Container mit Pappe und Papiermüll stehen im Wedding in Berlin auf einem Hinterhof. (Quelle: dpa/Wolfram Steinberg)
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Audio: Inforadio | 30.06.2020 | Interview mit BSR-Chefin Stephanie Otto | Bild: dpa/Wolfram Steinberg

Volle Wertstoff- und Papiertonnen - Mehr Einwegmüll durch Corona in Berlin

In der Corona-Krise wird auch wieder mehr Plastik genutzt - etwa als Verpackung für Essen. Auch die Zahl der Online-Bestellungen ging in die Höhe. Das führt in Berlin zu volleren Tonnen für Papiermüll und Wertstoffe, sagt BSR-Chefin Stephanie Otto.

Essen nach Hause und die Kleider online bestellt: Die Corona-Krise hat in Berlin für mehr Einwegmüll gesorgt. Vollere Tonnen habe es vor allem im Bereich Papier und Wertstoffe gegeben, sagte die Chefin der Berliner Stadtreinigung (BSR), Stephanie Otto, am Dienstag im rbb-Inforadio. "Insbesondere in der Zeit vom Lockdown, der Online-Lieferungen, war das zu beobachten."

Die Papierkörbe im öffentlichen Raum seien im Vergleich zum Vorjahr zwar leerer gewesen, jedoch stellte die BSR eine deutliche Verlagerung der Verschmutzungs-Hotspots fest, hieß es weiter. "Da war es für uns deutlich merkbar, als Restaurantschließungen waren und Essen zum Mitnehmen angeboten wurde und der Verzehr dann oftmals in unmittelbarer Nähe bei dem schönen Wetter stattgefunden hat."

Nicht mehr Hausmüll während Corona

In den Tonnen zu Hause und in der Öffentlichkeit sei die Menge der Einwegmaterialien wie To-Go-Becher oder Essensschalen gestiegen. "Ich glaube, in Corona-Zeiten ist es so, dass man alles erstmal für sich neu entscheiden und ausprobieren muss. Jeder hat bei sich selbst erlebt, dass man anfangs vor vielen Dingen Angst hatte und viele Dinge ausprobieren musste", sagte Otto, "und dazu gehörte mit Sicherheit auch verstärktes Einweg-Geschirr, um der Situation begegnen zu können."

Um dem wachsenden Berg an Einwegmüll zu begegnen, brauche es vor allem "Mitmach-Bürger", so Otto. Verbraucher sollten beispielsweise beim Einkauf schon daran denken, ob und wie viel Müll bei den Produkten anfalle. Auch die Hersteller seien hier gefragt.

Bei der Produktion von Hausmüll hingegen gab es "mit Ausnahme der beiden Osterwochen eigentlich keine signifikanten Veränderungen", so Otto. Etwa 15.000 Tonnen Hausmüll fallen demnach pro Woche in der Hauptstadt an.

Sendung: Inforadio, 30.06.2020, 08:50 Uhr

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13 Kommentare

  1. 13.

    Hallo Eve,
    ... Ist dann halt so ... Nun, das muss aber nicht so sein. Sie haben die Möglichkeit mit Ihrer Hausverwaltung in Kontakt zu treten und entweder den Leerungsrhythmus anpassen zu lassen oder die Behältergröße (je nach Platz selbstverständlich). Wenn ein Nachbar mit Zeitungen/Zeitschriften eine Tonne voll bekommt, klingt das nach einer kleiner 240 l Tonne. Selbst zwei davon sind mit einer 14-täglichen Leerung für ein Haus mit 40 Mietparteien zu wenig.

    Ich kenne das Stapeln und Sammeln von Pappe in der Wohnung, da ich aber weiß, wann die Tonnen geleert werden, kann ich mich darauf einrichten, dann wird die weggebracht, wenn die guten Mitarbeiter der Entsorgungsfirma meine Adresse auf dem Laufzettel haben.

    Grüße

  2. 12.

    Obst und Gemüse kann man waschen und/ oder schälen, auch in Coronoazeiten. Und dass man wegen "Corona" mehr online bestellt hat und sich dann über überfüllte Papiercontainer ärgert, ist wieder so ein Bequemlichkeitsgejammere, dass für uns Deutschen typisch ist. Ich weigere mich, hierfür Verständnis aufzubringen. Im Übrigen nimmt der Anteil an privatverursachten Kunststoffabfällen in Deutschland nach wie vor zu. Und es ist keine Lösung zu sagen, der "wird ja zur Energiegewinnung" verbrannt. Immerhin werden ca. 50% des Verpackungsmülls verbrannt und jede verbrannte Verpackung bedeutet unwiederbinglichen Verlust von Rohstoffen. Es bleibt dabei, dass sich jeder, auch in Krisenzeiten, bemühen muss, seinen ökologischen Fußabdruck zu verringern. Und dazu gehört auch, dass man sich einmal genauer mit Herstellung und Verbleib unserer konsumierten Güter auseinandersetzt.

  3. 11.

    Ich kaufe in einem verpackungsfreien Laden ein. In Berlin hat man die Möglichkeit. Auch ein Bioladen um die Ecke bietet einige Produkte zum Abfüllen an.

  4. 10.

    In Tokio gibt es meines Wissens gar keine öffentlichen Mülleimer. Trotzdem sei die Stadt extrem sauber. Das wünsche ich mir auch für Berlin.

  5. 9.

    Ich kaufe seit März meine Tomaten und anderes Obst und Gemüse auch lieber wieder abgepackt. Und ganz ehrlich: so lange ich den Plastikverpackungsmüll richtig entsorge und ihn in die Gelbe Tonne packe ist das für mich auch komplett in Ordnung so. In Berlin landet davon auch nichts im Meer, da der Plastikmüll für die Energiegewinnung verbrannt wird. Ein relativ großes Problem bei uns im Haus (40 Wohnungen) ist allerdings die schon nach zwei Tagen komplett überfüllten Papiertonnen. Und ja, die Nachbarn machen alles klein - aber bei uns wird nur alle 14 Tage abgeholt. Beim letzten mal waren sie sogar noch schneller voll, weil ein Nachbar beide Tonnen komplett mit seinen Tageszeitungen gefüllt hat. Aktuell staple ich die Pappe der Onlinebestellungen noch, aber wenn ich die in den nächsten drei Wochen nicht loswerde kommt die schlicht in den normalen Hausmüll. Denn ohne Fahrrad oder Auto kann ich die Pappe und das Papier nicht zum nächsten BSR Hof transportieren. Ist dann halt so.

  6. 8.

    Nein es ist keine Entschuldigung und es ist assozial seinen Müll überall hinzuschmeißen, aber mehr Müllbehälter wäre trotzdem ein guter Anfang.
    In anderen Ländern gibt es mehr Müllbehälter, dann noch mit Mülltrennung und sogar bei speziellen Veranstaltungen (wie z.B. Foodmarket) gibt es sogar Leute die den Touristen erklären (und zwar sehr höfflich, mit einem Lächeln im Gesicht und Spaß an der Sache) wie die Mülltrennung funktioniert.

  7. 7.

    Hallo Annemone,
    Sie haben ja so recht. Ich kann die Leute nicht verstehen, die ihre Pizzakartons und anderen Müll überall herumliegen lassen. Sie rechnen damit, dass andere den Müll entsorgen und sie am nächsten Tag wieder einen sauberen Platz vollmüllen können. Asoziales Verhalten.

  8. 6.

    Bei den Papiercontainern würde es ja oft schon reichen,wenn die Leute die Kartons nicht aus Bequemlichkeit nur so in oder neben den Container packen,sondern Kartons platt machen. Dann passt auch mehr rein.Ich mache das jedenfalls und hebe auch viele Kartons im Keller auf,die ich dann weiterverwende. Das Einzige was mich an diesen Containern nervt,sind die unhandlichen Deckel. Wären die zur Hälfte aufklappbar oder ganz aufzuschieben,wie bei bei schwarzen Müllcontainern,wäre es einfacher. Verpackung von Artikeln versuche ich möglichst in den Behältern beim Händler in der Fiale zu lassen. Unterwegs schmeiße ich generell keinen Müll auf die Straße sondern nehme ihn mit nachhause,wenn ich ihn nicht ordnungsgemäß entsorgen kann. Das habe ich schon als Kind von meinen Eltern gelernt!

  9. 5.

    Ob es tatsächlich an öffentlichen Müllbehältern mangelt? Da bin ich mir nicht sicher. Fakt ist, dass ich kein Veständnis dafür habe, dass Leute ihre gefüllten Verpackungen in den Park, Wald, zur nächsten Bank ... schleppen, und nach dem Verzehr nicht in der Lage sind, diese notfalls mit nach Hause zu nehmen um sie dort zu entsorgen. Es ist keine Entschuldigung, den Müll mangels Entsorgungsbehältern liegen zu lassen.

  10. 4.

    Sehe ich leider auch täglich, weiterhin werden gebrauchten Masken gegen Corona einfach in die Botanik entsorgt.

  11. 3.

    "Verbraucher sollten beispielsweise beim Einkauf schon daran denken, ob und wie viel Müll bei den Produkten anfalle." Wie soll das gehen? Es sind ja fast alle Produkte mittlerweile verpackt.
    Übrigens war es schon vor Corona so, dass es Gurken lose gab, Bio-Gurken aber in Plastik eingeschweißt waren. Das soll einer verstehen!

  12. 2.

    Mit Sicherheit muss der Weg hin zu Mehrweg gehen, doch ich finde, man sollte das „Pferd nicht mit dem Schwanz aufzäumen“. Es müsste schlichtweg mehr Möglichkeiten geben, seinen Müll unterweg auch loszuwerden und die Abfallbehälter müssten öfter geleert werden.

  13. 1.

    Bin selber Müllmann bei der BSR und kann diese Beobachtung teilen.
    Was ich erschreckender finde ist, dass es scheinbar mittlerweile in Berlin zum guten Ton gehört(gerade während Corona, wo viele die Zeit für eine Neueinrichtung genutzt haben), seine alten Möbel etc. auf den Müllplätzen und in den Tonnen zu versenken. Und dann wird sich beschwert, wenn wir diese Tonnen dann nicht mitnehmen.

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