Busschule in Ostprignitz-Ruppin im August 2020 (Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt)
Audio: Antenne Brandenburg | 05.08.2020 | Björn Haase-Wendt | Bild: rbb/Björn Haase-Wendt

Training für Erstklässler - Vollbremsung für den sicheren Schulweg

Das bestimmende Thema vor dem Schulstart war: Wie sind die Schulen auf Corona vorbereitet? Um eine ganz andere Frage dreht es sich in der Busschule in Ostprignitz-Ruppin: Die Erstklässler lernen, wie sie sicher zur Schule kommen. Von Björn Haase-Wendt

Mit knapp 30 Stundenkilometern steuert Thomas Soyck den Schulbus durch das Fehrbelliner Gewerbegebiet im Landkreis Ostprignitz-Ruppin (OPR). Die Erstklässler der Johann-Heinrich-Grundschule halten sich an den Sitzen fest. Marcel Sahr von der ORP-Busgesellschaft zählt herunter - "drei, zwei, eins". Der Bus legt eine Vollbremsung hin - ein platzierter Rucksack rutscht einmal quer durch den Bus.

Große Aufregung herrscht unter den 28 Erstklässlern, die an diesem Tag an der Busschule teilnehmen. Sie sollen lernen, wie sie sich im Schulbus richtig verhalten und warum es wichtig ist, zu sitzen oder sich zumindest festzuhalten. "Wenn der Bus normalerweise bremst, dann wisst ihr davon vorher nichts. Es kann schnell mal ein Hund vor den Bus rennen, das ist gefährlich, also haltet euch bitte fest", erklärt Marcel Sahr.

Busschule in Ostprignitz-Ruppin im August 2020 (Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt)
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Fuß in der Bustür

Mit der Busschule sollen aber keine Ängste geschürt, sondern Sicherheit vermittelt werden. Das zeigt sich an der nächsten Station. Marcel Sahr sucht Freiwillige, die einen Fuß zwischen die schließenden Bustüren halten. Erstklässler Liam ist mutig und streckt den Fuß aus. Die Tür schließt, stoppt aber automatisch als der Fuß erreicht wird und öffnet wieder. "Das hat nicht wehgetan, das war aus Gummi", sagt Liam. Und auch Busfahrer Marcel Sahr ist zufrieden. Niemand müsse Angst haben, eingequetscht zu werden, erklärt er den Kindern.

Größere Schüler machen Probleme

Bei den Erstklässlern machen die Übungen Eindruck und sie lernen schnell, wie sie sich richtig verhalten. "Nicht drängeln und hinsetzen", sagt Stella. Terence fügt hinzu: "ordentlich aussteigen ist wichtig". Aber nicht nur für die Kinder ist die Busschule hilfreich, sondern auch für die Busfahrer. Sie würden dadurch entlastet und wüssten, dass die Kinder aufmerksamer unterwegs sind. Das gilt allerdings oftmals nur für die kleineren Kinder – die größeren würden eher Probleme machen. "Da gucken sich die Kleinen das dann leider ab", räumt Marcel Sahr ein.

Wie im regulären öffentlichen Personennahverkehr gilt auch in den Brandenburger Schulbussen Maskenpflicht. Ausnahme: Man hat ein Attest. In Brandenburg droht aber anders als in Berlin kein Bußgeld, neuerdings könnte es im härtesten Fall aber passieren, dass der Bus einen nicht mitnimmt.

Besser nicht mit dem Auto zur Schule bringen

Neben den Erstklässlern stehen auch ihre Eltern im Mittelpunkt der Busschule. Im Klassenraum steht Volker Langmann von der Präventionsabteilung der Polizeiinspektion Ostprignitz-Ruppin. Er motiviert die Eltern, ihren Kindern etwas zuzutrauen und ihnen zu vertrauen. Heißt: die Kinder nicht ständig mit dem Auto zur Schule bringen, sondern sie mit dem Bus, dem Fahrrad fahren oder zu Fuß zur Schule gehen lassen. "Dadurch können die Kinder auch noch frische Luft schnappen und sich mit ihren Kameraden unterhalten", sagt der Polizeihauptkommissar. Wenn die Kinder doch mit dem Auto gebracht werden, sollten die Regeln vor den Schulen eingehalten werden. "Bei vielen Schulen ist das Elterntaxi ein riesiges Problem." Oft werden Verkehrsflächen zugestellt und so andere Kinder in Gefahr gebracht. Volker Langmann rät den Eltern deshalb, die Kinder ein paar Meter vor der Schule aus dem Auto zu lassen.

Einjähriges Modellprojekt: kostenlose Tickets

Die Kreisverwaltung von Ostprignitz-Ruppin geht davon aus, dass in diesem Schuljahr mehr Schüler mit Bus und Bahn unterwegs sein werden. Anlass ist ein neues einjähriges Modellprojekt im Landkreis. Auf Antrag bekommen die Schüler ein kostenloses Ticket für Bus und Bahn im Landkreis – egal wie weit der Schulweg ist. Auch kann das Ticket in der Freizeit und am Wochenende innerhalb von Ostprignitz-Ruppin genutzt werden. "Wir haben knapp 1.000 zusätzliche Anträge im Vergleich zu den Vorjahren. Das ist schon sehr gut", sagt Landrat Ralf Reinhardt (SPD). Er geht davon aus, dass in den nächsten Tagen weitere Anträge für das kostenlose Schülerticket eingehen werden. Denn noch ist Luft nach oben: Rund 10.800 Schüler haben in Ostprignitz-Ruppin einen Anspruch auf einen Schülerfahrausweis – knapp die Hälfte hat ihn bisher beantragt.

Vorbild für das Land?

Allein in diesem Jahr investiert der Landkreis für das kostenlose Schülerticket vier Millionen Euro. "Wir wollen damit erreichen, dass die Kleinsten an die öffentlichen Verkehrsmittel gewöhnt werden", sagt Reinhardt. Auch sollen die Busgesellschaften damit unterstützt werden. "Das eine verlässliche und berechenbare Situation entsteht, was den Verkehr anbelangt, als auch was die Einnahmesituation betrifft." Außerdem hofft der Landrat, dass das Ostprignitz-Ruppiner Modell die Runde macht und das Land nachzieht. "Das Land hat mit dem 365-Euro-Ticket für die Azubis einen sehr richtigen und guten Schritt begonnen." Ralf Reinhardt hofft deshalb, dass künftig ein landesweites 365-Euro-Ticket auch im Schülerverkehr für die Kinder in den Grund- und weiterführenden Schulen eingeführt wird.

Beitrag von Björn Haase-Wendt

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