Elchwarnschild im Landkreis Teltow Fläming an der Kreisstraße zwischen Dobbrikow und Nettgendorf. (Quelle: Landkreis Teltow Fläming)
Bild: Landkreis Teltow Fläming

Achtung, hier quert Bert - Brandenburgs erstes Elch-Warnschild erneut montiert

Ein Anfang Juli vom Landkreis Teltow-Fläming nahe Dobbrikow aufgestelltes und wenig später gestohlenes Elch-Warnschild konnte erneut installiert werden. Es war am 3. Juli postiert worden, um Verkehrsteilnehmende vor einem Zusammenstoß mit der größten Säugetierart Europas zu bewahren. Nur acht Tage später wurde es abgesägt und gestohlen, konnte inzwischen aber in einem nahegelegenen Wiesenstück wiedergefunden werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises [teltow-flaeming.de].

Auf den Namen Bert getaufter Elch durchquert die Region

Das Schild, das nach Verwaltungsangaben 600 Euro gekostet hat, sollte ursprünglich bereits im März aufgestellt werden, der Termin musste corona-bedingt allerdings verschoben werden. Auslöser war ein auf den Namen Bert getaufter Elch, der Anfang Februar 2018 erstmals auf der Wildbrücke Teupitz (A13) gesichtet und anschließend in der Gemeinde Mühlenfließ (Potsdam-Mittelmark) mit einem Sender versehen wurde. Der vermutlich 2016 geborene Elchbulle wog zu diesem Zeitpunkt etwa 350 Kilogramm und wird seitdem von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde mittels GPS-GSM-Telemetrie beobachtet. Zudem trägt er ein gelbes Halsband.

Den Beobachtungen zufolge hat Bert den Sommer 2018 in der Nuthe-Nieplitz-Region verbracht und ist mit Beginn der Brunftzeit über Treuenbrietzen, Zahna und Wittenberg zur Elbe und von dort über Roßlau in die Niederung im Oberlauf der Zerbster Nuthe gewandert. Dort hat er den Winter verbracht, bevor er im Frühjahr 2019 in den Raum Beelitz südlich von Wiesenburg und Belzig gezogen ist. Seitdem hält er sich im Naturpark Nuthe-Nieplitz auf und beläuft hier eine Fläche von knapp 100 Quadratkilometern.

Mindestens ein weiterer Elch ist unterwegs

In Dobbrikow sorgte Bert als regelmäßiger Gast einer Rindersiloanlage für Ärger, da er mit seinen langen Beinen für Schäden an der Anlage sorgte. Zudem soll er in der Brunftzeit auf Kühe losgegangen sein, da es derzeit keine weibliche Elchkuh in dem Gebiet gibt. Zwischenzeitlich lebte er sogar inmitten einer Rinderherde.

Im vergangenen Sommer bekam Bert dann doch Gesellschaft. Mindestens ein weiterer männlicher Elch hielt sich nachweislich im Naturpark auf. Daher wird angenommen, dass die südbrandenburgische Nuthe-Nieplitz-Niederung ein geeignetes Habitat für die Säugetiere ist. Elche sind sehr seltenen in Brandenburg, wandern aber mutmaßlich aus Polen kommend ein. Weil sie nicht bejagt werden, leben dort gegenwärtig schätzungsweise 30.000 Elche.

Offizielles Verkehrszeichen gibt es hierzulande nicht

Um Unfälle mit den wandernden Elchen zu verhindern, hatte sich die Gemeinde Nuthe-Urstomtal an das Straßenverkehrsamt des Landkreises gewandt und dort die Aufstellung eines Hinweisschildes beantragt. Das Problem: Ein offizielles Elch-Verkehrszeichen gibt es hierzulande bislang nicht. Daher war Kreativität gefragt. Laut Stefan Scheddin, Bürgermeister im Nuthe-Urstromtal, ist das Schild durch die Zusammenarbeit mehrerer Behörden entstanden. Es handelt sich um ein Unikat.

Durch private Spenden nach dem Raub des Elch-Warnschildes stehen in Dobbrikow nun zwei Schilder: Eines warnt vor Elchen, ein weiteres bittet in Berts Namen Saboteure, das Schild stehen zu lassen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 24.07.2020, 13:45 Uhr

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5 Kommentare

  1. 5.

    Icke freu mir das Bert hierher gefunden hat und sich wohl fühlt. Fehlt nur noch ne Berta..

  2. 3.

    Habitat: Lebensraum von Tieren und Pflanzen

    Im Zusammenhang mit (insbesondere jagdbaren) Wildtieren ist Einstandshabitat beziehungsweise umgangssprachlich Einstandsgebiet gebräuchlich. Solche Habitate bilden Schutz-, Deckungs- oder auch Ruhezonen.

  3. 2.

    Das habe ich mir auch gedacht. Klingt für mich eher nach einem Verwaltungsgebäude, in welchem gerade ein neuer Bürohengst seinen Dienst antritt. ;-)

    Laut Wikipedia (umgeleitet von "Einstandsgebiet" zu "Habitat") klingt es in der Tat nach Jägersprech:
    "Im Zusammenhang mit (insbesondere jagdbaren) Wildtieren ist Einstandshabitat beziehungsweise umgangssprachlich Einstandsgebiet gebräuchlich."

    Ich hoffe, dass Bert nicht übereilt abgeknallt wird, der Bericht beschreibt ihn ja schon ein wenig als Problemelch.

  4. 1.

    "Einstandsgebiet" versteht doch keiner... ist das Jägersprache?

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