Menschen afrikanischer Herkunft beten bei einer katholischen Messe
Bild: Godong/dpa/Pascal Deloche

Afrikastämmige Gläubige zu Rassismus - "Gott sieht kein Schwarz"

Überwiegend afrikanischstämmige Besucher feiern Gottesdienste in der "Cathedral of Prayer" in Berlin-Britz – mit einer christlichen Religion, die ihnen einst von den Kolonialherren aufgedrängt wurde. Wie empfinden sie die aktuelle Rassismus-Debatte? Von Christiane Hög

Normalerweise werden in der freikirchlichen "Cathedral of Prayer“ in Berlin-Britz emotionale Predigten mit Tanz und Ekstase praktiziert. Nachdem die meist aus Afrika stammenden Gemeindemitglieder wegen der Corona-Einschränkungen zunächst nicht mehr kommen durften, können sie jetzt wieder Gottesdienste feiern, allerdings weitaus ruhiger: Gesungen wird nur von Solisten, eine Band begleitet sie.

Besucher haben überwiegend afrikanische Wurzeln

Feierlich ist es an diesem Sonntag trotzdem: Die Frauen kommen in schicken Kleidern oder traditioneller afrikanischer Tracht, die meisten Männer in Anzügen. Über 350 Gemeindemitglieder hat die International Christian Church, zu der auch die "Cathedral of Prayer" gehört, die Wurzeln der Gläubigen liegen in Ghana, Nigeria, Togo, Kamerun, Elfenbeinküste, Uganda, Sambia, Südafrika, Simbabwe - und auch Deutsche kommen.

Der christliche Glaube, den die Gemeindemitglieder praktizieren, wurde einst von Missionaren ins Land der Vorfahren von einem Großteil der Gemeindemitglieder gebracht. Welche Rolle spielt das für die Gottesdienstbesucher?

Kolonisationsgeschichte des Glaubens blende man aus

"Ich habe gar nicht so viel darüber nachgedacht, dass das auch mit den Kolonialmächten und mit Unterdrückung zu tun hat", meint Marylinn Astey. Sie ist gerade mit ihrem Modedesign-Studium fertig geworden, ihre Freundinnen Flora Sakueté, Mosetta Prowi und Melissa Manaosch studieren noch.

"Ich bin mir auf jeden Fall dessen bewusst, dass es auch einige Schwarze gibt, die damit wirklich Probleme haben. Die sich darüber aufregen, dass die Kirche als Kolonisationsmacht so eine große Rolle gespielt hat", sagt Sakueté. "Aber für mich persönlich hat das gerade nicht so eine große Relevanz, weil es mir wirklich um den christlichen Glauben geht und nicht um die Kirche als Institution."

Prowi ist der Meinung, man blende diesen Aspekt aus. "Nicht, weil man das verdrängen möchte." Denn das sei die Schattenseite des Christentums. "Aber die jetzige Message beruht nicht auf unserer Vergangenheit. Mit unserem Glauben wollen wir etwas anderes vermitteln."

Rassistische Beleidugungen erleben alle

Das sei für schwarze Menschen in Deutschland alles andere als einfach, erklärt Manaosch: "Wir hatten ja alle schon mal den Vorfall, rassistisch beleidigt worden zu sein." Da könne man zwar mit Hass und Wut reagieren, aber: "Was bringt mir das, wenn ich diese Energie verliere, lieber bin ich trotzdem liebevoll", so die Studentin.

Auch Pastor Kingsley Nimo kennt rassistische Beleidigungen. Selbst innerhalb der Kirche gebe es Vorbehalte gegen die Christen aus Afrika – so würden manche denken, ihre Lehre unterscheide sich. "Aber wir haben die gleiche Bibel, afrikanische Kirche ist Kirche. Im Auge Gottes sind wir Menschen gleich. Gott sieht kein Schwarz", sagt der Pastor.

Kirche soll mit gläubigen Afrikanern zusammenarbeiten

Im Großen und Ganzen schätzt er die gute und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit anderen Pfarrern und Gemeinden in Berlin. Und deshalb bleibt er zuversichtlich: "Es wird die Zeit kommen, in der der Unterschied schwarz-weiß keine Bedeutung mehr haben wird."

Er und seine Gemeindemitglieder sind überzeugt: Sie werden mit ihrer Botschaft jetzt gebraucht, auch um in Deutschland die Kirchen wieder zu füllen. Jetzt soll die Kirche die Chance ergreifen, sich mit "Afrikanern, sozusagen Ausländern, den Gläubigen, zusammensetzen" – und vor allem zusammenarbeiten.

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15 Kommentare

  1. 15.

    Eines noch. Gott, wenn es den überhaupt gibt, macht auch keinen Unterschied zwischen arm und reich und ob schwul oder nicht. Gott könnte ebensogut auch eine Frau sein. Aber genau wie bei allen Religionen dieser Welt spielt das Patriarchat die übergeordnete Rolle. Siehe besonders der Islam. Selbst der Buddhismus nimmt sich da nicht aus. Schon deshalb sage ich immer wieder: man warne mich vor solch Fanatiker.

  2. 14.

    Wie es (wiedereinmal)scheint, wird mir hier im Forum nicht gestattet u.a. auch Ihnen die passende Antwort zum Mordaufruf an Homosexuelle beweiskräftig mitzuteilen. Und wenn Sie mir schon bei den Worten“religiös Verblendete“ Diskriminierung vorwerfen, was tun dann diese Würdenträger uns Schwulen und Transgendern gegenüber? Das ist aber erlaubt oder? Mehr schreibe ich jetzt hier nicht mehr, weil es völlig sinnlos ist, gegen Verblendete Gläubige anzutreten.

  3. 13.

    Es gibt einen Unterschied zwischen diskrimieren und jemanden blöd finden. Das Wort Diskriminierung wird entwertet wenn es inflationär verwendet wird.

  4. 12.

    Niemand darf wegen seines Glauben.... Den Spruch mit den „religiös Verblendeten“ empfinde ich diskriminierend. Sie wollten es bestimmt nicht, aber Sie machen es. Übrigens sind Baptisten und Katholiken keine Religionen sondern „Kirchen“. Religion ist das Christentum. Und Ihre Mordaufrufe belegen Sie bitte.

  5. 11.

    Aha. Was ist an Afrikaner oder an „aus Afrika stammend“ nun rassistisch? Ich bin deutschstämmig. Oder europäisvhstämmig. Und ? Das sind Herkunftsregionen. Afrika ist ein Kontinent. Das ist keine „Rasse“

  6. 9.

    Solange Baptisten, Katholiken u.a. Religionen sich gegen Homosexuelle, Transgender vehement sperren, sogar zum Mord aufrufen, mache ich einen weiten Bogen um diese religiös Verblendeten.

  7. 8.

    "Afrikanischstämmig" ernsthaft, hört sich für mich noch rassistischer als schwarz an.

  8. 7.

    Naja, z.B. die Europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien wurden maßgeblich von den zwei großen christlichen Kirchen in Deutschland bekämpft. Zwischenzeitlich wurde ihnen zugestanden aufgrund von Religionszugehörigkeit diskriminieren zu dürfen ;)

  9. 6.

    Nun, wenn ich an Robert Sarah denke... Nein, ich finde, in der heutigen Zeit kann man in der Religion einen strukturellen Rassismus nicht finden.

  10. 5.

    Glaube ist etwas sehr persönliches. Das darf jeder selbst entscheiden. Wie der Glaube sich in der Welt verbreitet ist etwas anderes. Es gibt missionierende Religionen, ja. Aber in Afrika als Wiege der Menschheit sind alle Religionen vertreten. Man kann es auch positiv sehen und provozierend sagen, Religionen verbinden Menschen unterschiedlicher Herkunft. Schwarz und Weiß sind Hautfarben, Religion ist Glaube. Eines kann ich nicht beeinflussen und ändern, dass andere ist zwar eine Frage der Erziehung und des Umfeldes, aber ich kann es persönlich auch beeinflussen. Ich würde daher nicht so radikal denken. Die Römisch-katholische Kirche zB. ist die größte Religionsgemeinschaft und sie wächst weiter. Insbesondere in nichteuropäischen Ländern. Und gerade sie ist eine Weltkirche. Der Islam ist auch weit verbreitet (Stichwort Black Muslims). Zzt. wird überall und in jedem Thema der Rassismus gesucht und gefunden. Es ist zT ein strukturelles Problem aber vorrangig ein individuelles.

  11. 4.

    Einfach mal mit Geschichte beschäftigen, dann wüßten Sie, daß das so nicht stimmt. Stichwort. Goten und Arianer.

  12. 3.

    Für uns Katholiken ist es kein Problem, mit Afrikanischstämmigen zusammen zu kommen, sie sin, zumindest in den Großstädten längst Teil unserer Gemeinden. Manchmal kommen wir auch afrikanische Pfarrer für ein paar Jahre nach Deutschland, um den Seelsorgermangel auszugleichen.
    Ansonsten schließe ich mich den Vorkommentaren an, auch Europa wurde religiös kolonialisiert.

  13. 2.

    Na wenn man es genau nimmt wurde das Christentum dem Großteil Europas auch von Kolonialherren aufgezwungen. Das ist halt nur schon ein bisschen länger her als in Afrika.

  14. 1.

    Auch den Menschen in diesen Breitengraden wüude die Religion einst von den Kollonialherren und Besetzten aufgedrängt.
    Es scheint sich hierzulande nur keiner mehr darüber aufzuregen.
    Wie schade, das wirklich jede Gelegenheit genutzt wird um auf die Unterschiede hinzuweisen, statt die Gemeinsamkeiten zu betonen und daraus Kraft für zukünftige gemeinsame Wege zu ziehen.

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