Ein Audi steht ausgebrannt am 05.08.2020 in Berlin-Britz. (Quelle: Morris Pudwell)
Video: rbb|24 | 05.08.2020 | Material: Abendschau | Bild: Morris Pudwell

Ausgebrannter Audi in Neukölln - Fluchtauto nach versuchtem Banküberfall in Berlin entdeckt

Am Tag nach dem gescheiterten Banküberfall am Bundesplatz ermittelt die Polizei auf Hochtouren. In Neukölln wurde das ausgebrannte Fluchtauto gefunden. Womöglich spielte der Audi auch eine Rolle bei dem Überfall auf einen Geldtransporter am Hermannplatz.

Nach einem gescheiterten Banküberfall in Berlin-Wilmersdorf am Dienstag ist im Neuköllner Ortsteil Britz das Fluchtauto der nach wie vor flüchtigen Täter gefunden worden. Das sagte eine Polizeisprecherin rbb|24.

Zeugen hätten am Mittwoch gegen 1:25 Uhr nahe einer Kleingartenanlage einen lauten Knall gehört und das in Brand stehende Auto entdeckt, teilte die Polizei mit. Der Wagen, ein schwarzer Audi A6, sei vollständig ausgebrannt. Daran hätten sich gestohlene Kennzeichen befunden. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass es sich um das Fluchtfahrzeug handle, sagte die Polizeisprecherin weiter.

Möglicherweise ergeben sich aus dem Fluchtauto auch Verbindungen zu dem ebenfalls gescheiterten Überfall auf einen Geldtransporter am vergangenen Freitag am Hermannplatz. Ein ähnlicher Wagen wie das Fluchtauto vom Bundesplatz sei auch hier gesehen worden, teilte die Polizei mit. Die Ermittler prüfen dem Vernehmen nach auch mögliche Zusammenhänge mit Clan-Kriminalität.

Untersuchungen auf der A100

Am Mittwochvormittag wurde die Berliner Stadtautobahn A100 zwischen Wexstraße und Detmolder Straße in beiden Richtungen wegen polizeilicher Ermittlungen in dem Fall gesperrt. Nach dpa-Informationen setzte die Polizei dort am Mittwoch spezielle Spürhunde, sogenannte Mantrailer, ein. Offenbar zog das Ermittlungsteam der Kripo entlang der Autobahn von Wilmersdorf Richtung Neukölln. Der Autobahnabschnitt liegt nahe der Bankfiliale, von der die Täter geflohen waren. Wie die Landesmeldestelle der Polizei dem rbb bestätigte, ging es dabei um den Banküberfall von Dienstag.

Nach etwa 20 Minuten konnte die Sperrung der A100 wieder aufgehoben werden. Was genau dort untersucht wurde, ist bislang unbekannt. Nach dpa-Informationen wurden Personenspürhunde eingesetzt, sogenannte Mantrailer.

Am Mittwochmittag war dann der A100-Abschnitt zwischen Schmargendorf und Hohenzollerndamm in Richtung Wedding dran. Inzwischen ist die Autobahn zwischen Hohenzollerndamm und Detmolder Straße in Richtung Neukölln gesperrt.

Ausgebrannter Audi in Berlin-Britz am 05.08.2020. (Quelle: Morris Pudwell)Ausgebrannter Audi A6 im Ortsteil Britz

Gesucht werden mindestens vier Männer

Fest steht laut Polizei mittlerweile, dass die Täter am Dienstagvormittag ohne Beute und zunächst zu Fuß vom Tatort in der Detmolder Straße in Richtung Autobahn 100 flüchteten. Dort sollen sie in ein dunkles Fahrzeug gestiegen sein "und ihre Flucht unerkannt in Fahrtrichtung Norden fortgesetzt haben", wie die Polizei mitteilte. Gefahndet werde nach mindestens vier Männern, sagte die Polizeisprecherin rbb|24.

Mehrere Unbekannte hatten am Dienstag versucht, mit einem Fahrzeug in eine Bankfiliale im Stadtteil Wilmersdorf zu gelangen. Die Täter hätten mit ihrem Fahrzeug die Fenstergitter der Bank gerammt und so zerstört, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Ob sie durch die Öffnung auch in die Filiale gelangten, stand zunächst noch nicht fest.

Als die Täter auf das Sicherheitspersonal trafen, wurde ein Sicherheitsmitarbeiter angeschossen. Die Bankräuber schossen dabei mehrfach, der Sicherheitsmann vermutlich auch, wie ein Polizeisprecher am Mittwoch sagte. Das Tatfahrzeug setzten die Täter vor der Flucht ebenfalls in Brand.

150 Polizeikräfte waren im Einsatz

Der versuchte Überfall wurde am Dienstag gegen 9:30 Uhr begangen und damit noch bevor die Bank öffnete: Die Täter fuhren nach ersten Erkenntnissen der Polizei mit einem Pritschenwagen in ein zum Hof gelegenes Fenster. Als der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma auftauchte, griffen ihn die Täter an, es wurden mehrere Schüsse abgefeuert. Unklar blieb, ob die Kugeln aus nur einer Waffe kamen. Der Sicherheitsmann wurde angeschossen und später in ein Krankenhaus gebracht, er soll nicht in Lebensgefahr sein.

Bevor die Kriminellen flüchteten, setzen sie noch ihren Wagen in Brand - vermutlich in der Absicht, auf diese Weise mögliche Spuren zu vernichten. Polizisten konnten die Flammen vor Eintreffen der Feuerwehr löschen. Laut Polizei waren rund 150 Kräfte im Einsatz, unter anderem von der Kriminaltechnik. Es ging laut einem Sprecher unter anderem darum, etwa Videomaterial aus Überwachungskameras zu prüfen und das zurückgelassene Fahrzeug zu untersuchen.

Polizei prüft Zusammenhänge zu anderen Taten

Der versuchte Überfall nahe dem Bundesplatz geschah nur wenige Tage nach einer aufsehenerregenden Tat am Hermannplatz: Am Freitag hatten Täter versucht, in einer Bankfiliale in einem Kaufhaus einen Geldboten zu überfallen. Dabei versprühten sie Reizgas, zwölf Menschen wurden verletzt. Beute machten die Männer in dem Fall ebenfalls nicht. Auch sie sind noch flüchtig.

An der am Dienstag betroffenen Bank war erst Mitte Juni ein Geldbote ausgeraubt worden. Die Täter sollen damals eine halbe Million Euro erbeutet haben. Ein Polizeisprecher verwies auf unterschiedliche Vorgehensweisen bei diesen Taten, man prüfe jedoch mögliche Zusammenhänge.

Sendung: Fritz, 05.08.2020, 6:30 Uhr

7 Kommentare

  1. 7.

    Es gibt keine "Straffreiheit" für Bankraub. Wie kommt man eigentlich dazu so einen Quatsch zu behaupten? Die, die ständig nach härteren Strafen rufen, haben doch mit Schwerkriminalität überhaupt keinen Kontakt. Es geht denen um was ganz anderes, nämlich um die Vergehen die sie im Alltag sehen. Sie wollen typische "Unterschichtsvergehen" wie Schwarzfahrer, Ladendiebe, Drogensüchtige in den Knast stecken, aber schreien empört "Polizeistaat" wenn sie für "typisch bürgerliche" Vergehen wie Geschwindigkeitsüberschreitung oder Steuerhinterziehung gerade stehen sollen. Das ist ja das Paradox, das gerade die, die am lautesten nach "Recht und Ordnung" rufen, nichts anderes anstreben als einen Unrechtsstaat. Alle kriminell, alle in den Knast, außer mir, ich habe natürlich gute Gründe für meine Normverletzungen... dieses aggressive Spießbürgertum richtet mehr Schaden an als jeder Bankraub.

  2. 6.

    Ja, Straffreiheit ist ein furchtbares Gift. Extrem zu sehen in Mittelamerika, aber auch auf Berliner Straßen.
    Mehr Polizei heißt aber wohl auch höhere Steuern. Es sollen ja deswegen keine Schulen verfallen oder der Sozialstaat gekappt werden.

  3. 5.

    Naja, die Parallelen, die Sie hier aufziehen wollen zwischen Bankräuber und Ladendieben ist schon ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Sie glauben doch nicht wirklich, dass jede kleine Straftat vorher gut durchdacht und abgewogen wurde? Als ob jeder Gelegenheitsdieb das StGB kennt...

  4. 4.

    Sehr gute erkenntnisreiche Erklärung. So sehe ich es auch.

  5. 3.

    Wenn nur noch der Ruf nach höheren Strafen und mehr Polizei nutzt, so ist unser Gesellschaftssystem gescheitert.

  6. 2.

    Mit der gleichen Intelligenz könnten die aber auch einen normalen Beruf ausüben, erfolgreich sogar. Ganz ohne Schwarzgeld. Aber gut, der Lebensentwurf mancher Bevölkerungsschichten sieht einfach anders aus...

  7. 1.

    Ohne eine gewisse Intelligenz ist ein solcher Plan nicht auszuführen. Glücklicherweise ist die Ausführung gescheitert. Mit der gleichen Intelligenz werden die Täter auch abwägen wie groß die Wahrscheinlichkeit ist bei der Straftat ertappt zu werden und mit welcher Strafe ggf. zu rechnen ist. In Berlin gibt es offensichtlich reichlich Straftäter die sich ausgerechnet haben dass sich schwere Straftaten lohnen. So wie sich jeder Ladendieb, Fahrradstehler und Einbrecher vorher überlegt wie groß bzw. gering die Wahrscheinlichkeit ist erwischt zu werden. Auch die Konsequenzen werden abgewogen. Unser jetziges Rechtssystem animiert somit offensichtlich zu Vergehen und Straftaten. Es wird Zeit dass sich das ändert. Mehr Polizei auf den Straßen und höhere Strafen.

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