Autobahnkreuz Funkturm in Berlin (Quelle: dpa/Schoening)
Bild: dpa/Schoening

Autobahnbaupläne sollen erst 2021 vorliegen - Dreieckneubau am Funkturm schon vor Baustart verzögert

Stau am Dreieck-Funkturm ist vor allem für Pendler die Regel. Verbesserungen soll der Umbau bringen. Doch bevor überhaupt die Arbeiten für das neue Dreieck begonnen haben, gibt es schon Verzögerungen.

An den Plänen für den groß angelegten Neubau des Berliner Autobahndreiecks Funkturm wird mindestens noch ein Jahr gearbeitet. "Derzeit ist die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens frühestens im zweiten Halbjahr 2021 vorgesehen", antwortete die Bundesregierung am Freitag auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag.

Ausfahrten werden entzerrt

Das bundesweit am stärksten belastete Autobahndreieck am Funkturm in Charlottenburg soll mindestens sieben Jahre lang bei fließendem Verkehr neu angelegt werden. Baubeginn ist frühestens in drei Jahren. Diese Daten stehen so seit Herbst 2019 fest.

Hauptgrund für den Umbau sind die vielen in den 60er-Jahren entstandenen kurzen und eng hintereinanderliegenden Auf- und Abfahrten, die seit Jahren für Probleme sorgen. Durch den Neubau sollen sie entzerrt werden. Außerdem müssen baufällige Brücken erneuert werden. Ganz weichen muss für den Neubau des Autobahndreiecks der Rasthof Avus; die Anschlussstelle Messedamm wird neu gebaut.

Anregungen aus der Bürgerbeteiligung bei weiteren Planungen berücksichtigt

"Soweit möglich und vertretbar, werden Anregungen aus der Bürgerbeteiligung bei der weiteren Planung berücksichtigt", versichert Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuletzt hatten die Planer eingewilligt, die Zufahrt zur Anschlussstelle Messedamm von der Siedlung Eichkamp fort zu verlegen.

Die Grünen kritisieren jedoch, dass der Bund es ablehne, in Halensee weitere Ausfahrten anzulegen, um die Straßen an anderen Anschlussstellen zu entlasten. Bilger verwies auf zahlreiche Staus und Unfälle im Autobahndreieck. "Entsprechende Auslöser müssen verringert werden." Dazu zähle besonders der Verflechtungsverkehr mit den Zu- und Abfahrten in Halensee.

Grafik: Autobahndreieck Funkturm nach dem geplanten Umbau. (Quelle: Senatsverwaltung/deges.de)Grafik: Autobahndreieck Funkturm nach dem geplanten Umbau. (Quelle: Senatsverwaltung/deges.de)

Ziel der Planung sei ein zügiger und sicherer Verkehr, hob Bilger hervor. "Die Antwort zeigt klar: Das Bundesverkehrsministerium arbeitet weiter ohne jegliche Besinnung an autogerechten Städten", kritisierte der Berliner Grünen-Abgeordnete Stefan Gelbhaar. Die
Möglichkeit, den Autoverkehr zu reduzieren, werde nicht einmal betrachtet.

Verantwortlich für das Projekt ist die staatliche Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH. Ende dieses Jahres plant sie eine weitere "Themenwerkstatt", um die Planung vorzustellen und mit Interessierten zu diskutieren.

Sendung: Inforadio, 24. 7. 2020 13 Uhr

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13 Kommentare

  1. 13.

    Das ist nur z.T. richtig - eine wesentlicher Faktor für die Verzögerung von solchen Projekten sind auch die Beteiligungsverfahren bzw. mannigfachen Einsprüche von Anwohnern etc.
    Das ist halt der Preis für das Aushandeln von solchen Projekten. Ich finde es ärgerlich, dass das so oft vergessen wird. Schnell und rechtstaatlich & demokratisch geht es eben nur eingeschränkt und wenn wir ehrlich sind, will auch keiner mal eben schnell von oben und Einspruchsrechte eine Autobahnabfahrt (oder ein Zuggleis) vor der eigenen Haustür.

  2. 12.

    Vielleicht sollte sich der RBB angewöhnen, erst davon zu berichten, wenn ein von Berlin geplantes und gebautes Projekt fertig ist.
    Das hat den Vorteil, dass der Berliner Bürger nicht tagtäglich von der Unfähigkeit es Rot-Dunkelrot-Grünen Senats erfährt und das Bauen gebührend und, vor allen Dingen, überraschend gefeiert werden darf.
    Auch wird uns das tägliche Auftreten der sich als "kompetent" darstellenden Protagonisten erspart.
    Einfach aus den Fehlern des BER lernen, wo der Bürger nur noch genervt und kopfschüttelnd die "Nachrichten" erfährt.

  3. 11.

    Wer ist „Berlin“? Die 100 sachkompetenten Bauingenieure und Bauplaner, die der Wowereit/Sarrazin-Senat „eingespart“ hat - zum Wohl der extrem defizitären Landeskasse und damals mit großer Zustimmung nahezu aller Berliner Bürger und Medien.

  4. 10.

    Ich lach mich tot, kann Berlin überhaupt irgendetwas ordentlich planen und bauen ...

  5. 8.

    Rasthof Avus weg. Könnte man nicht die Nordkurve wieder aufbauen. Dann würde sich der Verkehr von alleine reduzieren.

  6. 7.

    Ich bin ja vollkommen von den Socken!
    Gibt es etwa Unstimmigkeiten oder ist da nicht doch auch, wie immer, CORONA Schuld*****

  7. 6.

    Ob „Anregungen aus der Bürgerbeteiligung bei der weiteren Planung berücksichtigt werden“, wird wohl auch davon abhängen, ob sie konkret darstellbar, bautechnisch machbar, haushaltspolitisch finanzierbar, verkehrspolitisch und/oder städtebaulich erforderlich, geeignet, verhältnismäßig und vorteilhafter als alle Alternativplanungen sind.

  8. 5.

    Das letzte Projekt, an das ich mich erinnere, was überpünktlich beendet wurde war die Fahrbahnsanierung der Avus.
    Anscheinend wurden damals vernünftige Verträge mit guten Firmen abgeschlossen.

  9. 4.

    Ob es mir vergönnt sein wir ein Projekt in diesem Land zu erleben das a. pünktlich beginnt, b. planmäßig beendet wird und c. nicht teurer wird. Ich glaube nicht daran, denn es hat Methode ein billiges Angebot einzureichen und sich dann über die unerwartete Kostenexplosion zu beklagen. In diesen Dingen sind wir meilenweit von der Weltspitze entfernt, leider!!!!!!

  10. 3.

    Das Dreieck am Funkturm kann weg. Stattdessen mehr Bahnen bauen.

  11. 2.

    Liebe Redaktion, die Luftaufnahme mit dem geplanten Umbau ist die alte Variante, bitte durch die neue ersetzten.
    Gruß Hagspihl

  12. 1.

    Na ich bin ja mal gespannt, ob bei uns in der Siedlung Eichkamp der Verkehrslärm bleiben wird wie gehabt oder ob er sich durch neue Streckenführung und moderne Baustoffe noch etwas verringern läßt. Jetzt wäre die Chance da...

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