Polizisten stehen am 29.08.2020 vor der russischen Botschaft bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen (Bild: imago images/Christoph Hardt)
Video: Abendschau | 31.08.2020 | Gespräch mit Andreas Geisel | Bild: imago images/Christoph Hardt

Aufregung wegen Videos - Polizei Berlin ermittelt nach Gewaltvorwürfen bei Corona-Demo

Ein Polizist schlägt einer Frau am Rande der Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen mit der Faust in den Rücken. Im Internet tauchen Gerüchte auf, sie sei gestorben. Die Polizei weist das vehement zurück - ebenso wie einen weiteren Vorwurf.

Das Berliner Landeskriminalamt (LKA) ermittelt wegen eines Vorfalls am Rande der Berliner Corona-Demonstrationen, bei dem ein Polizist eine Frau geschlagen hat. Es bestehe der Verdacht der Körperverletzung im Amt, teilte die Berliner Polizei am Montag mit. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde die 60-Jährige am frühen Sonntagnachmittag von Einsatzkräften an der Siegessäule im Tiergarten festgenommen. Sie soll sich an einer unerlaubten Ansammlung beteiligt und sich trotz mehrfacher Aufforderung nicht entfernt haben.

Anschließend soll sie sich nach Angaben der Polizei auf den Boden gekauert, einem Polizisten in den Bauch getreten und versucht haben, einen weiteren zu beißen, als die Beamten sie wegtragen wollten. Ein Beamter habe sie mit der Faust auf den Rücken geschlagen, als sie sich weiter gewehrt habe.

Videos, die den Vorfall zeigen, seien der Polizei bekannt, sagte ein Polizeisprecher. "Behauptungen, nach denen die Frau gestorben ist, stimmen nicht." Bei der Festnahme ist die 60-Jährige der Polizei zufolge leicht verletzt worden. Sie habe auf eine angebotene ärztliche Behandlung verzichtet und sei gegangen. Ermittelt werde durch das Kommissariat für Beamtendelikte beim Berliner LKA.

Geisel: Video mit Vorsicht genießen

Man solle vorsichtig über den Hergang des Vorfalls urteilen, da das Video erst dann starte, als die Polizisten die Frau auf den Boden drückten. Das sagte am Montagabend der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) in der Abendschau vom rbb. So sei nicht zu sehen, wie die Frau zuvor dem Beamten in den Bauch getreten habe. Außerdem habe sie einem Platzverweis nicht Folge geleistet und sich bei ihrer Festnahme gewehrt.

Auf kurzen Aufnahmen im Internet ist zu sehen, wie die Frau halb auf dem Bauch auf der Straße liegt, schreit und von vier Polizisten festgehalten wird. Die Polizisten versuchen anfangs vergeblich, ihr die unter dem Bauch festgeklemmten Arme auf den Rücken zu ziehen. Ein Polizist boxt ihr zweimal in die Mitte des oberen Rückens zwischen die Schulterblätter. Im Internet kursierten Behauptungen, sie sei nach dem Einsatz gestorben.

"Nein, wir haben am Wochenende keine Frau umgebracht", teilte die Polizei Berlin am Montag in einem, wie sie es nennt, "(F)AktenCheck" mit. "Ja, es gab anlässlich der Demos am Wochenende Situationen, in denen unsere Kolleginnen und Kollegen Zwang anwenden mussten - durch Ziehen, Schubsen, Festnahmegriffe aber auch durch Faustschläge oder den Einsatz von Pfefferspray", heißt es dort weiter. "Kein Polizist, keine Polizistin übt gerne Zwang aus. Er ist immer das letzte Mittel, wenn einer Aufforderung nicht nachgekommen wird, obwohl das dringend erforderlich ist."

Schwangere Frau festgenommen

Im Internet kursiert laut Polizei außerdem ein Video, das die Festnahme einer Schwangeren am Samstag ebenfalls im Bereich an der Siegessäule zeigt. Sie hat den Angaben zufolge versucht, eine Absperrung zu durchbrechen und soll anschließend einen Beamten geschlagen und angespuckt haben.

"Einsatzkräfte brachten die Frau zu Boden und nahmen sie fest", teilte die Polizei mit. "Sanitäter eines Rettungswagens stellten keine Verletzungen fest." Einen Transport in ein Krankenhaus habe sie abgelehnt. Gegen sie werde wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte durch einen tätlichen Angriff und Körperverletzung ermittelt. Hinweise darauf, dass die Frau ihr Kind verloren habe, wie in den sozialen Medien behauptet worden sei, gibt es der Polizei zufolge nicht.

"Solche Einsätze dauern meist eine längere Zeit und sind für Umstehende vorhersehbar", erläuterte die Polizei. "Daher ist es ein Leichtes und inzwischen offenbar auch üblich, dabei das Handy zu zücken und das Geschehen aufzunehmen." Ein immer wiederkehrendes Problem sei, dass solche Videos meist stark verkürzt und aus dem Kontext gerissen würden.

Kommentarfunktion am 03.09.2020, 09:08 Uhr geschlossen

Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.

Sendung: Inforadio, 31.08.2020, 14.00 Uhr

48 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 48.

    An die Kommentarschreiber, welche die Polizei verteidigen: Merken Sie, was hier auf dem Spiel steht? Warum soll ein freier Mensch einen öffentlichen Ort nach Aufforderung verlassen? Warum werden ungefragt "Gesetze" erlassen mit Begründungen wie "Infektionsschutz" und einer "Pandemie nationaler Tragweite" wenn niemand krank ist und man schon mehrfach nachgewiesen hat, dass dieses Virus den meisten Menschen nicht gefährlich werden kann, um Demonstrationen gegen die Regierungsmassnahmen zu verhindern? Die Black-Lives-matter Demo hat ins Spektrum gepasst und wurde nicht aufgelöst.
    Das Verhalten der Polizei am 29.08.2020 war höchst illegal und verfassungswidrig. Auch Geisel tritt die Demokratie mit Füssen.
    Merkt ihr denn nicht, was hier auf dem Spiel steht??

  2. 47.

    Die Geschichte, die zu etwas geführt hat, ist "ganz", d. h. mit all ihren Facetten oder aber, sie wird einschlägig und im Sinne eines Ausrisses instrumentalisiert. Das sind für mich die beiden Möglichkeiten. Die "Facetten" betreffen auch die jeweiligen Handlungsmöglichkeiten aller beteiligten Personen, ohne jegliche Ausnahme.

  3. 46.

    Ich stelle mir gerade vor, die Frau hätte schwarze Hautfarbe und das Ereignis betrifft die USA. Würden die vielen Kommentatoren dann auch nach dem Geschehen vorher fragen?

  4. 45.

    Wer einem anderen auf die Wirbelsäule schlägt ist hinterhältig und nimmt Schäden in Kauf die er nicht voraussehen kann.
    Wer einem anderen zwei mal auf die Wirbelsäule schlägt hat kein Gewissen und ist debil.
    Wer jemanden zwei mal auf die Wirbelsäule schlägt der wehrlos zu Boden gedrückt wird dafür fehlen die Worte was der ist.

  5. 44.

    Keine Ahnung, warum Du wütend bist. Ich bin es nicht, weil ich die gesamte Szene nicht gesehen habe und mir kein Urteil erlauben kann. Wenn die Frau tatsächlich vorher den Polizisten in den Bauch getreten haben sollte und dies keine unmittelbare Reaktion darauf war und falls der Schlag des Polizisten nicht der Gefahrenabwehr diente, dann gäbe es einen Grund, wütend zu sein. Der Fall gehört aufgeklärt.

  6. 43.

    Dieses Video mit der Frau am Boden löst bei mir extreme Wut aus. Ich weiß nicht, ob ich den Polizisten eventuell deswegen angegangen wäre, um die unerträgliche Situation kurzerhand zu unterbrechen. Ich kann solche überflüssige Gewalt einfach nicht mehr sehen. Ich bin zu 99% auf der Seite der Polizei und nicht bei diesen Querdenker, die nicht wissen, was Anarchie im Ernstfall bedeuten würde, aber in kauf nehmen. Herr Geisel, bitte werten Sie alle vorhandene Videos - unbefangen - aus und verfassen Sie anschließend ein Bericht, den allen Menschen dann zugänglich sein wird. So, ich beruhige mich jetzt aber erst einmal wieder.

  7. 42.

    Wer Polizisten angreift, begeht eine Straftat und muss mit entspr. Konsequenzen rechnen.
    Und wer sich gegen eine Festnahme aktiv zur Wehr setzt, wird mit den geeigneten und notwendigen Zwangsmaßnahmen an weiterem Widerstand gehindert.
    So einfach ist das.

  8. 41.

    Warum schützen unsere Politiker nicht unsere Polizei. Diese Respektlosigkeiten häufen sich immer mehr. Wie können die Polizisten dann noch Respekt erfahren, wenn die Vorgesetzten ihnen in den Rücken fallen. Muss sich ein "Staatsdiener" bespucken, schlagen, beleidigen....lassen - komische Welt.

  9. 40.

    Zunächst ist festzustellen, dass die sich Erregenden keinerlei Interesse an den festgenommen Personen haben. Beide haben nach der Personalienfeststellung den Ort des Geschehens verlassen und lehnten eine medizinische Behandlung /Nachsorge ab. Das rein funktionale Verhältnis wird im weiteren dadurch transportiert, das man gezielt Falschmeldungen verbreitet die behaupten Polizisten haben eine Demonstrantin getötet. Mit der Wahrheit hat es das "Querdenken" ebensowenig, wie mit der Verantwortung. Man übernimmt auch keine dafür, den bisher wichtigsten Mobilisierungspunkt- und -ort im Jahr für Nazis und militante Rechte organisiert zu haben. Da dieses Milieu auf Pathos und Geschichte steht: "Querdenken" befindet sich damit in der Tradition eines bürgerlichen Mittelstandes, der es auch nach 45 nicht gewesen sein will. Dafür ist jede Erzählung legitim, denn sie ist diesem Ziel verpflichtet. Nicht der Wahrheit.

  10. 38.

    Nicht die Demos gegen dies und jenes sind ein Problem, sondern die Art. Es werden von vorneherein absichtlich Regeln missachtet, die Polizei angepöbelt und körperlich angegangen. Bei manchen Demos gehen sich verschiedene Gruppen gegenseitig an unsw.
    Das ist wiederlich und unakzeptabel. Es scheint - " die neue Deutsche - Welle " hat ihren Anfang genommen.
    Dieses " basisdemokratische Getue " kann man im keinen anderen EU-Land beobachten, langsam gibt es einen zu denken.

  11. 37.

    1.) Die Polizei hat sich oben selbst zur Gewalt als letztes Mittel bekannt. Von wegen "Polizeistaat"! 2.) Die Festzunehmende hat sich widersetzt und -da wiederhole ich mich gern- die Boxschläge dienten dazu, an die Arme zu kommen, um Handfesseln anzulegen.
    Das hat nichts mit Menschenverachtung zu tun.
    Ich setze sogar noch einen drauf und sage, feste Schläge in den Rücken --zugegeben, dies mit der flachen Hand-- sind im übrigen gängige Praxis bei der Ersten Hilfe gegen Ersticken durch Verschlucken. Ein Mensch "kann das ab", definitiv!
    Menschenverachtend ist eher das Tun der Festgenommenen im Vorwege: Polizisten In den Bauch treten und versuchen zu beißen.
    Für die Bodycams @Thommy wäre ich auch, war das nicht auch schon mal irgendwo beschlossen worden? ...Ach nee, warte mal: Das war natürlich mal wieder NICHT in Berlin...
    https://de.wikipedia.org/wiki/Body-Cam

  12. 35.

    Wenn ein Rechtsstaat wie die Bundesrepublik Deutschland mit seinen Polizeibeamten das Recht auf Grundlage von geltenden Gesetzen nicht mit aller Härte durchsetzen kann, ist hier evtl. eine Änderung der Verfassung notwendig. Es darf nicht sein, dass offen präsentierte Symbole des rechten Spektrums einfach so hingenommen werden. Es ist in Deutschland identisch wie hier in Österreich, dass Behörden und teilweise auch Beamtenplanstellen von Nazis besetzt sind. Das sollte die obersten Politiker zum Denken und Handeln veranlassen. Es wäre mehr als rechtsstaatlich, die Demokratie für die überwiegende Menge der Bevölkerung zu schützen- eben auch mit der strikten Bekämpfung von Personengruppen, welche vielleicht auch ein Berufsverbot erhalten sollten.

  13. 34.

    An die verantwortlichen Politiker gerichtet: Stattet die Polizeibeamten endlich mit "Bodycams" aus damit jeder im Nachhinein sehen kann wie es zu so einer Festnahme kommen konnte. Dann hört auch dieses "ich hab doch gar nichts gemacht"-Geschrei der sogenannten Opfer endlich auf.

  14. 33.

    Diese Frau war doch vollkommen hysterisch, soll die Polizei sich alles gefallen lassen?
    Aber bei unserem Juztizsenator hat ja die Polizei sowieso keinen Beistand zu erwarten.
    Alle die da meckern sollten sich mal selbst da hinstellen und das aggressive Verhalten der Demonstranten ertragen.

  15. 32.

    Die Law and Order Fraktion gepaart mit den Neuen Rechten sprechen von Polizeigewalt bei einer Demo.
    Sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen.
    Es ist immer und grundsätzlich gut, wenn die Polizei bei Demos den Weg der Deeskalation geht.
    Da gibt und gab es halt schon immer Nachholbedarf bei der Polizei.
    Die Bilder vom Bundestag sind natürlich nicht schön und natürlich eine Provokation.
    Die mediale und politische Aufarbeitung ist da allerdings wieder einmal fragwürdig.
    Für die Hanseln auf der Treppe braucht es keinen Aufschrei, der genau die gewünschte mediale Verbreitung liefert.
    Auch die Beschwichtigungen von doch braven esoterischen Heilpraktikerinnen ist unerträglich.
    Wer bei dieser Demo anwesend war, der weis genau mit wem dort demonstriert wurde und aus welchem Spektrum die Anmelder agieren.
    Der Trumpismus ist in Deutschland angekommen, quer durch alle Gesellschaftsschichten.

  16. 31.

    Na wie sieht denn die Antwort aus? Sind Sie sicher hier auf der richtigen Plattform zu kommentieren? Ich glaube eher, dass Sie auch schon vorher "wussten", welche Rolle die Polizei spielt. Ihr ganzer Kommentar liest sich doch wie ein Beitrag auf Indymedia.
    Ansonsten schaut´s nach dem üblichen Polizei-Bashing aus. Wie immer halt. Ich dachte mir vor dem Video welch Grauen man da zu sehen bekommen muss, aber das ganze sieht nach einer (leider)angebrachten und durch die Dame selbst verschuldeten Maßnahme aus.
    Und wie sollte es sonst sein: "Ein immer wiederkehrendes Problem sei, dass solche Videos meist stark verkürzt und aus dem Kontext gerissen würden."

  17. 30.

    Eine sechszig jährige Frau die gestorben ist und eine schwangere Frau die ihr Baby verloren hat.Was für ein Blödsinn. Gestellte Szenen, aufgenommen fürs Handy, ins Netz gestellt und fertig. Nur damit es wieder was zu pöbeln gibt und die Polizei als Buhmann dasteht.
    Das ist ganz großes Kino..... mehr Übertreibung geht nicht. -

  18. 29.

    Körperverletzung? Ein ganz normaler Vorgang in einer solchen Situation. Sollen die gestressten Polizisten freundlich bleiben und der Provokateurin übers Haar streicheln?

Das könnte Sie auch interessieren