Ein Graffity Portrait-Gemaelde erinnert an den von der Polizei als "Intensivtäter" gefuehrten Nidal R. (Quelle: dpa/Jens Knappe)
Bild: dpa/Jens Knappe

Insiderbericht - Mord an Nidal R. war Racheakt für Verletzung der Ehre

Der spektakuläre Mord an dem Clan-Kriminellen Nidal R. vor zwei Jahren soll laut einem Insider ein Racheakt für eine Ehrverletzung in der Clan-Szene gewesen sein. Nidal R. soll daher auch nicht zufällig mitten am Tag in der Öffentlichkeit erschossen worden sein. Das schreibt der Aussteiger Khalil O. mithilfe der Journalistin Christine Kensche in einem gerade erschienenen Buch "Auf der Straße gilt unser Gesetz" über sein Leben im Clan und seinen Ausstieg aus der Kriminalität.

Khalil O. berichtet, eigentlich sei es im Konflikt zwischen Nidal R. und seinen Leuten und einer anderen Familie um Drogengeschäfte und die Reviere an den U-Bahnhöfen in Neukölln gegangen. Zur Eskalation habe ein "krasser Fehler" geführt, so erzähle man es sich in der Szene. Nidal R. habe als Gast auf einer Hochzeit einen älteren Mann vor dessen Frau und Kindern geschlagen. "Es war eine heftige Ehrverletzung, der andere hat das Gesicht verloren." Nidal R. habe versucht, die Sache zu bereinigen und einen Vermittler geschickt. Das sei abgelehnt worden. "Der Vertreter der anderen Seite hat nur gesagt: "Nidal muss sterben"", so Kahlil O. weiter.

Khalil O.: Mord vor den Augen der Familie war gewollt

Nidal R. sei dann gezielt am Tempelhofer Feld beim Grillen mit seiner Familie erschossen worden. "Dass Nidal vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder getötet wurde, ist kein Zufall, genau das war die Rache. Man fasst keinen Mann vor seiner Frau und seinen Kindern an. Das ist ein Gesetz, und wer das bricht, muss dafür bezahlen."

Der Mord vom 9. September 2018 wurde bis jetzt nicht aufgeklärt. Allerdings wisse man auch in der Neuköllner Szene, bei der zuständigen Mordkommission im Landeskriminalamt und in der Staatsanwaltschaft genau, wer die Täter seien, heißt es in Ermittlerkreisen. Aber offenbar gibt es nicht genug Beweise, die für eine Festnahme oder gar eine Anklage reichen.

Journalistin wartete lange auf Insider

Die Journalistin Kensche (geb. 1982) war Redakteurin für Investigation und Reportage und ist seit 2020 Nahost-Korrespondentin der "Welt". Laut ihrem Bericht versuchte sie 2018 lange vergeblich, mit Mitgliedern der arabischstämmigen Großfamilien zu sprechen. Irgendwann meldet sich Khalil O. bei ihr, der lange in großem Stil Drogen verkaufte, die kriminelle Szene aber vor 15 Jahren verließ und Sozialarbeiter wurde. Es habe mehr als 50 Treffen mit dem Mann gegeben, und sie habe seine Geschichte bei Polizei und Staatsanwaltschaft gegenrecherchiert. Dort halte man sie für glaubwürdig.

Sendung: Inforadio, 17.09.2020, 15:30 Uhr

15 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 15.

    Und die Moral von der Geschicht',
    alte Väter schlägt man nicht.

    Lektion fürs Leben gelernt.

  2. 14.

    Kriminelles Verhalten gehört strafrechtlich verfolgt. Ob wie hier ein Rachemord eines arabischstämmigen Mannes vorliegt oder eines Deutschen, der seine Frau ermordet hat, weil sie ihn verlassen wollte.
    In dem einen wie anderen Fall ist es unzulässig, die Taten des Einzelnen seiner Nationalität oder gar allen Angehörigen dieser Nationalität anzulasten. Und auch die Motive verbieten es, sie zu werten. Mord aus Eifersucht ist genau so verwerflich wie Rachemord.

  3. 13.

    Wenn die hier von "Gesetz" reden, dann ist das das Gesetz der Mafia. Die Mehrheit der Menschen, deren Familien irgendwann aus Vorderasien nach Deutschland gekommen sind, hat damit überhaupt nichts zu tun. Es wurde auch niemand "alimentiert", sondern es wurden alle im Rahmen der Gesetze und Vorschriften behandelt - der Gesetze und Vorschriften, die Sie, Karten W., so sehr verachten. Was soll man von einem halten, der für bestimmte Leute aufgrund ihrer Herkunft Ausnahmen vom Gesetz machen will? Der Linke und Grüne nicht als Demokraten akzeptiert? Sieht so Akzeptanz für unseren Rechtsstaat und unsere Demokratie aus? Sie sind da in einer ganz schlechten Position, um andere zu kritisieren.

  4. 12.

    Viel bedenklicher finde ich den Umstand, dass die Journalistin ihre Quelle preis gibt. Mit den Angaben über die Person, dürfte jeder aus der Szene wissen, wer da Interna zum Besten gibt. Wobei gar nicht so wichtig ist, was er weitergibt, sondern, dass er überhaupt mit Aussenstehenden redet.

  5. 11.

    Das Wort Ehre hab ich gar nicht verwendet. Nur Demütigung. Niemand lässt sich gern demütigen. Ich wollte auch nicht den Eindruck erwecken, dass ich den Mord gut finde oder billige. Ich verstehe ihn nur. Wer sich in bestimmten Milieus tummelt, muss sich an die dortigen Regeln halten. Selbstgemacht sind sie nur bedingt, sie sind entstanden.
    Die Mafia hat auch ihre Regeln. Jungs, steigt als besser nicht bei der Mafia ein, wenn ihr nicht mit Beton an den Füßen in einem Flußbett enden wollt oder abgeknallt auf der Straße wie die sechs Jungens in Duisburg vor ein paar Jahren. Schwierig ist es nur, wenn man in eine Mafia- oder arabische Clanfamilie hineingeboren wird. Da ist es viel schwieriger sich abzugrenzen, aber nicht unmöglich, das zeigt der Film Departed von Martin Scorsese recht eindringlich.

  6. 10.

    Es geht hier um Ehrenmord und Clans. Arabischstämmige Clans beherrschen in einigen deutschen Großstädten Straßenzüge und vor allem das Rotlichtmilieu. Viele dieser Großfamilien haben ihren Ursprung im Südosten der Türkei und kamen vor 20 Jahren als "Libanon Flüchtlinge" über das Asyl-Ticket nach Deutschland.

    https://www.tagesschau.de/ausland/tuerkei-mhallani-103.html

  7. 9.

    Kleine Nachhilfe Staatskunde:
    Trennung von gesetzgebender, ausführender und richterlicher Staatsgewalt und ihre Zuweisung an voneinander unabhängige Staatsorgane.
    Normaler Weg bei Steitigkeiten:
    -Mann/Frau geht zur Polizei (ausführende Staatsgewalt) und macht eine
    Anzeige wg Körperverletztung, Polizei ermittelt, Fall kommt vor Gericht (richterliche Staatsgewalt)
    Nicht erlaubt und in keinster Weise erklärbar bzw tolerierbar:
    -Auge um Auge, Zahn um Zahn (Selbstjustiz)
    Respekt verschafft man sich über eigenes integres Verhalten, nicht über Gewalt.

  8. 8.

    Sie offenbaren mit ihrem Kommentar genau das Problem vieler orientalischer Männer. Und zwar das sie garnicht wissen was Ehre bedeutet. Beziehungsweise eine sehr eigene Vorstellung haben. Für viele bedeutet das doch, immer im Recht zu sein und jeder der gegen einen ist oder es wagt Kritik zu üben, die Ehre verletzt. Wo das hinführt sieht man bei Erdogan oder anderen Autokraten, da wird dann jeder der Kritik übt fertig gemacht oder wie bei Nidal u.a. umgebracht.
    Bloss weil die damit durchkommen, ist das doch nicht richtig!
    Der gedemütigte ist ein Heroin Dealer und Auftragsmörder und hat keinen Respekt verdient, noch besitzt er irgendeine Art von Ehre!

  9. 7.

    Also alles gut?

    Problem daran ist, dass das keine staatliche Regeln sind, sondern selbstgemachte.

    Wenn mich einer überholt, mach ich ihn platt.
    Wenn einer meine Frau ansieht, mach ich ihn platt.
    Wenn mich einer ansieht (oder auch nicht), mach ich ihn platt.
    Egal, ich mache platt, wen ich will.

    Dass sind keine Regeln, dass ist gesetzloses Mittelalter und wer so unterwegs ist, passt hier dann wohl eher nicht ins System.

  10. 6.

    Irgendwer weiß immer alles besser. Türken und Araber durcheinander zu bringen spricht vielleicht nicht dafür. Ein Großteil der Libenasen, einschließlich der Palästinenser mit libanesischem Pass, lebt hier sehr friedlich, führt Restaurants, ist Anwalt, oder welcher Beruf auch immer. Und einige gehören eben kriminellen Vereinigungen an. So wie auch einige Deutsche. Und wenn deutsche Rocker ihr Territorium mit Waffengewalt verteidigen ist das Resultat auch einfach nur "tot". Vielleicht ohne Wandbild.

  11. 5.

    Regelbrüche müssen Sanktionen nach sich ziehen, was gibt es daran nicht zu verstehen. Sonst würde sich ja keiner mehr um irgendwelche Regeln kümmern. Ob man auf eine Demütigung gleich mit einem Mord reagieren muss, ist die andere Frage. Aber nehmen wir an, es sei nur Auge um Auge, Zahn um Zahn gegangen und Nidal wäre vor seiner Frau und seinen Kindern ebenfalls nur ins Gesicht geschlagen worden. Hätte die Sache damit ihr Bewenden gehabt ? Der Auftraggeber fürchtete wohl, er wäre bei einer solchen Reaktion selbst ermordet worden. Und Nidals Familie hat ja die Strafe insoweit anerkannt, dass sie soweit erkennbar auf den Mord nicht mit einem neuen Mord reagierte. Je früher wieder Vernunft einkehrt und die Spirale der Rache beendet wird, umso besser. Dem Gedemütigten ist es gelungen sich Respekt zu verschaffen und so geschickt, dass der Staat ihn nicht bestrafen kann oder es nicht wagt.

  12. 4.

    Ihre Bestandsaufnahme ist zutreffend. Die Verhältnisse werden nicht besser sondern schlimmer.

    Die Kinderehe ist an der Tagessordnung. Maas (SPD), damals Justizminister bei Merkel , verkündete vollmundig: „In Deutschland darf es keine Kinderehen geben. Kinder gehören in die Schule – nicht vor den Traualtar.“
    In Deutschland waren „1475 verheiratete minderjährige ausländische Staatsangehörige verzeichnet“, schreibt die „Welt“, die dazu erläutert: „vor allem Mädchen, darunter 361 sogar unter 14 Jahre alt“. Und das sind nur die offiziellen Zahlen.

  13. 3.

    Was hatten sich Leute, die es einfach bessser wußten, vor 20 Jahren den Mund fusselig geredet, nehmt keine "Flüchtlinge " aus dem Libanon auf. Meistens waren die "Flüchtlinge" Türken, die ihre Passe weggeworfen haben. Nun haben wir den Salat, und die Geschichte wiederholt sich.

  14. 2.

    Solche archaischen Wertvorstellungen sind in unsere offene, demokratische Gesellschaft kulturell unintegrierbar!!! Es hat Jahrzehnte gedauert, bis Politik und Justiz diese aus Angst vor "Diskriminierung"svorwürfen gegenüber einer sozial alimentierten und die Spielregeln ihres Gastland verachtenden Minderheit auch nur ansatzweise kritisiert hat. Man denke an "kulturellen" Straferlass gegenüber Angeklagten bei sog. "Ehrenmorden" in den 90er Jahren.
    Dafür wurde schon einmal die Rechtsstaatlichkeit ausgehebelt, auch was die "Verfolgung" von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten anging.
    Manche ideologisch Vernebelten aus den Reihen von Linken/Grünen leugnen das Problem von archaischen Parallelgesellschaften bis heute!

  15. 1.

    Der "Ehrverletzte" hat also nach dem Mord an Nidal R. sein Gesicht wieder "hergestellt"?
    Verstehen muss man diesen Rachekindergarten nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Symbolbild: Grundschulkind Emma S. mit Mundschutz auf dem Weg zur Schule (Quelle: dpa/K. Schmitt)
dpa-Symbolbild/K. Schmitt

Neue Maßnahmen - Südbrandenburg kämpft gegen Corona-Ausbreitung

Maskenpflicht für Fünftklässler, Besuchsbeschränkung in Pflegeheimen und Alkoholverbot in der Öffentlichkeit – im Süden Brandenburgs wird mit schärferen Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Coronavirus vorgegangen. Die Zahl der Neuinfektionen ist weiterhin hoch.