Zerstörte Scheiben in der Karl-Marx-Straße, Neukölln (Quelle: Morris Pudwell)
Video: Abendschau | 06.06.2020 | Bild: Morris Pudwell

Polizei vermutet Zusammenhang mit Liebig34 - 50 Unbekannte randalieren in Neukölln

Zerschlagene Scheiben, Feuerwerk und Parolen an den Fenstern: In Neukölln haben vergangene Nacht rund 50 Menschen randaliert. Die Polizei geht von einem Zusammenhang zum Urteil gegen das Projekt "Liebig34" aus.

Etwa 50 Personen haben am späten Freitagabend in Berlin-Neukölln randaliert. Die Gruppe sei von der Richardstraße über die Karl-Marx-Straße bis zum Rathaus Neukölln gezogen, habe Gegenstände auf die Fahrbahn geworfen, Pyrotechnik gezündet und Schaufenster mit Steinen beschädigt, sagte ein Polizeisprecher am Samstag.

20 Verdächtige seien "kurzzeitig festgesetzt" worden. Von ihnen seien die Identitäten festgestellt und sie seien dann wieder entlassen worden, teilte die Polizei am Samstag mit. Etwa 70 Polizisten waren im Einsatz.

Die Ermittler gehen von einem linksextremistischen Hintergrund aus. Die Tatvorwürfe lauten auf Sachbeschädigung und besonders schwerem Landfriedensbruch.

Mit Fackeln in den Händen durch Neukölln

Kurz nach 22 Uhr war die Polizei am Freitagabend von mehreren Anrufern alarmiert worden, wie es hieß. Demnach seien 50 Personen teilweise vermummt und mit Fackeln in den Händen durch die Straßen gezogen sein.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler seien Steine auf die Fenster von insgesamt neun Geschäften geworfen worden. Ein Müllcontainer wurde in Brand gesetzt, mehrere Hauswände besprüht oder bemalt. Nach Auskunft einer Polizeisprecherin seien dabei die Schriftzüge "GFLOYD" und "No justice, no peace" (Keine Gerechtigkeit, kein Frieden) hinterlassen worden.

Der Afroamerikaner George Floyd war vor wenigen Tagen in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota gestorben, nachdem ein weißer Polizeibeamter sein Knie minutenlang in Floyds Nacken gedrückt hatte. Am Samstag fand deswegen die größte Demo in Berlin seit dem Beginn der Corona-Pandemie statt - an der "Silent Demo" gegen Rassismus nahmen mehr als 15.000 Menschen auf dem Alexanderplatz teil.

Polizeieinsatz stoppt den Marsch durch die Straßen

Als die Polizei wenig später ihre Einsatzkräfte vor Ort sammelte, habe sich die Gruppe aufgelöst. Zur Höhe des Schadens konnte die Polizei zunächst noch nichts sagen.

Der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz stellte laut Polizei auf einer als linksextrem eingestuften Internetseite ein veröffentlichtes Bekennerschreiben zu den Sachbeschädigungen in Neukölln fest, das als authentisch eingestuft werde. 

Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) kritisierte den Vorfall scharf. Eingeschlagene Fensterscheiben von Optikern und Supermärkten in Neukölln hätten nichts mit dem wichtigen Protest gegen Rassismus zu tun. 

Vor dem Bekanntwerden des Bekennerschreibens hatte die Polizei mitgeteilt, man gehe von einem Zusammenhang mit dem Gerichtsurteil zum umstrittenen Hausprojekt "Liebig 34" in Berlin-Friedrichshain aus. Das Projekt gilt als eines der letzten Symbole der linksradikalen Szene in der Stadt. Nach monatelangem Rechtsstreit war der Räumungsklage des Hausbesitzers am Mittwoch stattgegeben worden. Der Bewohner-Verein, der sich als "anarcha-queer-feministisches Hausprojekt Liebig 34" bezeichnet, hatte sich nach einer Kündigung geweigert, das Haus zu verlassen.

Sendung: Inforadio, 06.06.2020, 7:00 Uhr

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15 Kommentare

  1. 15.

    Zitat: "Finde den Fehler!"

    Ein "Fehler" wird sich schwerlich finden lassen, "IchFragMichNur". Denn: "Als die Polizei wenig später ihre Einsatzkräfte vor Ort sammelte, habe sich die Gruppe aufgelöst." Also hat man die Personalien von 20 Personen aufgenommen, die nach Einschätzung der Beamten an den Ausschreitungen beteiligt gewesen sein könnten, aber nicht bei einer Tatausführung beobachtet wurden.

  2. 14.

    "50 Unbekannte randalieren"
    "20 Verdächtige seien "kurzzeitig festgesetzt" worden. Von ihnen seien die Identitäten festgestellt und sie seien dann wieder entlassen worden"

    Finde den Fehler!

  3. 13.

    Ich bin froh dass wir die ÖR-Medien haben, und nicht, wie zum Beispiel in den USA, das halbe Volk von der debilen Lügenpropaganda rechtsextremer Millionäre hinters Licht geführt wird. Warum manche Zeitgenossen das genau umgekehrt sehen, dürfte klar sein.

  4. 12.

    Die Polizei hat zwei Dienststellen gleich um die ecke, offensichtlich nur zum Schlafen. Schade

  5. 11.

    "Auf das System" könnten die ehrlicherweise auch weglassen. Allerdings wird ihnen diese billige Rechtfertigung von ihren Unterstützern geglaubt.

  6. 10.

    Diese Aktion ist völlig daneben und die Randale ist durch nichts gerechtfertigt. Der Protest wegen des Todes von George Floyd ist nur ein billiger Vorwand um den eigenen Frust mit Gewalt rauszulassen. Man sollte auf seinen Bruder hören:
    "Nach den Ausschreitungen infolge des Todes von George Floyd hat dessen Bruder Terrence Floyd ein Ende der Gewalt bei den Protesten in den USA gefordert. Die Demonstrationen müssten friedlich sein, sagte Terrence Floyd am Montag bei einer Mahnwache für seinen Bruder in Minneapolis. George Floyd hätte keine Gewalt gewollt."

  7. 9.

    Interessant.
    Diese Demos werden immer erst dann lästig, wenn sie vor der eigenen Haustür randalieren.
    Lob an den rbb, dass dies aufgedeckt wurde.

  8. 8.

    Das "Framing", falls es wirklich so versucht wurde, wird wohl in diesem Fall wirkungslos sein.
    Laut eines Bekennerschreibens auf Indymedia stand die Aktion im Zusammenhang mit dem getöteten George Floyd in den USA. „Wir haben Hass auf das System“, hieß es darin. Bei der „Sponti“ seien 250 bis 300 Menschen „wütend durch den Neuköllner Richardkiez“ gezogen. Und: „George Floyd – das war Mord! Widerstand an jedem Ort! Später von anderen mehr“.

    Wohl eine evidente Angelegenheit, es waren Linksradikale.

  9. 7.

    Ach ja, dann gehen Sie sich doch mal ansehen was die normalos, meist zugeballert mit der legalisierten Droge: Alkhol, an der Warschauer Brücke und anderen Touri-HotSpots alles nicht so machen.

  10. 6.

    Hä? Was soll denn Ihrer Meinung nach der RBB noch alles schreiben? Ich finde erstmal alles richtig was hier den geneigten Lesern mitgeteilt wird. Zudem ist noch gar nichts genaueres darüber bekannt wer tatsächlich dahinter steckt und schon kriegen Sie nen dicken Hals vor lauter Aufregung. Beschuldigten zu unrecht die Falschen hier. Nur zur Information. Ich befürworte solch Verhalten überhaupt nicht und bin ebenso erzürnt, wenn ich sowas lese.

  11. 5.

    Das waren sicher unzufriedene Aktivisten, die sich nur abreagieren wollten. Da drückt die Polizei schon mal ein Auge zu, die wollen doch nur spielen!
    Beim "normalen" Bürger geht es da schon mal härter zu, wie man im Internet sehen kann. Da werden auch alte Frauen auf Trab gebracht.
    So ist das eben.

  12. 4.

    Antidiskriminierungsgesetz.... da kann man keinen dingfest machen... jede Abweichung vom Normalo fällt da drunter... der Normalo geht nachts nicht durch die Straßen und randaliert...

  13. 3.

    Typisch ÖRR-Framing. Es wird nur ganz am Rande erwähnt, dass es sich bei den Tätern mutmaßlich um GEWALTBEREITE LINKSEXTREMISTEN handelt.

  14. 2.

    Soso. Es gibt Videos von diesem netten kleinen Umzug. Erinnert an USA. Mütter mit Kinderwagen, andere Passanten mussten panisch fliehen vor der gewalttätigen Meute, und das einen Tag vor vielen geplanten Demonstrationen in der Innenstadt- einen Zusammenhang wird es da natürlich nicht geben? Und das ist dem rbb eine winzige Meldung wert? Eine unfassbar tendenziöse Berichterstattung. Wenn 50 Leute mit dem Grundgesetz in der Hand friedlich am Rosa-Luxembug-Platz stehen, werden auf allen Kanälen minutenlange Berichte gesendet und die Panik ist groß...sehr seltsam, das alles.

  15. 1.

    Und?
    Wieviele der Chaoten wurden dabei polizeilich zur Personenfeststellung in Gewahrsam genommen?

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