Archivbild: Zahlreiche Baustellenschilder stehen am 25.02.2019 an der Straße Unter den Linden vor dem Deutschen Historischen Museum während der Verkehr stockt. (Quelle: dpa/Annette Riedl)
Bild: dpa/Annette Riedl

Die meisten Einschränkungen in Mitte - Baustelle Berlin

Egal, ob man in Berlin zu Fuß, mit dem Kraftfahrzeug oder dem Fahrrad unterwegs ist, gefühlt ist immer irgendwo eine Baustelle oder Straßensperrung. Dieses Gefühl lässt sich nun auch belegen, wie Daten des Senats zeigen. Von Götz Gringmuth-Dallmer

Mitte der 90er Jahre kam ein Film mit dem Titel "Das Leben ist eine Baustelle" in die Kinos. Berlinerinnen und Berliner kennen dieses Gefühl aus ihrer alltäglichen Erfahrung auf den Straßen der Stadt nur zu gut, nun gibt es auch Zahlen dazu - zumindest ungefähre. Zurzeit (Stand: 24.07.2020) finden sich in Berlin 4.689 dokumentierte Beeinträchtigungen auf öffentlichem Straßenland und weitere 77, die keiner Straße zugeordnet werden können.

Die Zahlen stammen von der Senatsverkehrsverwaltung und gehen aus einer schriftlichen Anfrage hervor. Diese hatte der fraktionslose Abgeordnete Marcel Luthe gestellt und unter anderem gefragt, welche Baustellen auf öffentlichem Straßenland gegenwärtig bestehen. Als Antwort gab es eine Liste über 160 Seiten, die rbb|24 ausgewertet hat.

Wie sich auf Nachfrage bei der Senatsverwaltung herausgestellt hat, handelt es sich bei den aufgelisteten Genehmigungen jedoch nicht nur um Baustellen, bei denen irgendwo ein Kran steht oder Löcher gegraben werden, sondern auch um temporäre Ereignisse wie das Aufstellen eines Bauwagens.

Wie viele Baustellen es derzeit genau auf öffentlichem Straßenland gibt, lässt sich aus den Zahlen nicht herauslesen. Für ein paar hundert Adressen gibt es mehrere und unterschiedliche Genehmigungen. Dazu gibt es viele, die für benachbarte Adressen gelten und damit zu ein- und derselben Baustelle gehören können.

418 Ereignisse sind als sonstige Arbeitsstelle vermerkt. Diese, so heißt es aus der Pressestelle der Senatsverwaltung, sind Platzhalter und keine Baustelle. Dazu zählen zum Beispiel Haltepunkte von Busunternehmen, die Stadtrundfahrten anbieten. Bei Entscheidungen, die Auswirkungen auf den Verkehr haben, müssen diese jedoch auch beachtet werden müssen.

Am wenigsten Einschränkungen in Reinickendorf

Besonders viele Genehmigungen wurden in Mitte (746), Friedrichshain-Kreuzberg (623) und Charlottenburg-Wilmersdorf (525) für Einschränkungen auf öffentlichem Straßenland erteilt. Reinickendorf (213), Spandau (232) und Neukölln (245) stehen am Ende der Liste.

Wie viele Baustellen oder Genehmigungen davon jeweils Straßen-, Rad- und Gehwege betreffen, geht aus den Daten nicht hervor. Der Senat weist jedenfalls darauf hin, dass die Zusammenstellung mittels des gemeinsam von den Bezirken und der Senatsverwaltung für Verkehr verwendeten EDV-Systems erfolgte und eine manuelle Plausibilitätsprüfung nicht möglich war.

Etwa 1.500 Genehmigungen sind bereits abgelaufen

Insgesamt etwa 1.500 Genehmigungen aus dieser Liste haben ihr Enddatum bereits überschritten. Von der Senatsverwaltung heißt es dazu, dass es sich bei Einträgen, deren Enddaten in der Vergangenheit liegt, um bereits abgelaufene Genehmigungen handelt. Bei diesen stehe das Einpflegen einer Aktualisierung noch aus. Aktualisierungen werden sukzessive eingepflegt und können teilweise erst nach Rückmeldung der Antragsteller durchgeführt werden, heißt es weiter.

Kaum Sperrungen wegen Straßenbau

Neben den Straßen und Bezirken sind auch die Gründe für die Genehmigungen aufgelistet. Ganz oben steht die Baustelleneinrichtung (1.085), gefolgt von Tiefbauarbeiten (796) und 622 Halteverboten, die laut Senat für temporäre Ladezonen oder Baustellenausfahrten eingerichtet werden. Der Straßenbau selbst kommt nur 156 Mal vor, Gehwegarbeiten und Gehwegeinengung 267 Mal.

Weitere 761 Genehmigungen sind bis zum Ende des Jahres beantragt und teilweise schon genehmigt.

Sendung: Abendschau, 24.08.2020, 19.30 Uhr

Beitrag von Götz Gringmuth-Dallmer

23 Kommentare

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  1. 23.

    Natürlich sind die normalen Autofahrer schuld oder die schlafmützigen Fußgänger, nein es sind die militanten Radfahrer.
    Nun ein achtvolles Miteinander hilft und nicht gegenseitige Schuldzuweisungen. Ja, es ist wunderschön zu dritt nebeneinander auf der Rummelsburger Landstr. zufahren, aber eigentlich hätte der separate Radweg (bereits begonnen ohne Weiterbau)allen geholfen. Jetzt bin Autofahrer, weil Arbeitsbeginn 6 Uhr (im Umland)ist und mit ÖPNV Abfahrt 3.25 Uhr erreichbar ist. Bin davor 16 Jahre nicht mit dem Auto gefahren, trotz Zeitersparnis. Vielleicht sind aber die Einnahmen aus überzogener Bauzeit lukrativ? Etwas mehr Sachlichkeit täte uns allen gut. Vielleicht einfach mal zu hören und nicht immer gleich die große Keule rausholen.

  2. 22.

    Diese Meinung gehört nur bedingt zum Thema, aber: Baustellen gibt es wohl nicht nur auf der Straße. Meine Muttersprache ist Deutsch. Was ich hier jedoch in einigen Kommentaren lese, ist einfach nur peinlich (falls jemand eine LRS hat, der möge mir verzeihen) . Ich akzeptiere die unterschiedlichen Meinungen zum Thema, weil wir nun mal in einer Demokratie leben, aber einige hätten in der Schule bei der Rechtschreibung besser aufpassen sollen...

  3. 21.

    Argumentieren Sie grade ernsthaft, dass der Berliner Stau durch verunfallte Radfahrer verursacht wird?

  4. 20.

    Danke für den Hinweis Mike. Ich bin in Berlin geboren und aufgewachsen. Ich lebe in der Stadt gerade weil man in Städten, anders als auf dem Dorf, kein Auto braucht.

  5. 19.

    Ein Blick rüber nach Amerika zeigt schnell dass mehr Fahrbahn einfach zu mehr Autos führt. Schon mal in L.A. Auto gefahren? Die haben so viel Fahrbahn und Parkraum, dass man zu Fuß nirgends mehr hin kommt und trotzdem ist die Stadt ein einziger Verkehrsinfarkt. Autos skalieren einfach nicht auf Städte, sie nehmen zu viel Raum pro bewegter Person ein. Die autogerechte Stadt existiert nicht.

  6. 18.

    "Baustelle Berlin" Vom grünen Senat ist auch nix anderes gewollt.

  7. 17.

    Hallo, wir Leben in Berlin, die größte Stadt Deutschlands schon vergessen. Wenn man von einer Kleinstadt oder Dorf kommt, sollte man sich vorher Informieren wo man Hinzieht und sich dann nicht über den Verkehr, Lärm usw. Beschweren.

  8. 16.

    Solange die rot,rot grünen hier meinen das sagen zu haben wird sich auch nichts daran ändern,und es noch mehr
    sogenannte(Blinde)Baustellen geben.Und die dadurch entstehenden Staus geben dann noch mehr co2 ab.Was ja eigentlich verhindert werden soll.Es wird zeit die rot,rot grünen abzulösen.

  9. 15.

    Solche Fälle aber auch:

    Polizeimeldung vom 16.08.2020
    Marzahn-Hellersdorf
    Nr. 1928
    Schwere Verletzungen erlitt ein Radfahrer heute Vormittag bei einem Sturz von seinem Fahrrad in Marzahn. Bisherigen Erkenntnissen zufolge stürzte der 85-jährige Senior gegen 10.45 Uhr ohne Beteiligung eines weiteren Verkehrsteilnehmenden beim Abbiegen in der Marzahner Chaussee von seinem Fahrrad und zog sich eine Becken- und Armfraktur zu. Er kam mit einem Rettungswagen zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus.

  10. 14.

    Wieso kodieniert man die Baustellen nich diese Ausflickerei bringt doch nicht. Zur Zeit Landsberger Chaussee Stadtauswärst eine Aubstelle nach dem anderen und alles wurde nach den Ferien begonnen und nur wieder Locher ausflicken und nächstes Jahr daß gleiche wieder weil dann neue Löcher da sind wieso dann nicht richtig und dann hätten wir weniger Baustellen. Wir bauen auf und reizen nieder Arbeit haben wir immer wieder.
    Hochachtungsvoll Stoll Karl-Heinz

  11. 13.

    Es liegt nicht an den Autos, die zu viel sind, sondern an den ständigen Rückbau von Fahrbahnen, zugunsten von Bus und Rad. Das hat erst seit dem roten Senat so zu genommen. Genauso wie die Dauerbaustellen allgemein.
    Die Busse benutzen jedoch schon die normale Fahrbahn um den Fahrplan einzuhalten, da ja die lieben Radfahrenden nicht Rad fahren sondern trödeln.

  12. 12.

    Dass Straßen einer Abnutzung unterliegen und saniert werden müssen - außer Frage. Angesichts des an den meisten Baustellen zu beobachtenden Arbeitstempos fragt man sich allerdings, ob diese nicht einen ganz anderen Zweck erfüllen sollen. Jedenfalls wird so jedweder Gedanke über Luftverbesserung und Verkehrsreduzierung ad absurdum geführt. Hiesigen Baustellenplanern sollte man mal zeigen, wie so etwas beispielsweise in Japan läuft. Eine Baustelle wie am Frankfurter Tor (was in Gottes Namen passiert dort blos??) wäre in zwei Tagen (und Nächten) vergessen.

  13. 11.

    Und was soll uns das jetzt sagen?
    Deswegen wird wohl kaum einer auf den ÖPNV umsteigen, solange DER so unattraktiv ist.

  14. 10.

    Klar liegt es auch daran aber wenn viele Straßenbaustellen verschwinden würden würde der Verkehr auch besser zum Fließen kommen sprich weniger Staus.
    Außerdem wir leben in eine Stadt da ist das logisch das Die Straßen voll sind, dann noch Die vielen Menschen hier es kommen pro Jahr immer mehr Menschen die hier in Berlin wollen wollen, und einige davon besitzen ein Auto.
    Unsere Stadt platzt aus allen Nähten langsam.

  15. 9.

    Ich kann nur allen Kommentaren zustimmen.
    Ein einziges Chaos.
    Nur in den Schulen wird sehr wenig renoviert.

  16. 8.

    "2021 sind in Berlin wieder die Wahlen des Abgeordnetenhausen und der Bezirksverordnetenversammlung! Diese entscheiden dann auch, wer in den einzelnen Bezirken Bürgenmeister sein darf..."

    Ich empfehle dann CDU zu wählen. Dann können alle mit der Magnetschwebebahn über die Baustellen hinwegschweben.

  17. 7.

    "Interessanter wäre es zu wissen, ob irgend jemand auch mal kontrolliert, wie lange zB. Strassenbauarbeiten dauern. Gefühlt gibt es überall Sperrungen bzw. begonnene Arbeiten"

    Bei der Verkehrsiformationszentrale Berlin können Sie prüfen, ob Ihre Gefühle Sie nicht vielleicht täuschen

    https://berlinde.vmz.services/incidentlist/web/index.html?type=iv&filter=false&language=de&state=Berlin,Brandenburg

  18. 6.

    Das Beste dabei sind die wilden Schilderkombinationen, die zwecks Entzifferung einen zum Falschhalten nötigen. Im Ausland klappt das mit Bordsteinmarkierungen beispielsweise weitaus einfacher.
    Die Wenigsten werden die 8 Meter zur Kreuzung oder die 15 Meter zum Haltestellenschild mit dem Zollstock ausmessen.

  19. 5.

    Nein der Hauptgrund warum es so viel Stau und Verkehr gibt sind die vielen Autos.

  20. 4.

    Ich bin beruflich in ganz Berlin unterwegs und sehe leider viele Verkehrssünden . Besonders schlimm sind die Baustellen jedoch in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte. Baustellen, die nie fertig werden, auf denen aber am Tag auch niemand arbeitet, jedenfalls sind nie Bauarbeiter zu sehen. Ist es Zufall, dass ausgerechnet diese Bezirke aktuell von den Grünen regiert werden? Die Partei, die am liebsten nur noch Radwege und Spielstraßen zulassen würde? Die Partei, die Autofahrer generalkriminalisiert? Wohl eher nicht. Kleiner Tipp für alle, die auf Auto/Transporter/LKW zum "Brötchen verdienen" angewiesen sind: 2021 sind in Berlin wieder die Wahlen des Abgeordnetenhausen und der Bezirksverordnetenversammlung! Diese entscheiden dann auch, wer in den einzelnen Bezirken Bürgenmeister sein darf...

  21. 3.

    Eins der Hauptgründe warum es so viel Stau & Verkehr gibt, kein Wunder fast an jede Ecke eine Baustelle, da wird man als Autofahrer bisschen genervt davon :=).
    Baustellen müssen natürlich sein also nix gegen Bauarbeiter, Austausch von Wasserrohren oder neue straßen Pflasterung usw. das geht nicht alles von heute auf morgen, Nur bei manchen Baustellen wo ich vorbei fahre frage ich mich für was brauchen die so lange.
    Naja Berlin die Hauptstadt der Baustellen!

  22. 2.

    Interessanter wäre es zu wissen, ob irgend jemand auch mal kontrolliert, wie lange zB. Strassenbauarbeiten dauern. Gefühlt gibt es überall Sperrungen bzw. begonnene Arbeiten ohne dass es mal weiter geht , es ist niemand zu sehen,und der Verkehr staut sich dann eben unendlich. So in Rahnsdorf für ein paar Meter Radweg, auf der Autobahn Schönefelder Kreuz/KW, auch der Einbau eines Aufzugs in den kleinen Bahnhof Wilhelmshagen dauert nun schon mehrere Jahre und alle müssen über eine riesige Brücke zum Bahnhof.... hat da niemand die Kontrolle drüber?! Und man ist nur genervt und denkt: bei mir klappt die Kontrolle prima: ob ich regelmäßig Steuern zahle oder einen Strafzettel...!!

  23. 1.

    Okay, das wird das bekannte Lied. Haben manche Straßen-Baustellen etwas mit Verkehrslenkung/-steuerung zu tun?
    Eher nicht. Beispiel: Am S-Bahnhof Schöneweide ist, schon wieder(!), für sicherlich mehrere Jahre, die Duchfahrt, auch wenn nur halbseitig gesperrt. Resultat ist der Stau auf den Umfahrungen. Dafür wurden aber Zebrastreifen "gesperrt" und mit Ampeln versehen. Warum?
    Dazu noch die Baustelle A113 Adlershof. Noch mehr Stau. Nur dort wird nicht durchgehend gearbeitet. Es sind keine Wohnungen in näheren Umfeld.
    Dafür hat die ganze Umgebung die Belastungen.
    Autoverkehr gibt es und das wird wohl auch so bleiben. Und durch Verkehrsfluss wird die Umwelt verschmutzt. Aber jede Einschränkung und Stau versacht ein Vielfaches davon. Wird das eigentlich berücksichtigt?
    Was ist eigentlich, in Bezug auf die Baustellen, mit deutscher Technologie?
    Mein Eindruck ist, das erst jedes Mal geschaut werden muss: "Oh, was haben wir denn hier? Was tun wir jetzt?" Und dann dauert es.
    Ich bleibe kurz dabei und meine nicht den BER. Genua hat in 2 Jahren(!) eine neue Autobahn-Talbrücke gebaut. Die Elsenbrücke soll/wird 10 Jahre lang gebaut.
    Was soll mir das um unsere Fähigkeiten sagen?

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