Symbolbild: Ein Umzug von Jugendlichen in Berlin. (Quelle: dpa/Joko)
Audio: Radio Fritz | 07.07.2020 | A. Haufe | Bild: dpa/Joko

Bevölkerungsstatistik - Berliner ziehen deutlich öfter nach Brandenburg als umgekehrt

Auch im vergangenen Jahr sind die Einwohnerzahlen in Berlin und Brandenburg wieder gestiegen. In die Hauptstadt zieht es vor allem junge Leute. Und nach Brandenburg zieht es - Berliner. Von Götz Gringmuth-Dallmer

Im vergangenen Jahr sind wieder mehr Berlinerinnen und Berliner nach Brandenburg gezogen als umgekehrt. Das zeigen aktuelle Zahlen zu Wanderungsbewegungen vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, die rbb|24 ausgewertet hat.

So kamen im vergangenen Jahr zwar 17.805 Brandenburgerinnen und Brandenburger in die Hauptstadt. In Berlin packten allerdings deutlich mehr Menschen ihren Umzugswagen Richtung Brandenburg - mit 34.465 etwa doppelt so viele. 2018 sah es ähnlich aus - damals zogen ebenfalls rund 16.000 Menschen mehr von Berlin nach Brandenburg als umgekehrt.

Etwa drei Viertel der künftigen Brandenburger blieben allerdings im Berliner Umland. Die beliebtesten Landkreise waren Oberhavel, Barnim sowie Märkisch-Oderland. Insgesamt konnten sich fast alle Landkreise und kreisfreien Städte in Brandenburg über mehr Zuzüge aus als Fortzüge nach Berlin freuen. Lediglich Cottbus und Frankfurt (Oder) verloren unterm Strich leicht.

Jung und ledig ist auf Berlin gebucht

Insgesamt gesehen zogen vor allem junge Menschen in die Hauptstadt: Von den 184.744 Menschen, die 2019 nach Berlin zuwanderten, waren knapp die Hälfte (86.372) zwischen 18 und 30 Jahre alt. Abzüglich der jungen Menschen, die wieder fortzogen, sorgte diese Altersgruppe für den größten Zuzugsüberschuss: mit 32.865 Menschen. Außerdem kamen etwas mehr Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 18 Jahren in die Stadt, als fortzogen. In allen anderen Altersgruppen verließen aber mehr Menschen die Stadt als kamen. Zu- und Fortzüge gegengerechnet verlor Berlin vor allem in der Altersgruppe zwischen 30 und 45 Jahren.

Nach Brandenburg zogen im vergangenen Jahr insgesamt 87.238 Menschen - 64.324 verließen das Bundesland wieder. Diejenigen, die aus Brandenburg wegzogen, waren oft jung und unverheiratet. Knapp 40 Prozent (24.802) waren zwischen 18 und 30 Jahre alt, fast alle ledig. Bei den Zuzüglern ist diese Altersgruppe zwar ebenfalls stark vertreten, muss den ersten Platz aber den 30- bis 45-Jährigen überlassen (28.192). Diese Gruppe sorgte dann auch für den größten Zuzugsüberschuss.

Im vergangen Jahren zogen insgesamt 184.744 Menschen nach Berlin. 161.513 Menschen verließen die Stadt aber auch wieder, fast genau Hälfte-Hälfte ins Ausland und ins Bundesgebiet. Damit bleibt ein Zuzugsüberschuss von gut 23.000 Menschen.

Ein Großteil des Bevölkerungswachstums in Berlin kommt durch Zuzug aus dem Ausland zustande. Von den insgesamt rund 185.000 Neu-Berlinern, hatten etwa 110.600 Menschen vorher im Ausland gewohnt: knapp 58.000 in Europa und davon wiederum gut 40.000 aus Ländern der Europäischen Union.

In Berlin werden auch besonders viele Babys geboren: In der Hauptstadt zählte die Statistik 39.496 Lebendgeborene gegenüber 34.730 gestorbenen Menschen. Berlin verbuchte damit 2019 einen sogenannten Geburtenüberschuss von 4.766 Menschen. Wie das Statistische Bundesamt bereits im Juni mitgeteilt hat, liegt Berlin beim Bevölkerungszuwachs in absoluten Zahlen bundesweit auf dem dritten Platz hinter Bayern und Baden-Württemberg.

Auch in Brandenburg wuchs die Zahl der Einwohner. So zogen etwa 23.000 Menschen mehr zu, als das Land verlassen haben. Allerdings wurden hier gleichzeitig weniger Kinder geboren, als Bürgerinnen und Bürger starben: 19.331 Lebendgeborenen standen 32.028 Gestorbene gegenüber - das ist ein Sterbeüberschuss von knapp 12.700 Menschen. Zum Jahresende lebten damit in Brandenburg etwa knapp 10.000 Menschen mehr als im Jahr zuvor.

Beitrag von Götz Gringmuth-Dallmer

42 Kommentare

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  1. 42.

    Während der Potzdammer Platz immer aussieht wie frisch gebohnert, scheinen sich weiter draussen die schäbig angehauchten Viertel zu vergrössern. Allerorten Pisse-Geruch und Dreck. Auf dem Alex jetzt eine Polizeistation, weil es ja in der Hauptstadt so sicher ist. Mir als Besucher kommt es aber auch immer so vor, als wäre das so schon in Ordnung für die Berliner.

  2. 41.

    Man muss bei aller berechtigter Kritik stets im Auge behalten, dass man selbst sich im Laufe seines Lebens stark verändert. Ich sehe an mir selbst, dass ich weniger resistent gegen Stress, Lärm, Hektik, etc. bin. Ich denke, dass dies aber auch ein natürl. Prozess ist.
    Was ist schöner als früher: wir wohnen besser. Kohleöfen, Außenklos, zugige Badezimmer, Kriegsbrachen klingen romantisch, nerven aber im Alltag. Die Luftqualität in der Stadt ist besser. Vieles macht uns den Alltag leichter, alleine schon durch die Digitalisierung: Informieren, Einkaufen, Bücher in der Bibliothek bestellen, Anträge stellen, u.v.m. Wir sind als Bevölkerung internationaler geworden.
    Aber alles hat auch eine schlechte Seite: besseres Wohnen> höhere Mieten. Heterogene Bevölkerung> fragmentierte Bevölkerung, internationaler>Konkurrenz um Ressourcen. Problematisch wird es dann, wenn die Bevölkerung nicht mehr gleiche Werte vertritt: Teilhabe, Solidarität, Respekt, Toleranz, Streben nach Bildung/Aufstieg

  3. 40.

    Reinhard Mey hat mal gesungen, das ist mein Berlin. Meines früher auch. Jetzt in Brbg lebt es sich ruhiger und ich bin seitdem, nie in einen Hundehaufen getreten. Nach Berlin, nur wenn es sein muss.

  4. 39.

    aus berlin wegzuziehen, war vor jahren für mich die beste Entscheidung. zumal die imobilie mehr nur als erschwinglich war. tolles ruhiges leben hier. und wenn ich nach B muss, na und... fahre ich halt bissl länger,.. dafür abends wieder in den Urlaub.

  5. 38.

    Das wollte ich Ihnen auch nicht andichten; nur der von Ihnen angegebene Zeitraum in ihrem Beitrag zuvor entsprach dem halt. Nichts für ungut, CD.

  6. 37.

    Auf die Flüchtlingskrise hab ich mich gar nicht bezogen!
    Die sehe ich auch nicht für die Entwicklung verantwortlich.

  7. 36.

    Nun, es sind sicher nicht die Auswirkungen der sog. Flüchtlingskrise, die die Stadt (wohl in Ihren Augen) zum Negativen beeinflusst haben. Der Ansatz dazu ist vielmehr in der Finanzkrise von Ende des letzten Jahrzehnts zu suchen.

  8. 35.

    Sie sind ein guter Beobachter , ich möchte eine andere Frage stellen, nicht an Sie sondern ans Forum : was hat sich in Berlin positiv, also erfreulich , entwickelt in den letzten Jahren ??

  9. 34.

    Meiner Beobachtung nach sind es nicht die letzten 30 Jahre, sondern nur die letzten 5-6 Jahre,
    die die Stadt so sehr zum Negativen verändert haben.

  10. 33.

    " und vor allem im Rentenalter geht es immer weniger mit dem Auto):

    warum ??

  11. 32.

    die Mehrzahl der Kommentare zeichnet kein positives Bild von Berlin , Ausnahme : " ElmoBerlinDienstag, 07.07.2020 | 11:03 Uhr " der vielleicht im schönen Südwesten von Berlin lebt. ??
    Ich bin bereits 1975 aus Berlin fortgezogen . Nach der Wiedervereinigung ist es nun leicht ins Berliner Umland zu ziehen , davor bestand diese Möglichkeit ja nicht .

  12. 31.

    Genau auch meine Meinung. Bin auch in Westberlin geboren, so wie meine ganze Familie. Wir wollen hier auch nur noch weg. Die Stadt ist unerträglich geworden. Viel Schuld trägt die Politik daran. Wir wohnen zwar am südl. Stadtrand, aber hier wird es auch immer schlimmer. In die Innenstadt fahren wir nur noch sehr selten und hinterher fragen wir uns immer, warum eigentlich überhaupt. Meine Töchter wollen keine Kinder, weil diese hier keinerlei Perspektive mehr hätten und weil sich unsere Töchter mit dem ganzen Mist in Kita, Schule usw. der hier abläuft, nicht belasten wollen. Schöne neue Welt!

  13. 30.

    Natürlich war Westberlin im Vergleich zu vielen anderen - eigentlich allen - Städten Westdeutschlands ein Hotspot für Kunst und Kultur, auch und vor allem der alternativen Art. Aber das Leben in der Stadt an sich war doch vom Protegé durch die sog. Siegermächte geprägt: man hatte es sich gemütlich gemacht und es ging allen weitestgehend gut.

    Dann kam die "Wende" und Berlin wurde "eingemeindet". Und nun jammern die angbl. richtigen Berliner (ost wie west) hier nicht selten darüber, was in den letzten (30) Jahren nur aus ihrer schönen Stadt geworden ist.

    Und klar, auch Ostberlin war in weiten Teilen piefig und grau. Aber unter der Oberfläche brodelte es auch im Ostteil schon immer mehr als anderswo.

  14. 29.

    Naja, Berlin ist zwar nicht mehr der ruhige Hinterhof des Kalten Krieges (und z.B. 1920 gab es sogar noch mehr Einwohner, aber heute lauter und voller bei mehr als Million PKWs von Berlinern plus ausm Umland, welche alle auf paar Quadratkilometern um sich dann zu beschweren wie schlimm dieser Verkehr, und als ob Obdachloser dran schuld). Aber im Vergleich zu manchen anderen Städten ist Berlin noch ok (wenn auch sowieso Thema wie Angebot für arme Familien bzg. Umzug ins Umland, statt derzeitiges, dass diejenigen, welche von Wohnraumknappheit am meisten betroffen, sich Umzug oft nicht leisten können).

    Also ich selber würde nicht wegziehen müßen. Würde jedoch umziehen, da Stadtautobahn vorm Fenster Lärm- und Schmutz-belastung, welche sich gesundheitlich bemerkbar zu machen scheint, und wobei mir nicht klar warum für solche urbanistische Lösung Miete bzw. warum selbe Miete wie am Ufer in ruhiger Nebenstraße (also da wo solche Wohnungen, und nicht von Amt, Uni oder Industrie besetzt).

  15. 28.

    Berlin, piefig und Mausgrau scheint damals für Ostberlin gegolten haben. Warum ist denn damals soviel Jungvolk nach Berlin (West) gekommen. Ganz einfach weil hier mehr los war als im übrigen Bundesgebiet und sicherlich auch weil man nicht zur Bundeswehr wollte.

  16. 27.

    @rbb24: Sind denn längerfristige Trends oder Veränderungen dieser im Vergleich zu erkennen? Veränderte Altersstrukturen in der Stadt insgesamt - betrachtet über zB 10 Jahre usw.?

  17. 26.

    CD Kann mich nur anschließen.

  18. 25.

    Wer dann doch einmal nach Berlin will, (und vor allem im Rentenalter geht es immer weniger mit dem Auto):
    https://verkehrswende-brandenburg.vcd.org/mitmachen/unterschriftenliste/
    Bitte ausdrucken und unterschreiben, Unterschriften sammeln und bis August an den VCD schicken. Es geht um die Verdoppelung des ÖPNV in Brandenburg, vor allem auch um die Verbesserung der Zuverlässigkeit.

  19. 24.

    In Berlin hält mich auch nichts mehrs. Allerdings werde ich nicht nach Brandenburg ziehen. Ich habe da ganz andere Pläne fürs Ableben.

  20. 23.

    Bin in Westberlin gross geworden, mittlerweile schauen wir uns auch im Umland um. Berlin verkommt immer mehr . Unfreundlich geworden , zu hektisch , Autofahren wird auch immer bescheuerter, Behörden bekommen nix mehr auf die Reihe , Busse & Bahnen alles überfordert und dreckig . 80er und 90 Jahre waren hier geil...lauter Discos ,die Menschen waren lockerer und war cool hier . Mittlerweile nix mehr

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