Der Bereich um die gesprengte Weltkriegsbombe in Potsdam am 26.06.2020. (Quelle: rbb/Karsten Zummack)
Video: Brandenburg aktuell | 26.06.2020 | M. Zummack, M. Albrecht | Bild: rbb/Karsten Zummack

Verzögerungen bei Evakuierung - Weltkriegsbombe in Potsdam unter Strohdecke gesprengt

Die Weltkriegsbombe in der Potsdamer Havel ist am Freitagnachmittag kontrolliert gesprengt worden, der Sperrkreis wurde inzwischen aufgehoben. Zuvor war es wegen Problemen bei der Evakuierung und eines Gewitters zu Verzögerungen gekommen.

Die 250 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe in der Potsdamer Innenstadt ist am Freitagnachmittag gesprengt worden. Das teilte die Feuerwehr gegen 15 Uhr auf Twitter mit. Der Sperrkreis um den Fundort in der Havel wurde wenig später aufgehoben.

An der Fundstelle des Blindgängers an der Freundschaftsinsel hatte das Technische Hilfswerk vorher ein Floß aus Strohballen zusammengebaut. Es sollte dazu dienen, die Detonation abzudämmen und vor Splittern zu schützen. Die Einsatzleitung hatte entschieden, dass die Bombe nicht entschärft werden kann. Stattdessen musste sie am Fundort gesprengt werden.

Bei der Detonation brachen mehrere Bäume ab, Der Uferweg rutschte ein Stück nach unten und eine Laterne ging kaputt, berichtete Sprengmeister Mike Schwitzke. Auf Bildern nach der Sprengung ist breit verteiltes Stroh zu sehen. Die Wasserstraße ist noch gesperrt, da zunächst die Schäden beseitigt und die Fahrwassertiefen wieder hergestellt werden müssen, wie die Wasserwacht Potsdam mitteilte.

Verzögerungen bei Evakuierung und durch Gewitter

Zur Räumung des Blindgängers hatten die Verantwortlichen einen Sperrkreis von rund 800 Metern Radius eingerichtet. Rund 13.000 Menschen in der Innenstadt und in einer nahen Hochhaussiedlung waren dazu aufgerufen, bis 8 Uhr ihre Wohnungen zu verlassen.

Sieben Menschen hatten sich zunächst geweigert, ihre Wohnungen zu verlassen, konnten aber aus der Gefahrenzone gebracht werden. Feuerwehrchef Ralf Krawinkel sagte am Vormittag bei Antenne Brandenburg: "Aktuell läuft ein Fall, wo dann auch mit polizeilicher Unterstützung eine Wohnung geräumt wird." Einige Menschen hatten auch versucht, wieder in den gesperrten Bereich einzudringen.

"Evakuierungstrupps" kontrollierten Haus nach Haus. Laut Homann kamen bei der Kontrole auch eine Polizeidrohne zum Einsatz, zudem mehr als 450 Helfer von Stadtverwaltung, Feuerwehr, Polizei, Technischem Hilfswerk (THW), Johannitern und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK).

Auch ein Gewitter, dass am frühen Nachmittag über Potsdam zog, sorgte für Verzögerungen. Erst nach der Gewitter-Unterbrechung habe Sprengmeister Schwitzke an der Bombe arbeiten können, hieß es von der Stadt. Die Sprengung erfolgte rund eine Stunde später als geplant.

Mit Stroh die Explosion abmildern

Sprengung unter Strohfloß

Taucher hatten am Morgen damit begonnen, in die Havel zu steigen und einen Aluminiumring über die 250 Kilogramm schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg zu senken. Sie sollte damit freigelegt werden. Die Bombe, die bei einer systematischen Suche gefunden wurde, hatte in drei Meter Wassertiefe im Schlamm gelegen.

Erst nach ihrer Freilegung konnten der Kampfmittelräumdienst mit Sprengmeister Mike Schwitzke entscheiden, ob der Blindgänger an Land entschärft oder im Fluss gesprengt wird. Normalerweise habe er es mit Bomben zu tun, die an Land gefunden werden, sagte Schwitzke. Diesmal habe er sich auf die Aussagen und die Zuarbeit des Kampfmitteltauchers verlassen müssen.

Als klar war, dass gesprengt wird, wurde ein zweistöckiges Strohfloß aus 40 Ballen und einer Grundfläche von rund 50 Quadratmetern mithilfe des THW in Stellung gebracht. Damit wolle man "mögliche Schaden im Umfeld minimieren oder auch ausschließen", sagte Feuerwehrchef Krawinkel.

traßensperren vor der Alten Fahrt am Landtag im Stadtzentrum von Potsdam. Für die Räumung einer Weltkriegsbombe in Potsdam ist ein Sperrkreis mit rund 800 Meter Radius um den Fundort eingerichtet worden. Alle Straßen, die in das Gebiet führen, seien abgesperrt. /Quelle: dpa/Julian Stähle)
Straßensperrung am Brandenburger Landtag | Bild: dpa/Julian Stähle

Hauptbahnhof gesperrt

Für die Zeit der Arbeiten und Sprengung wurden Gebäude rund um den Fundort geräumt, darunter Museen, Alten- und Pflegeheime, mehrere Ministerien, der Landtag, die Staatskanzlei und fünf Kindertagesstätten. Der Hauptbahnhof wurde gesperrt, auch die üblicherweise stark befahrenen Verbindungen Lange Brücke und Humboldtbrücke. Die Potsdamer Poliklinik und das Ernst-von-Bergmann-Klinikum befanden sich ebenfalls im Sperrkreis und konnten daher zeitweise keine Patienten aufnehmen, teilte die Stadt via Twitter mit.

Während der Sperrzeit sollten auch die Regionalbahnen umgeleitet werden, die S-Bahnen der Linie S7 endeten und starteten im S-Bahnhof Babelsberg. Der Straßenbahnverkehr wurde unterbrochen bzw. fuhr durch den Sperrkreis hindurch. Busse fuhren nicht und auch der Autoverkehr wurde weiträumig umgeleitet. Es war die größte Sperrung in Potsdam seit zehn Jahren.

Kommentar

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23 Kommentare

  1. 23.

    Oder man denke an die misslunge Bombensprengung im August 2012 in München wo allehand Gebäude und auch Geschäfte zum Teil erheblich beschädigt wurden. In 95% der Fälle scheinen die Sicherheitsmaßnahmen etwas übertrieben, aber wenn dann mal was passiert, ist das Geschrei riesig, vielleicht sogar von denen am lautesten, die sich vorher geweigert haben!

  2. 22.

    Moin, in Göttingen sind vor 10 Jahren 3 Sprengmeister ums Leben gekommen.
    Soviel zum Risiko Herr Doktor

  3. 19.

    Also,kaum Jemand scheint es für nötig zu halten, dem Team um Sprengmeister Schwitzke und allen anderen Beteiligten zu danken. Achtung für diese Leistung! Und wieder ist kaum Schaden entstanden.
    Hamse jut gemacht!!!

  4. 18.

    Im Rahmen des Brand und Katastrophenschutz gesetztes des Landes Brandenburg darf man Grundrechte einschränken wie zb die Unversehrtheit der eigenen Wohnung oder die Möglichkeit sich überall frei aufzuhalten usw und eine Aufgabe der Stadt Potsdam oder der Polizei oder der Feuerwehr oder aller die an solch einem Einsatz beteiligt sind gehört es Menschen mit ihrer Einstellung vor sich selber zu schützen! Dazu brauch ich keine Einwilligung das der mündige Bürger die Verantwortung selbst übernimmt das ist nun mal so in diesen Situationen! Wenn zb ein Haus brennt werden auch nicht Beteiligte evakuiert und das obwohl ihre Wohnung vielleicht gar nicht betroffen ist! Oder würden sie da auch im Haus bleiben? Die Situation ist am Ende die gleiche die Verantwortung liegt einfach nicht bei ihnen und sollte das DR. in ihren nahmen real sein und sie das nicht verstehen sollten sie dieses Dokument schnell zurückgeben ! Gute Arbeit in Potsdams dank aller Beteiligten! ;-)

  5. 17.

    Das war hier auch so, es stand nur nicht im Artikel des RBB. Auf der Seite der Potsdamer Neuesten Nachrichten wurde davon berichtet.

  6. 15.

    Solche Kommentare können auch nur von ihnen kommen, habe nichts anderes erwartet, Dr. !

  7. 14.

    Bei Mainz im Rhein wurde auch schon mal eine große Bombe gesprengt. Da hat man zum Schutz der Fische, vor der großen Detonation, mehrere kleine Sprengungen durchgeführt, um die Fische zu verjagen. Leider wird hier nicht darauf eingegangen, ob man solche Vorkehrungen auch hier getroffen hat. Ist wohl leider nicht überall Usus.

  8. 13.

    Was ich interessant finde: Da ist der Mensch nun hochtechnisiert und hält sich oft für die Krone der Schöpfung. Und da kommt dann so eine Meldung:
    Weltkriegsbombe in Potsdam unter Strohdecke gesprengt. Unter einer Strohdecke! Wie geil ist das denn? Ich möchte jetzt natürlich nicht die Sprengwerker schmälern und denke auch an die Leute, die aus dem Haus mussten. Doch da sieht man mal wieder, dass der Mensch auch in dieser ( leider selbstgemachten) Situation mal wieder auf die Natur angewiesen ist.

  9. 12.

    @rbb24
    Warum wird im Artikel immer auf Twitter verwiesen? Die Stadt Potsdam bietet doch auch einen Live-Ticker an unter:
    http://potsdam.de/bombe

  10. 11.

    Vielleicht gab es noch keine Verletzten, WEIL immer der Sperrkreis geräumt wird.
    Als im Februar in Stahnsdorf eine Bombe gesprengt werden musste, wurden viele Häuser schwer beschädigt. Da hätte es durchaus Verletzte geben können.

  11. 10.

    Ich denke Sprengfischen ist verboten.

  12. 9.

    Na nu, noch keine Demo organisiert, Thema "Ich will nicht "? Aber bitte in Berlin und am Wochenende, hier haben wir schon so genug Verkehrsprobleme.

  13. 8.

    Ein Lob für das Entschärfungsteam!

  14. 7.

    Die Kosten für die Verzögerungen sind wohl um ein Vielfaches höher. Und die sind absolut real und keine Spekulation. Meines Wissens kam noch nie ein Bundesbürger bei der Entschärfung einer Weltkriegsbombe zu Schaden. Soviel zum Thema Risiko.

  15. 6.

    In einem Staat, der sich der Rettung und dem Erhalt von Menschenleben verschreibt, befinden sich Polizei und Feuerwehr in einer Zwickmühle: Weigert sich jemand hartnäckig, aus dem Sperrkreis zu gehen, bedeutet das aber nicht umgekehrt, dass er auf alle Schadenersatzansprüche im Falle des Falle verzichten würde. Das müsste dann im Prinzip unterschrieben und eidesstattlich versichert werden, ebenso die Verzichtserklärung auf alle Ansprüche bezüglich des eigenen Todes.

    Geschieht dies nicht oder wird dieser Weg von Juristen für nicht gangbar erklärt, muss geräumt werden.

    Wie sonst wollen Menschen, die nicht gehen wollen, das ansonsten lösen?

  16. 5.

    Das Problem dabei ist, dass man sich von denen eine Bestätigung einholen müsste, dass sie sich über die Risiken im Klaren sind und das sie, trotz Belehrung, dieses Risiko in Kauf nehmen. Muss in diesem Staat schließlich gerichtsfest sein. Dieser Aufwand ist mindestens genauso hoch, wie die gewaltsame Entfernung durch die Polizei.

  17. 4.

    Und wenn sich derjenige dem Risiko aussetzt und es passiert ihm was, trägt die Kosten wieder die Allgemeinheit.

    Toller Vorschlag

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