Symbolbild: Ein Bild des Street-Art-Künstlers "Alias" auf einem Schornstein auf einem Dach - ein Junge, der sein Gesicht in seine Arme presst - aufgenommen in Berlin im Bezirk Friedrichshain am 02.06.2015. (Quelle: dpa/Wolfram Steinberg)
Audio: Antenne Brandenburg | 22.07.2020 | Robin Marienfeld | Bild: dpa/Wolfram Steinberg

Berlin laut Studie besonders betroffen - Mehr als 2,8 Millionen Kinder bundesweit von Armut betroffen

Kinderarmut bleibt ein großes, ungelöstes Problem. Zu diesem Urteil kommt die Bertelsmann Stiftung. Bundesweit sei knapp ein Fünftel der unter 18-Jährigen betroffen. Millionen von Kindern hätten keinen normalen Alltag. Besonders prekär sei die Lage in Berlin.

Kinderarmut bleibt einer Analyse zufolge mit unverändert hohen Zahlen eine "unbearbeitete Großbaustelle". Rund 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche wachsen in Armut auf - 21,3 Prozent aller unter 18-Jährigen, wie die Bertelsmann-Stiftung am Mittwoch berichtete. "Seit Jahren ist der Kampf gegen Kinderarmut eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen in Deutschland."

Dennoch gebe es seit 2014 im bundesweiten Durchschnitt wenig Verbesserungen. Mehr als jeder fünfte Heranwachsende sei betroffen - mit regional starken Unterschieden. Die Corona-Krise drohe das Problem noch zu verschärfen.

Nach Bundesländern werden in den Stadtstaaten Berlin und Bremen besonders viele Kinder und Jugendliche in finanziell schwachen Verhältnissen groß. Aber auch in vielen Kommunen im Westen und Nordwesten Deutschlands ist die Lage angespannt. In Bayern und Baden-Württemberg sieht es für sie im Vergleich am besten aus.

Klassenfahrten, Kino, Einladungen von Freunden - für vieles fehlt das Geld

Die Untersuchung der Stiftung legt eine kombinierte Armutsmessung zugrunde. Sie berücksichtigt Kinder aus Familien, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte beträgt. Und es sind Heranwachsende im Grundsicherungsbezug eingerechnet, deren Familien Hartz IV erhalten. Das ungelöste Problem der Kinderarmut habe erhebliche Folgen für Aufwachsen, Wohlbefinden, Bildung und Zukunftschancen, betonte die Stiftung in Gütersloh.

Vor allem bei Freizeitgestaltung und sozialer Teilhabe bestehe eine starke Unterversorgung. Zwei Drittel der armen Kinder können laut Analyse mit ihrer Familie nicht einmal eine Woche im Jahr in Urlaub fahren. Bei vielen reiche das Geld nicht für einmal im Monat Kino, Konzert oder Essengehen. Klassenfahrten, Schüleraustausch oder Einladungen nach Hause seien schwierig.

Corona-Pandemie verschärft die Lage

"Kinderarmut in unserem reichen Land ist ein unfassbarer Skandal, weil sie Lebenschancen der Kleinsten verbaut", kritisierte Linke-Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch. Es sei ein schweres Versäumnis von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Bundesregierungen der vergangenen Jahre, hier keine entscheidende Verbesserung erreicht zu haben.

Es drohe zudem noch ein deutlicher Armutsanstieg, warnte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Die Folgen der Pandemie treffe Eltern benachteiligter Kinder besonders hart. Sie arbeiteten häufiger in Teilzeit oder als Minijobber und gehörten zu der Gruppe, die als erste ihren Job verliere, kaum oder kein Kurzarbeitergeld erhalte. Zugleich fallen viele Unterstützungsangebote für bedürftige Heranwachsende weg, wie Dräger schilderte. "Die Vermeidung von Kinderarmut muss gerade in der Corona-Krise politische Priorität bekommen."

Kinder Alleinerziehender in Brandenburg besonders betroffen

Die Autoren der Studie weisen auch auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hin, die den Anteil von Kindern in Haushalten, die von Hartz IV leben. In Berlin betraf dies im vergangenen Jahr fast jedes dritte Kind unter 18 Jahren (27 Prozent). Fünf Jahre zuvor waren es jedoch noch 31,8 Prozent.

In Brandenburg lag die Quote zuletzt deutlich niedriger: Im vergangenen Jahr lebten 12,3 Prozent aller Kinder unter 18 Jahren in Familien, die auf Hartz Iv angewiesen waren. 2014 waren es noch 17,7 Prozent. Mehr als die Hälfte dieser Kinder lebt in Brandenburg in Familien mit Alleinerziehenden (55,2 Prozent) In Berlin sind es 44,4 Prozent. Der Bundesschnitt liegt bei 45,2 Prozent.

Sendung: Inforadio, 22.07.2020, 7.20 Uhr

 

Kommentarfunktion am 22.07.2020, 16:43 Uhr geschlossen

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37 Kommentare

  1. 36.

    "Mehr als 2,8 Millionen Kinder bundesweit von Armut betroffen"
    Das kann nicht stimmen.
    Immerhin hat unsere Kanzlerin gerade Milliarden an andere Länder verschenkt. Das hätte sie wohl nicht getan, wenn es in Dtl so viele Hilfsbedürftige geben würde. Schließlich hat unsere Kanzlerin gemäß Art. 64 i. V. m. Art. 56 unserer Verfassung den Eid geleistet, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden.

  2. 35.

    Ich äußere hier meine Meinung wie jeder andere hier.
    Damit müssen sie wohl klar kommen.

    Was meinen Bleckkuchen betrifft.....im Text stand ja...man kann keinen daheim einladen...da alles so teuer ist und ich wollte mit meinem Blechkuchen sagen das es eben nicht so ist. Ne Packung Tee sollte auch drin sein.

    Aber Hauptsache sie haben mal wieder was gefunden...das gönne ich ihnen natürlich

  3. 34.

    Hallo Friedrich,
    wenn Sie die Bertelsmann-Stiftung kritisieren wollen, tun Sie dies gerne, entsprechend unserer Netiquette: https://www.rbb24.de/hilfe/hilfe___kommentarfunktion.html

    Viele Grüße!

  4. 32.

    Realsatire ist nicht nur die vorhin genannte und per Verlinkung nachgewiesene maßgebliche Verantwortung der Bertelsmann-Stiftung für den Sozialstaatsabbau durch Agenda 2010 und Hartz 4 vor dem Hintergrund dieser Armutsstudie - sondern auch die Tatsache, daß der RBB diese berechtigte und sachliche Kritik an der Bertelsmann-Stiftung zensiert und damit selbst sein Niveau noch mal unterkellert.

    Spätestens hier zeigt sich, wer welchen Einfluß auf unsere Qualitätsmedien hat. Man ist geneigt, den Liebermann zu zitieren.

  5. 31.

    Zur Arche? Können Sie das genauer ausführen? Was macht diese Institution? Wer darf dort hingehen? Welche Problemlagen bestehen bei den Menschen/Kindern/Jugendlichen/jungen Erwachsenen, die dort hingehen (müssen)?

  6. 30.

    Vergleiche sind der Natur der Sache nach immer relativ. Deswegen sollte man immer nur innerhalb einer Gruppe, Stadt, Land usw. vergleichen.

  7. 29.

    Weil das Kindergeld z. B. auf Hartz IV angerechnet wird. Und somit zum Leben auch der Eltern verwendet werden MUSS. Ist klar, oder?

  8. 28.

    Was für ein Quatsch. Niemand kann von vornherein wissen bzw. planen, in welche Situation er zukünftig geraten wird. Niemand. Auch in der Mittelschicht gibt es Trennung und Scheidung. Auch in der Mittelschicht können einen schwere Schicksalsschläge treffen. Die das gesamte Leben und so auch die eigenen Kinder beeinflussen.

  9. 27.

    Nee. Ihr Kommentar Nr.27 spricht Bände:-( Mehr werde ich dazu nicht äußern.

  10. 26.

    Das heißt es nicht. Aber ich frage mich schon öfter - muss das sein, wenn ich abgekämpfte Frauen mit 2-3 Kleinkindern schon wieder hochschwanger sehe. Natürlich ist es ihre Entscheidung, aber klar ist auch, dass es so natürlich immer schwieriger wird finanziell auf eigenen Beinen zu stehen.

  11. 25.

    Sie sollten sich schämen andere wegen ihrer Meinung zu diffamieren. Es muss sehr wohl definiert werden, was finanziell als realistisch betrachtet werden sollte oder nicht!

  12. 24.

    Sie sind nicht der Einzige der so denkt. Auch meinen Eltern war es trotz Arbeit nicht möglich Auto, Markenkleidung oder Urlaub zu finanzieren. Auf die Klassenfahrt musste Monate gespart werden. Es gab 25 oder 50 Mark Kindergeld. Und im Gegensatz zum heutigen fordern nach mehr Geld, hat man sparsam gelebt, selbst gekocht und hat selber Verantwortung übernommen. Es muss ein Umdenken stattfinden, auch Hartz IV Bezieher müssen durch soziale Hilfstätigkeiten ihren Teil zum Sozialsystem beitragen.

  13. 23.

    Vielleicht beschäftigen Sie sich dann zunächst mal mit der tatsächlichen Definition des Armutsbegriffes in der Studie, bevor Sie etwas kommentieren, dass Sie eigentlich nicht überblicken? Tatsächlich geht es durchaus auch um so banale Sachen, wie Nahrung. Ein Vergleich mit anderen Ländern ist da einfach nur sinnfrei. In Afrika ist das Lohnniveau an Ort X deutlich schlechter als in Deutschland und? Bin ich deswegen nicht dafür, dass zB Krankenpfleger mehr Lohn erhalten? Bescheidene Logik, bescheidende Argumentation...

  14. 22.

    Das erste was Ihnen zu so einer traurigen Bestandsaufnahme einfällt, ist ein Vergleich plus Verweis auf "ich musste ja auch entbehren"? Oft bemerkt und doch immer wieder erschreckend: Empathie scheint bei einigen Menschen vor allem unter Selbstvorbehalt zu stehen. Gepaart mit dem Gedanken, wenn ich Entbehrungen erleben musste, dann sehe ich nicht ein, warum das nicht auch für andere gelten sollte.. Bleiben wir doch einfach gesellschaftlich stehen, machen alles wie früher und nehmen Kinderarmut als gottgegeben hin. Dann müssen diese Kinder eben auf gesellschaftliche Teilhabe (Kino, Zoo, Sport Erwin etc) verzichten, können ohne technisches Gerät in Corona-Zeiten nicht die Heim-Schulaufgaben erhalten, haben belegte Nachteile beim Lernen zu Hause oder müssen zur Arche um 1x am Tag warmes Mittagessen zu bekommen. Egal, Hauptsache mir geht's gut... (Sarkasmus aus)

  15. 21.

    Kann ich nur beipflichten.
    Wir hatten viele unerfüllte Wünsche dennoch keine Zwang besser und mehr zu haben als andere.
    Heute ist es ein Statussymbol vom Kindergeld ein neues Handy , Fingernägel , Extensions als Mama zu haben.
    Gleichzeitig aber beim Jobcenter zu betteln und zu weinen , weil es dem Kind an allem fehlt.
    Wenn Deutschland weiter seine Bevölkerung das Leben finanziert und immer .Mitleid mit denen hat , die schon seit ihrer beendeten Schulzeit faul sein können......dann werden diese Eltern ihre Kinder wie Sparschweine sehen.
    Sie haben und werden nie Verantwortung übernehmen.
    Wir hatten nichts damals aber Stolz bis heute.
    Heute ist man stolz, auf das man nichts kann und macht.
    Generation extrem faul und die Leidtragenden sind ihre Kinder.
    Bildungsresistente Eltern.

  16. 20.
    Antwort auf [Felix] vom 22.07.2020 um 09:01

    Bin der selben Meinung, hatte auch was geschrieben wurde aber nicht freigesetzt.

  17. 19.

    Heißt das für Sie, nur Reiche dürfen Kinder haben? Und was ist mit denen, die erst nachdem Kinder da waren in Armut geraten sind? Krankheit, Unfall, Scheidung, Pflege von Angehörigen. Betriebspleiten u.v.a.m.?

  18. 18.

    So sehe ich das auch. Es gibt viele preiswerte möglichkeiten für Kinder in Berlin. Essen gehen und Kino sind ja nicht unbedingt notwendig. Wir mussten in den siebziger und achtziger Jahren auch auf vieles verzichten und konnten unseren Kindern nicht alles ermöglichen. Erst sechs Jahre mit vier Personen in Stube und Küche und danach etliche Jahre in zwei Zimmern. Selber hatten wir in unserer Kindheit auch nicht alles was andere zB hatten. Da gab es für nichts Vergünstigungen.

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