Eine Drohne fliegt über ein Gebiet in der Kyritz-Ruppiner Heide (Quelle: Geoforschungszentrum Potsdam)
Audio: Antenne Brandenburg | 28.07.2020 | Jörn Pissowotzki | Bild: Geoforschungszentrum Potsdam

Geofernerkennung in der Kyritz-Ruppiner Heide - Mit Drohnen und Satelliten für die Zukunft der Heide

Bei Wanderern ist die Kyritz-Ruppiner Heide beliebt, im Herbst ist die ganze Farbenpracht zu sehen. Damit die Heide schön bleibt, setzt das Potsdamer Geoforschungszentrum Drohnen und Satelliten ein, die erstaunliche Bilder liefern. Von Jörn Pissowotzki

Vom Aussichtsturm auf dem Sielmannhügel in der Kyritz-Ruppiner Heide (Ostprignitz-Ruppin) sieht alles so idyllisch aus. Viele Birken gibt es, dazu Kiefern und viel Heidekraut, über das unzählige kleine Schmetterlinge flattern. Ein paar Wanderer sind auf den festen Wegen unterwegs. Die Ruhe wird von der Drohne der Firma Ecostrat nicht wirklich gestört.

Aus der Höhe Erkenntnisse im Kleinen

Das Planungsbüro Ecostrat ist bei der Erkundung der Heide einer der Projektpartner des Geoforschungszentrums Potsdam. Die Mitarbeiter sammeln terrestrische Daten, erklärt Anne Schindhelm. Sie brauchen dafür ein gutes Auge, ein Lineal und einen Messstab. Um zu klären, wie groß die Pflanze, wie breit sie ist und wie die Blüte beschaffen ist. Und sie befliegen, wie Anne Schindhelm sagt, die Fläche mit Drohnen. Sie steuert sie an diesem Tag.

Der Potsdamer Geoökologe Carsten Neumann kann mit Hilfe der hochaufgelösten Drohnenbilder im Zentimeterbereich sehr viel entdecken: "Wir können einzelne Blättchen, einzelne Zweige sogar dieser kleinen Büsche sehen. Was wir auch machen ist, wir versuchen die Reproduktionsfähigkeit einzuschätzen: Wie stark blüht die Heide? Und wie ist die Blütenverteilung? Wieviel Nahrungsangebot ist bei der Blüte da, insbesondere auch für gefährdete Arten, wie Wildbienen, für Bestäuber, die dieses Nektarangebot brauchen."

Luftaufnahme der Kyritz-Ruppiner-Heide (Quelle: Geoforschungszentrum Potsdam)
Die Forscher analysieren insgesamt 4.000 Hektar | Bild: Geoforschungszentrum Potsdam

Satelliten geben Aufschluss zu Veränderungen im Ökosystem

Der Geoökologe Carsten Neumann hat sich auf Geofernerkundung spezialisiert. Also auf das, was durch Drohnen und Satelliten alles sichtbar wird. Wer schon fasziniert davon ist, was die Drohne alles kann, wird noch überraschter sein zu hören, was der Satellit alles kann, sagt Carsten Neumann: "Wir sehen einerseits die verschiedenen Pflanzenarten. Wir können genau differenzieren, wo welche Art wächst. Wir können teilweise sagen: Hier wächst eine ganz bestimmte Grasart. Hier eine junge, hier wächst eine alte Heide". Außerdem können die Forscher sehen, wie vital oder wie geschädigt die Pflanzen sind, gerade jetzt in den letzten zwei Jahren, wo es in diesen Gebieten starken Trockenstress gab durch ausbleibende Niederschläge.

Erkenntnisse für die Pflege gewinnen

Die Forscher analysieren im Rahmen ihres Projektes den Südteil des ehemaligen Truppenübungsplatzes in der Kyritz-Ruppiner Heide. Das sind 4.000 Hektar. Die Fläche wird von der Heinz-Sielmann-Stiftung gepflegt. Sie versucht in ihrer Arbeit, offene Landschaften wie diese hier bei Wittstock zu erhalten. Jörg Fürstenow von der Stiftung sagt, dass er sich durch das Geoforschungsprojekt Informationen für die Landschaftspflege erhofft.

Dazu muss zunächst festgestellt werden, wieviel Biomasse auf der Fläche ist. Arten werden erfasst und beobachtet, wie sie sich entwickeln. So kann auf sie eingegangen werden, um die Arten zu fördern. Der Potsdamer Forscher Carsten Neumann sagt, ihre Vielfalt solle erhalten bleiben.

Anne Schildhelm und Vanessa Ochlast von Ecostrat und Carsten Neumann vom Geoforschungszentrum beobachten den Drohnenflug (Bild: rbb/Joern Pissowotzki)
Anne Schildhelm und Vanessa Ochlast von Ecostrat und Carsten Neumann vom Geoforschungszentrum beobachten den Drohnenflug | Bild: rbb/ Joern Pissowotzki

Internationale Wissenschaftscommunity heiß auf Erkenntnisse

Die abgelegene Region in Nordwestbrandenburg hat durch das Projekt internationale Aufmerksamkeit erregt. Die Community, in der überwiegend Englisch gesprochen wird, ist heiß auf Ergebnisse zu diesem Offenlandökosystem – neben dem Wald ist dieses ein wichtiger Lebensraum. Die Kyritz-Ruppiner Erkenntnisse fließen in maschinelle Lernsysteme ein, die auch in anderen Gebieten wiederverwertet werden können. Das Potsdamer Geoforschungszentrum leistet da gerade mit seiner Kartierungsarbeit Pionierarbeit. Carsten Neumann sagt, dass die Software für Feuchtgebiete, selbst für Regenwälder, genutzt werden kann.

Eine Pflegemaschine soll zukünftig zum Einsatz kommen

Das Projekt in der Kyritz-Ruppiner Heide läuft noch zwei weitere Jahre. Die Forscher werden weiter lernen, wie sich das Ökosystem entwickeln könnte. Und wie es weiterwächst, wenn geeignete Pflegemaßnahmen angewendet werden. Dazu entwickeln sie Empfehlungen, was zur Heide am besten passt. Zukünftig soll vor Ort eine Art Roboter, eine Pflegemaschine, zum Einsatz kommen. Geplant ist, dass er seine Arbeit fernerkundungsgesteuert verrichten und automatisiert die Heide pflegen soll. So der Blick voraus von Carsten Neumann. Die Maschine kann Bäume fällen, die Heide mähen, das Schnittgut wird Betrieben zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung gestellt.

Über die Ergebnisse der Potsdamer freut sich Rainer Entrup vom Bundesforst. Er ist für die Kyritz-Ruppiner Heide zuständig. Er berichtet, dass die Tourismussaison gut läuft. In der freien Landschaft können ja auch die Abstände gut eingehalten werden, sagt er augenzwinkernd. Rainer Entrup erwartet noch mehr Touristen, wenn im August die Heide voll blüht. Zurzeit genießt er die Blicke übers Heidekraut, über dem die vielen Heide-Bläulinge, die kleinen Schmetterlinge, flattern. Die Arbeit der Potsdamer sorgt mit dafür, dass die Idylle eine Zukunftschance hat.

Sendung: Antenne Brandenburg, 28.07.2020, 14:10 Uhr

Beitrag von Jörn Pissowotzki

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