Arafat A.-Ch. (2.v.l) geht am 17.08.2020 im Landgericht auf einen Gerichtssaal zu. Dem ehemaligen Geschäftspartner von Rapper Bushido werden mehrere Straftaten zum Nachteil von Bushido zur Last gelegt. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Inforadio | 17.08.2020 | Ulf Morling | Bild: dpa/Paul Zinken

Prozess um Geld und Gewalt - Ex-Bushido-Manager Abou-Chaker und drei Brüder vor Gericht

Vor dem Landgericht treffen ab heute zwei inzwischen erbitterte Gegner aufeinander: Bushido und der Musik-Manager Abou-Chaker. Der Vorwurf: Er und seine mitangeklagten Brüder sollen den Rapper eingesperrt und verletzt haben, als der sich geschäftlich anders orientierte. Von Ulf Morling

Der Hochsicherheitssaal 500 und Corona werden den Prozess überschatten, der am 17. August im Berliner Landgericht seinen Auftakt hat. 24 Prozesstage sind derzeit bis Ende November vorgesehen, um neben Bushido und dessen Frau Anna-Maria wahrscheinlich viele mehr oder weniger bekannte Rapper als Zeugen zu hören. Alle werden laut Ermittlern über den Umgang in Deutschlands Rapperszene Aussagekräftiges berichten, was allenfalls nur vereinzelt Fans begeistern wird: Es geht um Neid, Missgunst, Lüge und Gewalt.

Es ist der Prozess, in dem zwei frühere "Brüder" sich gegenüberstehen: Arafat Abou-Chaker als früherer Manager von Bushido und dem mindestens ebenso millionenschweren Rapper Bushido, der nicht mehr mit Abou-Chaker zusammenarbeiten wollte. Deshalb wurde der Musiker laut Staatsanwaltschaft mit Gewalt und Drohungen von Manager Abou-Chaker schwer unter Druck gesetzt. Auch die drei mitangeklagten Abou-Chaker-Brüder Yasser (39), Nasser (49) und Rommel (42) sollen dabei straffällig geworden sein, wie unter anderem durch Zeugenaussagen, Telefonüberwachung und einen Vertrauensmann der Polizei ermittelt worden sein soll.

Freiheitsberaubung, Erpressung und Kindesentziehung

"Sprachgesangskünstler" wird Bushido in der 100-seitigen Anklageschrift von der Berliner Staatsanwaltschaft genannt. Nachdem der Rapper im Herbst 2017 seine geschäftliche Trennung von Arafat Abou-Chaker bekannt gegeben und persönlich von ihm Abstand genommen habe, sei es teilweise hoch gefährlich für Bushido geworden, so die Staatsanwaltschaft. 2010 soll der Rapper noch seinem "besten Freund" Arafat eine Generalvollmacht über Besitz und Vermögen erteilt haben, hatte der "Stern" 2013 vermeldet. Einiges an gemeinsamem Vermögen hatte sich in den Jahren angesammelt: So hatten zwei der angeklagten Abou-Chaker-Brüder gemeinsam mit Bushido ein 17.000 Quadratmeter großes Anwesen mit drei Häusern in Kleinmachnow in Berlin beziehen wollen (Bushido sollte ursprünglich die mittlere Villa bewohnen, zog aber niemals ein).

Laut Staatsanwaltschaft drängte nach der Trennung Bushidos von seinem Freund und Partner jetzt Arafat Abou-Chaker auf seinen Anteil am gemeinsamen Immobilienvermögen und weiteren Einnahmen von allem, was Bushido oder die Rapper, die bei ihm unter Vertrag standen, produzierten. Weil es keine Einigung gab, sei Bushido im Dezember 2017 und Januar 2018 schließlich in das gemeinsame Label "Ersguterjunge" in Treptow bestellt worden, wo der Rapper beim ersten angeklagten Treffen auf Arafat und Nasser Abou-Chaker getroffen sein soll. Bushidos Geschäftspartner Arafat soll die Tür abgeschlossen haben. Der Rapper wurde laut Ermittlern beschimpft und bedroht.

Hartplastik gegen Bushidos Kopf

Am 18. Januar erfolgte das zweite Treffen am selben Ort, möglicherweise, um weiter Druck aufzubauen. Die Brüder Arafat, Yasser und Nasser waren laut Staatsanwaltschaft schon da. Wieder soll hinter abgeschlossener Tür Bushido mehrere Stunden lang bedroht worden sein. Schließlich soll Arafat Abou-Chaker eine halbleere 0,5-Liter-Wasserflasche aus Hartplastik Bushido ins Gesicht geschlagen haben. Auch ein Stuhl soll geworfen worden sein, der den Rapper an der Schulter traf. Alle drei Brüder schrien auf den Rapper ein und drohten, die Familie Bushidos wurde beleidigt. Dass alles so stattfand wie vorgeworfen, davon sind die Ermittler überzeugt. Nach dieser viereinhalbstündigen Zusammenkunft soll Bushido völlig außer sich knapp zwei Wochen außer Landes geflüchtet sein.

Dem vierten angeklagte Bruder, Rommel Abou-Chaker, wird schließlich von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, im März 2018 in Absprache mit Arafat Abou-Chaker – aber ohne Wissen von Bushido – 180.000 Euro von deren gemeinsamen Firmenkonto abgehoben und Arafat übergeben zu haben. Mehrere Millionen Euro Abfindung, die Bushido seinem früheren Geschäftspartner Arafat angeboten habe, hätten seinem Ex-Manager nicht ausgereicht, so die Staatsanwaltschaft.

Yasser Abou-Chaker wurde darüber hinaus von der Staatsanwaltschaft bezichtigt, im November 2018 seine beiden kleinen Kinder vom Wohnsitz seiner Schwiegereltern in Dänemark nach Berlin-Neukölln entführt zu haben. Diesen Vorwurf der Staatsanwaltschaft lehnte das Gericht ab, zu verhandeln. Trotzdem sitzt Yasser als einziger in Haft.

Auch Ehefrau Bushidos soll sich eingemischt haben

Nach den angeblichen körperlichen Attacken auf Bushido im Büro seines eigenen Musiklabels soll sich seine Ehefrau Anna-Maria in den Konflikt eingemischt haben. So soll sie Arafat u.a. gedroht haben, ihn ins Gefängnis zu bringen mit dem Wissen, was sie über ihn habe. Sie soll zur Polizei gegangen sein. Der frühere Gangsta-Rapper wurde aufgrund von Vermutungen, dass seine Frau und die fünf Kinder in Gefahr waren, teilweise unter Polizeischutz gestellt. Der Konflikt zwischen Arafat Abou-Chaker und Bushido spaltete einen Teil der deutschen Rapper-Szene.

Bushido ist abgetaucht

Bushido selbst scheut die Öffentlichkeit und will nicht zu den Vorkommnissen Stellung nehmen, weil er die Nase voll habe. "Absolut null Presse" wolle er, so sein Rechtsanwalt Steffen Tzschoppe gegenüber dem rbb. Allerdings wird der 41-Jährige als Nebenkläger an dem Prozess teilnehmen. Zum ersten Prozesstag am Montag kündigte er sein Erscheinen gegenüber dem rbb an. Es ist möglich, dass Rapper wie Capital Bra, Fler (einer seiner ersten Weggefährten), Shindy, Kollegah und Farid Bang im Prozess als Zeugen vor allem zu den Geschäftsbeziehungen aussagen müssen, die sie mit Bushido beziehungsweise Arafat Abou-Chaker hatten und haben.

Anis Mohamed Youssef Ferchichi, bekannt als Rapper Bushido, sitzt zu Beginn eines Prozesses gegen den Chef einer bekannten arabischstämmigen Großfamilie in einem Gerichtssaal des Landgerichts. (Quelle: dpa/Paul Zinken)Anis Mohamed Youssef Ferchichi, bekannt als Rapper Bushido, beim Prozessauftakt im Landgericht.

Yasser Abou-Chaker in Untersuchungshaft

Yasser Abou-Chaker wird von Rechtsanwalt Olaf Franke vertreten. Der Verteidiger erwartet ein "mühsames Hickhack" in dem Prozess. Im Kern gehe es doch um eine langjährige Partnerschaft mit erheblichem, finanziellen Hintergrund, die nicht glücklich beendet worden sei. Die Vermutung der Verteidigung sei, dass da "die Staatsanwaltschaft sich hat vielleicht ein wenig instrumentalisieren lassen von einer der beiden streitenden Parteien." Die juristische Auseinandersetzung um das Geld gehöre doch in die zahlreichen zivilrechtlichen Prozesse.

Drei der angeklagten Brüder werden aus der Freiheit zum Prozess erscheinen, nur Yasser sitzt in Untersuchungshaft, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte. Außerdem ist wegen eines Messerangriffs in Dänemark dort ein Verfahren gegen ihn anhängig.

Wegen der Corona-Pandemie werden an den insgesamt 24 geplanten Verhandlungstagen jeweils nur ein Dutzend Zuschauer und Journalisten anwesend sein können. Am zweiten Verhandlungstag, dem 19. August, ist Bushido als Zeuge geladen, der über die angeklagten Vorfälle berichten soll. Das Urteil soll aller Voraussicht nach Ende November fallen.

Sendung: Abendschau, 17.08.2020, 19:30 Uhr

Beitrag von Ulf Morling

Kommentar

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45 Kommentare

  1. 45.

    man könnte meinen dass bushido den staat bemüht um es nach Gewalt aussehen zu lassen um aus dem Vertrag den er jetzt nicht mehr will günstig rauszukommen - wäre hoffentlich ein teueres Spiel wenn das die Staatsmacht feststellt - wiso distanziert er sich - bestimmt war er bei allen Geschäften ebenso Beteiligter - den Erfolg will er weiter aber teilen nicht - bestimmt muss er auch das Geld für seine Familie alleine verdienen was nicht nur er ausgibt - reicht wohl nicht für alle - vielleicht brauch er auch nicht mehr so viel wenn er alleine ist und ab sofort keinen Erfolg mehr hat -

  2. 44.

    Werter Herr. Bitte erheben Sie sich doch bitte hier nicht als Moralapostel. Sosehr ich auch Ihre anderen Kommentare hier sehr zu schätzen weiß.

  3. 42.

    Wie definieren Sie denn Gaunergesichter? Meinen Sie beispielsweise solche wie die von Theo Waigel, Uli Hoeneß, Landowsky, Mielke oder Kujau, oder was ist bitte ganz konkret ein "Gaunergesicht"?
    Kann es sein, dass Ihre Kommentare in erster Linie nur von Xenophobie getragen werden, weil Sie die Welt nicht bunt erleben sondern eher schwarz-weiß?

  4. 39.


    Das Verfahren sagt einiges über den Zustand der Bundesrepublik im Jahr 2020

  5. 38.

    Gemeint mit "lehnte das Gericht ab, zu verhandeln" ist wahrscheinlich, dass diese Tat im aktuellen Prozess keine Rolle spielt, denn das ist ja eine Angelegenheit, die nur die eigene Familie des Yasser Abou-Chaker betrifft.
    Liebe Andrea, es wäre übrigens sehr freundlich, wenn SIe nicht ganz so viele und lange Posts schreiben würden, es wird sonst sehr unübersichtlich. Oder Sie schauen mal, ob Sie auf einer anderen Internetseite eine Kommentarfunktion mit unbegrenzten Zeichen finden und äußern sich dort, denn sonst wird alles so verhackstückt und das will dann keiner mehr sehen oder lesen, was ja schade für Sie und Ihre Mühen ist.

  6. 37.

    Dass Bushido die Öffentlichkeit scheut, würde ich nicht sagen, denn immerhin ist er mit 5 bewaffneten Personenschützern in den Gerichtssaal marschiert. Eine Duftmarke ist das schon!
    Übrigens berichtet faz.net, dass Bushido für Mittwoch als Zeuge ausgeladen worden wäre (aber als Nebenkläger wieder erscheinen könnte), also nicht, wie hier im letzten Satz dargestellt, in 2 Tagen als Zeuge aussagen soll.

  7. 36.

    Tschakka gegen Buschito.
    Jetzt mal ehrlich, Ihr macht hier schon alle Comedy.
    Mein Zwerchfell tut jedenfalls schon weh... :)))

  8. 34.

    Jemand ist erst dann (offiziell) ein Verbrecher, wenn er rechtskräftig(!) verurteilt wurde - paßt Ihnen vielleicht nicht in den Kram, ist im Nachkriegsdeutschland aber so Brauch und schon einige Jahre Tradition!
    Aber mit den "Ganoven" möchte ich Ihnen teilweise auch zur Seite stehen, denn das ist auch mein Gefühl jedesmal beim Bankberater oder inner Autowerkstatt.

  9. 33.

    Na ja, Andrea hat sich wohl ein StGB aus der Bücherei geholt und stochert jetzt voller Hingabe ziellos im §§-Dschungel drauflos. Die ist zwar nervig aber irgendwie auch lustig. Besonders originell wie es immer zwischen Zivil- und Strafrecht hin und her geht. ;-)

  10. 32.

    Sowas machen z.B. Medien-Rechtsanwälte. Oder warum haben die drei diesen Vertrag nicht von einem Notar machen lassen?? Das wundert mich schon. Denn da scheinen die drei ziemlich unerfahren zu sein. Sowas hätte ich an deren Stelle von professioneller Seite machen lassen. Der Anwalt hätte sie dann auch über die spätere Teilung des Vermögens und das was jeder zum Vermögen dazugewonnen hat, aufklären können. Dann hätte es diesen Streit nicht gegeben und auch nicht diese Bedrohungen und so weiter.

  11. 31.

    Und so einen Vertrag in dem das hier alles drin ist:

    "Mehrere Millionen Euro Abfindung, die Bushido seinem früheren Geschäftspartner Arafat angeboten habe, hätten seinem Ex-Manager nicht ausgereicht, so die Staatsanwaltschaft.

    Einiges an gemeinsamem Vermögen hatte sich in den Jahren angesammelt: So hatten zwei der angeklagten Abou-Chaker-Brüder gemeinsam mit Bushido ein 17.000 Quadratmeter großes Anwesen mit drei Häusern in Kleinmachnow in Berlin beziehen wollen (Bushido sollte ursprünglich die mittlere Villa bewohnen, zog aber niemals ein).

    "Laut Staatsanwaltschaft drängte nach der Trennung Bushidos von seinem Freund und Partner jetzt Arafat Abou-Chaker auf seinen Anteil am gemeinsamen Immobilienvermögen und weiteren Einnahmen von allem, was Bushido oder die Rapper, die bei ihm unter Vertrag standen, produzierten."

    sollte eigentlich vom Anwalt aufgesetzt werden. Zu sowas hätten sich die drei mal anwaltlich beraten lassen sollen.

  12. 28.

    Liebe Ulla, sagen Sie mal bitte, woran man ein Gaunergesicht erkennen kann, also dass jemand aufgrund seines Aussehens als Straftäter zu qualifizieren sei. Nehmen Sie dazu diese ollen Abbildungen aus Nazi-Büchern über Gewohnheitsverbrecher und Volksschädlinge oder wie machen Sie das?

  13. 27.

    Liebes Rbb Team, Kleinmachnow liegt in Brandenburg. "Kleinmachnow in Berlin", im Bezug auf das Anwesen ist also falsch.
    Gruß

  14. 26.

    Na, na damit würde ich aber sehr Vorsichtig sein, denn wie schnell steht man heutzutage unter Rassismusverdacht! Ansonsten bin ich voll bei Ihnen.

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