Hotel Mama: Hotelschild zeigt noch freie Doppelbetten
Bild: imago/imagebroker/begsteiger

Berlin und Brandenburg - Mehr als jeder dritte junge Erwachsene wohnt noch bei Eltern

In Berlin und Brandenburg wohnen viele junge Erwachsene noch bei ihren Eltern. Das geht aus den neuesten Zahlen hervor, die das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch bekanntgab.

Besonders hoch ist der Anteil in Brandenburg: Hier wohnt fast jeder zweite junge Erwachsene zwischen 20 und 25 Jahren (47 Prozent) noch im Elternhaus. In Berlin sind es 36 Prozent.

Das ist ein höherer Anteil als im Bundesdurchschnitt von gut einem Viertel (28 Prozent). Insgesamt ist der Anteil in den ländlichen Regionen deutlich höher als in den Städten. In Niedersachsen etwa wohnten 2019 ebenfalls noch 47 Prozent der 20- bis 25-Jährigen bei den Eltern, im angrenzenden Hamburg 32 Prozent.

Nordeuropäer ziehen früher aus

Im EU-weiten Vergleich liegt Deutschland im Mittelfeld. Vor allem in den nordeuropäischen Ländern ziehen Kinder früh von zu Hause aus: Am frühesten werden die Schweden "flügge", mit 17,8 Jahren. Auch in Dänemark (21,1 Jahre) und Finnland (21,8 Jahre) verließen Kinder das Elternhaus vergleichsweise früh. Im Gegensatz dazu ist das Auszugsalter in den süd- und osteuropäischen Ländern vergleichsweise hoch: Junge Kroatinnen und Kroaten verlassen im Schnitt erst mit 31,8 Jahren das Elternhaus, aber auch in der Slowakei (30,9), Italien (30,1) und Bulgarien (30,0) ist der Nachwuchs noch relativ lange bei den Eltern.

Der Grund sind vor allem die unterschiedlichen finanziellen und kulturellen Rahmenbedingungen. Trotzdem haben alle EU-Länder - mit Ausnahme Luxemburgs - etwas gemeinsam: Töchter ziehen früher aus als Söhne.

Nach den deutschlandweiten Zahlen wohnten im vergangenen Jahr noch 34 Prozent der 25-jährigen Männer im Elternhaus, bei den Töchtern waren es nur 21 Prozent. Männer ziehen im Schnitt mit 24,4 Jahren aus, Frauen mit 22,9 Jahre.

Jugendfoscher: "Emanzipation der Männer ins Stocken geraten"

Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann sieht darin einen Beleg, "dass die Emanzipation der Männer ins Stocken geraten ist". Auch Untersuchungen wie die Shell-Jugendstudie belegten diesen Trend, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Um das 20. Lebensjahr herum geht die Schere auseinander."

"Die jungen Frauen erzielen die besseren Bildungsergebnisse. Sie sind agiler im Umgang mit ihren Lebensherausforderungen. Sie sind selbstständiger und selbstbewusster und wollen sich deswegen früher von ihren Eltern lösen", sagte Hurrelmann weiter. Bei jungen Männer sei eher der gegenteilige Trend zu beobachten: "Sie genießen das Hotel Mama so lange sie können. Das ist angenehm, das ist bequem. Sie wollen in Deckung bleiben, so lange es geht." Dass Männer so spät von zu Hause ausziehen, ist für Hurrelmann "auch ein Zeichen von Irritation, dass Frauen so stark sind".

Das Auszugsverhalten junger Menschen hat sich in den vergangenen 20 Jahren laut Statistischem Bundesamt kaum verändert. Im Jahr 2000 lebten demnach rund 30 Prozent der 25-Jährigen mit ihren Eltern unter einem Dach, 2019 waren es - beide Geschlechter zusammengerechnet - 28 Prozent.

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7 Kommentare

  1. 7.

    Der Artikel ist seltsam. Erst wird groß herausgestellt, dass junge Menschen so spät ausziehen und von "neuen Zahlen" berichtet, um dann im letzten Absatz relativiert zu werden, dass es vor 20 Jahren aber auch nicht anders war. Also hat sich doch weder durch steigende Mieten, noch eine gestiegene Anzahl an Studenten oder die allgemeine Lohnentwicklung etwas Grundlegendes geändert. Ist doch auch irgendwie beruhigend!

  2. 6.

    So ist das mit der Statistik. Frauen heiraten im Schnitt deutlich früher als Männer. Da ziehen sie dann natürlich auch früher aus. Das relativiert dann auch die Schlussfolgerungen des Berichtes.

  3. 5.

    Das sind typisch Berliner Gründe. Es steht im Beitrag auch, daß sich das in den letzten 20 Jahren nicht verbessert hat. Vor zwanzig Jahren waren die Mieten sehr gübstig im Vergleich zu anderen Bundesländern. Das Studium hat sich allerdings stark verändert und behindert jubge Leute, die arbeiten möchten. Wer aus einer Hartz-4-Familie kommt, könnte ja mit 16 die Schule beenden, mit 22 die Lehre und dann selbständig sein.

  4. 4.

    Was soll die Aufregung, ist doch okay, wenn sich Eltern und Kinder gut verstehen. Bedenklich wäre es nur, wenn die kinder in diesem Alter noch gepampert oder gefüttert werden müssen!

  5. 3.

    Zu wenig bezahlbarer Wohnraum und zu schlecht bezahlte Berufe. Mich wundert das nicht. Es ist für die "Kinder" UND Eltern finanziell von Vorteil, wenn der Nachwuchs länger in der elterlichen Wohnung bleibt.

  6. 2.

    Blöder Kommentar. Schon mal daran gedacht, das es gerade in Berlin/Brandenburg einfach auch am fehlenden Geld liegen könnte und nicht weil es bei Mama so bequem ist?

  7. 1.

    Hmm ... woran könnte das wohl liegen?
    Zum einen wären da die zu hohen Mieten für schäbige 1-Zimmerwohnungen, die ein junger Erwachsene in Ausbildung und Studium gar nicht bezahlen kann.
    Zum anderen die HartzIV-Vorschriften, nach denen die Kinder unter 25 J. nur mit besonderer Begründung ausziehen dürfen und eine Mietübernahme gewährleistet ist.

    Klar gibt es auch die Nesthocker, aber ich denke obige Gründe überwiegen wohl.

    Kein Wunder, dass die Jugend immer ahnungsloser und unselbständiger wird. Sie werden ja regelrecht daran gehindert, ihr eigenes Leben leben zu können.

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