Großbrand auf einem Mieterparkplatz in der Jahnstraße in Berlin-Neukölln am 13.07.2020. (Quelle: Morris Pudwell)
Video: rbb24 | 20.07.2020 | Nachrichten | Bild: Morris Pudwell

Geräumtes Wohnhaus in der Jahnstraße - Polizei nimmt mutmaßlichen Brandstifter von Neukölln fest

Vergangene Woche brannten Autos in einem Mieterparkplatz in Neukölln. Das Feuer sprang auf das Wohnhaus über, das anschließend wegen schwerer Schäden evakuiert werden musste. Nun hat die Polizei einen Tatverdächtigen gefasst.

Nach zwei Bränden in Berlin-Neukölln ist ein Tatverdächtiger gefasst worden. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag mitteilten, wurde bereits am Freitag nach intensiven Ermittlungen ein 32-Jähriger festgenommen. "Wir haben zahlreiche Ermittlungsergebnisse, haben auch Hinweise aus der Bevölkerung erhalten, die uns dann auf die Spur des Mannes geführt haben", sagte Polizeisprecher Martin Dams dem rbb.

Ein Richter habe inzwischen Haftbefehl erlassen. Der Mann wurde demnach am Samstag den Justizbehörden überstellt. Laut Polizei hat er sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert. Laut den Behörden sei eine politische Motivation, aber auch eine Verbindung zur weiteren Brandtaten zum jetzigen Erkenntnisstand nicht erkennbar.

Brandstiftung in der Buschkrugallee und in der Karl-Marx-Straße

Die Untersuchungen der Ermittlungsbehörden sowie Zeugenhinweise führten den Angaben zufolge auf die Spur des Mannes, der der Polizei bereits bekannt sei, allerdings nicht wegen Branddelikten. Ihm werde sowohl ein Brand in der Buschkrugallee Ecke Jahnstraße als auch die Brandstiftung an zwei Autos in der Karl-Marx-Straße in der Nacht zum Montag vergangener Woche zur Last gelegt.

Acht Autos und zwei Mopeds waren am vergangenenen Montag auf einem Mieterparkplatz in der Buschkrugallee in Flammen aufgegangen. Das Feuer griff auf das zugehörige Wohnhaus über. Sechs Mieter erlitten Rauchgasverletzungen und wurden von Sanitätern behandelt. Weil es nach dem Brand ein Problem mit der Statik des Gebäudes gab, wurde das Wohnhaus geräumt.

Polizei: Politische Motivation aktuell nicht erkennbar

Darüber hinaus brannte auch ein VW in der Karl-Marx-Straße in Neukölln. Passanten bemerkten die Flammen an dem Wagen und alarmierten Polizei und Feuerwehr. Die Einsatzkräfte löschten den Vollbrand, konnten jedoch nicht verhindern, dass das Feuer auf einen davor geparkten Skoda übergriff. Verletzt wurde hingegen niemand.

Bewohner des Hauses demonstrierten am Montag vor dem Bezirksamt. Sie wurden provisorisch in einem Hostel untergebracht. Dort würden zum Teil jedoch bis zu acht Personen in einem Raum untergebracht, sagte Bewohnerin Dunja Barbiche dem rbb. "Es wird nichts unternommen, wir kriegen keine Infos, was mit dem Gebäude ist", so Barbiche. Viele Bewohner fühlen sich von der Politik alleingelassen. Hausbewohner Ahmad Eliraqui sagt: "Wir wurden behandelt, als wären wir die Täter."

Vermieter nicht erreichbar

Der Bezirk wies die Vorwürfe zurück. "Auch wir schauen, ob wir noch Ferienwohnungen finden, die noch im Rahmen sind", so Christopher Dathe vom Bezirksamt Neukölln. "Man muss uns auch ein bisschen Zeit geben, um hier Hilfe zu leisten."

Das Bezirksamt will im Laufe der Woche die Bewohner auch juristisch beraten, welche finanziellen Ansprüche sie gegenüber dem Vermieter haben. Der ist nach rbb-Informationen allerdings weder für die Anwohnenden, noch das Bezirksamt erreichbar.

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7 Kommentare

  1. 7.

    Der Vermieter hat, so hart das vielleicht klingen mag, rein rechtlich keine Pflicht, Ersatzwohnraum zu beschaffen.
    Ob jetzt überhaupt ein massiver Mangel von Not-Ersatzwohnraum besteht, geht aus dem RBB Beitrag nicht hervor. Dass jetzt noch niemand weiss, wie es mit den gesperrten Wohnungen weiter geht, liegt in der Natur der Sache. Die bauphysikalischen Untersuchungen müssen erst abgeschlossen sein.

  2. 6.

    Typisch Neukölln, das Bezirksamt will und kann nicht arbeiten und Notunterkünfte anbieten. Ist schliesslich auch Wochenende.
    Berlin hat aktuell mehr als genug Platz für Asylanten aus griechischen Auffanglagern und keinen Platz für bereits hier Lebende?
    Und der Vermieter ist nicht erreichbar? Eben, typisch Neukölln.

  3. 5.

    Die "sächsische Provinz" ist, was Brandstiftungen an PKWs angeht, scheint mir relativ ruhig zu sein, oder haben Sie da andere Informationen, weil Sie das besonders betonen?.

  4. 3.

    Sie glauben also, früher habe es keine Brandstiftungen gegeben? Und die Kriminalstatistiken, die seit Jahrzehnten rückläufige Gewalt anzeigen, seien gefälscht?

    Wenn Sie wissen wollen, was ein „Tollhaus der Gewalt“ ist, dann lesen Sie Bücher über die 20er Jahre oder über die erste Nachkriegszeit. Sie werden es gar nicht fassen können, wie brutal und allgegenwärtig die Gewalt war, obwohl es damals keine „Kuscheljustiz“ gab, sondern die Todesstrafe.

  5. 2.

    Jetzt mal ganz ehrlich:
    Berlin wird doch zum Tollhaus für Gewalt.
    Durch die Kuscheljustiz hat kein Straftäter mehr Angst vor dem Knast.
    Man sieht ja an vielen Großstädten, dass uns Zustände wie in der Bronx 80er Jahre drohen.

  6. 1.

    Ich hoffe der Verdächtige, wenn er dann bewiesener Täter ist, bekommt eine empfindliche Strafe. Es hätten bei dem Brand in der Buschkrugallee viele Menschen zu Tode kommen können. Was veranlasst diese Leute zu solch schwerwiegenden und nicht zu kontrollierenden Taten

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