Unfall auf der A100 am 18.08.2020 (Quelle: Morris Pudwell)
Morris Pudwell
Video: rbb|24 | 19.08.2020 | Material: M. Pudwell | Bild: Morris Pudwell

Mutmaßlich islamistischer Anschlag auf A100 - Staatsanwaltschaft spricht von "regelrechter Jagd auf Motorradfahrer"

Nach mehreren Fahrzeugkollisionen auf der Berliner Stadtautobahn gehen die Behörden von einem islamistisch motivierten Anschlag aus. Ein 30-Jähriger steht im Verdacht, sechs Menschen verletzt zu haben - teils schwer. Ermittler sprechen von Mordversuchen.

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Nach mehreren Fahrzeugkollisionen auf der A100 am Dienstagabend mit mutmaßlich islamistischem Hintergrund geht die Staatsanwaltschaft in mindestens drei Fällen von versuchtem Mord aus. Möglicherweise seien es noch mehr Fälle, sagte Oberstaatsanwalt Martin Steltner am Mittwoch in Berlin. Der 30 Jahre alte mutmaßliche Täter aus dem Irak habe regelrecht "Jagd auf Motorradfahrer" gemacht.

Betroffen seien zwei Motorradfahrer und ein Rollerfahrer, hieß es. Die Motorradfahrer und ein Auto seien gerammt worden, ein weiterer Wagen gestreift. Die Kollisionen seien als gezielte Anschläge zu werten. Sechs Menschen wurden verletzt, drei davon schwer. Ein Motorradfahrer habe schwerste Verletzungen an Kopf und Wirbelsäule erlitten. Im Auto des mutmaßlichen Täters, das am Mittwoch abgeschleppt wurde, war ein Motorrad quer in die Front des Wagens eingeklemmt.

Unfallwagen auf der A100 mit Kiste von oben (Quelle: Morris Pudwell)
Auto des mutmaßlichen Täters auf der A100 | Bild: Morris Pudwell

Nichts Gefährliches gefunden

Die Abläufe ließen sich nicht mit einem zufälligen Unfallgeschehen in Einklang bringen, hieß es am Mittwoch von Polizei und Staatsanwaltschaft. Die Kollisionen würden "ersten Ermittlungen zufolge in Zusammenhang stehen" und seien "als vorsätzliche Angriffe auf andere Verkehrsteilnehmer zu werten.

Als das Auto zum Stehen gekommen sei, habe der 30-jährige mutmaßliche Angreifer das Fahrzeug verlassen und eine alte Munitionskiste auf dem Autodach abgestellt, hieß es von den Behörden. "Es entstand der Eindruck, dass es sich bei dieser Kiste um einen gefährlichen Gegenstand handeln könnte."

Kriminaltechniker durchleuchteten die Metallkiste, die äußerlich einer Munitionskiste ähnelte. Laut Polizei wurde diese mit einem Hochdruckwasserstrahl geöffnet. Die Techniker seien aber nicht auf erkennbar Gefährliches gestoßen, sondern auf Werkzeug. Sprengstoffspuren seien im Auto nicht gefunden worden. Stattdessen sollen sich darin Werkzeuge befunden haben, berichtete ein rbb-Reporter.

Mutmaßlicher Täter rief "Allahu Akbar!"

Die Äußerungen des festgenommenen 30-jährigen Fahrers würden eine religiös-islamistisch motivierte Tat nahelegen, sagte Berlins Generalstaatsanwältin Margarete Koppers am Mittwochnachmittag im Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses. So habe er "Allahu Akbar!" gerufen und in arabischer Sprache erklärt, "dass alle sterben müssten". An einem Gesamtüberblick über das Tatgeschehen wird noch gearbeitet.

Fest steht nach Aussage von Koppers, dass der Tatverdächtige mit einem Küchenmesser bewaffnet war, als er aus seinem Wagen stieg. Anschließend habe er einen Gebetsteppich entrollt und sich darauf niedergelassen. Ein arabisch-sprechender Polizist griff daraufhin ein, zog den Mann von seinem Wagen weg und nahm ihn fest, erklärte Koppers weiter.

Die Karte zeigt die drei Kollisionen auf der A100.

Asylantrag abgelehnt

Der Festgenommene wurde 1990 im Irak geboren und besitzt die irakische Staatsbürgerschaft, heißt es von Seiten der Staatsanwaltschaft. Seit wann er in Deutschland lebt, ist unklar. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, zuletzt wurde er geduldet.

Bis Herbst 2019 soll er in einer Gemeinschaftsunterkunft im Stadtteil Altglienicke untergebracht gewesen sein. Danach habe er eine Wohnung im Bezirk Reinickendorf bezogen.

Der mutmaßlich islamistische Anschlag in Bildern

Laut Deutscher Presse-Agentur veröffentlichte der mutmaßliche Fahrer vor der Tat im Internet Hinweise auf die geplante Tat. Auf seiner Facebook-Seite postete der Iraker Fotos des Autos, mit dem er später absichtlich mehrere Fahrzeuge rammte, sowie religiöse Sprüche, in denen auch das Wort "Märtyrer" vorkommt. Auf den Fotos ist das Berliner Kennzeichen des schwarzen Wagens zu erkennen, der Stunden später schwer beschädigt auf der Autobahn stand.

Anzeichen von psychischer Labilität

Bisher gebe es keine Hinweise darauf, dass weitere Personen bei dem Tatgeschehen eine Rolle gespielt haben könnten, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Dies werde aber weiter untersucht. "Wir werden jeden Stein umdrehen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Generalstaatsanwältin Koppers erklärte, dass der Tatverdächtige Kontakt zu einer als Gefährder eingestuften Person gehabt habe. Beide lebten in derselben Flüchtlingsunterkunft. Ob es sich dabei um eine flüchtige Begegnung handele oder der Kontakt enger war, muss noch ermittelt werden.

Am Mittwoch wurde der Mann einem Haftrichter wegen versuchten Mordes vorgeführt. Am Mittwochabend teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass der Verdächtige vorläufig in die Psychiatrie komme. Anzeichen psychischer Labilität hatte es bei dem Mann schon zuvor gegeben: Im August 2018 war der Iraker als Gefahrenabwehrmaßnahme in einer psychatrischen Klinik untergebracht. Zuvor war wegen mehrerer Körperverletzungsdelikte tatverdächtig geworden, sagte Koppers im Rechtsausschuss. Der Staatsschutz übernahm inzwischen die Ermittlungen.

Innensenator Geisel zeigt sich bestürzt

Innensenator Andreas Geisel (SPD) äußerte sich nach dem Anschlag bestürzt darüber, dass Unbeteiligte aus dem Nichts heraus Opfer einer Straftat geworden sind. "Wenn ein Auto gezielt auf Motorradfahrer auffährt, haben diese keine Chance. Ich hoffe, dass die drei Schwerverletzten sich rasch wieder erholen", sagte Geisel. Seinen Angaben nach ist eines der Opfer Angehöriger der Berliner Feuerwehr, der auf dem Heimweg war. "Ihnen allen gelten unsere Genesungswünsche."

Müller wünscht Opfern viel Kraft für schwere Zeit

Weiter sagte Geisel, dass die Ereignisse vom Dienstagabend gezeigt hätten, wie verletzlich unsere freie Gesellschaft sei. "Wenn sich persönliche Probleme mit religiös aufgeladenen Vorstellungen vermischen, kann dies zu unkontrollierbarem Handeln führen." Berlin stünde weiter im Fokus des islamistischen Terrorismus.

Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) äußerte sich auf Twitter schockiert. "Ich wünsche allen Opfern schnelle Genesung und viel Kraft für diese schwere Zeit. Meine Gedanken sind bei den Verletzten und Angehörigen", schrieb er.

Lange Sperrungen auf der A100

Nach den Vorfällen war die Autobahn am Dienstagabend von Dreieck Neukölln bis Tempelhofer Damm in beiden Richtungen voll gesperrt worden. Auf Twitter berichteten Autofahrer von dreistündigen Wartezeiten. Etwa 300 Menschen waren betroffen. Sie mussten die Autobahn vorsichtshalber zu Fuß verlassen. Der Busverkehr musste eingestellt werden. Spezialisten vom Landeskriminalamt waren im Einsatz und sicherten Spuren. Die Sperrungen wurden erst am Mittwochnachmittag endgültig aufgehoben.

Sendung: Inforadio, 18.08.2020, 19 Uhr

74 Kommentare

  1. 74.

    Das mit dem "mutmaßlich" hat damit zu tun, dass man journalistisch korrekt das so schreibt, ehe keine rechtskräftige Verurteilung vorliegt, dazu gab es mal einen Artikel im Tagesspiegel, u.U. gibt es den noch irgendwo.

  2. 73.

    Nein, alle als "psychisch Labil" eingestuften Menschen als Gruppe zu sehen und Ihnen verallgemeinernd Attribute zuzuweisen passiert in der Regel nur den geistig Armen

  3. 72.

    Tja die gerufenen Geister haben nach der Besatzung aber leider dieses Land aufgebaut. Mehr Lesen, weniger reden würde Ihnen ganz besonders gut stehen

  4. 71.

    Fahren Sie doch einfach mal für ein,zwei Monate hin und überzeugen sich selbst, dann geben Sie vielleicht auch nicht mehr ganz so viel Stuss von sich, obwohl ich das stark bezweifle...

  5. 70.

    Ich hoffe mit "- ironieoff -" war Ihr gesamter Text gemeint, da dem aber wohl nicht so ist:
    Schön wärs, würde sich jeder Attentäter vor seiner Tat auffällig benehmen hätte man weniger Probleme potenzielle Attentäter zu erkennen. Aus dem Schneider ist man damit aber noch lange nicht, der Staat versucht lediglich den Täter auf eine andere Art zu rehabilitieren. Man merkt an Ihrer Warnehmung jedoch, dass der Rehabilitationsgedanke Ihnen eher fremd ist und Sie mehr an Rache/Bestrafung interessiert sind. Ich hoffe Sie haben niemals Autorität über Straftäter oder psychisch Kranke, denen gnade dann wohl Gott. Ich weiß nicht aus welchem schönen Bundesland Sie kommen aber lesen Sie doch mal Nathan der Weise, der Toleranzgedanke wird bei uns in der vierten Klasse unterrichtet, haben sie vielleicht schon wieder vergessen.

  6. 69.

    Die von Ihnen genannten Länder "kultivieren" - auch mit Hilfe der reichlichen monetären EU Zuwendungen - eine postsozialistische Politik mit stark nationalistischen und auch kleptokratischen Tendenzen, in denen Menschen aus anderen Kulturkreisen grundsätzlich als feindlich gesinnt betrachtet und als Bedrohung der Hegemonie der "angestammten" Bevölkerung angesehen werden.

    Diese Abneigung wird Regierungsseits in der Bevölkerung mittels systematischer Angsmache zunehmend gefördert und verankert. Opposition dagegen wird als staatsfeindlich diffarmiert und nach und nach ausgeschaltet. Da lobe ich mir doch das pluralistische Deutschland.

  7. 68.

    Das beurteilen ja keine Konditoren oder Gerüstbauer, sondern - im besten Falle - hoch qualifizierte Wissenschaftler. Da diese Wissenschaft aber nun mal nicht mit Nullen und Einsen zu bemessen ist, sind Fehleinschätzungen, und mglw. daraus folgend resultierende Straftaten, leider nicht gänzlich auszuschließen.

  8. 67.

    Sie möchten also wegen der Political Correctnes bedeutende Tatsachen weglassen. Genau wie bei Morden von Rechtsextremen auch der Hintergrund berichtet wird sollte auch bei einem islamischen Hintergrund darüber berichtet werden. Oder wollen Sie bei bestimmten Terroranschlägen die freie Meinung des GG außer Kraft setzen. Und wenn sich die Menschen an Hand solcher Vorkommnisse ihre Meinung bilden, ist das ihr gutes Recht.

  9. 66.

    Wieso wundert es mich überhaupt nicht das sie mit anders denkenden Menschen mit diskutieren können.
    Plump und naiv ist ihr Verhalten nicht die eines Erwachsenen

  10. 65.

    Es kann ja auch umgekehrt von Attentätern ein Schema entwickelt werden. Erst verhält man sich bewusst "psychisch auffällig", dann folgt ein Anschlag und danach ist man aus dem Schneider, weil man ja "psychisch auffällig" ist. Klasse Vorgehensweise. - ironieoff -

  11. 63.

    Ich wundere mich, dass hier Geduldete eine eigene Wohnung haben und sich ein Auto leisten können. Einen hier gültigen und nicht ganz billigen Führerschein hat er auch? Vielleicht erfahren wir mehr darüber. - Die Frage, ob die Situation in Irak wirklich so ist, dass man keinen dorthin zurückführen darf, stellt sich ebenfalls.

  12. 62.

    Wieder sind Menschen aus unserer Mitte Opfer eines islamistischen Anschlag geworden.
    Hier ein Feuerwehrmann, auf dem Weg nach Hause, nach dem er sein Leben für unsere Gesellscht tagtäglich aufs Spiel setzt.
    Ich bin zutiefst erschüttert.
    Ich wünsche dem Kameraden, wie allen Verletzten und deren Familie alle Kraft und baldige Genesung.

  13. 61.

    Das ist die viel gepriesene deutsche Meinungsfreiheit alle Meinungen die nicht der Linken entsprechen sind automatisch Nazi Meinungen. Tut mir leid der Staat ist dafür da uns zu beschützen und das ist kein Nazi Gedankengut sondern einfach nur die Wahrheit.

  14. 60.

    Wenn Sie einen vermeidlich islamistischen Anschlag anders bewerten, als einen von Nazis, Frage ich mich, wie Sie dann Anschläge von Linksradikalen einordnen.
    Ich einem aber gebe ich Recht: vor Allem sollten wir uns schützen. Nicht nur die Islamisten, sonder auch die Links-, wie die Rechtsfaschisten sind eine Gefahr für unsere demokratische Grundordnung, die mit allen demokratisch legitimierten Mitteln bekämpft werden muss.
    Und auch Sie sollten sich selbst überprüfen, ob es das einzigste Mittel ist, die NAZI-Keule zu schwingen, nur weil Sie Meinungen Anderer nicht ertragen oder intelektuell erfassen.

  15. 59.

    Rbb24:
    Wie kommt ein abgelehnter Asylbewerber zu einem Auto, einer Wohnung und warum wird immer noch von einem mutmaßlichen Täter gesprochen. War der Herr etwa nicht am Tatort?

  16. 58.

    Fakt ist das Berlin nicht konsequent straffällig gewordene Asylbewerber abgeschoben werden, das ist in anderen Ländern und Bundesländern anders. Dort wird nicht geduldet sondern direkt abgeschoben.Die Fehler wiederholen sich immer wieder,Anis Amri hätte auch schon längst abgeschoben werden müssen, daraus hätte der Berliner Senat auch nicht gelernt. Dann müssen wir halt mit den Anschlägen jederzeit rechnen.

  17. 57.

    Den Verletzten eine baldige Genesung !

  18. 56.

    Interessant wie das hier so zugeht. Einige kritisieren diesen hinterhältigen Anschlag, manche tun das ebenso vergreifen sich aber im Ton. Was ich angesichts von Wut und Fassungslosigkeit auch verstehen kann. Dann gibt es hier noch die "Aufpasser". Leute die andere Foristen regelrecht diffamieren und unterschwellig bedrohen (IP herausfinden und ähnliches) um so die Kritik auch an einer m.E. verfehlten Flüchtlingspolitik wegzuwischen. Zum Anschlag selbst äußern sich sich nicht da es ja aus ihrer Sicht der "falsche" Täter war. Fakt ist durch die Duldung dieses Verbrechers der auch schon wegen Körperverletzung aufgefallen ist wurden vielen Leuten Leid angetan.

  19. 55.

    Eigentlich Schade, aber wenn die Argumente ausgehen wird mal wieder die Nazikeule rausgeholt und auf jede Meinung welche nicht gefällt gedroschen,

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