoholhaltige Tupfer in der Menge in die Blutprobe kommen, dazu gibt es Urteile! Angebliche Vertuschungen, auch dafür gibt es defakto keine Beweise."

    Der Beamte "G." ist bereits vor dem tödlichen Unfall, bei dem er mit mehr als 130 km/h - mutmasslich alkoholsiert - durch die Innenstadt bretterte, auffällig geworden. Und ja, es gab erwiesenermaßen Vertuchungsversuche. So wurde zunächst behauptet, Fabien M. hätte zum Zeitpunkt des Unfalls mit dem Handy telefoniert. Dies erwies sich später Falschbehauptung seitens der Polizei.

  6. 4.

    Alles wird Vertuscht, die Kollegin als Beifahrerin will nichts gemerkt haben . Zu schnell unterwegs mit Blaulicht. Währe er nicht alkoholisiert gefahren, wäre der Unfall so vielleicht nicht passiert, weil er dann noch Reaktion gezeigt hätte. Eigentlich müsste er auch wegen Mordes angeklagt werden. Gleiches Recht für Alle. Die Ku’dammraser sitzen auch wegen Mordes. Oder hat man, wenn man eine Uniform an hat Narrenfreiheit???0

  7. 3.

    Ich finde es, mit Verlaub gesagt, extrem übel, wie hier schon wieder unbewiesene Behauptungen aufgestellt werden. Gilt in diesem Land nicht die Unschuldsvermutung für alle oder weil der Beteiligte ein Polizist ist nicht!? Auch weil in dem sehr traurigen Fall, was er unbestritten ist, ein Mensch starb! Jeder von uns hat das unveräußerliche Recht auf seine Menschenwürde, was durch solche Vorverurteilungen mit den Füßen getreten wird.
    Angebliche Vertuschungen, auch dafür gibt es defakto keine Beweise, der Alkohol kann auch durch Alkoholhaltige Tupfer in der Menge in die Blutprobe kommen, dazu gibt es Urteile! Wieder unbewiesen, einfach nachgeplappert, weil es ins eigene Weltbild passt und gegen die böse Polizei geht.

  8. 2.

    Der Polizist bekommt bestimmt von seinem Dienstherren noch einen Gutschein zum Koma-Saufen, natürlich nach dem Freispruch. Denn niemand hat vor ... einen Polizisten wegen Trunkenheit mit Todesfolge zu verurteilen!

  9. 1.

    Erst versucht die Polizei die Sache mit dem besoffenen Polizisten zu vertuschen und jetzt hilft die Justiz auch noch dabei, dass der Übeltäter seiner Strafe entgeht. Es würde mich nicht wundern, wenn es auf "Bewährung" hinausläuft.
    Dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn immer mehr Bürger das Vertrauen in den "Rechtsstaat" verlieren und sich radikalen Ansichten anschließen. AfD Hygienedemonsranten o.ä.

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