Dichtes Gedränge an der "Bierstrasse" auf Mallorca (Bild: dpa/ Michel Wrobel)
Audio: Radioeins | 16.07.2020 | Interview mit Frank Winkler | Bild: dpa/ Michel Wrobel

Interview | Schließung Partymeile Mallorca - "Das Problem wird einfach nur verlagert"

Nach dem letzten Exzess-Wochenende hat Mallorca die Notbremse gezogen und für zwei Monate die Ballermann-Partymeile dicht gemacht. Eine Lösung für den Sauftourismus ist das aber noch nicht, sagt Frank Winkler vom Nachbarschaftsverein Playa de Palma.

Nachdem deutsche und britische Touristen am Wochenende auf Mallorcas Partymeile ohne Abstand und Maske gefeiert hatten, hatte schon Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor einem "zweiten Ischgl" gewarnt. Diese Gefahr hat offenbar auch die mallorquinische Regierung gesehen und die Partymeile Ballermann kurzerhand dichtgemacht. Für die nächsten zwei Monate sind die Lokale an der Bier- und Schinkenstraße geschlossen.

rbb: Herr Winkler, was halten Sie davon, dass die mallorquinische Regierung jetzt so hart reagiert hat?

Frank Winkler: Ich muss Ihnen ehrlich sagen: Ich konnte das überhaupt nicht fassen, dass die Balearen-Regierung diesen Schritt durchgesetzt hat. Das war nicht zu erwarten, normalerweise sind die total schlappig und weich. Also: eine begrüßenswerte Aktion, aber für mich total überraschend.

Die Feiern am vorigen Wochenende haben nicht zu einem großen Corona-Ausbruch geführt. Ist es trotzdem fair, jetzt alle Touristen dafür zu bestrafen?

Wissen wir denn, dass das zu keiner Infektionen geführt hat? Mittlerweile ist bekannt, dass 50 Prozent asymptomatisch sind, die natürlich den Virus weitertragen könne. Also ich denke schon, man muss unbedingt was dagegen tun.

Ein Kioskbesitzer sagte am Dienstagmorgen bei Radioeins: wir hatten gerade drei Monate Lockdown, und jetzt noch mal zwei Monate! Was ist mit den Leuten, die ihr Geld dort verdienen?

Wir müssen zwei Sachen trennen. Natürlich ist Spanien, besonders die Balearen, sehr hart betroffen, denn wir leben vom Tourismus. Wir haben in Mallorca keine alternative Industrie. Der Tourismus ist uns sehr herzlich willkommen. Aber das kann aber nicht bedeuten, dass wir als Nachbarn unter einem bestimmten Typus des Tourismus leiden, nämlich dem Sauf- und Exzess-Party-Tourismus. Den können wir nicht haben, und damit muss man kein Geld verdienen. Das kann ich auch anders machen.

Der balearische Tourismusminister hat deutliche Worte gefunden: Er hat gesagt, 'wir wollen diese asozialen Touristen hier nicht haben'. Wie sehr hat das Image der Deutschen gelitten unter diesen sorglosen Corona-Exzessen?

Der Ruf der deutschen Saufkumpanen hier auf Mallorca ist eh schon schlecht. Die Besorgnis ist eigentlich mehr aus Deutschland und aus dem Hotelgewerbe, die eben verhindern wollen, dass hier ein Negativ-Image in puncto Sicherheit aufkommt.

Viele Touristen, die extra wegen der Ballermann-Feierei nach Mallorca kommen, werden enttäuscht sein, dass es in den nächsten Wochen keine Partys gibt. Ist diese Corona-Aktion vielleicht auch eine Chance, das Image des Mallorca-Urlaubs insgesamt ein bisschen zu ändern?

Wir arbeiten hier als Bürger- oder Nachbarschaftsvereinigung sehr stark mit der Regierung, den lokalen Kräften der Polizei und anderen Diensten zusammen, um diesen Partytourismus unter Kontrolle zu bringen. Man hätte schon vorher, mit dem Ausbruch des Virus, was machen können und müssen. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen, und plötzlich wachen alle auf. Was die jetzt beschließen, fordern wir schon jahrelang: Nicht, dass es geschlossen wird, aber dass es zumindest eingedämmt und kontrolliert wird.

Sie müssen sich mal folgendes vorstellen: Ich hatte heute Nacht bis fünf Uhr hier Jubel, Trubel, Heiterkeit. Die Leute, die in die Bier- und Schinkenstraße gehen oder in Magaluf, die müssen ja irgendwohin. Und wohin gehen die nachts? In die umliegenden Kneipen! Das Problem wird einfach nur verlagert aus meiner Sicht.

Es gab bereits am Wochenende Vorwürfe, warum die Polizei eigentlich nichts gemacht hat. Sehen Sie da vielleicht eine Verantwortung?

Absolut. Die Polizei und diejenigen, die jetzt die Verwaltungsanordnung, die Verbote durchsetzen müssen, sind bisher nicht aktiv gewesen. Sie müssen sich das so vorstellen: Der Polizeiabschnitt 55 an der Rollbergstraße im tiefsten Neukölln macht abends um 21 Uhr zu. Können Sie sich vorstellen, was in Neukölln in der nächsten Tagen und Nächten los ist, wenn sich das herumspricht?

Vielen Dank für das Gespräch!

Mit Frank Winkler sprach Marie Kaiser, Radioeins. Dieser Beitrag ist eine leicht gekürzte und redaktionell bearbeitete Version. Das Original-Interview können Sie mit dem Klick auf das Audio-Symbol im Aufmacherfoto nachhören.

Sendung: Radioeins, 16.07.2020, 10:10 Uhr

Kommentar

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27 Kommentare

  1. 27.

    Lügen, Lügen, nochmals Lügen. Die Bilder stammen vom letzten Jahr. Welcher Barbesitzer wäre so strunz dämlich, den Laden bei derart viel Polizeipräsenz zum Saufen und feiern zu öffnen. Es ist alles dicht und Geisterstadt. Es gibt genug Leute, die das bezeugen können. Passt nicht in euer Wunschbild, was Presse? Man brauch Zahlen und Lügen um Maßnahmen zu rechtfertigen. Punkt. Und die Menschen lassen sich weiter spalten.... Wie immer.

  2. 26.

    Das ist denen auf Mallorca schnuppe - die wollen keine Partytouristen mehr haben und andere Touristen werden genug kommen. Bleiben Sie einfach zuhause, das nützt allen am besten. :-)

  3. 24.

    Machen Sie sich nicht wichtiger als Sie sind. Die Mallorqiner machen drei Kreuze, wenn Leute wie Sie endlich verschwunden sind.

  4. 23.

    Schön wenn Sie und Ihresgleichen zu Hause bleiben oder anderswo saufen. Es lohnt sich dann wieder die Insel zu besuchen.

  5. 22.

    Sehe ich auch so. Das höchste Gut ist unser Leben. Das gilt es zu schützen. Diesem Wert haben sich alle unterzuordnen - ob Säufer, Raucher, Kneipenbesitzer, Konzernbosse,....

  6. 21.

    Ich kann mich über manche Kommentare hier nur wundern. Bei uns gibt es jedes Wochenende ein Demomarathon mit Kuschelkurs oftmals ohne Maske und was ich noch viel Schlimmer finde, die Partys die in den Parks zum Teil mit hunderten von Leuten stattfinden. Saufen ,Rauchen bis der Arzt kommt. Da rege ich mich doch nicht über den Ballermann auf. Dieser Ort ist seit Jahrzehnten für diese Partys bekannt. Was hat man den jetzt erwartet ?
    Und wenn ich so in die Kneipen in Friedrichshain und Kreuzberg schaue, ist das auch nichts anderes als der Sauftourismus am Ballermann.

  7. 20.

    Alle deutschen Sauftouristen einsammeln, ausnüchtern und über Deutschland mit dem Fallschirm abwerfen.

  8. 19.

    Das Gejammer der Wirte kann ich nicht nachvollziehen. Sie sind Ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden, folglich werden die Kneipen nun geschlossen. Die wenigen Einsichtigen leiden nun unter der Horde der Unbelehrbaren. Aber gegen Dummheit ist kein Gras gewachsen.

  9. 18.

    Bravo, Mallorca, für die Konsequenz, und es ist sehr peinlich zu sehen, wieviele Idioten schon ihren Verstand versoffen haben. Die Parkparty-Spasskaravane aus Berlin ist weiter gezogen.

  10. 15.

    Dieser Kommentar ist nicht meine Meinung,denn hier postet wieder einmal jemand unter meiner Kennung.
    Sowas nennt man auch Identitätsklau !

  11. 14.

    Mallorca ab jetzt ein absolutes No-Go Gebiet für mich, die werden sich noch wundern wie viele Touristen jetzt wegfallen werden.
    Vielleicht sollten sie am besten eine Mauer um die Insel zimmern.

  12. 12.

    Verschärfungen und Aufhebung von Lockerungen sind das Ergebnis des unmöglichen Verhaltens ,in diesem Fall der Sauftouristen. Und wer in den Urlaub fährt,ob im In- oder Ausland muss sich in Pandemiezeiten auch dort an Regeln halten. Und wer das nicht will,sollte zuhause bleiben.

  13. 11.

    Wenn man ins Ausland fährt hat man sich an die dortigen Regeln zu halten. Bevor man das viele viele Geld bezahlt vielleicht erst einmal schlau machen. Wer lesen kann ist halt im Vorteil

  14. 10.

    Tagesspiegel
    "Stand: 16.07.2020 13:36 Uhr
    Spanien hat in einem Staatsakt Abschied von den 28.000 Toten genommen, die infolge der Corona-Pandemie ums Leben kamen. König Felipe VI. sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus und würdigte den Einsatz aller Helfenden."
    Und die Sauftouristen am Ballermann und sonstwo benehmen sich,als wäre das nie passiert und als sei die Pandemie überall überstanden. Weit gefehlt. So wird das nix,weder im Urlaubsland,wo man zu Gast ist noch Zuhause.

  15. 9.

    Spanien,auch die Inseln,hatten im Gegensatz zu uns harte Ausgangssperren und haben viel hingenommen,um wieder lockern zu können. Und nun das.Nur noch Bekloppte unterwegs.
    Das ist nicht nur peinlich,rücksichtslos , ignorant sondern unentschuldbar. Die Guardia Cevil hätte die Personalien feststellen sollen damit diese Typen identifiziert ,nachhause geschickt und hier gleich in Quarantäne verfrachtet werden.
    Ich drücke die Daumen,dass Mallorca nun kein Coronadeasaster erlebt.

  16. 8.

    Jahrzehntelang waren die Feiernden willkommen, da sich viele an ihnen eine goldene Nase verdienten. Das Ende der großen Sause war doch schon vor Corona beschlossene Sache. Wie bei vielen anderen Sachen um das Ding, kann man verschiedene Angelegenheiten jetzt schneller abwickeln.

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