Krumme Lanke (Quelle: dpa/Schoening)
Video: rbb|24 | 02.07.2020 | Material: zibb | Bild: dpa/Schoening

Berliner Seen - Invasion der Quagga-Muschel - Fluch oder Segen?

Eigentlich stammt die Quagga-Dreikantmuschel vom Schwarzen Meer. Seit geraumer Zeit ist sie auch in Berliner Gewässern zu finden. Die Quagga-Muschel trägt zur Sauberkeit des Wassers bei, sorgt aber auch für mehr Pflanzenwachstum - Schwimmer sind weniger begeistert.

Die eigentlich vom Schwarzen Meer stammende Quagga-Dreikantmuschel erobert sich neue Lebensräume: In Berlin hat sie sich unter anderem in der Krummen Lanke in Zehlendorf breitgemacht.

Ein Exemplar aus der Familie der Dreikantmuschel (Quelle: dpa/Patzner)
Dreikantmuschel | Bild: dpa/Patzner

Eine Muschel reinigt bis zu fünf Liter Wasser

Die kleinen, nur bis zu zwei Zentimeter großen Muscheln seien seit etwa zehn Jahren in Berliner Gewässern zu finden, sagte der Senats-Umweltexperte Derk Ehlert am Donnerstag bei rbbKultur. Die Quagga habe eine "unglaubliche Filterwirkung": Eine kleine Muschel könne pro Tag bis zu fünf Liter Wasser reinigen.

An der Krummen Lanke sei das Wasser mittlerweile so sauber, dass man einen Meter Sichttiefe habe, erläuterte Ehlert. Allerdings habe die Muschel nur einen kleinen Teil dazu beigetragen - über 90 Prozent würden sogenannte Phosphat-Eliminierungsanlagen erledigen. Diese seien beispielsweise auch im Tegeler See im Einsatz. Die größere Sichttiefe bringe mehr Licht für die Wasserpflanzen mit sich und dadurch mehr Wachstum. Neben den Badenden bereite das auch den Wasserbetrieben nicht viel Freude.

Genießbar, aber wenig schmackhaft

Die Quagga-Muschel sei nur eine von vielen aquarischen Arten, die sich ausbreiteten. Sie gehöre zwar zu den invasiven Arten, werde aber nicht wie der amerikanische Sumpfkrebs bekämpft: "Man kann die Muschel nicht ohne weiteres jagen, fangen oder wegnehmen", sagte Ehlert. Im Gegensatz zu den Krebsen sei sie auch für den Menschen kaum zu verwerten. "Stellen Sie sich vor, sie müssten diese kleine Muschel erstmal öffnen, pulen und dann essen - das macht keinen Sinn. Sie sind zwar genießbar, aber wenig schmackhaft."

Im Übrigen seien viele der heimischen Tiere und Pflanzen irgendwann einmal eingewandert. "Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden", betonte Ehlert. "Viele unserer schönen Blütensträucher sind eingebracht worden von uns Menschen, und nicht alle dieser neuen Tier- oder Pflanzenarten sind dann auch böse oder invasiv."

Sendung: rbbKultur, 02.07.2020, 09.10 Uhr

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3 Kommentare

  1. 3.

    Die schlimmste invasive Art überhaupt ist der Mensch. Warum also die Aufregung um die Muscheln etc?

  2. 2.

    Na ja, wenn fremde Tiere hier ankommen, hat das meisten negative Folgen für die hier lebenden Tiere. Bestes Beispiel: Die Waschbären töten die letzten Sumpfschildkröten in Brandenburg, Allerdings: So wie sich der Beitrag liest, ist es ja gut für unsere Gewässer. Allerdings wurden auch die amerikanischen Sumpfkrebse unterschätzt (Hatte die übrigens mal als Heimtier...).

  3. 1.

    Was stört die Wasserbetriebe denn an der Muschel?
    Wenn sie die Wasserqualität und die Eutrophierung der Oberflächengewässer verbessert müsste sich das am Ende doch auch positiv auf das Uferfiltrat auswirken.

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