Archivbild: Straßenschild in der <<Mohrenstraße>> in Berlin Mitte. (Quelle: dpa/B. Pedersen)
Bild: dpa/B. Pedersen

Berlin-Mitte - Grüne und SPD würden Mohrenstraße nach Amo umbenennen

Die Grünen und die SPD in Berlin-Mitte fordern, nicht nur die Berliner U-Bahn-Station Mohrenstraße, deren Namen viele Menschen als rassistisch empfinden, sondern auch die gleichnamige Straße im Bezirk umzubenennen.

In einer gemeinsamen Mitteilung sprachen sich zunächst der Kreisvorstand der Grünen Jeff Kwasi Klein und die Grünen-FraktionsvorsitzendeLaura Neugebauer am Montag dafür aus, dabei an Anton Wilhelm Amo zu denken. "Amo wurde als einer der ersten prägenden Schwarzen Philosophen und Rechtswissenschaftler in Deutschland bekannt", schrieben sie. Als Kind sei er aus dem Gebiet des heutigen Ghana nach Europa verschleppt worden. Die Grünen setzen sich außerdem für einen Lernort in der Nähe der Station ein.

Wenig später teilten die Sozialdemokraten ebenfalls mit: "Nach dem heutigen Demokratieverständnis ist der bestehende Name der Mohrenstraße belastet und schadet dem Ansehen Berlins. Wir fordern daher die Umbenennung der Straße und den Prozess zur Umbenennung unverzüglich zu starten." Auch die SPD favorisiert eine Benennung nach Anton Wilhelm Amo.

Senat pfiff BVG zurück

Die Berliner Verkehrsbetriebe BVG hatten Anfang Juli zunächst angekündigt, den Stationsnamen in Glinkastraße umzubenennen. Nach dem russischen Komponisten Michail Iwanowitsch Glinka (1804-1857) ist eine Straße benannt, die nahe der U-Bahn-Station auf die Mohrenstraße trifft. Nach Vorwürfen, Glinka sei Antisemit gewesen, pfiff der Senat die BVG jedoch in der vergangenen Woche zurück. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), die auch Vorsitzende des BVG-Aufsichtsrates ist, forderte ein "offenes Verfahren" unter Beteiligung von Verbänden, Initiativen und Anrainern.

Die BVG erklärte daraufhin, sie sei offen für andere Vorschläge und bereit, nach einer Lösung zu suchen. Die Bedingung: Der neue Name der Station müsse Reisenden eine räumliche Orientierung geben.

Grüne fordern Erinnerungsort

Die Verkehrsbetriebe sollten den politischen Prozess der Straßenumbenennung abwarten und begleiten, forderten nun die Grünen aus dem Bezirk. "Wir fordern bei der Umbenennung den Bezug zur Geschichte von versklavten Schwarzen Menschen und ihrem Leben hier in Deutschland beizubehalten, um dabei die Perspektive der Erinnerung umzukehren."

Ein Lern- und Erinnerungsort in der Nähe sei zudem ein Kernbestandteil der Umbenennung, "da so die wichtige Chance gegeben wird, ein Gegennarrativ zu weißen kolonialen Erzählungen zu schaffen". Dafür setzten sich Aktivisten seit Jahrzehnten ein, schrieben sie.

Über die Umbenennung von Straßen, die an Kolonialisten erinnern oder heute manchen als diskriminierend oder rassistisch aufstoßen, wird in Berlin schon seit vielen Jahren in mehreren Stadtvierteln debattiert. Das trifft auch auf die Mohrenstraße im Bezirk Mitte sowie die gleichnamige U-Bahn-Station zu. Eine Umbenennung der Straße selbst, deren Name vermutlich auf schwarze Bewohner einstmals in der Gegend zurückgeht, wird vom Bezirk Mitte geprüft.

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8 Kommentare

  1. 8.

    Eine Lachnummer ist der Senat vielleicht in Ihrer Sichtweise. Das wars dann aber auch.
    Sind das masochistische Züge bei Ihnen oder wissen Sie es einfach nicht besser? Haben Sie denn nicht besseres zu tun, als für Alle festzulegen, was normal denkend bedeutet? Und damit auch gleich festzulegen, das Menschen die diesen Namen als rassistisch empfinden, nicht normal sind? Anscheinend sind Sie das Zentrum des Universums. Vielleicht ist Ihnen deshalb entgangen, dass eine mögliche Umbenennung offensichtlich Viele interessiert.

  2. 7.

    Dem Ansehen Berlins schadet einzig dieser Senat. Eine einzige Lachnummer in Deutschland und der Welt. Jeder weiß es, nur unsere Landesregierung hat davon noch nichts mitbekommen. Kein normaler Bürger in dieser Stadt bringt diesen Straßen und U-Bahn Namen mit Rassismus in Verbindung. Es interessiert einfach niemanden. Wenn man Straßenumbenennungen ernsthaft betreiben würde, dann wüsste man in dieser Stadt nicht wo man anfangen und wo man aufhören müsste. So ist alles wie immer, viel Lärm um nichts, Kosten verursachen, auf die Anwohner abwälzen und wir haben ein reines Antirassistisches Gewissen. Danke für nichts lieber Senat. Versucht euch mal um wichtige Dinge zu kümmern. Schaden vom Deutschen Volk abzuwenden zum Beispiel.

  3. 6.

    Wann werden Alexanderplatz und Kurfürstendamm umbenannt? Beides sind Symbole eines feudalistischen Herrschaftssystemes, bei dem die Massen unterdrückt worden sind.

  4. 5.

    habe wir keine andren probleme ?
    warum mußen wir das hinehmen, das historiche namen geändert werden nur weil sich igent einer zeudorassitich aufregen muß weil er nichts besseres zu tun hat um sich wichtig zu machen ?
    ok dann bezahlt die umbenenung aus eigener tasche es ist nicht hinnembar das der steuerzahler diesen schwachsinn bezahlen soll!
    wie haben größere probleme als ein name der seit jahzenten etablirt ist zu ändern nur damit sich einige profiliren konnen als politich überkoret.
    und das wichtigste, man sollte erstmal klären ob der name überhaupt was mit der bezeichnung "Mohr" zu tun hat!

  5. 4.

    Stimmt, Möhrenstraße ist die einfachste und kostengünstigste Möglichkeit.
    Da ich aber kein durchgeknallter Künstler oder Stadtplaner mitt Abschluss irgebdeiner Mondakademie bin, auf diese würde man hören und solche Vorschläge wohl als von den Göttern inspiriert halten, wird das wohl nichts. *seufz*

  6. 3.

    Warum werden wir immer wieder in Demut gehalten ?

  7. 2.

    Personennamen sollte es überhaupt nicht mehr als Straßennamen geben, außer es handelt sich nur um einen Vornamen wie Friedrichstraße. Aber solche langen Doppelt- bis Dreifachnamen sind eine Zumutung und politisch oft zwiespältig.

  8. 1.

    Anstatt jetzt immer wieder Straßen, Plätze und Stationen nach Personen zu benennen (was immer ideologisch gefärbt ist), sollte man lieber neutrale Namen oder Bezeichnungen wählen, anstatt alle paar Jahre einen neuen Personenkult zu betreiben. Zumal sich Vor- und Zunamen meist schwerer merken lassen, wenn man keinen Bezug zur Person hat.

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