04.07.2018, Berlin: Ein Mitarbeiter zeigt auf einem Smartphone einen Entwurf des geplanten Umbaus des Innenraums der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin. (Quelle: dpa/Fischer)
Video: Abendschau | 14.07.2020 | N. Siegmund | Bild: dpa/Fischer

Klagen zurückgewiesen - Landgericht erlaubt Umbau der Berliner Hedwigs-Kathedrale

Die Berliner Kathedrale St. Hedwig darf umgebaut werden wie geplant. Das hat am Dienstag das Landgericht entschieden. Damit weist es die Klagen von Künstlern ab, die Urheberrechte verletzt sahen. Doch das Urheberrecht sei nachrangig zu betrachten, so das Gericht.

Der Innenumbau der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale wird nicht auf dem Rechtsweg gestoppt. Das Landgericht Berlin wies am Dienstag Urheberrechtsklagen von Künstlern, die um 1960 an der Ausgestaltung der wiederaufgebauten Kathedrale beteiligt waren, oder deren Rechtsnachfolgern ab. Sie wollten damit die geplante Umgestaltung des Innenraums verhindern.

Die Pressestelle des Gerichts teilte schriftlich mit: Im Regelfall habe das Recht des Eigentümers beziehungsweise Nutzungsberechtigten auf Veränderung seines Eigentums Vorrang vor den urheberrechtlichen Interessen des Schöpfers oder sonstiger künstlerischer Gestalter. Außerdem handle es sich bei dem Innenraum um sogenannte Gebrauchskunst, "sodass es dem Erzbistum Berlin für den Gottesdienst in der Kathedrale gestattet sein müsse, entsprechende bauliche Änderungen in der Innenraumgestaltung vorzunehmen".

Die Kläger hatten bereits im Januar 2019 vor dem Verwaltungsgericht Berlin mit ihrer Klage keinen Erfolg. Es wies zwei Klagen von ihnen mit der Begründung ab, sie hätten im Bereich des öffentlichen Rechts kein Klagerecht. Die Bischofskirche des Erzbistums Berlin ist seit September 2018 für die Sanierung und Umgestaltung geschlossen. Derzeit ist die Kathedrale für die Arbeiten an der Kuppel teilweise eingerüstet.

Zentrale Bodenöffnung soll verschwinden

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hatte das Projekt vor mehr als drei Jahren beschlossen. Zuvor hatte er dazu Experten-Symposien veranstaltet und Voten aller Gremien des Erzbistums eingeholt, die dem Projekt zustimmten. Mit einem Architekten-Wettbewerb eingeleitet hatte das Vorhaben noch Kochs Amtsvorgänger, Kardinal Rainer Maria Woelki, bevor er Erzbischof von Köln wurde.

Denkmalpfleger und Kritiker im Erzbistum wenden sich vor allem dagegen, dass die zentrale Bodenöffnung mit einer Treppe zur Unterkirche beseitigt wird. Der Architekt Hans Schwippert (1899-1973) hatte sie beim Wiederaufbau der Kirche nach 1945 unter Mitarbeit von Künstlern aus Ost- und Westdeutschland angelegt. Bei der Umgestaltung wird der Altar ins Zentrum der Rundkirche gerückt, um nach Angaben des Erzbistums Berlin besser nach den gegenwärtigen kirchlichen Vorgaben Gottesdienste feiern zu können.

Die Bauarbeiten sind bis 2023 geplant. Das Urteil vom Landgericht ist noch nicht rechtskräftig; es kann dagegen Berufung eingelgt werden.

Sendung: radioeins, 14.07.2020, 14 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Gott sei Dank! - Wenn Kirche draufsteht, soll auch Kirche drinsein.

  2. 3.

    Endlich verschwindet dieses häßliche Loch!

  3. 2.

    Leider benennt der RBB nicht, welche der damaligen Künstler tatsächlich noch leben und was damals ihr Beitrag war, der nun zerstört würde und auf den sie Rechte einklagen. Vermutlich sind fast alle am Wiederaufbau 1952-1963 maßgeblich Beteiligten schon vor Jahrzehnten gestorben:, z. B. Hans Schwippert 1972, Josef Hegenbarth 1962, Anton Wendling 1965, Fritz Kühn 1967, Fritz Schwerdt 1970, Kurt Schwippert 1983, Margaretha Reichardt 1984.

    Hätte Hans Schwippert gegen die Kirche geklagt und gefordert, dass das, was er damals gestaltet und bestimmt hat, bis zum Jüngsten Gericht als Denkmal unverändert bestehen bleiben müsse?

  4. 1.

    Die klagenden „Freunde der Hedwigskathedrale“ geben auf ihrer Startseite eine „Meditation“ von Horsta Krum wieder, die eine theologisch völlig abwegige Anklage darstellt. Horsta Krum war laut Wikipedia als evangelische Pastorin Mitglied der „West-SED“ und der „kommunistischen Tarnorganisation“ CFK und wurde mit ihrem Mann 1994 von der EKBO suspendiert, als ihre Spionage für die Stasi bekannt wurde. Das qualifiziert natürlich, die Katholische Kirche geistlich anzugreifen ... Die Klage Elias bezieht sich übrigens auf Abgötterei und Abwendung von Gott mit der Folge der Zerstörung des Opfer-Altars, was zufällig an den Kampf der DDR gegen den christlichen Glauben erinnert. Mit einem Streit über die Umgestaltung oder einer geistlichen Beurteilung des Altarraums einer Kirche hat das Lamento Elias ungefähr gar nichts zu tun. Interessant wäre vielmehr, was Frau Krum zu den vielen Kirchen sagt, die von der DDR gleich ganz ihrem Zweck entzogen, abgerissen oder gesprengt wurden.

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