Teresie Hommersand: Mit dem Fahrrad durch Afrika (Quelle: Teresie Hommersand)
Audio: Inforadio | 12.06.2020 | Juliane Kowollik | Bild: Teresie Hommersand

Mit dem Fahrrad um die halbe Welt - Ab Berlin nur noch 4.000 Kilometer

Vor drei Jahren ist Teresie Hommersand in Südafrika gestartet – mit dem Fahrrad. Ihr Ziel: Das Nordkap. In Berlin hat die Norwegerin Zwischenstation gemacht – und zumindest in einer Hinsicht ist die Region für sie das Paradies. Von Juliane Kowollik

Über der Schönhauser Allee dröhnt die U-Bahn. Die Straßenbahnen pflügen sich durch den dichten Autoverkehr. Teresie Hommersand beobachtet das Treiben. Neben ihr steht ein handelsübliches, blaues Tourenfahrrad mit schwerem Stahlrahmen, das sie schon so viele Kilometer weit getragen hat - keine Extras, keine Federung, robust und simpel. Die Norwegerin ist begeistert: "Hier haben die Radfahrer ihren eigenen Weg mit Fahrradampeln. Hier muss ich mir als Fahrradfahrerin nicht den Weg gegen die Autos erkämpfen. Das ist deutlich sicherer, als ich das gewohnt bin."

20.000 Kilometer ist Teresie Hommersand in den letzten drei Jahren mit dem Fahrrad gefahren: durch ganz Afrika, den mittleren Osten und jetzt Europa. Auf das Thema Sicherheit wird sie ständig angesprochen: Allein, zumal als Frau, ist das nicht gefährlich? Sie antwortet: "Allein durch Afrika zu fahren, ist gar nicht so gefährlich. Man muss nur seinen gesunden Menschenverstand benutzen und sich bei den Einheimischen informieren, dann kann man viele Risiken umgehen. Ich habe so viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, in so vielen Ländern getroffen, da sind die paar negativen Erfahrungen absolut gar nichts!"

Teresie Hommersand: Mit dem Fahrrad durch Afrika (Quelle: Teresie Hommersand)
Bild: Teresie Hommersand

Zelten in fremden Gärten

Jeden Abend, sobald es dunkel wurde, klopfte die zierliche Frau mit den rotbraunen Locken an den Türen von Fremden und bat sie, in ihrem Garten zelten zu dürfen. Egal in welchem Land sie war, nie habe es ein "Nein" gegeben. Sehr häufig wurde sie zum Abendessen eingeladen. "Die Gastfreundschaft der Menschen hat mich überwältigt. Einmal habe ich in Kenia in einem Dorf übernachtet und eine alte Frau hat direkt vor meinem Zelt geschlafen, um sicherzugehen, dass es mir gut geht! Ich hatte sie gar nicht darum gebeten."

Sie erzählt von Begegnungen mit Menschen, mit denen sie zwar kaum sprechen konnte, die sie aber trotzdem herzlich aufgenommen haben. Sie schwärmt von Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, egal ob im Sudan, in Palästina oder Albanien.

Auf der Flucht vor einem Elefantenbullen

Gefahren gab es dennoch: Einmal entdeckte sie mitten in der Savanne in unmittelbarer Nähe frische Löwenspuren. Mit ihrem selbstgebauten Flammenwerfer aus Feuerzeug und Deospray harrte sie 15 Minuten lang regungslos aus. Danach fuhr sie langsam in das Dorf zurück, aus dem sie gekommen war. Eine Eskorte aus Dorfbewohnern mit Macheten brachte sie schließlich ohne langes Bitten sicher zum nächsten Ort.

In Botswana verfolgte sie ein einzelner Elefantenbulle mit aufgestellten Ohren. Sie konnte flüchten. "Ich bin noch nie so schnell Fahrrad gefahren wie an diesem Tag!" Und in einem Dorf im Sudan entbrannte ein Streit mit dem rivalisierenden Clan um eine Wasserstelle. In dieser Nacht wurde ein Mann getötet.

Teresie Hommersand: Mit dem Fahrrad durch Afrika (Quelle: Teresie Hommersand)
Bild: Teresie Hommersand

Ihr Antrieb: der Klimaschutz

Bevor sie sich auf den Weg machte, lebte Teresie Hommersand sechs Jahre lang in Kapstadt, Südafrika und studierte Politikwissenschaft. Eine Begegnung mit einem Bauern öffnete ihr die Augen. Er erzählte ihr von seinen Sorgen: "Er sagte mir, dass er sein Vieh mit dem verdorrten Gras nicht mehr füttern kann und er nicht weiß, wie er seine Familie versorgen soll. Er konnte nachts nicht mehr schlafen. Der wusste, was Klimawandel ist, das musste ich ihm nicht wissenschaftlich erklären."

Hommersand wollte nicht einfach wieder mit dem Flugzeug zurück nach Norwegen. Sie wollte mehr tun. Also fuhr sie mit dem Fahrrad los, Richtung Heimat. Immer mit im Gepäck: ein solarbetriebener Beamer, um Filme über den Klimawandel zu zeigen. In den großen Städten hielt sie auch Vorträge, auch bei den Vereinten Nationen in Nairobi. Ihren Trip finanziert sie mit Sponsoren, Crowdfunding und sie schreibt für Reisemagazine. "Aber ich brauche ja ohnehin nicht viel Geld für meine Reise, denn Fahrt und Unterkunft sind immer kostenlos".

Berlin und Brandenburg - ein Paradies für Fahrradfahrer

Auch bei den nächsten 4.000 Kilometern Richtung Europas äußersten Norden geht es ihr um den Klimawandel, denn in ihrer Heimat Norwegen ist der auch schon lange angekommen. Teresie Hommersand plant, im November am Nordkap anzukommen. Auf die Zeit durch Brandenburg freut sie sich schon: "In Brandenburg gibt es ein ausgezeichnetes Netzwerk an Fahrradwegen. Das habe ich so nur ganz selten auf meiner Reise erlebt, sehr malerisch. Großartig." Im nächsten Jahr möchte sie nach Berlin ziehen. "Das ist eine sehr freigeistige, offene und vielseitige Stadt, hier möchte ich wohnen- auch wegen der sicheren Fahrradwege!"

Beitrag von Juliane Kowollik

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

5 Kommentare

  1. 5.

    Ich weiß nicht wo in Berlin Sie wohnen, aber bei mir in Neukölln gibt es super Fahrradwrge, fahre täglich 15 km auf diesen durch den Bezirk und kann mich nicht beklagen. Haben bis auf Nordamerika und Australien alle Kontinente bereist und auf fast allen einige Jahre gelebt. Es gibt nicht viele Länder und Städte wo es besser aussieht als hier!!

  2. 4.

    Im Vergleich mit Afrikanischen und Albanischen Verhältnissen schneiden selbst Berliner und Brandenburger Radwege noch gut ab !! Wer hätte das gedacht !!??

  3. 3.

    Sicherlich, Herr Dad, legen Sie jetzt auch Maßstäbe aus von Fr Hommersand befahrenen Ländern an den Rest Ihres Lebens an: Magelhafte Infrastruktur, mangelhafte Gesundheitsversorgung, fehlende Altersvorsorge, fehlende Kindergärten und Schulen, Niedriglöhne uswusf... Sie arbeiten also künftig zusammen mit Ihren Kindern für 1 EUR pro Stunde oder Tag in Jobs ohne Arbeitssicherheit, die Sie in zwei Stunden Fußmarsch erreichen? Und zum Abendbrot gibt's meist ein bisschen Reis mit einem bisschen Reis? - Oder kurz gesagt: Schlimmer geht immer.

  4. 2.

    Tolle Leistung! Weiterhin alles Gute!

  5. 1.

    Hoffentlich lesen viele unserer Pseudo Aktivisten, die der Welt einreden wollen wie schlimm doch der Radverkehr in Berlin/Brandenburg ist, diesen Artikel.

Das könnte Sie auch interessieren