Unfall auf der A24 bei Pritzwalk (Bild: NonStopNews)
Video: rbb|24 | 31.07.2020 | Material: NonStopNews | Bild: NonStopNews

Zwei Menschen sterben bei Pritzwalk - Tödlicher Unfall auf der A24 - Polizei ermittelt gegen elf Gaffer

Bei einem schweren Unfall auf der A24 bei Pritzwalk sind am Donnerstag zwei Menschen ums Leben gekommen, drei wurden schwer verletzt. Mehrere Autofahrer filmten die schreckliche Szene mit ihren Handys. Sie bekommen jetzt Post von der Polizei.

Bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Autobahn 24 bei Pritzwalk sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Drei weitere Personen wurden schwer verletzt, wie ein Polizeisprecher am Donnerstagabend mitteilte.

Aus bisher ungeklärten Gründen war ein VW Passat auf einen Sattelzug aufgefahren. Der Wagen wurde dabei unter den Auflieger des Lkws gedrückt. Der Lkw habe "halb auf der Lastspur, halb auf der Standspur" gestanden, sagte Matthias Krüger von der Feuerwehr Wittstock der Videoagentur NonstopNews. Laut Polizeisprecherin Ariane Feierbach hatte er offenbar einen Reifenschaden.

"In dem Fall waren wirklich sehr gute Ersthelfer vor Ort, die sehr gute Arbeit geleistet haben", so Krüger weiter. Sie hätten die Verletzten aus dem Fahrzeug geholt und erste Hilfe geleistet, bis die Rettungskräfte eintrafen.

Für den Beifahrer des VW Passat kam jedoch bereits am Unfallort jede Hilfe zu spät, eine weitere Person starb kurz darauf im Krankenhaus.

Zwei Rettungshubschrauber waren am Abend vor Ort, die Feuerwehr musste einen Bergekrahn einsetzen. Die Autobahn war an der Unfallstelle zwischen Pritzwalk und Meyenburg (Kreis Prignitz) laut Polizei mehrere Stunden gesperrt.

Gaffer filmen aus den Autos

Den Einsatzkräften habe sich ein schreckliches Bild geboten, sagte Thorsten Radke von der Autobahnpolizei Walsleben der Videoagentur NonstopNews. Deswegen seien auch Notfallseelsorger vor Ort gewesen, um die Feuerwehrleute, Polizisten und Ersthelfer zu betreuen. Dennoch konnten es einige Autofahrer beim Vorbeifahren auf der Gegenfahrbahn offenbar nicht unterlassen, zu gaffen, so Radke. "Das Schlimme daran - und das war nicht zum ersten Mal - dass die Fahrer oder Beteiligte ihr Handy nehmen, aus dem Fenster halten und alles dokumentieren." Die Polizei habe allerdings darauf reagiert, so Radke. Elf Fahrer seien beim Gaffen gefilmt worden, "die bekommen Post von uns". Das Filmen von hilflosen Personen sei eine Straftat, sagte Radke.

Polizeisprecherin Feierbach bestätigte die Ermittlungen gegen insgesamt elf Gaffer. "Gegen sie werden Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet", so Feierbach. "Den Autofahrern droht eine Geldstrafe von 20 bis 1.000 Euro."

Gaffer-Fotos sind strafbar

Der Bundestag hatte Anfang Juli eine Gesetzesänderung gebilligt, wonach Gaffer künftig strafrechtlich belangt werden können. Bislang galt dieser Persönlichkeitsschutz bei Bildaufnahmen im Strafrecht nur für lebende Personen. Verboten sind nun das unbefugte Herstellen und Verbreiten von Fotos. Darauf kann eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe verhängt werden.

Die Gesetzesänderung richtet sich vor allem gegen Schaulustige, die bei Unfällen oder Unglücksfällen von Toten Fotos machen und diese im Internet verbreiten. Wer schwer verletzte Unfallopfer oder gar Tote aus reiner Sensationsgier fotografiere, verletze "jeden menschlichen Anstand", sagte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD). Den Angehörigen müsse das zusätzliche Leid erspart werden, dass Bilder ihrer verstorbenen Eltern oder Kinder auch noch verbreitet würden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 30.07.2020, 21:30 Uhr

Kommentar

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24 Kommentare

  1. 24.

    Ich schließe mich dem voll und ganz an.

    Grüße zurück nach Hamburg und vielen Dank für Ihren Einsatz, auch wenn ich selbst nicht betroffen war undes hoffentlich nicht sein werde.

  2. 23.

    Lastspur kommt aus dem Straßenbau und bezeichnet die rechte Spur einer Autobahn, die für den Lastverkehr gedacht und dafür in der Regel etwas breiter als der linke Fahrstreifen ist.

  3. 22.

    Was ist eigentlich die "Lastspur"? Ich kenne diesen Begriff nicht. Ist damit die Spur gemeint, die sich auf diesem Autobahnabschnitt alle, die nicht 200 fahren wollen, mit dem LKW-Verkehr teilen müssen?

  4. 21.

    Jeder Unfall ist schrecklich und das Handy drauf zu halten, ist ein Symptom unserer gesellschaftlichen Ethik. Viele würden natürlich nicht tun, niemals, aber wieviele Krimis mit brutalen Tötungsbeispielen und Ationfilme werden pro Woche gezeigt und auch geguckt. Wer guckt sie keinesfalls, weil Brutalität und anderer Menschen (selbst fiktives oder nacherzähltes ) Leid keine Unterhaltung sein kann? Wieviele Fernsehsender leben davon, dass wir uns von gewaltvollen Filmstreifen zu Bier und Chips bestens unterhalten lassen? Dort wird unsere Schmerzgrenze stetig verschoben.
    Also, wenn wir den Finger wieder runtergenommen haben, mit dem wir auf andere zeigen, bleiben wir auch sonst im Alltag realistisch und achtsam mit unserer eigenen Schmerzgrenze und Menschlichkeit.

  5. 20.

    Beeindruckrnd, dass Sie sich Gedanken um jeneHelfer machen.
    Professionelle Helfer haben in aller Regel professionelle Unterstützung (Supervision, Fallbesprechung, psychologische Unterstützung), bei Bedarf oder regelmäßig, damit sie ihre Arbeit gut machen können und auch, damit sie nicht alles "mit nach Hause nehmen".
    Das muss (müsste) in allen helfenden Berufen etabliert sein, damit aus Helfern nicht hilflose Helfer werden.

  6. 19.

    Nachrichten sind immer eine Abwägung aus Information, Aufklärung und Sensation. Es geht letztlich aber auch darum, wie berichtet wird. Professionell werden hier bestimmte Standards eingehalten, die von Hobbyfilmern eben in der Regel nicht beachtet werden. Schlimme Bilder sind eben auch nötig, um eine abschreckende oder erzieherische Wirkung zu erzielen. Auch dies ist Aufgabe von Journalismus. Gleichzeitig würdigen solche Berichte auch die schwere Arbeit unserer Rettungskräfte. Die Abwägung, was berichtet und gezeigt wird, ist nicht immer einfach, gelingt aber zumindest beim ÖRR meines Erachtens sehr gut.

  7. 18.

    ... sie bekommen in den nächsten Tagen Post.
    Nein, an der nächsten Abfahrt rauswinken, Handy und Fahrzeug als Tatwerkzeuge einziehen. Es muss richtig weh tun, sagt ein pensionierter Feuerwehrbeamter aus HH.
    Gruß nach Berlin

  8. 16.

    Handy und Führerschein einziehen. 4 Wochen Sozialarbeit in der Unfallchirurgie . Vielleicht haben diese Perversen dann mal genug Blut gesehen. Ich gebe auch anderen Kommentaren recht. Die große Verantwortung der Medien.

  9. 14.

    Ich kann dem nur zustimmte, Schuld haben auch die Medien die solche Bilder auf die Titelseite bringen. Es ist einfach nur pervers was bei einigen sich im Kopf abspielt.

  10. 13.

    Schließe mich Ihren Kommentar vollends an. Mein Hinweis auf die täglich stattfindende „Frau im Spiegel“ Sendung vom MDR wurde ja nicht veröffentlicht.

  11. 12.

    Da kann ich nur zustimmen hohe abschreckende Strafen bis zum Endzug des Führerscheins bis zu Freiheitsstrafe +hohe Geldstrafen.
    Hochachtungsvoll Stoll Karl-Heinz

  12. 11.

    In allen öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten gibt es jeden Tag Videos von schweren Verkehrsunfällen oder Bränden. Diese Anstalten sind selbst nur auf Quoten aus. Und deshalb bitte einmal mehr zur guten Berichterstattung zurückkehren. Und nun zu den Gaffern, wie krank muss man sein um sich an das Leid anderer Menschen zu ergötzen? Ihr Typen seid so eklig. Bitte von jedem 1000 Euro abkassieren! Und bei Wiederholung??

  13. 10.

    Für die gibt es in der Regel Nachbesprechungen und Debriefings mit ihren Kollegen, die nicht am Einsatz beteiligt waren. Wenn nötig gibt es auch spezialisierte Angebote im Sinne von Traumatherapeuten, die kurzfristig zur Verfügung stehen.

  14. 9.

    Wenn in diesem Beitrag (zurecht) das sog. Gaffen thematisiert und kritisiert wird - welchen Zweck hat dann bitte die Einstellung des Videos mit Bildern des unter dem LKW eingeklemmten PKW als Teaser für den Beitrag? Ist nicht auch das eine Form von "Gaffen", wenn Lesende sich animiert fühlen, aufgrund dieses Videos oder der Bilder den Beitrag überhaupt erst anzuklicken? Das Video hat m.E. keinen besonderen Mehrwert zum Verstehen des Beitrags.

  15. 8.

    20€...ich lach mich schlapp. Wie lächerlich. Schade. Das hilft wohl nicht gegen das Gegaffe. Herzliches Beileid an die Angehörigen und mögen die Einsatzleute und Helfer diese Bilder verarbeiten können.

  16. 7.

    Absolut krank. Ich hoffe, die ermittelten Personen werden nicht nur ordnungs- sondern auch strafrechtlich verfolgt.

  17. 6.

    Leider wird es die Nachahmer nicht davon abhalten weiterhin selbiges zu tun. Ist doch das Smartphone bei sooooo vielen längst als Gehirn Ersatz eingestuft. Ohne geht einfach nix mehr.

  18. 5.

    Wenn es nicht diese Gaffer sind, ist es die Sendung Brisant, die dafür sogleich ihre Sensationswütigen Fotografen vor Ort schickt.

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