Berlin-Mitte - Gebiet um Leipziger Straße wird unter Schutz gestellt

Wohnhochhäuser an der Leipziger Straße in Berlin-Mitte (Quelle: dpa/Jochen Tack)
Bild: dpa/Jochen Tack

Als eines der bedeutendsten Neubauviertel Ost-Berlins und zentraler Wohnort der Hauptstadt wird das Ensemble rund um die Leipziger Straße unter Schutz gestellt. Damit sollen unerwünschte bauliche Veränderungen verhindert werden, heißt es in einem Erlass des Bezirksamts Mitte, der am Montag veröffentlicht wurde. Das Gebiet reicht von der Charlottenstraße im Westen und der Kronenstraße im Norden mit Verlängerung bis zur Niederwallstraße und zur Krausenstraße im Süden.

Bauvorhaben, die das städtebauliche Bild beeinträchtigen, können demnach abgelehnt werden. Frühere Pläne zur Neugestaltung des Gebiets würden verworfen.

"Errungenschaft moderner Stadtorganisation"

Das Bezirksamt hatte als Grundlage für die Entscheidung ein Architektur-Gutachten in Auftrag gegeben. Darin heißt es, die Verbindung von Hochhaus und Flachbau wie in der Leipziger Straße sei eine Errungenschaft moderner Stadtorganisation.

Das Ensemble Leipziger Straße blicke auf eine widersprüchliche Geschichte zurück, heißt es in dem Gutachten. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg habe die einstige Geschäftsstraße verloren. Durch die Teilung der Stadt sei das Areal an den Rand Ost-Berlins gerückt. Entscheidender Impuls für die Neubauten sei der von der DDR als politische Provokation verstandene Neubau des Verlagshauses Axel Springer an der Westseite der Berliner Mauer gewesen.

Sendung: Inforadio, 27.07.2020, 15:40 Uhr

17 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 17.

    Da stimme ich Ihnen zu. Mal so herum, mal anders herum zeigen sich die Albernheiten des Kalten Krieges - und Axel Cesar Springer immer an hausgemachter "vorderster Front" dabei. Die Mauer hatte auf ihre Art und Weise recht viele Bauherren und mehr noch die, die sie tagtäglich verbal angingen.

  2. 16.

    Auch zu diesem Thema noch einmal die Erklärung an diejenigen Kommentatoren, die noch nicht verstanden haben, wie die Politik in Berlin funktioniert:
    Es gibt Bundes-, Landes- und Bezirkspolitik in Berlin.
    Bei diesem Erlass vom Bezirks(!)amt Mitte handelt es sich nun um eine bezirkspolitische Maßnahme.
    Da hilft also alles Schimpfen auf die Landesregierung rein gar nichts, da es sich an die falschen Personen richtet, die mit dieser Entscheidung gar nichts zu tun haben.

  3. 15.

    Ach Errungenschaften.. und als nächstes bauen sie den Palast wieder auf? Da müsste man ja ganz Marzahn und Hellersdorf unter Schutz stellen. Falls schon mal aufgefallen.. große Straßen sind außerhalb der Wohngebiete, die Tram hat extra Trassen, alles wichtige ist fußläufig erreichbar ohne über riesige Straßen zu müssen.. also wenn das nicht meisterhafte Planung ist... Die RRGen erzählen uns was vom Pferd, da kann man nur mit den Ohren schlackern.

  4. 14.

    Wenn ähnlichen Gebäude abgerissen sind, wünscht man sich vielleicht ein real existierendes Ensemble wie dieses. So wie im Westteil der Stadt der Ernst-Reuter-Platz bietet. Palast der Republik wäre mir auch lieber als Schloss Kulisse.

  5. 13.

    Das "Kunstwerk" haben Springer & Co doch längst vollbracht mit den zusätzlichen Neubauten im ehemaligen Niemandsland; etwas über 20 Meter. Für die Betrachtung von oben empfehlenswert und um die Ecke: das Restaurant im Fernsehturm ;)

  6. 12.

    Vielleicht ließe sich ein einziges Hochhaus in Kombination auf den Anlassgeber, das Springer-Hochhaus, in einer Mahnmal-Konzeption einbinden - selbstverständlich mit der Nachbildung eines Stückes Berliner Mauer, hier symbolisch auf über 20 Meter Mauerhöhe erhöht. Das wäre dann der leicht verfremdende künstlerische Aspekt.

  7. 11.

    Da ist der Denkmalschutz in der Tat ein ausgesprochener Zwitter. Tatkräftig geworben wird natürlich mit sehr schönen, detailreichen Gebäuden, bei denen die Augen regelrecht baden können, ansonsten ist Ihr Hinweis zutreffend. Der amtliche Denkmalschutz hat aus diesem Spagat niemals herausgefunden. Wie kann ein Wohngebiet sinnlich erschlossen werden, wenn es nicht aus der Fußperspektive oder zu früheren Zeiten aus der Perspektive zu Pferd errichtet wurde, sondern quasi per Sandkasten und aus der Luft?

    Wie kann die Angelegenheit ANSCHAULICH gelöst werden, wo der Mensch doch kein Vogel ist und dem Vogel es gemeinhin an Empfindung über menschliche Bauten fehlt?

  8. 10.

    Das Sandmännchen hat überlebt, die Naturschutzeule hat überlebt und na ja, der Grüne Pfeil. Der hätte allerdings aufgegeben werden können zugunsten der grundsätzlichen Vorfahrt für Schienenverkehrsmittel in der Stadt. Dann müsste nicht alle paar hundert Meter eine signaltechnische Einrichtung bei der Tram gebaut werden und das wäre zugleich auch ein Beitrag zur Zivilisierung des Stadtverkehrs.

    An den Hochhäusern ist nichts DDR-Spezifisches, allenfalls am Standort. Der aber lag nach dem Vier-Mächte-Abkommen allerdings noch nicht einmal in der DDR. Genau wie West-Berlin unterlag auch Ost-Berlin ausschließlich dem Vier-Mächte-Status, was auch formal immer eingehalten wurde: Jeder Beschluss der Volkskammer wurde einzeln von der Stadtverordnetenversammlung bestätigt, wie auch jeder Bundestagsbeschluss einzeln vom Abgeordnetenhaus bestätigt wurde.

  9. 9.

    Es geht beim Denkmalschutz nicht darum, ob Sie die Häuser persönlich "hübsch" finden. Es wird nicht die Schönheit unter Schutz gestellt, sondern die geschichtliche Bedeutung, für die diese Häuser stehen. Dass die Gebäude an dieser Stelle ein besonderer Teil der deutsch-deutschen Geschichte sind, steht oben im Artikel.

  10. 8.

    Ganz so schlimm wars vielleicht doch nicht so, ich habe dort 20 Jahre gelebt und war bestimmt alles anderes als 1000prozentig.

  11. 7.

    Der Denkmaltag, speziell auf diese Bebauung bezogen, würde nicht einmal 5 % der Besuchenden einbringen, die die Denkmaltage bei einer historischen Bebauung einbringen. Und das liegt nicht an irgendeiner eingeschränkten Sichtweise, sondern daran, dass Menschen gefühlsmäßig angetan sind von künstlerischen Baudetails. Die Struktur dieser Bauten ist nur aus der Luft und im Modell 1 : 500 zu begreifen. Also wären die Denkmaltage per Hubschrauberflüge anzubieten, ansonsten für zu Fuß Gehende der Sehsinn glatt versagt.

    Ein einziges dieser Hochhäuser hätte als Mahnmal durchaus gereicht. Gleich, ob "Ost" oder "West", gleich ob "Nord" oder "Süd" das gebaut hat.

  12. 6.

    Schade, dass man nach der Sanierung die ganzen Abhöranlagen in den Wohnungen entfernt hat. Aber gute Idee. Neben der Braunkohle überlebt noch ein bisschen DDR.

  13. 5.

    Nach dieser Unterschutzstellungs-Logik hätte auch die Berliner Mauer komplett unter Schutz gestellt werden müssen. Als signalgebendes und durchaus zeitgenössisches Bauwerk.

    Das meine ich keineswegs polemisch, sondern im Zusammenhang: Die Bebauung entlang der Leipziger Straße war die architektonische Umsetzung des Mauergedankens nur auf andere Art, eine Abriegelung per Hochhäuser zwischen den welt-entfernten Bezirken Mitte und Kreuzberg.

    Der Eintrag in das Welterbeverzeichnis zwischen der seinerzeitigen Stalinallee (heutiger Karl-Marx-Allee) von 1956 einerseits und dem Hansaviertel 1957 geht vollkommen in Ordnung und ist ein treffliches Sinnbild. Die Leipziger Straße steht für nichts. Nur für die Mauer auf andere Art.

  14. 4.

    Die SED-Genossen stellen ihr damals privilegiertes Wohngebiet unter "Schutz". Durch die hohe Stasi-Dichte war es auch zugeteiltes Wohnquartier für West-Korrespondenten, Pleitgen, Löwe und Jauer wurden hier rationell observiert. Wohnen durften hier nur verlässliche Genossen. Die Sonnen-Südseite der Blocks war zugemauert. Der direkte Blick auf den Todesstreifen und die Grenzbefestigungsanlagen war tabu.
    Was an den hälichen Plattenbauten so schützenswert sein soll, keine Ahnung. Ich hoffe nur, der Schutz erstreckt sich nicht auf besonders hohe Subventionierung der Wohnquartiere.

  15. 3.

    Na prima, da hat es Genossin Lompscher doch geschafft ihre alten Genossen unter Artenschutz zu stellen.
    Denn andere als 1000prozentige und Westdiplomaten und Journalisten haben dort keine Wohnung bekommen.
    Hatte Berlin nicht mal eine Senatsbaudirektorin, seit Jahren scheint sie in der Versenkung verschwunden.

  16. 2.

    Nicht meckern, jeder Berliner hatte doch die Möglichkeit sich seine Landesregierung zu wählen! Jetzt sollte man auch mit der Entscheidung leben, das nennt sich Demokratie.

  17. 1.

    Eine Ansammlung solch hässlicher Häuser unter Schutz zu stellen ist mal wieder eine nicht nachvollziehbare Idee der links-grünen Ideologen.
    Der ganze Blödsinn mit Umbenennung von Straßennamen, Pop-Up Radwegen und Pop-Up Klimastrassen geht doch an den wirklichen Problemen der Menschen, insbesondere in dieser Zeit, völlig vorbei.

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren