Das Bismarck-Nationaldenkmal in Berlin-Charlottenburg ist mit Farbe beschmiert worden. (Quelle: rbb|24)
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"Zeichen gegen Rassismus" in Berlin - Bismarck-Denkmal und Preußen-Statuen mit Farbe beschmiert

Pinke und goldene Farbe überzieht das Nationaldenkmal von Otto von Bismarck am Großen Stern. Unbekannte haben dazu "Decolonize Berlin" geschrieben. Das gleichnamige Bündnis distanziert sich jedoch von der Aktion.

Unbekannte haben das Bismarck-Nationaldenkmal im Berliner Tiergarten mit Farbe beschmiert. Auf dem Sockel der Statue am Großen Stern steht in schwarzen Lettern "Decolonize Berlin", auf Deutsch "Berlin dekolonialisieren". Zudem ist das Denkmal großflächig mit pinker und goldener Farbe besprüht worden. Wie die Berliner Polizei mitteilte, hat sie wegen Sachbeschädigung Anzeige gegen Unbekannt aufgenommen, allerdings noch keine Hinweise dazu, wer die Täter sein könnten.

Bei den Schmierereien handelt es sich offensichtlich um Protest gegen den deutschen Kolonialismus. Am Zaun des Denkmals brachten die Unbekannten mehrere Flyer an. Auf diesen wird unter dem Titel "Decolonize The City" eine Auseinandersetzung mit "den Verbrechen deutscher Kolonialgeschichte" gefordert. Das Bismarck-Denkmal wird als "rassistisch" bezeichnet. Nach Angaben der Initiatoren wollten sie mit der Aktion "ein Zeichen gegen Rassismus" setzen.

Das Bismarck-Nationaldenkmal in Berlin-Charlottenburg ist mit Farbe beschmiert worden. (Quelle: rbb|24)
Bild: rbb|24

Debatte um Vertreter des deutschen Kolonialismus

Auf dem Flyer steht außerdem der Hashtag #DecolonizeBerlin. "Decolonize Berlin" ist auch der Name eines Berliner Bündnisses aus verschiedenen Vereinen, die deutschlandweit für die Umbenennung von Straßennamen kämpfen, die koloniale Verbrechen ehren oder rassistische Bezeichungen tragen.

Tahir Della von der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland, die dem Bündnis angehört, sagte dem rbb auf Nachfrage, dass er keine Kenntnis von dem Flyer habe. Der ebenfalls dem Bündnis angehörige Verein Berlin Postkolonial teilte dem rbb am Abend mit, "dass weder das Bündnis Decolonize Berlin [...] noch dessen Mitgliedsvereine an dieser Aktion beteiligt waren". Das Bündnis sei auch nicht Verfasser der vor Ort hinterlassenen Flyer.

Im Zuge der "Black Lives Matter"-Bewegung ist deutschlandweit eine Debatte um deutsche Erinnerungskultur und Denkmäler für Vertreter des deutschen Kolonialismus entbrannt. Otto von Bismarck ist aus Sicht vieler Kritiker ein Antidemokrat und Wegbereiter des deutschen Kolonialismus. Unter anderem in Hamburg haben aus diesem Grund Ende Juni Demonstrationen gegen die Sanierung eines Bismarck-Denkmals stattgefunden. Auch dort fand eine Farbattacke auf ein Standbild des ersten deutschen Reichskanzlers statt.

Im Zuge der "Black Lives Matter"-Bewegung ist deutschlandweit eine Debatte um deutsche Erinnerungskultur und Denkmäler für Vertreter des deutschen Kolonialismus entbrannt. Otto von Bismarck ist aus Sicht vieler Kritiker ein Antidemokrat und Wegbereiter des deutschen Kolonialismus. Unter anderem in Hamburg haben aus diesem Grund Ende Juni Demonstrationen gegen die Sanierung eines Bismarck-Denkmals stattgefunden. Auch dort fand eine Farbattacke auf ein Standbild des ersten deutschen Reichskanzlers statt.
Im Zuge der "Black Lives Matter"-Bewegung ist deutschlandweit eine Debatte um deutsche Erinnerungskultur und Denkmäler für Vertreter des deutschen Kolonialismus entbrannt. Otto von Bismarck ist aus Sicht vieler Kritiker ein Antidemokrat und Wegbereiter des deutschen Kolonialismus. Unter anderem in Hamburg haben aus diesem Grund Ende Juni Demonstrationen gegen die Sanierung eines Bismarck-Denkmals stattgefunden. Auch dort fand eine Farbattacke auf ein Standbild des ersten deutschen Reichskanzlers statt.

Statuen preußischer Generäle besprüht

Nach rbb-Informationen wurden am Freitag auch mehrere Statuen auf dem Zietenplatz in Berlin-Mitte sowie Straßenschilder und U-Bahnschilder der Mohrenstraße mit Farbe übertüncht. Daneben wurden die Statuen auf dem Zietenplatz mit dem Slogan "Decolonize the City" besprüht.

Der U-Bahnhof Mohrenstraße in Mitte (Quelle: privat)Eingang zum U-Bahnhof Mohrenstraße

Der Zietenplatz wurde im Jahr 1737 als Exerzierplatz angelegt und im Jahr 1849 nach dem preußischen General Hans Joachim von Zieten benannt. Auf dem Zietenplatz stehen Statuen von vier Militärführern Preußens: Generalfeldmarschall Kurt Christoph Graf von Schwerin, Generalleutnant Hans Karl von Winterfeldt, Generalfeldmarschall Jakob von Keith sowie General der Kavallerie Friedrich Wilhelm von Seydlitz. Sie alle starben im Siebenjährigen (1756 bis 1763).

Der U-Bahnhof Mohrenstraße in Mitte (Quelle: privat)Besprüht: Preußen-Generäle auf dem Zietenplatz

Korrektur:

In einer ersten Version hieß es, "Decolonize Berlin" sei ein Projekt der Initiative Schwarzer Menschen". Allerdings handelt es sich um ein Bündnis verschiedener Vereine. Wir haben das entsprechend korrigiert.

 

Kommentarfunktion am 17.07.2020, 15:30 Uhr geschlossen

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Im Zuge der "Black Lives Matter"-Bewegung ist deutschlandweit eine Debatte um deutsche Erinnerungskultur und Denkmäler für Vertreter des deutschen Kolonialismus entbrannt. Otto von Bismarck ist aus Sicht vieler Kritiker ein Antidemokrat und Wegbereiter des deutschen Kolonialismus. Unter anderem in Hamburg haben aus diesem Grund Ende Juni Demonstrationen gegen die Sanierung eines Bismarck-Denkmals stattgefunden. Auch dort fand eine Farbattacke auf ein Standbild des ersten deutschen Reichskanzlers statt.
Im Zuge der "Black Lives Matter"-Bewegung ist deutschlandweit eine Debatte um deutsche Erinnerungskultur und Denkmäler für Vertreter des deutschen Kolonialismus entbrannt. Otto von Bismarck ist aus Sicht vieler Kritiker ein Antidemokrat und Wegbereiter des deutschen Kolonialismus. Unter anderem in Hamburg haben aus diesem Grund Ende Juni Demonstrationen gegen die Sanierung eines Bismarck-Denkmals stattgefunden. Auch dort fand eine Farbattacke auf ein Standbild des ersten deutschen Reichskanzlers statt.
Im Zuge der "Black Lives Matter"-Bewegung ist deutschlandweit eine Debatte um deutsche Erinnerungskultur und Denkmäler für Vertreter des deutschen Kolonialismus entbrannt. Otto von Bismarck ist aus Sicht vieler Kritiker ein Antidemokrat und Wegbereiter des deutschen Kolonialismus. Unter anderem in Hamburg haben aus diesem Grund Ende Juni Demonstrationen gegen die Sanierung eines Bismarck-Denkmals stattgefunden. Auch dort fand eine Farbattacke auf ein Standbild des ersten deutschen Reichskanzlers statt.

35 Kommentare

  1. 35.

    Ist es Sachbeschädigung? Klar. Aber heißt das, dass die Aktion schlecht war? Keineswegs. Das Recht ist kein Maßstab für moralische Richtigkeit.
    Diejenigen, die herummäkeln, dass hier eine Straftat begangen wurde, sind wohl nicht fähig, über ihren Gehorsam hinauszudenken. Es war in Deutschland waren schon viele Dinge illegal, wie zum Beispiel jüdischen Menschen zu helfen. Darüber sollten sich einige mal Gedanken machen.

  2. 34.

    Natürlich kann man darüber diskutieren, ob Sachbeschädigung der richtige Weg ist, um das Ziel zu erreichen, aber man kann sich auch fragen, weshalb überhaupt zu diesem Mittel gegriffen werden musste. Die Forderung zu Dekolonisierung diverser deutscher Städte gibt es nicht erst seit drei Wochen und dennoch hat sich bisher kaum etwas getan.

  3. 33.

    Eine sehr mutige Aktion von den Aktivist:innen! Die deutsche Kolonialvergangenheit gehört aufgeklärt und aufgearbeitet und diese Denkmäler haben allenfalls noch was in Museen zu suchen. Unser Stadtbild sollte nicht durch Statuen verschandelt werden, die Kolonialverbrecher ehren! Und dass die meisten hier nicht mal wissen, was Bismarck mit den deutschen Kolonien zu tun hat, ist ein Armutszeugnis für die deutschen Schulen.

  4. 32.

    Für alle die nicht bloß an Plattheiten interessiert sind á la "Bismarck der Gründer der Sozialversicherung"
    Selbstverständlich geht es um differenzierten Diskurs.
    Muss man ihn mit ein paar Kärcher-Dampfstrahl-Stunden bezahlen, ist das nicht schlimmer als dessen Verweigerung.

    https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/narzisstische-kraenkung

    Man kann sich aber auch über die herzlichst ignorierte Kampagne 1992(!) informieren, in der mitten im nationalen Einheitstaumel schon vor 30 Jahren Auseinandersetzung mit 500 Jahren Kolonialismus eingefordert wurde:
    "Emanzipation und lateinamerikanische Identität: 1492-1992"

    Man kann sich aber natürlich auch weiter in Verdrängung und Ignoranz üben und dabei glauben nichts käme nicht immer wieder zurück. So lange beschweigen die Hauptenergie gilt.

  5. 31.

    Was man sich hier so alles vom Innensenator so alles bieten lassen muss geht auf keine Kuhhaut.
    Wenn hier so einige gegen Bismarck sind, können sie ja ihre Rente spenden.

  6. 30.

    Und selbstverständlich ist sowieso nicht "Im Zuge der "Black Lives Matter"-Bewegung (ist) deutschlandweit eine Debatte um deutsche Erinnerungskultur und Denkmäler für Vertreter des deutschen Kolonialismus entbrannt."

    Es gibt sie schon lange. Und über die Ungeduld von Farbschmieraktionen hinaus.

    https://www.deutschlandfunkkultur.de/historiker-juergen-zimmerer-hartnaeckiger-kaempfer-gegen.2165.de.html?dram:article_id=461835

  7. 29.

    Ja Herr /Frau Frolli Von Bismarck wird kolportiert er sei gegen Kolonien gewesen.
    Das geeinte Deutsche Reich das er im einfach strukturierten Gemüt im Alleingang und heroisch sauber gründete und das Alexander Gauland und sein Milieu so schmerzlich vermisst - und für das ja tatsächlich dieses Denkmal errichtet wurde,
    führte aber Kolonalskriege in China und dem sogenannten "Deutsch-Südwestafrika"
    Das ist nun mal eine historische Tatsache die man nicht wegtrumpen kann.

  8. 28.

    "Wegbereiter des deutschen Kolonialismus" - hahahaha. Da hat wohl jemand im Geschichtsunterricht geschlafen oder war erst gar nicht anwesend. Ist das unterirdisch, welch schlechte Bildung die verantwortlichen Leute haben.

  9. 26.

    Mit solchen Aktionen ändert man nichts, aber Nationalisten & Co profitieren davon.

  10. 25.

    Nein, der Staatsschutz ermittelt nur, wenn von Storch eine Plasteplane einige Minuten über Karl Marx stülpt. Sachbeschädigungen der Linksradikalen werden vom Staatsschutz nicht ermitelt.

  11. 24.

    Das ist keine Aktion gegen Rassismus oder gegen deutschen Kolonialismus ,das ist einfach nur Sachbeschädigung.Leider werden diese Schmierfinken nicht ermittelt werden,so dass mal wieder die Steuerzahler auf den Kosten der Säuberung sitzen bleiben. Mit kriminellem Verhalten und Gewalt erweisen diese sog. Aktivisten ihrem Anliegen einen Bärendienst.Mit Geschichte muss man sich beschäftigen,denn weder das Abreißen oder Beschmieren von Denkmälern noch die Umbennung von Straßen ändert was an der Vergangenheit.
    Solange diese Gruppen keinen vernünftigen und friedlichen Weg für die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte und dem Thema Rassismus etc. finden, können sie auch keine Akzeptanz von der Bevölkerung erhoffen. Es geht hier nicht um Hautfarbe oder Herkunft sondern nur um Verhalten.

  12. 23.

    Krankenversicherung, Unfallversicherung, Rentenversicherung etc,etc ...
    Danke!!!

  13. 22.

    Es handelt sich hier nicht um "Protest gegen den deutschen Kolonialismus" sondern um Sachbeschädigung und die Initiatoren wollen auch kein "Zeichen gegen Rassismus setzen" sondern sind ganz simple Straftäter.

  14. 21.

    Danke für das passende Zitat. Interessant, wie sich die Darstellung Bismarcks bis hierher entwickelt. "In der deutschen Geschichtsschreibung dominierte bis Mitte des 20. Jahrhunderts eine ausgesprochen positive Bewertung von Bismarcks Rolle, die teilweise Züge einer nationalistischen Idealisierung trug. Nach dem Zweiten Weltkrieg mehrten sich jedoch kritische Stimmen, die Bismarck für das Scheitern der Demokratie in Deutschland verantwortlich machten und das von ihm geprägte Kaiserreich als obrigkeitsstaatliche Fehlkonstruktion darstellten. Jüngere Darstellungen überwinden diesen scharfen Gegensatz zumeist, wobei die Leistungen und Mängel von Bismarcks Politik gleichermaßen betont werden, und zeigen ihn als eingebettet in zeitgenössische Strukturen und politische Prozesse."
    https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_von_Bismarck

  15. 19.

    Ermittelt hier auch der Staatsschutz wie bei der Verhüllung von Karl Marx? Oder wieder zweierlei Maß?

  16. 18.

    Geschichte ist bereits geschrieben. Sie lässt sich nicht rückgängig machen. Auch nicht mit bunter Farbe. WIR können nur von ihr lernen und in ZUKUNFT vieles BESSER machen. Früher waren die Zeiten anders und nicht immer besser.

  17. 17.

    Autsch....ich glaube da hätten sich die Farbschmierer vorher mal etwas mehr mit deutscher Geschichte auseinander setzen müssen. Da sieht für mich eher nach blindem Aktionismus aus.

  18. 16.

    Bismarck war zwar vieles, aber ein Kolonialist war er nicht. Erst Kanonenboot-Willy betrieb das offensiv. In SEINE Zeit fielen die kolonialistischen Verbrechen der Lüderitz u. Co.

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