Ausschnitt eines Mosaiks im Portal des Berliner Doms mit Darstellung einer Taube als Symol des Heiligen Geistes (Foto von 2008). (Quelle: imago images/Norbert Neetz)
Audio: Antenne Brandenburg | 31.05.2020 | Ulrike Bieritz | Bild: imago images/Norbert Neetz

Die Geburtsstunde der Kirche - Was ist eigentlich Pfingsten?

Pfingsten ist für viele nicht mehr als ein langes Wochenende und in diesem Jahr Gelegenheit für Corona-gerechte Ausflüge. Gleichzeitig hat das Fest für gläubige Christen eine sehr große Bedeutung. Von Ulrike Bieritz

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, warum in vielen Kirchen über dem Altar oder in der Kuppel Taubenmotive auftauchen?

Das hat was mit Pfingsten zu tun - und mit dem Heiligen Geist, um den es nämlich an diesem christlichen Feiertag geht.

Aber der Reihe nach. Am Pfingstsonntag endet der am Aschermittwoch beginnende Osterfestkreis. 50 Tage ist die Osterzeit nun vorbei.  

Pfingsten ist ein schwer fassbares Fest

Ursprünglich wurde Pfingsten eine ganze Woche gefeiert – übrig blieben zwei Feiertage, über die sich alle freuen, auch wenn sie nicht mehr wissen, was der eigentliche Grund ist.

Pfingsten ist wirklich ein schwer fassbares Fest. Genauso wie der Geist, also der Heilige Geist, um den es hier geht. Der soll nämlich an eben jenem Tag über die Anhänger von Jesus gekommen sein.

Was aber ist dieser ominöse Heilige Geist, von dem nicht nur in der Bibel, sondern auch in den Kirchen so oft die Rede ist. Die Bibel versteht ihn als schöpferische Macht allen Lebens.

Gottesdienste werden im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes begonnen und ein Kreuzzeichen gemacht – Gott der Vater, Jesus der Sohn und eben der Geist, der in die Welt gesandt wurde, um Person, Wort und Taten von Jesus lebendig zu halten.

Martin-Luther-Gedächtniskirche in Berlin, am 10.12.2018 (Quelle: imago images/Rolf Zöllner)

Das Pfingstwunder

Immer noch ziemlich schwer verständlich, oder?

Schauen wir also direkt in die Bibel, in der es natürlich auch dazu eine Geschichte gibt.

Ostern, und damit die Auferstehung von Jesus, ist lange her. Bis Himmelfahrt war Jesus seinen Anhängern immer mal wieder erschienen. Doch dann war er endgültig weg und sie standen ziemlich verlassen da. Was soll aus ihnen werden, ohne Anführer und unter strenger Beobachtung der Römer, denen diese Jesus-Truppe schon lange ein Dorn im Auge ist?

Plötzlich teilt sich das Feuer und die Flammen tanzen

Da plötzlich zieht ein Sturm auf und pfeift durch das Haus, in dem die Jünger so ratlos zusammenhocken. Das Feuer teilt sich, Flämmchen tanzen durch die Bude und über ihre Köpfe. In der Apostelgeschichte steht, dass sie plötzlich vom Heiligen Geist erfüllt werden und mit anderen Zungen zu reden begannen.

Das meint: Sie können alle möglichen Sprachen, wundern sich darüber und laufen auf die Straße, um von Gott, Jesus und alldem zu erzählen. Das ist das sogenannte Pfingstwunder. Der Heilige Geist hat sie quasi begeistert, und sie haben diese Begeisterung an andere weitergegeben. Weil sie überall von Jesus erzählen, kennen wir diese Geschichten noch heute.

Manche meinen, dass die Redewendung: Feuer und Flamme für etwas sein - also von etwas begeistert sein - ihren Ursprung in diesem Ereignis hat. Und weil der Heilige Geist nicht nur weht, wo er will, sondern eben auch schwer zu fassen ist, wurde im Mittelalter die Taube zu seinem Symbol. Deshalb sieht man weiße Tauben oft ganz vorne in Kirchen, über dem Altar oder in der Kuppel.

Von Pfingstochsen und Langschläfern

Auch Pfingsten ist ein Frühlingsfest und deshalb werden Gottesdienste traditionell im Freien gefeiert, Kirchen mit grünen Birkenzweigen geschmückt. Feierliche Umzüge finden statt und mancherorts wird das Vieh das erste Mal nach dem Winter auf die Weide getrieben. Davor gibt es eine Prozession durch den Ort, die vom Pfingstochsen angeführt wird, geschmückt mit Blumen, Stroh und Bändern. 

Ein Pfingstochse wird aber auch der genannt, der den ganzen Feiertag verschläft ….

Sendung: Antenne Brandenburg, 31.05.2020, 18:10 Uhr

Beitrag von Ulrike Bieritz

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23 Kommentare

  1. 23.

    Das Pfingstfest ist von der Kirche gründlich missverstanden worden. Mit der Aussendung "wem ihr die Sünden erlasst, dem sind sie auch im Himmel erlassen und wem ihr sie nicht erlasst, dem sind sie auch im Himmel nicht erlassen" hat die Kirche ihren Anspruch auf sakrosankte Überhöhung begründet, Gott gleich die Entscheidung treffen zu können, wer nach seinem Tod auf den Himmel hoffen kann - und wer sich stattdessen auf ewige Verdammnis einstellen muss. Ich bezweifele, dass Jesus das wirklich gesagt haben soll - warum um alles in der Welt sollte er fehlbare Menschen legitimieren, an seiner Stelle über das Himmelreich zu entscheiden? Teils wurde daraus der Ablasshandel begründet. Vielmehr ist Pfingsten eine deutliche Mahnung von Jesus gewesen, so nach dem Motto "Leute, passt auf, was Ihr sagt! Die Menschen kleben an Euren Lippen und glauben Euch jedes Wort. Wenn Ihr was von Todsünde und ewiger Verdammnis faselt, stürzt Ihr Menschen damit in abrundtiefe Verzweifelung". So oder so ähnlich..

  2. 22.

    Wenn Zeitungen den Lesern Feiertage erklären müssen, dann stimmt etwas nicht. Es soll etwas gefeiert werden, wozu die meisten Leute keinerlei Bezug haben. Traditionen ohne Inhalt, hauptsache einen Tag frei. Der gleiche Mist zu jedem Feiertag, da möchte ich kein Journalist sein.

  3. 21.

    Liebe Deinen Nachbarn wie dich selbst. LOL;-) Habs probiert und bin zum Teil, bis auf einen kranken Nachbarn i.d.Siedlung, heillos gescheitert an mein Helferleinsyndrom. Im Gegenteil. Mir wurde gar von meiner älteren Nachbarin, die unter mir wohnt und die sich bei ihrem Einzug regelrecht mir angebiedert hat unterstellt, ich hätte mir gewaltsam zu ihrer Wohnung Zutritt verschafft und mich vor ihr entblößt. Das alles, nachdem ich ihr den Balkon gestrichen hatte und dabei durchsickern ließ, dass ich Schwul bin. Sie versuchte es sogar mit einer Unterschriftenaktion in der Siedlung. Erst als ich einen Anwalt hinzuzog, war endlich wieder Ruhe. Jetzt bin ich hier im Haus plötzlich der Böse. Und wissen Sie was, es geht mir echt am Hintern vorbei. Mein Fazit seitdem: Helfersyndrom ist auskuriert. Das wars.

  4. 20.

    Wer vom Christlichen Glauben nichts hält, sich aber die Mühe macht den Artikel zu lesen,und auch noch zu kommentieren,da ist der hl.Geist am Werk,oder wie Goethe sagte ,wer geringe Dinge wenig acht,sich um geringere Mühe macht.,(Legende vom Hufeisen)

  5. 19.

    Ich freue mich das Sie alle so rege an Pfingsten Anteil nehmen.Offensichtlich haben gerade die Menschen etwas beizutragen,die behaupten wir sind Sektenmitglieder und der Feiertag gehört abgeschafft,ja und überhaupt die Christen und die Kirchen und alles sowas.Ich muss darüber schmunzeln,dass das Thema Kirche Menschen umtreibt,die behaupten nix damit am Hut zu haben.Warum dann die Aufregung.Liebe deinen Nachbarn wie dich selbst Da ist noch Luft nach "oben".

  6. 18.

    Ihr Kommentar ist sehr menschlich und für mich sogar nachvollziehbar. Ich danke Ihnen hierfür.

  7. 17.

    Auch wenn es einige hier nicht wahrhaben wollen, haben die Religionen die Kultur erheblich beeinflusst (z.B. Sakralbauten und Musik). Warum sollte nicht darüber berichtet werden?

  8. 16.

    "...für unsere Kultur bedeutenden Festes." Wen interessieren die Feste einer Sekte? Genauso gut könnten wir dann Feste der Mormonen, Islamisten oder von Scientology übernehmen und erklären.

  9. 15.

    Wie wäre es denn, wenn man den Artikel einfach unter "Beitrag zur kulturellen Allgemeinbildung" verbucht?

    Alternativ kann man natürlich auch gegen 2000 Jahre Geschichte ankommentieren.

  10. 14.

    Sie gehören offensichtlich zu genau den Menschen, die alles "andere" ablehnen. Warum soll sich der RBB nicht mit etwas befassen, was sie offensichtlich als Randthema und nicht erwähnenswert betrachten. Niemand ist der Nabel der Welt. Auch Sie nicht.

    Übrigens hatte mich der RBB auf dem Tauentzien zu dem Thema befragt. Was ist Pfingsten, was ist er Pfingstochse. Beides wusste ich und konnte es dennoch nicht in kurzen verständlichen Worten erklären. Ich musste passen.
    Ich selbst bin übrigens Atheist und mich verbindet seit über 50 Jahren eine enge Freundschaft mit einem überzeugten Katholiken. Ich respektiere ihn und seine Anschauung einfach. Sollten Sie auch einmal versuchen.

  11. 13.

    Danke, da schließe ich mich an. Und wen solche Artikel nicht interessieren, der liest sie eben nicht. Ich lese auch nicht alles in den Medien.

  12. 12.

    "In Berlin sind gerade einmal um die 30% der Menschen Glied einer christlichen Kirche."

    Mit Verlaub: Wenn Sie das zur Maßgabe eines Berichtes bei Parteien machten, sähen die Berichte recht dünn aus: Bundespolitische Berichte allein über die CDU/CSU, in Baden-Württemberg allein über die Bündnisgrünen, in Thüringen bei gegenwärtigem Stand über die Partei Die Linke.

  13. 11.

    Ich verstehe die Gehässigkeit und den Hass auf den Glauben,welcher Coleur er auch sei, überhaupt nicht.Offensichtlich stört es die Vorredner doch sehr,dass andere Menschen einen Glauben an Gott haben Wem tun wir damit weh?Niemand wird zum Glauben gezwungen.Mich stört es doch auch nicht,wenn andere gerne an Pfingsten arbeiten,oder beten,oder Zuckerfest feiern,oder Humanisten sind.Ich freue mich über den Artikel über die Bedeutung von Pfingsten und ein Tipp, niemand muss ihn lesen.

  14. 10.

    Ja, ich arbeite auch an Feiertagen. Wie auch ziemlich regelmäßig an Sonntagen.

  15. 9.

    Für mich waren religiöse Feiertage nie wichtig und ich wäre auch arbeiten gegangen. Um aber etwas abzulehnen, muss man sich damit auch beschäftigen. Dann weiß man worum es geht. Jeder soll glauben an was er will - aber keine Bekehrung.

  16. 8.

    Natürlich gehe ich an diesem Tag nicht arbeiten!
    Ich bin Atheist und zahle keine Kirchensteuer da ich aus dieser Veranstaltung ausgetreten bin!
    Solange allerdings der Staat meine Steuergelder auch für die Kirchen ausgibt, nehme ich jeden Feiertag mit!
    Nichts zu danken.

  17. 6.

    Aber den freien Tag morgen genießen Sie schon, nicht wahr? Oder gehen Sie morgen konsequenterweise freiwillig zur Arbeit?

  18. 5.

    Warum befassen Sie sich mit den Mythen und Legenden einer Religion? Wenn ich Ihren Text lese - wohlgemerkt zwischen Nachrichten - muss ich ja den Eindruck bekommen, Sie schreiben über Fakten. In Berlin sind gerade einmal um die 30% der Menschen Glied einer christlichen Kirche. Die anderen glauben da etwas anderes...

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