Symbolbild: Ein kleines Mädchen sitzt mit gesenktem Kopf allein auf dem Fußboden. (Quelle: dpa/B. Pedersen)
Audio: Inforadio | 05.08.2020 | Lisa Steger | Bild: dpa/B. Pedersen

"Wenn Kinder sich öffnen, muss jemand zuhören" - Brandenburg startet Kinderschutzkampagne wegen Corona

Ob Stress in der Familie, Vernachlässigung oder Misshandlung: Gerade in der Corona-Pandemie werden Kinder und Jugendliche oft nicht gehört, weil Ansprechpartner fehlen. Eine landesweite Online-Kinderschutzkampagne soll ihnen in Brandenburg Hilfe bieten. Die Ministerien für Jugend und Inneres haben die Kampagne am Dienstag gestartet.

Unter dem Hashtag #wirhörendirzu sollen Betroffene landesweit Unterstützung finden können. Zudem wird mit der Aktion nach Angaben der Ministerien die Arbeit der kommunalen Jugendämter für den Kinderschutz gestärkt.

"Jemand muss zuhören"

"Eine banale, kleine Not kann zu einer großen Not werden", sagte der Leiter der Fachstelle Kinderschutz, Hans Leitner, der Deutschen Presse-Agentur. Seine Stelle hat die Online-Kampagne für die Kinder und Jugendlichen entwickelt. Angesprochen werden soll die Altersgruppe ab 12 Jahren. "Wenn Kinder sich öffnen, muss jemand zuhören", betonte Leitner. Kindliche Not könne von Trauer über Liebeskummer bis hin zu Misshandlung vielfältig sein. In der Kampagne hätten die regionalen Jugendämter jeweils eigene Videoclips produziert, mit denen sie Kinder und Jugendliche direkt ansprechen können. Zudem informierten sie über ihre Hilfe- und Unterstützungsangebote vor Ort, erläuterte der Experte.

"Die zentrale Botschaft an die Kinder und Jugendlichen heißt: Wir hören dir zu. Wir wollen, dass ihr in krisenhaften Situationen schnell Beratung und Hilfe bekommt und wisst, wo ihr im Notfall auch Schutz erhaltet", sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) zum Start der Kampagne. Die Aktion richte sich auch an Erwachsene, die etwas dafür tun könnten, in dem sie gut hinschauten, ob es dem Kind in der Nachbarschaft gut gehe.

Innenminister Michael Stübgen (CDU) wies noch einmal darauf hin, dass Kinder zu den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft gehörten. Es müsse alles dafür getan werden, dass sie ohne Gewalt, Misshandlungen oder Vernachlässigung aufwachsen können, sagte Stübgen, der auch Vorsitzender des Landespräventionsrates ist.

Verlust wichtiger Melder an Schulen und Kitas

Verlässliche Zahlen etwa zum Anstieg von häuslicher Gewalt oder Misshandlungsfällen hätten weder Kinderschutzeinrichtungen noch Krankenhäuser, sagte Leitner. Doch die Befürchtungen blieben, weil mit der Schließung von Kitas, Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen wegen Corona nicht nur Ansprechpartner, sondern auch Meldeketten zum Kinderschutz ersatzlos weggebrochen seien. Familiäre Krisen und Kindeswohlgefährdungen könnten mitunter erst später erkannt werden.

Das Jugendministerium und mehrer Kinderschutzorganisationen fördern die Kampagne mit 18.500 Euro.

Sendung: Antenne Brandenburg, 4.8.2020, 16:00 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

10 Kommentare

  1. 10.

    Weder meine Kinder noch ich werden dort anrufen!

  2. 8.

    Schon ich selbst hatte eine schwere Kindheit. 1978 wohnte ich in der Greafestr. in einer viel zu großen Wohnung für mich alleine. Also zogen ein paar Freunde mit ein. Irgendwann lernte ich auf der Straße einen völlig verwahrlosten Jungen von ca. 8-9 Jahren kennen. Ich fragte ob er hungrig sei und so gingen wir ins damalige Bilka Kaufhaus. Dabei stellte sich heraus, das dieser Junge auf der Straße lebte. Ich bot ihm Unterkunft an. Erblieb ca. 1 Woche und taute immer mehr auf. Er sagte mir ganz offen: bevor ich je wieder zu meinen versoffenen Eltern zurückkehre, gehe ich lieber ins Heim. Was tun also? Meine Mitbewohner waren von seiner Anwesenheit gar nicht begeistert. Denn wir alle lebten sehr offen mit unserer Homosexuallität. Es wurde beratschlagt und am Ende siegte die Vernunft und die Angst, von der Polizei verhaftet zu werden. Ich bot dem Jungen an, mit ihm zum Jugendamt zu gehen. Doch er lehnte es ab und verschwand auf nimmerwiedersehen. Da gab es noch nicht den Kindernotdienst.

  3. 7.

    In Gedanken an Lena (t 2008):
    „Es fällt mir so unendlich schwer, ich wünsche, dass unsere Zeit unendlich wär. Ich sitze hier und rieche deinen Duft, mir kommen die Tränen und ich kriege keine Luft. … Gucke, was für ein grauer Tag, es macht alles Sinn, wenn man die Trauer mag!“

    Erst 5 Jahre später wurde ihr Heim geschlossen ...

  4. 6.

    Was soll man als Außenstehender zu solch ein hochbrisantes Thema auch hier schreiben? Wenn ich dann von der Userin Frau Wagener hier zu lesen bekomme: Jesus wird’s schon richten, dann kommt mir erst recht das kalte Grauen. Zudem vermisse ich im Artikel die Kinder-Nothilfe Telefonnummer.

  5. 4.

    Ich danke unserem Papst Franziskus für seinen Mut in dem er zu uns sprach: "Die Pandemie verursacht weiterhin großes Leid in der Welt. Deshalb müssen wir unseren Blick fest auf Jesus richten."

  6. 3.

    Na wenn es keine Zahlen gibt, sann ist es doch in Brandenburg selbstverständlich 19 TD Euro auf den Weg zu bringen. ...

  7. 2.

    "Verlässliche Zahlen etwa zum Anstieg von häuslicher Gewalt oder Misshandlungsfällen" gibt es nicht ...

  8. 1.

    Wie man hier auch an den nicht vorhandenen Kommentaren sieht, das will keiner der ganzen Lockdown Befürworter und Angst Menschen hören und wissen, gehört aber zu traurigen Wahrheit dazu.

Das könnte Sie auch interessieren