Polizisten diskutieren mit Demonstranten (Quelle: dpa/Eventpress Porikys)
Bild: dpa/Eventpress Porikys

"Silent Protest" in Berlin - Polizei und Demonstranten berichten von Gewaltausbrüchen

Zehntausende Menschen demonstrierten am Samstag auf dem Berliner Alexanderplatz friedlich gegen Rassismus und Diskriminierung. Doch nach der Demo werfen sich Polizei und Demonstranten nun gegenseitig Gewalt vor.

Nach einer weitgehend friedlichen Demonstration am Berliner Alexanderplatz gegen Rassismus und Diskriminierung am Samstag ist es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen.

Laut der Berliner Polizei wurden 93 Menschen festgenommen und 28 Polizeibeamte leicht verletzt. Drei von ihnen hätten nach ambulanter Behandlung vom Dienst abtreten müssen, teilte die Polizei in der Nacht zum Sonntag mit.

Auf Twitter hingegen schildern Nutzer, dass die Polizei auf unangemessene Art und Weise Gewalt ausgeübt habe. Es kursieren Videos, auf denen Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Bürgern zu sehen sind. Auf einem ist zu sehen, wie eine schwarze Person von mehreren Polizisten zu Boden gedrückt wird. Ein Polizist schlägt die Person, als diese bereits am Boden liegt. Sie leistet sowohl stehend als auch am Boden liegend Widerstand.

Das Video ist verwackelt und teilweise unscharf. Wie es zu dem Gewaltausbruch kam, ist unklar. Es wurde Stand Montagmittag mehr als 900 Mal geteilt.

Polizei: Mehrere Festnahmen

Laut der Berliner Polizei kam es am Alexanderplatz zu einem Gewaltausbruch zwischen dem Bahnhof Alexanderplatz und dem Berolinahaus. Polizisten und Passanten seien aus einer größeren Gruppe heraus mit Steinen und Flaschen beworfen worden, nachdem ein Mann wegen Sachbeschädigung eines Einsatzfahrzeuges festgenommen worden war. Auch ein Pressefotograf sei verletzt worden.

Nach Polizeiangaben erfolgten Festnahmen nach der Demonstration wegen Landfriedensbruchs, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, versuchter Gefangenenbefreiung, Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz sowie Hausfriedensbruchs. Es befanden sich laut Polizei rund 800 Polizisten im Einsatz.

Menschenmenge auf dem Alexanderplatz

Bei der vorangegangenen Versammlung hatten mehrere Tausend Teilnehmer weitgehend friedlich gegen Rassismus demonstriert und an den Afroamerikaner George Floyd erinnert, der bei einem brutalen Polizeieinsatz in der US-Großstadt Minneapolis ums Leben gekommen
war.

Die Kundgebung auf dem Alexanderplatz sei störungsfrei verlaufen, aber wegen der großen Menschenmenge vorzeitig beendet worden, hieß es in der Polizeimitteilung. Danach sei zusätzlich zu den ursprünglich 14 geplanten Versammlungen in der Innenstadt noch eine 15. genehmigt worden.

Nach Angaben der Polizei nahmen 15.000 Menschen an der Demonstration teil. Die Organisatoren nannten auf Anfrage keine Teilnehmerzahl. Schätzungen von rbb-Reportern und nachträglichen Auswertungen von Luftbildern zufolge muss die Zahl aber bei mehreren Zehntausend Teilnehmern gelegen haben. Nicht nur der Alexanderplatz, sondern auch umliegende Straßen waren mit Menschen gefüllt.

Sendung: Inforadio, 07.06.2020, 7:00 Uhr

45 Kommentare

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  1. 45.

    " Die verstehen Dank Helm und Schild gerad offensichtlich gar nicht, was die Frauen sagen - vielleicht sogar auf Englisch? "
    versuchen Sie das mal in Rom, Paris , Warschau oder Prag einem Polizisten auf Deutsch zu sagen , in den USA bekommen Sie eine barsche amerikanische Ansage . Im Ausland ist es IHRE Aufgabe die landessprache zu sprechen wenn Sie kommunzieren wollen , ansonsten : klappe halten

  2. 44.

    " Die Polizei sollte die Stadt sich selbst überlassen. "

    erstaunlich, dass es bei der gesellschaftl. geringen Wertschätzung überhaupt noch Bewerber gibt , besonders in Berlin mit seiner bekannt schlechten Besoldung und getoppt von dem neuen Antidiskriminierungsgestz des Senats

  3. 43.

    Zustimmung ,

    " Die Polizei sollte die Stadt sich selbst überlassen. " und die Rettungssanitäter, Feuerwehren und Notärzte gleich mit

  4. 42.

    Genauso sieht es aus. Die Polizei sollte künftig wegbleiben. Dann muss sie sich auch nicht mehr den ständigen Vorwürfen aussetzen.
    Und wenn alles so friedlich abläuft wie behauptet, dann ist es ja kein Thema wenn die Polizei nicht vor Ort ist. Sind ja schließlich alles Erwachsene und verantwortlich handelnde Menschen....
    Ich kann das Gejammere nicht mehr hören. Einfach an Regeln halten und gut ist.
    Und vor allem nicht immer gleich die Rassismus- Keule schwingen.

  5. 41.

    Die Polizei sollte die Stadt sich selbst überlassen.
    Als Prügelknabe für Alle herzuhalten, ist ermüdend.
    Von der Politik verarscht, von bestimmten Gruppen missbraucht, von Teilen der Bevölkerung nicht Ernst genommen. Und wenn doch, wird wie bekloppt gefilmt und ins Netz gestellt.
    Geifernd sitzt der andere Teil und schaut feucht werdend die zurechtgeschnittenen Denunziationen.
    Mich persönlich widert das an.

  6. 40.

    @West Berlinerin

    Sie nehmen sich die Freiheit über die beiden Polizisten sich lustig zu machen. Aber genau diese beiden Polizisten sind eingesetzt um die Demonstrationsfreiheit zu sichern und somit indirekt die freie Meinungsäußerung zu gewährleisten.
    Aber das ist so typisch in Berlin, alle Uniformträger sind das schlechte oder die Witzfiguren, über die man sich lustig machen kann. Aber wehe es kommt etwas zurück.

  7. 39.

    Also ich sehe 2 Polizisten im besten Alter in Uniform. Vielleicht stammen die Frauen ja auch aus Afrika wo in den meisten Ländern franz. gesprochen wird. Muss jeder Polizist mehrere Fremdsprachen sprechen? Wieviele beherrschen sie denn fließend? Man sollte mit Vorurteilen vorsichtig sein wenn man sie nicht belegen kann aber ich vermute mal bei ihnen Antipathie gegenüber der Polizei.

  8. 38.

    Also ich sehe 2 Polizisten im besten Alter in Uniform. Vielleicht stammen die Frauen ja auch aus Afrika wo in den meisten Ländern franz. gesprochen wird. Muss jeder Polizist mehrere Fremdsprachen sprechen? Wieviele beherrschen sie denn fließend? Man sollte mit Vorurteilen vorsichtig sein wenn man sie nicht belegen kann aber ich vermute mal bei ihnen Antipathie gegenüber der Polizei.

  9. 37.

    Am besten die Polizei bleibt weit weg bei Demos. Dann wird auch keine extra Deeskalation gebraucht. Es sind schließlich friedliche Demonstrationen. Der Veranstalter sollte sich selber um einen reibungslosen Ablauf kümmern.

  10. 36.

    Einfach mal den Beitrag zu Oury Jalloh bei wikipedia lesen. Rassismus und unverhätnismäßige Polizeigewalt sind ein globales Problem...

  11. 35.

    Nun, erstens ist der Ausflug in die Beschreibung körperlicher Merkmale diskriminierend. Auch wenn es witzig gemeint ist, heutzutage ist solch Humor auf Kosten des Erscheinungsbildes nicht gerade korrekt. Zweitens implizieren Sie, dass die gezeigten Polizisten zu doof seien könnten, um englisch reden zu können. Sie schlussfolgern von äußerlichen Attributen darauf, dass die beiden dick und doof sind. Unabhängig davon, sollten Sie mal so eine Ausrüstung anziehen .... So, genug zum Nachdenken. Es geht aktuell um Diskriminierung....

  12. 34.

    Passend. Wenn es nicht so bitter wäre, würde ich über die Ironie lachen können, aber ich fürchte, einige stellen sich genau so die Zukunft vor.

  13. 33.

    ich finde die beiden dicken, älteren Polizisten im Bild putzig. Die verstehen Dank Helm und Schild gerad offensichtlich gar nicht, was die Frauen sagen - vielleicht sogar auf Englisch? Gelebter Alltag in Berlin, die Polizei ist nicht gerüstet für die "neue Zeit" :-)

  14. 32.

    Ein Mal mehr eine gezielte Eskalation durch die Berliner Polizei. So wie dieser Apparat Politik gegen den Senat und das Antidiskriminierungsgesetz macht, war das leider vorhersehbar. Auch die Proteste gegen Corona-Leugner in den letzten Wochen wurden immer wieder mit absurdesten „Begründungen schikaniert.

  15. 31.

    Eigentlich alles ganz einfach. Die Probleme mit Polizei und Justiz könnten sofort gelöst werden.
    Die Polizei bleibt zuhause, und Richter brauchen wir auch nicht mehr, weil ja Tausende vom Sofa aus die Lage bereits anhand einzelner Bilder perfekt beurteilen können. Unabhängige Medien sind auch überflüssig - wir melden uns alle bei Telegram an, um auf dem Laufenden zu sein. Dann müssen nur noch Abstimmungskommitees und Trupps von Vollstreckern gebildet werden, die zu den Verurteilten gehen, um die Ahndungen vorzunehmen. Wahlweise mit Geldeintreibung oder ggf auch mit Züchtigung - wäre billiger als Knast und vermutlich auch nachhaltiger. Also wozu all der Aufwand. Auch Regierungen, die Gesetze machen, brauchen wir nicht, denn wir wissen ja alle in jeder Situation selbst am besten, was richtig und falsch ist. In großer Einigkeit, wie man täglich an friedlichen und freundlichen Diskussionen sieht.

    Muss ich jetzt schreiben *Ironie aus* , damit ich nicht falsch verstanden werde?

  16. 29.

    Tja Arbeitszeit ist Arbeitszeit. WEnn er lieber mit seiner Familie zusammen wäre, könnte er auch kündigen! Also meiner Meinung nach gibt es härtere Jobs als irgendwo rum zu stehen und eine autoritäre Ausstrahlung zu bewahren!

  17. 28.

    So wie jetzt übertrieben wird, bestimmt.
    Man merke, wir sind nicht Amerika.
    Bei uns gibt es kein Würgegriff.
    Gott sei Dank.

  18. 27.

    Gegen uns einheimische gibt es keinen Rassismus, wir müssen uns nur alles gefallen lassen, auch anpöbeln, anspucken etc. gehören dazu. Kommt es doch mal zu einem Verfahren wird es selbstredend wegen „ nicht öffentlichen Interesses“ eingestellt. Selbst erlebt. So läuft das hier...

  19. 26.

    Das Bild ist hochgradig manipulativ! Der Polizist mit dem erhobenen Schlagstock holt definitiv weder zum Schlag aus, noch droht er damit oder bereitet sich auf einen Schlag vor. Er wendet sich eher der Situation zu, um zu hören, was gesagt wird. Bevor man über solche Situationen urteilt, sollte man die ganze Geschichte drum herum beleuchten. Die Beamten hätten ihre Zeit auch lieber zu Hause bei ihren Familien verbracht, als sich auf Demos anpöbeln zu lassen.

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