Auto rast am Bahnhof Zoo in Menschenmenge (Quelle: David Donschen)

Berliner Hardenbergplatz - Unfall-Fahrer war offenbar mit gestohlenem Wagen unterwegs

Die Lage war zunächst unklar, als ein Wagen am Sonntag am Hardenbergplatz mehrere Menschen erfasste. Nach rbb-Informationen war der Unfall-Fahrer ohne gültige Fahrerlaubnis und mit einem fremden Wagen unterwegs - nach einem Streit mit seiner Ex-Freundin.

Der 24-jährige Mann, der am frühen Sonntagmorgen am Berliner Hardenbergplatz sechs Menschen bei einem Unfall zum Teil schwer verletzte, war wohl ohne gültige Fahrerlaubnis und mit einem ihm fremden Wagen unterwegs. Nach rbb-Informationen gibt es eine Anzeige wegen des Verdachts des Diebstahls. Das bestätigte die Berliner Polizei rbb|24 am Montag, zur Fahrerlaubnis des Mannes habe sie aktuell noch keine Erkenntnisse.

Nach rbb-Informationen soll der Mann die Schlüssel des Wagens nach einem heftigen Streit mit seiner ehemaligen Freundin aus deren Wohnung gestohlen haben und dann ohne Fahrerlaubnis und alkoholisiert mit dem SUV davon gefahren sein. Wie die Polizei dem rbb bestätigte, ist der Wagen auf eine Firma in Estland zugelassen.

Heftiger Streit mit Ex-Freundin ging Unfall voraus

Nach rbb-Informationen liegt gegen den Mann zudem eine Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung vor. Auslöser soll demnach gewesen sein, dass die Frau ihm in der Nacht mitgeteilt hatte, sich von ihm zu trennen. Schon am Sonntagabend hieß es aus dem Polizeipräsidium: Der 24-jährige Fahrer soll in frustriert-aggressiver Stimmung durch die Stadt "geballert" sein, wie der "Tagesspiegel" schrieb.

Ein Antrag auf eine sogenannte Gewaltschutz-Verfügung wurde nach rbb-Informationen gestellt. Die soll es dem Mann per Gerichtsbeschluss unter anderem untersagen, mit der jungen Frau zu kommunizieren oder sich ihr im Umkreis von 100 Metern zu nähern. Das Amtsgericht hat bislang allerdings noch nicht reagiert.

Ermittlung wegen Gefährdung des Straßenverkehrs

Der Unfall am Bahnhof Zoo ist derweil der Staatsanwaltschaft übergeben worden und wird als solcher behandelt. Ermittelt wird wegen Gefährdung des Straßenverkehrs sowie fahrlässiger Körperverletzung. Zunächst hatte die Polizei Ermittlungen wegen versuchten Totschlags und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr aufgenommen.

Wer laut Strafgesetzbuch den Straßenverkehr gefährdet und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, kann mit Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe sanktioniert werden.

Der unverletzte Unfall-Fahrer zunächst festgenommen worden, noch am Sonntag konnte er aber den Polizeigewahrsam wieder verlassen. Es bestehe keine Fluchtgefahr, "weil der Mann einen festen Aufenthalts-und Lebensmittelpunkt hat", wird ein Polizeisprecher in der "B.Z." zitiert.

Laut Polizei gibt es bislang keine Erkenntnisse, dass der 24-Jährige vom Unfallort flüchten wollte. Es lägen auch keine Hinweise vor, dass er in suizidaler Absicht mit dem Wagen in die Gruppe krachte, so der Sprecher. Das habe sich aus der Vernehmung des Mannes ergeben. Ein Atemalkoholtest hatte laut Angaben etwa 0,7 Promille ergeben. Es gebe keine Hinweise auf eine "Intoxikation durch Betäubungsmittel", hieß es.

Ein Mann schwebte in Lebensgefahr

Bei dem Crash am Sonntagmorgen wurden drei auf der Straße lebende Männern schwer und drei Passanten leicht verletzt. Einer der Obdachlosen schwebt noch in Lebensgefahr, auch die anderen beiden werden weiterhin in Kliniken behandelt.

Der 24-Jährige hatte beim Abbiegen die Kontrolle über das massive Auto verloren und war in die Gruppe gerast. Der Fahrer soll viel zu schnell unterwegs gewesen sein.

Sendung: rbb24, 27.07.2020, 21.45 Uhr

 

Kommentarfunktion am 28.07.2020, 07:40 Uhr geschlossen

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32 Kommentare

  1. 32.

    Wirklich? Erst jetzt die Scheuklappen abgesetzt, oder was? Ihren Vorwurf weise ich entschieden zurück.

  2. 31.

    Er nicht, aber das Fahrzeug. Deshalb heißt es auch Haftpflichtversicherung. Diese muss erstmal alle Kosten übernehmen, wird sich aber gegebenenfalls an den Verursacher wenden, um ihn in Regress zu nehmen.

  3. 30.

    Seit wann bestimmt eine Landesregierung die Inhalte von Bundesgesetzen?

  4. 29.

    Und immer wieder der Ruf nach höheren Strafen. Glauben diese Leute wirklich, dass der Geschehensablauf anders gewesen wäre, wenn die Strafandrohung für eine der begangenen Straftaten eine höhere gewesen wäre? Ich sage nein. Je spontaner eine Tat ist, umso weniger dürfte sich ein Täter Gedanken über die Folgen derselbigen machen.

  5. 28.

    ich fasse mal die kommentare hier zusammen:
    1. bei jedem kleinsten verstoß wird sofort und ohne ermittlung und verhandlung strafhaft verhängt, sofortiger antritt
    2. schwerere vergehen werden am besten sofort mit erschießen geahndet
    3. die umstände des einzelfalls interessieren nicht

    wenn das so umgesetzt werden würde, hätten wir schnell eine einwohnerzahl, die gegen null tendiert. dann brauchen wir praktischer weise gleich auch keinen staat oder regierung mehr.

  6. 27.

    So, dass mit den Obdachlosen ham wa jetzt, fehlt nur noch die osteuropäische Herkunft des jungen Mannes.... Wirklich keine Absicht?

  7. 26.

    Ich stimme Ihnen voll zu. Es werden Leben ausgelöscht oder massiv beeinträchtigt - ohne angemessene Konsequenz für die Verursacher. Die Schuldigen lachen doch über die Strafen.

  8. 25.

    Danke für den Hinweis. Für mich ist die Gerichtsbarkeit einfach auch ein Ordnungshüter.
    Gute Besserung den Opfern, kommt bald wieder auf die Beine.
    Ein Pfui den Smartphon-Filmern!

  9. 24.

    Überrascht mich das jetzt? Nein.
    Ich versuche seit gestern zu erklären, dass es Menschen gibt, denen einfach die nötige Reife zum Führen eines Fahrzeuges fehlt.

    In diesem Zusammenhang sprach ich von begleitetem Fahren (was ja bei Früh-Fahrern üblich ist...) und von Fahrverboten an Wochenenden.

    Natürlich habe ich das auch auf eines der drei Geschlechter eingeschränkt.

    Natürlich wurden diese Beiträge nie freigeschaltet. Tja, gegen die Fakten waren meine Einlassungen noch echt nett....

  10. 22.

    Den Verletzten wünsche ich eine baldige und gute Genesung. Auch wenn hier Wohnungslose zusätzlich betroffen sind sollte wir an diese Personen besonders denken.

  11. 21.

    Das Problem in Deutschland ist doch, dass Fahrlässigkeit (also Achtlosigkeit in Kombination mit Dummheit) generell viel zu schwach bestraft wird. Bei fahrlässiger Körperverletzung geht man in der Regel straffrei aus ... vielleicht gibt es mal ein Jahr auf Bewährung, aber das ist de facto keine Strafe, sondern eine juristische Formalie.

  12. 20.

    Sie müssen schon zwischen der Arbeit der Exekutive und der Judikative unterscheiden können.
    Der ehemalige Außenminister Joschka Fischer hat dies angeblich mal so beschrieben
    Zitat:
    "1, 2, 3/fängt die Polizei/alle Randalierer ei/und die Juristerei/lässt alle wieder frei/."

  13. 19.

    @Paula W. so ist das ebend in Deutschland da braucht man nur 3 Promille im Turm haben oder in der Jugend den falschen Babypuder und schon haste Narrenfreiheit.
    Es müssen andere Gesetze her und härtere Strafen aber das wird es unter Rot und Grün nicht geben.

  14. 18.

    Bitte keine Verallgemeinerungen, Raser die zu schnell fahren auf der Autobahn,bzw. in Ihrer Auffassung wohl auch auf Strecken ohne Tempolimit, wollen keinem Schaden verursachen und stehlen keine Autos und fahren nicht ohne Führerschein. Dies ist ein Einzelfall der leider mit einem Unfall endet, verursacht von Emotionalen Fehlverhalten. Dies würde sich auch bei noch so hohen Strafen für Temposünder nicht ändern. Dies passiert sogar erfahrenen Polizisten.
    Das Tehma auf Kosten der Opfer in eine andere Richtung steuern ist unverhältnismäßig.

  15. 17.

    Hallo Ich,
    der Täter hätte in Untersuchungshaft – nicht in Strafhaft – genommen werden können, wenn
    a) Fluchtgefahr
    b) Wiederholungsgefahr
    c) Verschleierungsgefahr
    bestanden hätte. Das ist im vorliegenden Fall nicht der Fall. Daher erfolgt keine Inhaftierung. Nochmal: Eine Untersuchungshaft ist KEINE Strafhaft.

  16. 16.

    Da hat ein Typ sein Leben nicht im Griff,bedrohl die Freundin,klaut ihr Autoschlüssel und Auto , brettert dann,ohne Führerschein , angetrunken mit einem Wagen durch die Stadt,den er wegen Promille und Tempo nicht im Griff hat und rast in eine Menschengruppe.
    Ich hoffe, die Verletzten erholen sich schnell und genesen vollständig. Schmerzensgeld ist bei dem Unfallverursacher wohl nicht zu holen und versichert ist der auch nicht. Und dieser Typ läuft jetzt bis zu seiner Gerichtsverhandlung frei rum,zu der er hoffentlich erscheint . Und dann ....???

  17. 15.

    “Gibt es denn niemanden mehr, der hart durchgreift????“

    Nein, denn durchgreifen ist ja “rechts“. Sie wissen schon, Polizei, Gefängnisse, Vorschriften generell, alles dient der “Repression“ und muss daher geschwächt, zersetzt, oder gleich abgeschafft werden. Dann entsteht zwangsläufig automatisch die solidarische, herrschaftsfreie und friedliche Optimalgesellschaft. Theoretisch.

    Im Kern unserer viel zu laschen Gesetzgebung steht die Idee der Resozialisierung: Der Glaube an das Gute im Menschen, dem man maximal entgegenkommen muss, mit einer Politik der “ausgestreckten Hand“ und des “Brückenbauens“. Angebote machen, fördern ohne zu fordern, und “dann wird das schon“. Strafen hingegen sind “unmenschlich“.

    Ein hehrer Idealismus also, der vom lernfähigen Idealmenschen ausgeht, nicht aber vom manchmal eben einfach fehlbaren, dummen oder grausamen realen Menschen.

    Brauchen wir angesichts der Natur der Menschen mehr “rechts“, um die Lage in den Griff zu bekommen? Ich sage: Ja.

  18. 14.

    Ach ja, der ging ja zu Fuss über den Hardenbergplatz oder nicht?

  19. 13.

    @Paolo Giovanni Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Der Herr hat wie berichtet keinen Führerschein

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