Berliner Polizei beendet Hausbesetzung auf Dragoner-Areal (Quelle: rbb|24)
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Video: rbb|24 | 29.06.2020 | Stefan Oberwalleney | Bild: rbb|24

Sechs Personen im Gebäude - Berliner Polizei beendet Hausbesetzung auf Dragoner-Areal

Seit Sonntag hielten sechs Menschen ein Haus auf dem Kreuzberger Dragoner-Areal besetzt. Die Anhänger zweier bedrohter, selbstverwalteter Jugendzentren wollen Platz auf dem Gelände. Die Polizei räumte das Gebäude am Montagnachmittag.

Berliner Polizeibeamte haben die Besetzung eines Hauses auf dem Dragoner-Areal in Kreuzberg am Montagnachmittag beendet. Das bestätigte ein Polizeisprecher rbb|24.

Nach seiner Darstellung hätten die Beamten das Haus gegen 15 Uhr geräumt. Darin hätten sich zu diesem Zeitpunkt vier weibliche und zwei männliche Personen befunden, sie wurden aus dem Haus begleit und die Polizisten nahmen ihre Personalien auf. Zu ihrem Alter konnte der Sprecher nichts sagen.

Die Räumung sei "ansonsten störungsfrei" verlaufen, sagte er. Etwa 250 Beamte waren im Einsatz.

Vor dem Dragoner-Areal, das die Polizei weiträuming absperrte, hatten sich Unterstützer der sechs Besetzerinnen und Besetzer versammelt. Seit Sonntag hatten Jugendliche aus dem Umfeld der selbstverwalteten Jugendzentren Potse und Drugstore in Schöneberg das Haus auf dem Areal besetzt.

Räumungsstreit um "Potse"-Jugendzentrum

Die Besetzung sei eine Aufforderung an das Land Berlin, das Objekt für Drugstore und Potse zur Verfügung zu stellen und sich mit dem Bezirk auf eine Nutzung zu einigen, sagte eine Sprecherin der Besetzer am Nachmittag. Das Jugendzentrum Potse befindet sich aktuell in einem Räumungsprozess.

Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hatte zivilrechtlich geklagt, damit die Betreiber die Räumlichkeiten in der Potsdamer Straße herausgeben. Dort ist die "Potse" seit rund 40 Jahren als selbst verwalteter Treffpunkt für Jugendliche untergebracht. Der Eigentümer hatte den Mietvertrag mit dem Bezirk vor mehr als einem Jahr gekündigt. Seitdem wollen die "Potse"-Mitglieder die Schlüssel zu den Räumen nicht herausgeben. Sie fordern aus ihrer Sicht adäquate Ersatzräume, in denen sie auch Musik machen können.

Dragoner-Areal soll bebaut werden

Das knapp fünf Hektar große Dragoner-Areal in bester Lage gehört zu den größten innerstädtischen Entwicklungsgebieten Berlins. Es wird von der landeseigenen BIM verwaltet [bim-berlin.de]. 2015 wollte es der Bund für 36 Millionen Euro - den damals dreifachen Verkehrswert - an einen privaten Investor verkaufen. Auf Druck des Landes stoppte der Finanzausschuss im Bundesrat jedoch das Geschäft.

Anschließend gab es juristische Auseinandersetzungen mit dem Investor, schließlich konnte Berlin das Grundstück im vergangenen Sommer vom Bund übernehmen. Heute befinden sich auf dem Gelände Firmen, ein Biomarkt, Gastronomie- und Handwerksbetriebe.

Die Pläne für das Areal sehen vor, ein 16-geschossiges Hochhaus zu bauen. Darin und in weiteren Gebäuden sind 500 Wohnungen vorgesehen. Es soll auch Platz für Gewerbe und Verwaltung im sogenannten Rathausblock geben.

Sendung: Abendschau, 29.06.20, 19:30 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    "Endlich wird mal für Ordnung gesorgt ." (sic!)

    Genau! Der Letzte, der in diesem Land für Ordnung gesorgt hat, ist schon so lange weg. Wird wieder mal Zeit.

    (Wer Ironie findet, darf sie behalten oder sortenrein dem Recycling zuführen.)

  2. 7.

    Nun herrrrscht endlich wieder Ruuuuhe im Dorf Berlin;-( Danke an @ rbb-24-nutzer.

  3. 6.

    F. Usselbart hat doch gar nicht mal so unrecht mit seinen Ausführungen. Im übrigen habe ich das Wort Gammler zuletzt Ende der 60er Jahren nur durch die Kleinbürger vernommen. Schon gar nicht würde ich die Hausbesetzer als solche bezeichnen.

  4. 5.

    Bei Ihnen scheint das Feindbild aber klar zu sein: "Gammler*innen". So beleidigen Sie also diejenigen, die einen Club, einen gestaltbaren Freiraum suchen und gerade deswegen eben nicht "herumgammeln" oder Mist bauen, Empirie dazu gibt es zuhauf. Ferner verunglimpfen Sie gleich einen ganzen Zweig der Sozialen Arbeit: Jugendhilfe. Dass heute wie vor 15 Jahren um den Erhalt von Jugendclubs gerungen werden muss, ist eine Absurdität. Die Anerkennung und Sichtbarkeit von Jugendhilfe ist nach wie vor gering. Deswegen ist es wichtig, dass sich die Betreibenden hier um SIchtbarkeit und Dialog bemüht haben. Sie wurden schlichtweg im Stich gelassen. So funktioniert Jugendhilfe nicht.

    Dass sich Mietpreise so entwickelt haben, liegt an parteiübergreifenden Fehlern der Politik. Das heißt, da es menschengemacht ist, gibt es keinen Grund, den Entwicklungen initiativlos und gleichgültig bis hörig zu folgen, sondern es ist veränderlich. Die Wirtschaft hat den Menschen zu dienen, nicht umgedreht.

  5. 4.

    Endlich wird mal für Ordnung gesorgt .

  6. 3.

    Häuser vergammeln durch Gammler. Investoren haben das Ziel, den Wert durch Renovierung oder Neubau zu steigern, um zuverlässige potente Mieter zu finden. Bruchbuden zu Bruchbudenmieten gibt's nicht mehr, ausser in ländlichen Gebieten Sachsens oder Sachsen Anhalts

  7. 2.

    Warum soll der Steuerzahler jeden Monat etliche Tausend Euro auf den Tisch legen, damit ein paar Jugendlich da laute Musik machen können? 500 "günstige" (Tsp)Wohnungen und ein Hochhaus ist doch eine gute Sache in hervorragend zentraler Lage.

  8. 1.

    Und was wurde jetzt damit gewonnen dass das Gebäude wieder leer steht? - "Ordnung". - Eine Ordnung, in der Häuser vergammeln, und die die etwas sinnvolles damit anfangen wollen, verhaftet werden. Kurz gesagt: eine dumme Scheiss-Ordnung!

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