Ein Polizeiauto steht in Wannsee in der Nähe zur Stadtgrenze zu Potsdam. In diesem Bereich hatte am Abend eine Festnahme stattgefunden. Quelle: dpa/Julian Stähle
Video: Brandenburg aktuell | 15.07.2020 | Bild: dpa/Julian Stähle

Serie von acht Delikten - Haftbefehl gegen mutmaßlichen Vergewaltiger erlassen

Der am Dienstagabend in Berlin-Wannsee festgenommene mutmaßliche Serienvergewaltiger sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Er wird mit mindestens acht Sexualdelikten in Berlin und Brandenburg in Verbindung gebracht.

Ein Ermittlungsrichter hat am Mittwoch Haftbefehl gegen den 29-jährigen Verdächtigen erlassen, der am Dienstagabend in Berlin-Wannsee gefasst worden war. Er sitzt jetzt in Untersuchungshaft.

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass es sich bei dem Mann um den gesuchten Serienvergewaltiger handelt, der für mindestens acht teils versuchte, teils vollendete Taten in Berlin und Brandenburg verantwortlich sein soll.

Bei dem mutmaßlichen Vergewaltiger gehe die Staatsanwaltschaft von einer Anklage und späteren Verurteilung aus, sagte Staatsanwältin Katrin Frauenkron am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Bei den acht Taten zwischen dem 12. Juni und dem 14. Juli gehe es um drei besonders schwere Fälle, eines der Opfer sei minderjährig. Bei einer Verurteilung sei mit einer erheblichen Freiheitsstrafe zu rechnen, sagte Frauenkron, die Beweislage sei gut.

Fingerabdrücke und DNA-Proben genommen

Der Mann sei nach der Festnahme in der Neuen Kreisstraße am Dienstagabend nahe der Landesgrenze von Berlin und Brandenburg erkennungsdienstlich behandelt worden, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei am Mittwoch. Zuvor hatten die Ermittler zur Beweissicherung unter anderem Fingerabdrücke und DNA-Proben genommen, das entsperrte Handy und ein blaues Fahrrad des Mannes sichergestellt.

Der 29-Jährige war am Dienstagabend gegen 19.30 Uhr von Brandenburger Polizisten gefasst worden, er soll am Vormittag kurz zuvor eine Frau in einem Waldstück zwischen Babelsberg und Dreilinden vergewaltigt haben. Um 11.30 Uhr sei die Polizei von einer Anruferin alarmiert worden, die eine mutmaßlich vergewaltigte Frau in dem Waldstück gefunden hatte.

Nach Vergewaltigung wollte Täter sich mit Frauen verabreden

Der Verdächtige soll die Frauen in Waldgebieten in Berlin und Brandenburg angegriffen und teils gefährliche Werkzeuge genutzt haben, um seine Opfer einzuschüchtern. Nora Schürmann vom Landeskriminalamt sagte auf der Pressekonferenz, der Täter sei mit massiver Gewalt gegen die Frauen vorgegangen. Er habe die Opfer zunächst ganz freundlich angesprochen, immer zu belebter Zeit. Danach habe er sie mit Gewalt gepackt und gewürgt. Die Opfer seien vom Weg weggezerrt und in entlegene Gebiete gezerrt worden.

Nach der Vergewaltigung habe er eine andere Seite gezeigt und sich um sie gekümmert. Er habe versucht, sich mit ihnen für den nächsten Tag zu verabreden. Dieses "ungewöhnliche Muster" habe den Ermittlern den Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Taten gegeben.

Großaufgebot der Polizei unterwegs

Die Brandenburger Polizei war nach Angaben eines Sprechers mit 60 Beamten im Einsatz, außerdem mit einem Hubschrauber, Wärmebildkamera, Diensthunden, Wasserschutzbooten und einer Drohne. Von der Bundespolizei seien Pferde eingesetzt worden.

Vor einer Woche hatten Berliner Ermittlungsbehörden eine Öffentlichkeitsfahndung nach einem mutmaßlichen Serientäter gestartet, der für sieben Taten in Berlin und Brandenburg verantwortlich sein soll, darunter mindestens fünf Vergewaltigungen. Am Montag gaben die Behörden bekannt, dass der Mann identifiziert sei, sein Aufenthaltsort war aber zunächst unbekannt.

Innenminister Stübgen: Unterstützung der Opfer in den Mittelpunkt rücken

Nach Angaben der Ermittler wurde der Mann bereits Ende vergangenen Jahres in Berlin bei einer Straftat angetroffen, zudem bei einer weiteren Tat im März. Dies seien aber keine Sexualstraftaten gewesen.

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Serienvergewaltigers erklärte der Brandenburger Innenminister Michael Stübgen (CDU), es sei wichtig, die Unterstützung für die Opfer in den Mittelpunkt zu rücken. "Keiner kann nachempfinden, wie schlimm solche Verbrechen für die Opfer sind", erklärte Stübgen am Mittwoch. "Gut, dass wir den Täter jetzt haben und er keinen Schaden mehr anrichten kann." Er dankte der Brandenburger Polizei für deren Einsatz, die den Mann gemeinsam mit Berliner Beamten ergriffen hatte. "Jetzt müssen wir uns aber darauf konzentrieren, den Opfern zu helfen."

Sendung: Abendschau, 15.07.2020, 19.30 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Was soll man da gesellschaftskritisch aufklären.
    Es gibt einen (vor der Verurteilung noch mutmaßlichen) Straftäter, dessen Verhalten allgemein in der Gesellschaft geächtet ist, dessen widerwärtige Straftaten von Polizei und Justiz (und den Zeugen in der Zivilgesellschaft, den Medien, etc.) mit Nachdruck verfolgt werden und dessen Verhalten zum Glück so abartig und selten (im Vergleich zu den 80 Mio. in Deutschland lebenden Menschen) ist, dass es keine gesellschaftskritische Aufklärung braucht, sondern eine saubere Beweisführung von Polizei und Justiz, die am Ende zu einer (hoffnungsweise sehr langen) Freiheitsstrafe mit (hoffentlich) darüber hinausgehender Sicherungsverwahrung führt.

  2. 7.

    Ihr Einwand überrascht.....
    Bei gesichertem DNA- Material und zu erfolgender Identifizierung des Täters durch die Frauen kann man doch sehr wohl von hoher Sicherheit der Verurteilung ausgehen.

  3. 6.

    Was bitte soll der letzte Satz Ihres Kommentares?
    Was die Unterstützung der Frauen und des minderjährigen Opfers betrifft, ist im Bericht beschrieben und ich hoffe sehr, dass allen Opfern die gebührende Hilfe gegeben wird, die notwendig und geboten ist.
    Die Opfer haben lebenslänglich, während der Typ eventuell irgendwann wieder in Freiheit herumlaufen kann, wenn im Gerichtsverfahren nicht die anschließende Sicherheitsverwahrung angeordnet wird, was ich sehr hoffe.
    Der Täter wird jetzt auf Staatskosten untergebracht und therapiert, während den Opfern womöglich Kosten durch Therapien und Hilfen entstehen.
    Da muss sich dringend etwas ändern.

  4. 5.

    Die rein kriminaltechnische Auifklärung mag abgeschlossen sein, die gesellschaftskritische fängt erst an. Da ist noch viel Luft nach oben.

  5. 4.

    Den Beitrag bitte richtig lesen: "die Beweislage sei gut." Außerdem ist der Modus Operandi doch sehr markant, sodass man keine Verwechslung befürchten muss.

  6. 3.

    Laut Pressekonferenz wurden bei allen vergewaltigten Frauen DNA-Spuren des gefassten Mannes sichergestellt, nur im Falle der noch nicht gefundenen Geschädigten nicht. Insofern kann man schon von Aufklärung der Taten sprechen.

  7. 2.

    Glückwunsch und Dank an die Ermittler und den Opfern eine gute Betreuung um die Taten verarbeiten zu können!

  8. 1.

    Erstmal Gratulation an die Polizei. Aber hier gleich von "Aufklärung" zu schreiben, ist doch recht hochgestapelt. Erstmal muss man dieser Person die Fälle nachweisen und absichern, dass er auch der "Richtige" ist. Das steht ja noch aus. Erst dann sind die Fälle aufgeklärt.

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