Eine Diskokugel dreht sich im Volkspark Hasenheide bei einer Party, Archivbild (Quelle: DPA/Christoph Soeder)
Bild: DPA/Christoph Soeder

Berlin-Haselhorst - Polizei löst Festival auf – Veranstalter prüft rechtliche Schritte

In Spandau hat die Berliner Polizei am Freitagabend ein Open-Air-Festival vorzeitig aufgelöst. Zu Unrecht, sagt der Veranstalter. Man habe ein Hygienekonzept erstellt und sich an die Obergrenze von 999 Gästen gehalten. Das erteilte Verbot wolle man anfechten.

Die Berliner Polizei hat am Wochenende gleich mehrere Open-Air-Partys aufgelöst. Bereits am Freitagabend wurde ein Musikfestival in Berlin-Haselhorst (Bezirk Spandau) gestoppt. Den Angaben zufolge feierten mehrere Hundert Menschen unter freiem Himmel am Juliusturm 13 nahe der Spree, bevor gegen 20.45 Uhr die Polizei auftauchte. Das "H13-festival" hatte eigentlich bis zum Sonntag andauern sollen.

Die Veranstaltung sei zwar angemeldet, aber nicht genehmigt worden, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag auf Anfrage rbb|24. Vor Ort hätten die Einsatzkräfte am Freitagabend zunächst Kontakt mit dem Veranstalter aufgenommen. Als sich herausstellte, dass keine Genehmigung vorlag, seien die Feiernden nach Hause geschickt worden.

"Wir werden schauen, wo der Fehler lag"

Vom Veranstalter "Rausch & Flausch" selbst hieß es am Samstag auf Facebook, man habe "alles Mögliche versucht, um auf der sicheren Seite zu sein und ein legales, den aktuellen Eindämmungsverordnungen entsprechendes Open Air zu ermöglichen." Man werde nun schauen, wo der Fehler lag und weshalb die Polizei die Veranstaltung beendet habe. Der Veranstalter will gegen das Vorgehen rechtliche Schritte einleiten und das Festival nachholen, heißt es weiter: "Wir […] werden nun den Rechtsweg bestreiten und für unsere Freiheit und Existenz weiter einstehen."

Ob ein Hygienekonzept eingereicht wurde, ist unklar

Im Gespräch mit dem "Tagesspiegel" sagte einer der Veranstalter, Gerrit Glapiak, man habe sich wochenlang um Genehmigungen bemüht, obwohl diese teilweise gar nicht nötig gewesen seien, da es für das Gelände bereits seit 2015 ein vom Bezirk genehmigtes Lärm- und Veranstaltungskonzept gebe.

Hygienemaßnahmen seien demnach umfangreich vorbereitet worden. Die Teilnehmerzahl sei auf 999 Personen begrenzt gewesen, Besucher hätten am Eingang ihre Kontaktdaten hinterlegen müssen. Trotzdem habe der Einsatzleiter der Polizei die Räumung des Geländes mit Verstößen gegen die Corona-Richtlinien sowie einer angeblich fehlenden Lärmschutz-Genehmigung begründet.

Mit der Berliner Eindämmungsverordnung vom 23. Juni [berlin.de] wurden Veranstaltungen im Freien bis 1.000 Personen zwar erlaubt. Die Verantwortlichen müssen aber "entsprechend der spezifischen Anforderungen des jeweiligen Angebots ein individuelles Schutz- und Hygienekonzept" erstellen und auf Verlangen den zuständigen Behörden vorlegen. Die Veranstalter des Open-Air-Festivals in Haselhorst hätten aber nichts davon beantragt oder eingereicht, sagte ein Polizeisprecher der "Berliner Morgenpost".

Kontrollen in mehreren Parks

Auch im Stadtteil Friedrichshagen löste die Polizei am Samstagabend eine illegale Musikveranstaltung auf. Rund 1.000 Menschen hatten sich demnach in einem Waldgebiet an der Schöneicher Landstraße getroffen, sagte eine Sprecherin. Die Feiernden seien alle freiwillig gegangen.

Viele überwiegend junge Menschen trafen sich am Samstagabend auch in Berliner Grünanlagen wie dem Mauerpark, dem Volkspark Friedrichshain und dem Park am Gleisdreieck. Dort seien Kontrollen durchgeführt worden, sagte die Polizeisprecherin auf rbb|24-Anfrage. Hier seien die geltenden Abstands- und Hygieneregeln überwiegend eingehalten worden.

Sendung: Inforadio, 05.07.2020, 13:40 Uhr

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Antwort auf [Prenzlauer] vom 05.07.2020 um 18:41
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20 Kommentare

  1. 19.

    also techno/ electro is seit jahrzehnten coronaerprobt.
    es galt schon immer: mein tanzbereich dein tanzbereich und mit den masken kennen wir uns seit den 90igern aus. aber mal spass beiseite. so kann man kultur auch zermürben aber am ende gross schreien wir wären kulturhauptstadt. seit mind. 15 jahren nicht mehr.

  2. 18.

    Vielleicht sollten Sie mal zum Schütze der Vögel und Füchse aus der Stadt ausziehen. Auch Sie verursachen mit Ihrer städtischen Lebensweise "unnötigen" Lärm ;-)

  3. 17.

    Na und, das eine schließt doch das andere nicht aus.
    Wie kann man so herablassend über die vielen jungen Menschen urteilen, obwohl man gar nicht weiß was diese wirklich machen.
    Und dass sie in ihrer Freizeit auch mal feiern dürfen, sei ihnen wohl mehr als gegönnt und erlaubt, schlimm hier scheint es nur noch Hardcore spießbürger zugeben, die wahrscheinlich in völliger Angst dahinsiechen.

  4. 15.

    Meine Güte, geht es nicht mal ein Jahr ohne feiern und saufen, Drogen oder sonst der Gleichen. Jugend hin oder her. Man kann sich auch anders oder sinnvoller beschäftigen. Vielleicht mal ehrenamtlich tätig werden. Es gibt da genug Baustellen.

  5. 14.

    Wenn Demos erlaubt sind kann man auch Openair mit einem vernünftigen Hygienekonzept genehmigen. Hier lag die Genehmigung allerdings nicht vor. Also wurde die Veranstaltung zu recht aufgelöst.
    Ob solche Partys in dieser Zeit notwendig sind, stelle ich aber in Frage. Demos sind ein Grundrecht. Partys nicht. Das Leben besteht eben nicht nur aus Spaß. Das sollten die Veranstalter und die jungen Menschen eigentlich wissen.

  6. 13.

    Sehr gut. Freue mich zu lesen, dass das mit der Kontrolle so gut funktioniert. Bitte weiter kontrollieren und wenn die Vorschriften nicht eingehalten werden die Parties und Veranstaltungen auflösen!

  7. 12.

    Also die Party in der Hasenheide am Samstagabend war auch nicht ganz ohne. Vögel und Füchse, die auch in der Hasenheide leben, waren deutlich verunsichert. Für die nahegelegenen Anwohner unmöglich zu schlafen - laute Bässe und regekmäßiges Aufschreien der Tanzenden. Am nächsten Morgen bleibt eine Müllhalde mit tausend Glasscherben. Bin normalerweise nicht sehr empfindlich, was die Lärmbelästigung angegeht. Aber mir fehlt das Verständnis, wie man einen Park, der eigentlich der Naherholung dient, zu einem Open-Air-Nachtclub machen kann. Die Polizei ist nicht gekommen - vielleicht hat sie mal vorbeigeschaut. Aber der Lärm hielt mindestens bis nach 2 Uhr nachts an. Heute am Sonntag fängt es gerade, um 18:30 Uhr, wieder an. Mögen sich diese Partygänger bald wieder im Berghain et al. treffen können.

  8. 11.

    Ich finde ihren Kommentar gut.
    Wie hätten wir uns als junge Menschen verhalten?
    Ich finde unsere Jugend fand in etwas sorgloseren Zeiten als heute statt. Jeder darf auch mal abschalten.
    Ich finde es sowieso schlimm, dass die Partyszene kriminalisiert wird. Wir haben ganz andere Kriminelle.

  9. 10.

    Ich gebe allen Menschen recht , wenn sie Angst
    vor der zweiten Welle haben , aber die Jugend muß
    sich irgendwie entfalten können. Es Bedarf jetzt
    ein vernünftiges Konzept für Veranstaltungen im
    Freien, damit die Jugend endlich wieder ihren Spaß
    haben.

  10. 9.

    Sehe ich ganz genauso...vielleicht weil Partys nicht politisch sind.
    Ich gehe weder zu Demos noch zu Partys trage Mundschutz und bleibe möglichst zu Hause bis auf Zoo oder Tierpark, aber ich denke das hier irgendetwas gewaltig schief läuft. Jedes Wochenende Demomarathon und ein Open- Air Festival wird nicht genehmigt. Ich verstehe es nicht.

  11. 7.

    Also wenn ich hier die Kommentare lese, könnte ich nur noch ....
    also die jungen Leute sind unvernünftig, die 2. Welle kommt, hart sanktionieren, und und und.
    Vielleicht überdenkt man einfach mal die Auflagen, lässt die jungen Menschen feiern, mit nem anständigen Konzept?
    Immer nur gegen alles was die jungen Menschen machen zu sein, rum zu motzen, einfach mal hinsetzen, nachdenken und an guten Konzepten mitwirken. Wie wäre das denn?
    Aber nö, lieber nicht, betrifft mich nicht, rum meckern....
    nur noch Egoisten in dieser Stadt, die selbst früher Party gemacht haben und ich möchte nicht wissen, ob da immer alles ganz ruhig ohne Lärm und ordnungsgemäß zugegangen ist.
    Ich selbst bin Ü50 und finde es klasse, wenn die jungen Menschen Spaß haben, und an die verbitterten hier, die nichts mehr mit sich anzufangen wissen, kommt aus dem Quark und lebt endlich .....

  12. 6.

    Wenn Demos mit mehreren 1000 Menschen genehmigt werden, warum dann keine Partys?

  13. 5.

    Sehr unvernünftig diese feiernden Leute.

  14. 4.

    Man könnte den Leuten allerdings auch mal ein Angebot machen.
    In der Clubszene verkehren auch Menschen, die mit ihrer Arbeit den Laden mitfinanzieren.
    Das sind nicht alles Kriminelle!
    Hier könnte man Freiluftdiskos einfach mal probieren, ob es klappt.
    Ich finde es schlimm, dass jahrzehntelang bei ebenfalls gesundheitsschädlicher Kriminalität aus Freiheitsargumenten wenig passiert ist, und jetzt jeder Party wie ein Verbrechen aufgelöst wird. Die Demos lässt man doch auch laufen.

  15. 3.

    Alles wird mit der 1.Welle der Pandemie begründet. So einfach kann Polizeiarbeit sein.
    Es gibt einfach nur noch einen Grund.
    Keine Diskussion

  16. 2.

    Was ist bloß mit den Leuten los, Hauptsache Party. Wo bleibt der gesunde Menschenverstand.

  17. 1.

    Traurig, wie wenig man sich an die Regelungen hält. Soll die zweite Welle kommen???

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