Archivbild: Blick auf eine Rauchwolke während eines Waldbrandes im Loben-Moor zwischen Gorden-Staupitz, Hohenleipisch und Plessa. (Quelle: imago images/V. Rösler)
Video: Brandenburg Aktuell | 07.08.2020 | Theresa Majerowitsch | Gespräch mit Jörg Riemann | Bild: dpa/V. Rösler

Waldbrandgefahr durch Hoch "Detlef" - "Hoffen, dass man irgendwie heil durch diese Tage kommt"

Hoch "Detlef" bringt Temperaturen über 30 Grad: In 17 von 18 brandenburgischen Kreisen und kreisfreien Städten gilt mitunter die höchste Waldbrandstufe. Der Feuerwehr aus Teltow-Fläming macht ein Überbleibsel aus der Vergangenheit besonders Sorgen. Von Lisa Steger

Der Landesbetrieb Forst Brandenburg und auch die Feuerwehren bereiten sich auf zahlreiche Einsätze in den kommenden Tagen und Wochen vor. Das teilt das Umweltministerium in Potsdam mit. Schon ein Funke reiche aus, um einen Waldbrand zu entfachen. Vielfach sei eine achtlos weggeworfene Zigarette oder ein Funkenflug von einem Lagerfeuer die Ursache für einen Brand, hieß es in einer Mitteilung.

Angespannte Stimmung bei Feuerwehrleuten

Der Wald rund um Jüterbog im Landkreis Teltow-Fläming gehört zu den Brandschwerpunkten im Land, weil sich dort vor der Wende ein Truppenübungsplatz befand. Im Boden liegende Munition entzündet sich bei großer Hitze und so wird es noch lange weitergehen, ist Rudi Hinze vom Brandschutz der Kreisverwaltung überzeugt. "Die Zeit beginnt jetzt eigentlich, weil die Metallummantelung inzwischen so weit zersetzt ist, dass es bei Hitze brisant wird", so der 61-Jährige.

Tino Gausche, Rudi Hinze (Quelle: rbb/Lisa Steger)
Kreisbrandmeister Tino Gausche (links) und Rudi Hinze vom Brandschutz der Kreisverwaltung (rechts) | Bild: rbb/Lisa Steger

"Es gibt Momente, wo man bessere Stimmung hat", meint Kreisbrandmeister Tino Gausche. "Man ist schon angespannt. Jetzt bleibt nur noch der Blick gen Himmel und zu hoffen, dass man irgendwie heil durch diese Tage kommt."

Immer wieder brennt der Wald nahe Jüterbog, vor zwei Jahren loderten die Flammen sogar tagelang. Damals hatten die Feuerwehrleute zum Teil Schwierigkeiten, sich abzustimmen, weil sie im Wald keinen Handy-Empfang hatten. Das Problem existiert mancherorts nach wie vor, sagt Gausche. "Letztlich hängt es an jedem. Daran, wieweit da auch die Bürger Druck machen, dass die Netzbetreiber eine entsprechende Infrastruktur schaffen", findet der Kreisbrandmeister.

Einsätze unter Corona-Bedingungen

In allen Landkreisen gibt es Einsatzpläne, in denen genau festgelegt ist, welche Feuerwehren an welchen Tagen anrücken können, auch aus anderen Landkreisen. Bei Großeinsätzen kann die Feuerwehr zudem auf andere Bundesländer zählen; das würde das Innenministerium in Potsdam koordinieren. Mit Engpässen rechnet Gausche nicht.

Doch wegen Corona ist die Einsatzplanung diesmal komplizierter, berichtet der 45-Jährige, denn sowohl in den Wachen als auch an Einsatzort sollen Abstands- und Hygieneregeln gelten. "Es lässt sich nicht überall umsetzen, das muss man auch fairerweise zugeben", sagt der Kreisbrandmeister. "Wir versuchen die Einsatzpläne so zu gestalten, dass nicht so viele Kameraden zusammenkommen oder nur ein fester Stamm: Die Feuerwehr soll einsatzbereit bleiben." Die Überlegung: Wenn Corona ausbräche, wären in diesem Fall wenigstens nicht so viele Feuerwehrleute betroffen.

Mangel an Kampfmittelexperten verzögert Munitionsbergung

Das Land Brandenburg müsste mehr tun, um die ehemaligen Truppenübungsplätze von herumliegender Munition zu befreien, finden die beiden Brandexperten. Dem Innenministerium zufolge gibt es nicht viele Kampfmittelexperten auf dem Arbeitsmarkt, daher sollen zunächst Städte und Gemeinden beräumt werden – etwa Oranienburg und Potsdam.

"Erst mal muss ich die Menschen schützen, das ist klar", so Brandschützer Hinze. "Aber die Zufahrten müssen auf jeden Fall beräumt werden, damit die Feuerwehr agieren kann, das Betreten ist lebensgefährlich." Kreisbrandmeister Tino Gausche schlägt vor, dass das Land Brandenburg Waldbesitzer besser unterstützt, die aus ihren Flächen die Munition entfernen lassen: "Das würde uns schon helfen", so Gausche.

Skeptisch sieht er Pläne, das Land möge große Löschflugzeuge anschaffen, wie es sie bei der Bundeswehr gibt. "Brandenburg braucht kleine Flugzeuge wie die DDR-Agrarflieger", ist Gausche sicher. "Das sind Maschinen mit bis zu tausend Liter Wasser. Die sind sehr wirkungsvoll, wenn man drei oder vier davon hat."

Waldbrandsaison hat schon begonnen

Das Landesumweltministerium zufolge gab es in diesem Jahr noch keine großen Waldbrände – bis auf ein Feuer bei Plessa im Kreis Elbe-Elster, das rund 80 Hektar erfasst hatte. Allerdings entzündeten sich bereits 220 kleinere Feuer, sie vernichteten 110 Hektar.

Das Rauchen in den Wäldern ist strikt untersagt. Bei Verstößen drohen Bußgelder. Das Ministerium veröffentlicht die tägliche Waldbrandgefahrenstufe für die jeweilige Region um 8.00 Uhr auf seiner Internetseite.

Sendung: Antenne Brandenburg, 7.8.2020, 7 Uhr

Beitrag von Lisa Steger

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4 Kommentare

  1. 4.

    Vorhin leider ein Feuer melden müssen. Zwischen Torgau und Falkenberg brennen ca8 km Bahndamm und 2 km geht es schon in den Wald ihnen ! Das sah übel aus. Ich hoffe die Kameradinnen und Kameraden bekommen das schnell in den Griff!

  2. 3.

    Da haben sie Recht! Ist trotzdem die Frage, was jetzt zu tun ist. Wenn das Land Brandenburg will, kann es da sicher etwas machen und da kommen dann auch die Bürger und Bürgerinnen ins Spiel, die Druck machen können - wenn es die Regierung von alleine nicht will (eigentlich ein Unding, wenn man darüber nachdenkt!)

  3. 2.

    Die Handynetzbetreiber werden da Infrastruktur schaffen, wo zahlende Kunden sind. Die sind nicht vorrangig im Wald. Telekommunikation gehört zur Daseinsvorsorge und die gehört in Staatshand. Das war politisch nicht nehr gewollt und wurde Privaten übertragen. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn es im Wald für die Feuerwehr keinen Handyempfang gibt.

  4. 1.

    Naja - man könnte doch wie im letzten Jahr die Waldbesucher nach Hause schicken.

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