In der Nacht zum 14.07.2020 wird die "Molecule Man"-Figur in Berlin beklettert. (Quelle: Morris Pudwell)
Audio: Inforadio | 14.07.2020 | Juliane Kowollik | Bild: Morris Pudwell

Protest gegen drohende Räumung - "Liebig34"-Sympathisanten hissen Banner auf Molecule Man

Eine bunte Sturmhaube und ein mehrere Meter hohes Banner haben Kletterer am Dienstag an der Skulptur Molecule Man angebracht. Mit der Aktion wollten sie auf das von Räumung bedrohte linksautonome Hausprojekt "Liebig34" aufmerksam machen.

Mehrere Kletterer haben am frühen Dienstagmorgen die Skulptur Molecule Man auf der Spree in Berlin besetzt. Einer der Figuren zogen sie eine Sturmhaube in Regenbogenfarben über. An einer anderen brachten sie ein Transparent mit der Aufschrift "L34 stays - Wohnraum ist keine Ware" an. Sie hätten blaue Nebeltöpfe auf der Skulptur gezündet und die Aktion mit Hilfe einer Drohne aufgenommen, teilte die Polizei am Nachmittag mit.

Mit der Aktion sollte die gegenwärtige Berliner Landespolitik kritisiert und Solidarität mit dem von Räumung bedrohten, queer-feministischen Hausprojekt "Liebig34" bekundet werden, wie aus einer Mitteilung der linken Aktivisten hervorgeht.

Liebig 34 ist ein linksautonomes Hausprojekt in Berlin-Friedrichshain. Das Haus gilt als eines der letzten Symbole der linksradikalen Szene in der Stadt. Anfang Juni hatte das Landgericht einer Räumungsklage des Eigentümers gegen den Bewohner-Verein stattgegeben und entschieden, dass die Bewohnerinnen das Haus verlassen sollen. Die juristische Auseinandersetzung geht aber weiter, weil von Seiten des Wohnprojektes gegen das Räumungsurteil Einspruch eingelegt wurde.

Kamera beschlagnahmt, Drohne von Unbekanntem mitgenommen

Wie die Polizei mitteilte, hatten Mitarbeitende des Wachschutzes gegen 3:20 Uhr die Einsatzkräfte zur Straße An den Treptowers gerufen. Gegen 10 Uhr seien die acht Personen von der Skulptur heruntergestiegen. Demnach handelte es sich um sechs Frauen und zwei Männer im Alter zwischen 23 und 34 Jahren. Eine rbb-Reporterin hatte zuvor berichtet, bei den Kletterern habe es sich um vier Frauen und vier Männer gehandelt.

Eine Frau hatte nach Polizeiangaben die Aktion vom Boden aus mit einer Kamera aufgenommen. Auf Andordnung der Staatsanwaltschaft hätten die Polizeibeamten die Kamera als Beweismittel beschlagnahmt, hieß es weiter. Die Drohne habe ein unbekannter Mann an sich genommen und sei damit entkommen.

Keine Festnahmen

Die Personalien der Aktivisten wurden aufgenommen und die Kletterausrüstung beschlagnahmt. Gegen sie werde nun unter anderem wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und Landfriedensbruchs ermittelt, sagte ein Polizeisprecher. Es habe aber keine Festnahmen gegeben.

Der Molecule Man ist eine rund 30 Meter hohe Drei-Personen-Skulptur in der Spree zwischen Oberbaumbrücke und Elsenbrücke und eines der Wahrzeichen der Stadt. Entworfen hat sie der amerikanischen Künstler Jonathan Borofsky.

Sendung: rbb 88,8, 14.07.2020, 08:00 Uhr

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19 Kommentare

  1. 19.

    Ich glaube, doch eine gelungene Protestaktion, die anschlussfähig ist. Vor allem erfolgreich an die Medien gerichtet, die zum Kontext berichten. Parallel hängen zumindest im Stadtzentrum bereits großflächig mehrsprachige Plakate mit Räumungs- und Aktionsterminen verschiedener bedrohter Projekte. In meiner Wahrnehmung reiht sich das ein in die Enteignungskampagne. Die Wut über zu hohe Mieten, die aktuell viele nur mit Not bezahlen können, wächst. Wird spannend, ob sich vor den Wahlen noch eine neue Bewegungspartei gründet. Denn von den bestehenden Parteien werden die Mieter*innen weiterhin nur hingehalten und auf bessere Zeiten vertröstet.

  2. 18.

    Cool und witzig und zum Glück friedlich :)

  3. 17.

    Wie lange schaut sich der Senat den Kindergarten noch an? Die Bürger sind genervt und erwarten ein konsequentes Durchgreifen.

  4. 15.

    1) Woher ist bekannt, dass die Personen im Artikel keine Miete zahlen?

    2) Wohnen ist ein Grundrecht sollte allgemein für alle möglich sein bedingungslos

    3) Was geht es dich an, wo rein Leute ihr Geld investieren. Ne Kletterausrüstung kostet jetzt auch nicht die Welt. Zudem: Einmal gekauft = jahrelang benutzbar

    Super Aktion!!! Sollte es jeden Tag geben ;)))

  5. 14.

    Lieber rbb!
    Die Begriffe "Wohnprojekt" oder "Hausprojekt" sind irreführend.
    Jeder kann sich in seiner Wohnung, die er selbst bezahlt und pflegt, sein Projekt unter Rücksicht gegenüber den Nachbarn verwirklichen.
    Die Zustände im Haus und auf der Straße dort sind doch kein Wohnprojekt!

  6. 13.

    Sieht cool aus...

  7. 12.

    Was ist denn daran waghalsig?
    Da merkt man die Stadtpinscher.
    Ich nehm DICH gern mal zum Climbing in die Rockis mit

  8. 11.

    Ich finde die Aktionen lustig. Kein Geld für die Miete einer Wohnung aber teurere Kletterausrüstung. Hier geht es doch längst nicht mehr um die Sache sondern um Aufsehen und Stimmungsmache. Viel zu lange wurden diese Leute geduldet.

  9. 10.

    Was für ein Irrsinn...
    Warum werden solche chaotischen Zustände überhaupt toleriert ?
    Gewalt gegen Menschen, Dinge, "Bullenschweine" oder was auch immer ist genausowenig eine politische Meinungsäußerung wie ein ständiges Denken im eigenen Wahrnehmungs- und Interpretationskreis ohne Akzeptanz von anderen Meinungen oder sozialen, gesellschaftlichen, demokratischen und rechtlichen Rahmenbedingungen.

    Die sogenannten Aktivisten sind ja an einem Konsens, der eventuell nicht ihrem Ideal entspricht überhaupt nicht interessiert. Es nur im eigenen Dunst gekocht, gedacht und gelebt und Regeln einfach übergangen.

    Ich kann keine Sympathie dafür entwickeln.

  10. 9.

    endlich räumen! es nervt einfach nur noch.

  11. 8.

    Erinnert an die Beflaggung des Brandenburger Tors durch die Indentitären und kommt für das Projekt ziemlich zu spät. Und der Slogan ist noch nicht einmal klug. Natürlich ist im Kapitalismus Wohnen eine Ware, ebenso wie Nahrung, Wasser und Strom. Einzig der Sauerstoff ist (noch) nicht privatisiert.

  12. 7.

    Und was wäre Ihnen lieber? Dass der RBB, anstatt neutral zu berichten und damit die Aktion zumindest einem größeren Kreis als den Lesern der "Polizeipresse" bekannt zu machen, die Aktivist*innen für ihre "kreative und phantasievolle Aktion" (so lautet doch die in solchen Fällen gern von Unterstützern verwendete Phrase, oder?) auch noch feiert?

    Immerhin entnehme ich der Meldung keine Kritik an der Aktion und frage mich, ob das genauso wäre, wenn die Identitären die Figuren mit riesigen Burkas verhüllt hätten.

  13. 6.

    Großartige Aktion!

  14. 5.

    Ich sehe die Aktiven in der eigenen Denke befangen, die auch garnicht verlassen werden soll. Was in gewisser Hinsicht schaden ist. "L34 stays" dürfte nicht gerade ergreifend sein angesichts eines Landes, das Englisch nicht zur Umgangssprache hat und bei dem 90 % der Menschen mit "L" eher Leipzig assoziieren als die Liebigstraße.

    Die faktische Ghettoisierung entstammt offenbar zwei Seiten.

  15. 4.

    Sommerloch.

  16. 3.

    Meine Hochachtung gilt den Aktivisten. So eine originelle wie waghalsige Aktion trotz der inzwischen überbordenden Polizeipräsenz in Berlin hinzubekommen verdient Respekt.

  17. 2.

    Feine Sache!!!! :-)

  18. 1.

    Der rbb sollte sich auf die Berichterstattung aus den Gemüsebeeten der Stadt konzentrieren. Da liegt die Kompetenz des Senders. Das reine wiederkäuen der Polizeipresse ist Verschwendung der Gebührengelder.

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