Eingang U-Bahnhof Mohrenstrafle in Berlin-Mitte 30.06.2020 (Bild: imago images/Dirk Sattler)
Bild: imago images/Dirk Sattler

Rassismus-Debatte - BVG will U-Bahnhof Mohrenstraße umbenennen

Seit Jahren – ja, seit Jahrzehnten - wird in Berlin um den Namen der Mohrenstraße gestritten. Nun bringt die BVG Bewegung in die Sache - zumindest beim gleichnamigen U-Bahnhof: Der soll jetzt einen neuen Namen bekommen.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen den U-Bahnhof Mohrenstraße in U-Bahnhof Glinkastraße umbenennen. Das Unternehmen teilte am Freitag mit, es habe sich wegen der Rassismus-Debatte um den Straßennamen dafür entschieden, ihn nicht weiter für den U-Bahnhof zu verwenden.

Seit den 90er Jahren wird eine Umbenennung gefordert, der Begriff "Mohr" sei rassistisch, so die Kritik. Zuletzt hatte Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek sich für eine Umbenennung von Straße und U-Bahnhof ausgesprochen. Befürworter hingegen verweisen darauf, dass es sich um einen historischen Straßennamen handele.

Kritik an Straßennamen schon seit den 90ern

"Aus Verständnis und Respekt für die teils kontroverse Debatte um den Straßennamen hat die BVG sich nun entschieden, ihn nicht weiter für die Benennung des U-Bahnhofs zu verwenden. Als weltoffenes Unternehmen und einer der größten Arbeitgeber der Hauptstadt lehnt die BVG jegliche Form von Rassismus oder sonstiger Diskriminierung ab", hieß es dazu am Freitag.

Der neue Name Glinkastraße folge dem Grundsatz, "U-Bahnhöfe und Haltestellen so zu benennen, dass sie örtlich eindeutig zugeordnet werden können und eine Orientierungshilfe bieten". Die Glinkastraße ist den Angaben zufolge nach dem russischen Komponisten Michael Iwanowitsch Glinka (1804-1857) benannt.

Laut BVG hat der U-Bahnhof bereits mehrere Namenswechsel hinter sich. So sei er 1908 mit dem Namen Kaiserhof eröffnet worden. Ab 1950 heiß er Thälmannplatz, ab 1986 Otto-Grotewohl-Straße. Nach der Wiedervereinigung wurde der U-Bahnhof 1991 in Mohrenstraße umbenannt. Wann der Bahnhof nun in Glinkastraße umbenannt wird, steht noch nicht fest, die BVG steht nach eigenen Angaben darüber noch im Austausch mit den Behörden.

Sendung: Abendschau, 03.07.2020, 19:30 Uhr

Kommentarfunktion am 05.07.2020, 13:35 Uhr geschlossen

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123 Kommentare

  1. 123.

    Mir fällt noch ein Name ein, um an die Teilung Berlins zu erinnern: "Letzter Bahnhof im demokratischen Sektor". So weiß jeder auf dieser U2, dass er in der Mitte sein muß.

  2. 122.

    Danke für Ihren differenzierten, sachlichen Kommentar, der hier (zwischen einigem Unsinn) hoffentlich nicht unterging!

  3. 121.

    Ob die Umbenennung des U-Bahnhof Mohrenstr. wirklich nötig war, möchte ich hier nicht kommentieren. Aber wenn schon, sollte man davon wegkommen Straßen und Plätze nach mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten zu benennen. Wie schnell kann es passieren dass man den Namen wieder ändern muss, weil sich irgendwann herausstellt dass diese Person vielleicht doch nicht so super war.

  4. 120.

    Sie machen Ihr Problem zum Problem von anderen. Ihr Problem ist das Sie sich nicht vorstellen können Ouri Jalloh zu sein. Sie können sich nicht vorstellen Nigger, Neger, Mohr, Kanacke genannt zu werden und auch so behandelt zu werden. Von jedem Hinz und Kunz der sonst nichts kann. Aber das kann er. Sie glauben, Sie behaupten Sie verträten mit Übersicht was nun wirklich wichtiger in der Welt als ein Strassenname ist. Aber all das tun Sie natürlich nicht. Denn Sie können nicht einmal einen Strassennamen ändern. Sie ändern gar nichts. Während Sie glauben andere wüssten nicht, dass es Wichtigeres als einen Strassennamen gibt. Aber von Ihnen bei Strassennamen aufgehalten werden. Während Sie sagen es gäbe Wichtigeres als Strassennamen. Sie wollen gemütlich-bräsig weiter eine Mohrenstrasse haben. Das finden Sie cool. Sie wollen dabei aber nicht Rassist, Ignorant oder Chauvinist genannt werden.

  5. 119.

    Als wenn wir keine anderen Sorgen hätten. Diese ewige Rassismusinterpretation bei normalen Dingen des Alltags oder schon seit Ewigkeiten bestehende Namen und Begrifflichkeiten ist kaum auszuhalten.

  6. 118.

    In der jetzigen Zeit, wo jeder Demonstrationswütige unter dem Mäntelchen von einem möglichen aktuellen und zugegeben gelegentlich auch berechtigtem Grund, alle Verunglimpfen und nieder machen, die nicht ihrem „Verständnis“ entsprechen, kann ich die BVG schon verstehen. Vorbeugen ist besser ...

  7. 117.

    "Martina", weder finde ich mich witzig noch meine ich, dass es auf mich ankommt. Allerdings geht mir die Debattiererei über verglichen mit leider in vielen Teilen der Welt alltäglichen existenziellen Bedrohungen völlig unbedeutende Belange, die noch dazu überhaupt erst bei nicht wohlwollender Kenntnisnahme irgendeine möglicherweise als politisch nicht korrekt brandmarkungsfähige Konnotation entwickeln, zunehmend auf die Nerven! Wir sollten unsere geistige und finanzielle Energie besser in wirklich wichtige Dinge investieren.
    Genießen Sie das restliche Wochenende!

  8. 116.

    Hallo Mitleser, was ihre Frage angeht, das gleiche habe ich mich schon so oft gefragt! Die Antworten sind jedenfalls ziemlich abgedroschen, das es schon peinlich klingt.

  9. 115.

    Warum denn nicht U-Bhf "Mauerstraße" oder "Wilhelmstraße"? Dass man mit der Glinkastraße stattdessen die am weitesten vom U-Bhf.-Umkreis entfernt liegende Straße als Stationsnamen wählt widerspricht doch gerade dem erläuterten Grundsatz der BVG.

  10. 114.

    Wer keine Probleme hat der macht sie sich eben. Alles beim alten lassen, denn das verursacht auch immense Kosten.
    Wenn der Bahnhofsname geändert wird, müsste konsequenter Weise auch der Strassenname getilgt
    werden.

  11. 112.

    Zitat: "Solche Aktionen treiben die Spaltung der Gesellschaft weiter voran.

    Ich halte es für falsch, wenn solche Entscheidungen von kleinen Gruppen gemacht werden. Es muss einen Konsens geben, ansonsten sind noch mehr Konflikte zu erwarten."


    Worin sehen Sie in der Umbenennung der U-Bahnstation gesellschaftspaltendes Potenzial und Grundlage für "noch mehr Konflikte", Maik? Zu mehr als einer kurzzeitigen, überreizten Diskussion im Net wird es m. E. wohl kaum kommen.

  12. 111.

    Zitat: "Ich las vor längerer Zeit auf einem Plakat der Grünen den Text "Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit"! Wen wundert es dann, wenn weitere Veränderungen publik sind! Deutsche Geschichte ist ohnehin nur noch mit Vorsicht zu genießen!"


    Und aus diesem, nun ja, recht pointierten Wahlslogan der Grünen meinen Sie schlussfolgern zu können, dass ein "Aus-/Umtausch der deutschen Sprache" im Gange ist - und eklatanter noch, nehmen Sie an oder vielmehr behaupten sogar, dass man der offiziellen Darstellung der deutschen Geschichte nicht mehr trauen kann?! Das scheint mir doch etwas ins Hysterische zu tendieren, Detlef 2.

  13. 110.

    Die BVG knickt vor dem Zeitgeist ein. Das macht die Welt kein Stück besser.

  14. 109.

    Zitat: "Als ob wir keine anderen Sorgen und Probleme haben.
    Meine Güte. Jede Zeit hat seine Situationen und wie lange müssen wir uns deutsche noch rechtfertigen und unsere Geschichte tot schweigen?"


    Welchen Teil der deutschen Geschichte meinen Sie denn konkret, für den wir uns nicht länger "rechtfertigen" sollen und der Ihrer Meinung nach angebl. zugleich "verschwiegen" wird? Ihre Aussage erscheint mir etwas diffus, Kai.

  15. 108.

    Martina, wer auch immer Sie sind, ich glaube Sie haben ein wirkliches Problem. Fragen Sie mal Ihren Arzt oder Apotheker.

  16. 107.

    Was machen wir mit Tankred Dorst‘ Schauspiel ,Die Mohrin‘? Soll das nicht mehr aufgeführt oder umbenannt werden? Ich bin alsKind und als Erwachsener oft an der Sarotti Fabrik in der Teilestr. vorbeigefahren und hab mich immer über die Werbefigur des Sarottimohren gefreut ohne irgendwelche rassistische Gedanken zu hegen.

  17. 106.

    Also ich bin auch für eine Umbenennung: hier die des Stadtnamens. Begründungen dafür gibt es viele, so war die Stadt, während der Machtausübung der Nationalsozialisten, Reichshauptstadt. Eine Idee habe ich auch schon: Kulkatta (in Erinnerung an einen weisen klugen Mann).

  18. 104.

    „Martina“ hat leider offenbar kein Anliegen mit Substanz. Es geht ihr einzig darum, andere mit vielen Worten herabzusetzen. Ob das der richtige Weg im Kampf gegen Rassismus ist, mag dahinstehen.

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