Archivbild: Eine Kita-Gruppe überquert eine Kreuzung im Wrangelkiez in Berlin Kreuzberg. (Quelle: dpa/J. Kalaene)
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Verkehrsberuhigte Straßen - Kreuzberger Wrangelkiez wird im Laufe der Woche (fast) autofrei

Der Wrangelkiez und die Görlitzer Straße werden innerhalb dieser Woche für Autos abgesperrt. Die einzigen, die noch rein dürfen: Anlieger und Lieferfahrzeuge. Viele freuen sich über weniger Verkehr, aber es hagelt auch Kritik an der Sperrung - auch von Anwohnern selbst.

Der Wrangelkiez und die Görlitzer Straße in Berlin-Kreuzberg werden im Laufe der Woche nur noch für Autos von Anwohnern und Lieferfahrzeuge geöffnet. Das teilte das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg [Link zur Pressemitteilung] am vergangenen Freitag mit. Grund dafür seien "Bauarbeiten am Schlesischen Tor, die zu Umfahrungen und einer starken Verkehrsbelastung im Wrangelkiez geführt haben." Entsprechende Schilder seien angebracht worden.

Wrangelkiez als "Vorreiter für moderne Mobilität"?

Die Initiative "Autofreier Wrangelkiez"[Link zur Website der Initiative] kämpft seit 2017 dafür, das Gebiet zwischen Wrangel- und Görlitzer Straße sowie der Spree für motorisierte Fahrzeuge zu sperren.

Mit einem Konzept zur Umsetzung wandten sich die Aktivisten an die Senatsverwaltung für Verkehr und Umwelt. Die ließ daraufhin im März vergangenen Jahres eine Machbarkeitsstudie zur Verkehrberuhigung durchführen. Darin sollte nach Senatsangaben geprüft werden, "wie der Straßenraum im Wrangelkiez so gestaltet werden kann, dass das Wohnquartier für die Anwohnerinnen und Anwohner lebenswerter und attraktiver wird."

Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Bündnis 90/Die Grünen), freute sich damals über die "Möglichkeit, dass der Kiez zum Pilotprojekt für Autofreiheit in der Innenstadt und damit zum Vorreiter für moderne Mobilität wird."

FDP: Schließung einzelner Kieze keine allgemeine Lösung

Kritik an der Kiezsperrung kam am Montag aus der FDP-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses: Henner Schmidt bezweifelt in einer Mitteilung, dass "die Schließung einzelner Kieze für den Durchgangsverkehr" eine "allgemeine Lösung für die Verkehrsprobleme" ist. Dadurch werde zusätzlicher Verkehr in "die sowieso schon hoch belasteten Durchgangsstraßen" gelenkt, so Schmidt. Der FDP-Politiker plädierte dafür, Kiezinitiativen wie "Autofreier Wrangelkiez" in ein Gesamtkonzept für die Verkehrsflüsse einzubinden, "damit Verbesserungen an einer Stelle nicht automatisch zu Lasten anderer gehen."

Nicht alle Anwohner freuen sich über die Sperrung

Nicht nur die politischen Opposition kritisiert das Verkehrskonzept, auch aus dem Wrangelkiez selbst werden Bedenken laut. Seit August vergangenen Jahres gibt es eine Petition gegen die Sperrung des Wrangelkiezes, die in einem knappen Jahr mehr als 3.000 Unterstützer generiert hat. Die Initiatorin der Petition, Daiana Domke, befürchtet, dass ein autofreier Kiez dazu führen könnte, dass Immobiliien und damit Mieten teurer werden könnten. Das sei ein Problem für Anwohner und könnte das Aus für hiesige Gewerbe bedeuten, heißt es in der Petition [Link zu open-petition.de].

Wie lange der Kiez autofrei bleibt, ist unklar

Ob der Wrangelkiez nach der Beendigung der Bauarbeiten rund ums Schlesische Tor wieder für Autos freigegeben wird, ist noch unklar. Auf Anfrage von rbb|24 vom Montag gab ein Pressesprecher des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg bekannt: "Sollte sich die Maßnahme bewähren, wird eine Verlängerung über die Bauarbeiten hinaus geprüft."

Korrektur: In einer ersten Version des Artikels hieß es, der Wrangelkiez sei schon ab Montag (fast) autofrei. Diese Angabe wurde inzwischen vom Bezirk korrigiert. Die Absperrung erfolgt im Laufe der Woche. Wir haben das entsprechend korrigiert.

 

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30 Kommentare

  1. 29.

    Berlin ist ne Großstadt - warum müssen Leute vom Dorf sich hier wieder ihre angestammte Umgebung nachbauen? Ich glaube es hakt! Erst die Clubsszene demolieren, Ruhezeiten durchprügeln etc - was kommt als nächstes? Viergeschosser schleifen? Vielleicht noch Tierhaltung am Eck? Meine Probleme wegschaffen, indem ich sie anderen aufhalse, ist ja wohl das allerletze. Ohne Gesamtkonzept ist dieses Experiment tot, ich sagst Euch, liebe ehemals ländliche Mitbewohnerschaft!

  2. 28.

    Keine Despektierlichkeiten gegen Lichtenberg vom grünen Bürgertum! Immerhin hat Ostberlin für ein 28 Jahre währendes Durchfahrtsverbot durch Ihren Kiez gesorgt.

  3. 26.

    Das ist aber doch gerade das Argument der Gegenpetition: Der Kiez wird zu attraktiv, Mieten steigen zu sehr. Das hab ich mir ja nicht ausgedacht, das ist des beste Argument was die Gegner dieser Maßnahme vorbringen konnten. Ich hab nur zitiert.

  4. 25.


    Alles halb so schlimm, da sich ja doch kaum ein Autofahrer dran hält!
    Ist in anderen Anwohnerstraßen mit dem Durchfahrt-verboten--Schild genauso ... ich bin für Verkehrserziehung sprich Rücksichtnahme lernen für alle, wirklich alle als Pflicht.
    In anderen Städten/Ländern war die Umsetzung hin zu einer autoärmeren Stadt auch schwer und ist auf heftigen Widerstand seitens der motorisierten Verkehrsteilnehmer gestossen.

  5. 23.

    Die Argumentation der Petition gabs hier schon so ähnlich in einem anderen Artikel hier im RBB (ging bestimmt um Tegel), frei nach dem Motto, am besten macht man die Stadt möglichst unlebenswert und gesundheitschädlich, dann sinken die Mieten....

  6. 22.

    Am besten noch um diverse Bezirke noch eine Mauer bauen. Reicht auch Stacheldraht.

  7. 21.

    Kieze und Straßen werden nicht attraktiver wenn man den Individualverkehr aussperrt. Wird in dieser Stadt jeden Tag aufs neue bewiesen. Nur die Grünen und Sie haben das offensichtlich nicht begriffen, aber keine Sorge, sie werden es sicherlich bald merken.

  8. 19.

    Genau Paul, nichts geht gegen den guten alten Durchgangsverkehr!! Keine spielenden Kinder, keine Scheissradfahrer, evtl. noch Stühle oder Bänke zum verweilen? Ne, einfach nur Autos ! egal ob parkend oder fahrend- das ist Lebensqualität!!

  9. 18.

    Wenn mann kein Auto will, muß man halt laufen.Ja,da bin ich vollkommen Ihrer meinung.Den Lieferservice als alternative für "bequeme"Menschen erwähnt habe.

  10. 17.

    RRG versucht vor der nächsten Wahl noch durchzusetzen was auch immer geht und was in deren krankem Kopf so herumschwirt, und warum...

    Weil dieser Senat ganz genau weiß das er nicht wiedergewählt wird und bei fast allen Berlinern inzwischen verhasst ist !!!

  11. 16.

    „Moderne“ Mobilität ist für Grüne der Schritt zurück in die vorindustrielle Zeit. Das funktioniert natürlich nur für Leute, die wenig oder gar nicht arbeiten. Aber davon gibt’s ja nicht nur im Wrangelkiez, sondern in ganz Kreuzhain jede Menge. Und Frau Herrmann möchte natürlich nicht, dass die in ihrer Ruhe gestört werden. Verständlich! ;-)

  12. 15.

    "Soll heißen wenn Sie ihre Wähler bedienen übergehen Sie 80 % der anderen Wahlberechtigten. "

    Ja und? Das ist doch nicht so schlimm wie Politiker / Parteien, die ihre Wahlversprechen brechen. So zumindest die Grundstimmung in der Bevölkerung. Denn bei Koalitionen werden doch häufig eine große Mehrheit der Wähler übergangen.

    Wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Mehrheit der Berliner etwas dagegen hat, wenn aus ihrem Kiez der Durchgangsverkehr durch Autofahrer, die kein Bock auf Stau haben, ausgeschlossen wird.

    "Ich hoffe das von der BVV wieder ein Riegel vorgeschoben wird. "

    Warum hoffen Sie das. Müssen Sie regelmäßig DURCH den Wrangelkiez fahren?

  13. 14.

    Lieferdienste? ! Prekäre Jobs wegen fauler Kundschaft? Und wer bltte , isst halb kalte Burger und dann pappige Pommes? Wenn mann kein Auto will, muß man halt laufen.

  14. 13.

    Wenn ich mich daran erinnere haben Die Grünen nicht die absolute Mehrheit im Senat. Soll heißen wenn Sie ihre Wähler bedienen übergehen Sie 80 % der anderen Wahlberechtigten. Außerdem gehts um die Art und Weise wie hie Sachen im Eiltempo under fadenscheinigen Vorwänden durchgezogen werden. Nicht umsonst ist der Grüne Baustadtrat dafür bekannt und hat auch schon öfters eine Ansage bekommen weil er sich der BVV widersetzt hat. Ich hoffe das von der BVV wieder ein Riegel vorgeschoben wird. Das ist Demokratie. Was die Grünen abziehen ist Sozialismus

  15. 12.

    Die"Verkehrswende"sollte nun endlich mal durchgezogen werden.Wir brauchen jetzt nicht alle Verbrennermotoren durch E-SUVs/Autos ersetzen.Das ist alles keine Lösung.Staus und Unfälle werden damit ncht behoben.Und wenn jetzt noch das Tempo 130 durchgesetzt wird,dann begrüsse ich das auch.Vielleicht macht man sich dann erst mal ernsthaft Gedanken darüber,ob ich überhaupt in der Stadt ein Auto benötige.Für Restaurants in der Stadt brauche ich z.b.schon mal kein Auto.Das gibt es u.a.den Lieferservice.Selbst McDonald und Burger King bieten in einigen Städten schon den Lieferservice an.

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