Landschaft im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin bei Greiffenberg (Quelle: imago images/Werner Otto)
Bild: imago images/Werner Otto

Ausflug ins Sernitzmoor - Wo Wachtelkönig und Wasserbüffel wohnen

Der große Sommerurlaub ist vielleicht gestrichen - also müssen Alternativen her. Viel Natur und Erholung bietet ein Ausflug zum Sernitzmoor im Biosphärenreservat Schorfheide. Torsten Sydow hat sich auf nicht so ausgetretene Wege begeben.

Klare einsame Seen, viel Hügellandschaft, Felder soweit das Auge reicht und immer wieder Laubwälder – dafür ist die Uckermark im Nordosten Brandenburgs bekannt. Wenige wissen, dass die Uckermark auch die Heimat von Moorlandschaften ist. Am Ortsrand von Greiffenberg findet sich eines der größten Quellmoore Brandenburgs.

Im Schatten hoher Erlen beginnt neben der gepflasterten Bahnhofstraße von Greiffenberg ein Moorlehrpfad, an dem Benjamin Herold von Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin mitgearbeitet hat. Ein Holzbohlensteg windet sich durch schulterhohes Schilf und Gras, dessen schmale Blätter messerscharf sind.

Ein Wachtelkönig-Pärchen sitzt auf einer Wiese (Quelle: imago images/Nature Picture Library)
Der Wachtelkönig ist im Sernitzmoor häufig anzutreffen | Bild: imago images/Nature Picture Library

Benjamin Herold zeigt auf Wasserflächen zwischen dem dichten Schilf. "Ganz typisch für ein Quellmoor sind die braunen Wasserlachen. Hier im Sernitzmoor tritt das Wasser frisch aus dem Boden hervor. Es ist sehr eisenreich. Bakterien stürzen sich darauf und färben es braun." Immer wieder sieht der Besucher aus sicherer Position vom Steg aus kleine Luftbläschen in den Pfützen aufsteigen. Einige Meter weiter informieren Schrifttafeln, wie vor tausenden Jahren entstandene Moore bis heute Kohlenstoff und Wasser speichern und so Natur und Klima schützen.

"Das rund 600 Hektar große Sernitzmoor ist auch ein idealer Ort, seltene Vögel zu hören und zu sehen", sagt Moor-Experte Herold. Schnepfenvögel mit ihren gebogenen Schnäbeln und Kiebitze brüten hier. Und weil der Wasserstand im Sernitzmoor angestiegen ist und die Vegetation üppiger wächst, ist jetzt auch häufiger der Wachtelkönig zu hören – seine Stimme klingt so als würde man einen Kamm an der Tischkante entlang reiben.

Wie Mehlsäcke, aus denen grüne Grasbüschel wachsen

Irgendwann ist der Holzsteg zu Ende, und wir gehen auf dem leicht federnden, trockenen Moorboden. Hier beginnt eine Koppel, in der schwarze Wasserbüffel mit ihren breiten gebogenen Hörnern grasen, frische Schilfblätter fressen und die Landschaft so freihalten. Sie lassen sich gerne streicheln, sagte Benjamin Herold. Zu Gesicht bekommen wir sie heute aber nicht. Vielleicht wegen der Bullenhitze.

Die für mich größte Attraktion des Sernitzmoores sind die hüfthohen Seggenbüsche. Wie Mehlsäcke, aus denen grüne Grasbüschel wachsen, sehen die Rispenseggen aus. Sie sind absolut typisch für Quellmoore mit frischem Wasser, sagt Experte Herold. Früher haben Dorfbewohner die abgestorbenen trockenen Seggenbüsche abgesägt, nach Hause geschleppt und als Heizmaterial genutzt.

Ein paar Aussichtspunkte und Infotafeln weiter endet der zwei Kilometer lange Sernitzmoor-Lehrpfand, der auf jeden Fall einen Abstecher lohnt. Nach soviel Natur und Bewegung noch ein Tipp: Greiffenbergs Bäcker Schmidt backt lockeren Kuchen und duftendes Roggenbrot.

Nach Greiffenberg kommt man gut mit der Regionalbahn – Aussteigen in Angermünde oder Wilmersdorf und dann weiter mit dem Rad. Mit dem Auto: Über die A11 und dann die Abfahrt Pfingstberg nehmen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 01.07.2020, 6.15 Uhr

Beitrag von Torsten Sydow

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3 Kommentare

  1. 2.

    So weit muss man garnicht fahren, um so etwas wunderbares zu sehen.
    Im Landschaftspark in Altglienicke /Rudow entlang des Mauerwegrs gibt es seit einigen Jahren unsere Waserbüffel, die uns immer wieder faszinieren.
    Die Flora und Fauna hat sich dadurch prima entwickelt, viele Wasservögel haben sich angesiedelt und es gibt einen fantastischen Sonnenuntergang dort.

  2. 1.

    Das ist ein sehr schöner Beitrag. Danke Torsten Sydow:-) Der nächste Trip geht von Spandau aus dort hin.

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