15.07.2020, Brandenburg, Potsdam: Die Sprengung einer Weltkriegsbombe verursacht eine riesige Schlammfontäne über dem Aradosee. (Quelle: dpa/Julian Stähle)
Video: Brandenburg Aktuell | 15.07.2020 | Bild: dpa/Julian Stähle

Bahnverkehr unterbrochen - Weltkriegsbombe in Potsdam gesprengt

Mit einer kontrollierten Sprengung ist am Mittwochnachmittag ein Blindgänger im Potsdamer Aradosee unschädlich gemacht worden. Rund 7.500 Menschen waren zuvor in Sicherheit gebracht worden, betroffen waren auch Pflegeeinrichtungen und Kitas.

Eine 250 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe ist am Mittwochnachmittag in Potsdam gesprengt worden. Der Bau eines Strohfloßes über dem Blindgänger im Aradosee, der die Explosion abdämpfen und Splitter und Steine abfangen sollte, wurde kurz nach 14 Uhr abgeschlossen. Nachdem es beladen und in Position gebracht worden war, wurde die Bombe um 14.45 Uhr vom Sprengmeister des Kampfmittelbeseitigungsdienstes des Landes Brandenburg, Mike Schwitzke, gesprengt. "Es ist alles super gelaufen", sagte Schwitzke nach getaner Arbeit. Bis auf ein paar kaputte Fensterscheiben gebe es keine Schäden.

Rund 7.500 Menschen in Babelsberg, Zentrum Ost und der Teltower Vorstadt, die im Sperrkreis von rund 800 Metern um den Fundort leben, hatten am Morgen ihre Häuser verlassen müssen. Der Sperrkreis wurde um 14.59 Uhr wieder aufgehoben. Von den Evakuierungen waren auch drei Tagespflegeeinrichtungen, vier Kitas und zwei Schulen betroffen. Der S-Bahnverkehr zwischen Potsdam Hauptbahnhof und Babelsberg war vorübergehend eingestellt.

Sprengung in drei Metern Tiefe

Die Weltkriegsbombe US-amerikanischer Bauart war vergangene Woche im Aradosee unweit vom Hauptbahnhof gefunden worden. Der See wurde für eine geplante Renaturierung systematisch nach Kampfmitteln durchsucht. Nach Angaben der Stadt lag die Bombe in drei Metern Tiefe unter einer Schlammschicht. Da sie stark verkrustet war, der Zünder nicht identifiziert werden konnte und ein großer Baum auf dem Blindgänger lag, entschloss man sich, sie zu sprengen. Dazu wurde ein sieben mal sieben Meter großes Strohfloß eingesetzt, um den Flug von Splittern und Steinen bei der Explosion zu verhindern.

Nach Angaben Schwitzkes war nicht auszuschließen, dass durch die Detonation Schäden an umliegenden Gebäuden entstehen.

Ein erster Lastwagen mit 15 Ballen Stroh war am Morgen bereits vor Ort eingetroffen. Laut Rathaussprecherin Juliane Güldner setzten Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerk das Strohnetz zusammen. Vor Beginn des Einsatzes am Mittwoch erklärte Sprengmeister Mike Schwitzke, dass die Ladung für die Sprengung der Bombe von einem Taucher angebracht und verkabelt werde.

Sperrkreis am Aradosee (Quelle: mappa.pro/rbb24)
| Bild: mappa.pro/rbb24

Umfangreiche Sperrungen

Am Rande des Sperrkreises am Horstweg, der Heinrich-Mann-Allee, dem Humboldtring sowie die Rudolf-Breitscheid-Straße, achteten nach Angaben der Stadt Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf die Einhaltung des Sperrkreises. Auch die vielbefahrene Nuthestraße wurde teilweise gesperrt.

Sprengung der Weltkriegsbombe in Potsdam am 15.7.20: Stroh für das Floß (Quelle: rbb/Brockhausen)
Strohlieferung für das Floß | Bild: rbb/Brockhausen

204. Blindgäger, der seit der Wende in Potsdam gefunden wurde

Für Menschen, die ihre Wohnungen räumen mussten, hatte die Stadt Shuttlebusse zur Verfügung gestellt, mit denen die Bewohner in zwei Ausweichquartiere fahren konnten. Bei der Feuerwehr konnten vorab Krankentransporte für Menschen angefordert werden, die den Sperrkreis nicht selbständig verlassen konnten. Nach Angaben der Stadt wurden 23 Transporte angemeldet.

Es ist der 204. Blindgänger, der seit der Wende in Potsdam gefunden wurde. In der Statistik werden Fliegerbomben ab 50 Kilogramm erfasst. Erst vor rund drei Wochen wurde ein Blindgänger in der Havel in der Innenstadt gesprengt. 13.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen.

1 Kommentar

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  1. 1.

    Wieder eine erfolgreiche Entschärfung einer Bombe, sicherlich nicht die letzte.
    Dem Team der Einsatzkräfte ein großes Dankeschön!

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