Archivbild, 03.04.2020, Berlin: Der geschlossene Bahnhof Siemensstadt. Die stillgelegte Siemensbahn ist eine S-Bahn-Strecke mit einer Länge von viereinhalb Kilometern und seit September 1980 außer Betrieb (Quelle: dpa / Jens Kalaene).
Bild: ZB

S-Bahn-Betrieb geplant - Siemensbahn könnte laut Senat 2029 wieder fahren

Seit Jahrzehnten ist die Siemensbahn im Westen Berlins stillgelegt und verfällt - 100 Jahre nach der Eröffnung der alten Arbeiterstrecke könnten aber wieder Züge entlang der Trasse rollen. Die Bausubstanz ist besser erhalten, als erwartet.

Auf der Trasse der Berliner Siemensbahn könnten in neun Jahren wieder S-Bahn-Züge fahren. Nach Abschluss der Planungen könne ab Mitte 2026 gebaut werden, im Herbst 2029 könnte die Strecke wieder in Betrieb genommen werden, teilte die Verkehrsverwaltung in einer am Dienstag veröffentlichten Antwort auf eine Kleine Anfrage mit [parldok.parlament-berlin.de]. Gestellt hatte sie der SPD-Abgeordnete Tino Schopf.

Falls diese Planungen so umgesetzt werden können, führen 100 Jahre nach der ursprünglichen Eröffnung der Strecke wieder Züge vom Bahnhof Jungfernheide bis zum Bahnhof Gartenfeld. Der 4,5 Kilometer lange Abschnitt ist seit 40 Jahren stillgelegt.

Der Senat überlegt schon seit Jahren, die S-Bahnstrecke wieder zu eröffnen. Neue Prüfungen der Deutschen Bahn zeigen: Die alte, denkmalgeschützte Trasse der Siemensbahn kann offenbar erhalten bleiben, sie sei in einem guten Zustand. Das teilte ein Vertreter der Bahn am 17 .August im Berliner Abgeordnetenhaus mit. Zuvor hatte die Bahn immer wieder beantragt, die Trasse aufzugeben. Das wies die Berliner Landesregierung wiederholt zurück.

Neubau einer Brücke über die Spree nötig

Die Reaktivierung der Siemensbahn ist ein Kernbestandteil des geplanten Großprojekts Siemensstadt 2.0. Dafür bleiben laut Deutscher Bahn allerdings noch zwei große Hürden: Der Anschluss der Siemensbahn an das S-Bahnnetz am Bahnhof Jungfernheide und vor allem der Neubau einer Brücke über die Spree.

Der Siemens-Konzern plant, bis 2030 einen bis zu 600 Millionen Euro teuren Campus für Forschung, Produktion und Wohnen im Stadtteil Siemensstadt zu bauen. Wegen der Corona-Krise werden sich der städtebauliche Wettbewerb und der Architekturwettbewerb für den ersten Bauabschnitt des 73 Hektar großen Geländes um mehrere Monate verzögern. Der Siegerentwurf für den Hauptbebauungsplan stammt vom Architekturbüro Ortner und Ortner Baukunst, das unter anderem auch das Projekt "Urbane Mitte am Gleisdreieck" verantwortet. Demnach soll das Herzstück des etwa 100 Fußballfelder großen Areals ein Hochhaus werden.

Siemensbahn soll unterirdisch durch Spandau verlängert werden (Quelle: mappa.pro/rbb)Der Verlauf der Siemensbahn nach jetzigen Planungen.

23 Kommentare

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  1. 23.

    Ich erhoffe mir durch die neue Infrastruktur der S-Bahn auch endlich eine Beruhigung der nächtlichen "Autorennstrecke" Nonnendammallee. Wünsche mir hier einige gut platzierte Blitzer, so dass die Raser auch Fotos von sich bekommen.
    Man sollte darüber hinaus eine TEMPO 30-Zone für den Nonnendamm einrichten.

  2. 22.

    Bernd das Brot:
    "So lange keiner auf die Idee kommt, das Straßenbahnnetz weiter auszubauen bin ich beruhigt. Sowas altbackenes wie Straßenbahn brauch kein Mensch, ruiniert nur das Stadtbild (siehe den Osten von Berlin mit den ganzen Oberleitungen)."

    Was ist denn das für ein Unsinn! Naja, der Nickname sagt schon alles: Dumm wie Brot.

    Da will offensichtlich jemand lieber die Pferdebahn zurück oder stinkende und im Stau steckenbleibende Busse oder lieber 100 m teure U/S-Bahn statt 10 km deutlich billigere Straßenbahn oder Vorrang fürs Auto in 6spurigen Haupt und Wohnstraßen. Neenee, von dem Brot kommen keine konstruktiven Vorschöäge!

  3. 21.

    Ob und wie das geht, müssen natürlich andere entscheiden. Doch auch die unterschiedliche Bahnsteighöhe ist mittlerweile kein Problem mehr, siehe auch Chemnitz mit seiner Regio-Tram. Die Phantasie sollte nicht nur in großspurige PR (public relation) gehen, sondern in handfeste und gangbare Regelungen.

  4. 20.

    Icke mus mal Danke sagen für diese gute Info! Icke kenne die Gegend nicht sooo genau. Aber wenn auf den jetzigen Gleisanlagen auch ne Straßenbahn fahren kann , wäre dies sicher schneller erledigt als eine S Bahn! Siehe Adlershof oder Wedding. Was hat es damals für Theater gegeben als die Straßenbahn wieder in den "Westteil"fahren sollte!!! Und jetzt? Eigentlich ist die Bahn immer voll!!

  5. 19.

    Eine ganze Menge Menschen kommen auf die Idee, Straßenbahnnetze auszubauen. Nicht nur in Berlin, nur in Deutschland, nicht nur in Europa, sondern weltweit.

    In Deutschland neu eingeführt in Saarbrücken, Oberhausen, Heilbronn, in Dänemark neu eingeführt in Aarhus, Odense und Kopenhagen, in 27 französischen Städten, die in der Nachkriegszeit keine Straßenbahnen mehr hatten, in Italien, Spanien, England und Irland, sogar in den autovernarrten USA bspw. in Los Angeles, Dallas und Boston. Der Grund: Gerade Schienen und Oberleitung deuten an, dass dort ein weiteres, hochattraktives Verkehrsmittel fährt. Und nicht nur eines, das lediglich größer ist als das Auto, nicht nur eines, wo Menschen runterlaufen müssen in eine Röhre oder hochsteigen müssen, abseits vom Leben, was eine Straße MIT Straßenbahn hervorragend bieten kann. Grün, filigran und leise.

  6. 18.

    Dem kann ich nur zustimmen. 9 Jahre für eine Instandsetzung einer S-Bahn Strecke, mit der Option nicht pünktlich fertig zu werden. Unglaublich.

  7. 17.

    Icke dachte schon als Rentner da vielleicht mal langzuzuckln! Aber icke gloobe, die wird nischt! Bis die so fertig werden liege icke schon unter der Erde!!

  8. 16.

    es ist nich zu fassen. Ein Armutszeugnis für unser Hochtechnologieland.
    SIEMENS hat die Strecke damals binnen fünf Jahren geplant, erstellt und Inbetrieb genommen incl. aller Genehmigungsverfahren.
    Die Strecke wurde nie entwidmed. Die Bausubstanz der Brückenkonstruktiin ist weiter verwendbar. Also Deutsche Bahn: umgehend Reparieren und Instand setzen. Über mögliche Erweiterungen kann im Anschluss lamentiert werden.
    Da der Senat damals mit dem Wasserstrassenbauamt die Brücke über die Spree hat abreissen lassen, hat er sie umgehend wieder zu errichten. Punkt aus. Das ganze ist binnen zwei Jahren möglich! Man schaue zum TESLA Werk nach Brandenburg.
    Es gibt weder Ausflüchte noch Rechtfertigungen für die folgenden Kommentare.

  9. 15.

    So lange keiner auf die Idee kommt, das Straßenbahnnetz weiter auszubauen bin ich beruhigt. Sowas altbackenes wie Straßenbahn brauch kein Mensch, ruiniert nur das Stadtbild (siehe den Osten von Berlin mit den ganzen Oberleitungen).

  10. 14.

    eine Straßenbahn auf der Trasse wäre billiger und mit den gesparten Geld könnte die Tram durch ganz Spandau bis Hennigsdorf und zurück fahren.

  11. 13.

    Wenn lauthals "Nach vorne!" skandiert wird, war Weg und Ziel dahin offenbar schon immer zweitrangig und nahezu austauschbar.

  12. 12.

    Von einer - zweifellos überdimensionierten - S-Bahn-Verlängerung bis Hakenfelde hat Spandau nichts. Nichts jedenfalls als Bezirk mitsamt seiner Binnenerschließung, die auf das Spandauer Zentrum ausgerichtet ist, für die eine solche S-Bahn sogar kontraproduktiv wäre. Spandau sollte sich als wertvoller erachten, als nur der 12. Teil von Berlin zu sein; allerdings habe ich da meine Befürchtungen, das das Thema schon mit der Verhunzung der Spandauer Wasserkante zu Spree und Havel hin seit Jz. "durch" ist.

  13. 11.

    Das nach Falkensee (Finkenkrug) immer noch keine S-Bahn fährt, darf den Streitigkeiten zwischen Berlin und Brandenburg angelastet werden. Wenn man sich in Berlin nicht einig ist, wird Brandenburg auch nicht reagieren. Das führte bis jetzt dazu, das der ÖPNV/SPNV im Großraum Berlin seit Jahren der Entwicklung hinterher hinkt. Verschärft würde das durch die Massive Streckenstillegung im Berliner Umland durch Brandenburgs zustimmung. Den Fehler wieder weg zumachen ist mit diesen Betonköpfen und Streithammeln in beiden Ländern schier unmöglich. Da hätte auch ein gemsinsames Bundesland Berlin/Brandenburg keine Verbesserung gebracht.

  14. 10.

    In der Planung fehlt die Anbindung der Siemensbahn nach Westend, damit die Reisenden zwischen Südinnenring und Siemensbahn umsteigefrei fahren können. Warum dauert diese Strecke so lange? Der Südinnenring war 2,5 Jahre nach der deutschen Einheit fertig. Der Abschnitt bis Gartenfeld muß schneller fertig werden. Der Abschnitt nach Hakenfelde dauert länger wegen dem Planfeststellungsverfahren. Aber auch die anderen S-Bahn-Strecken/Gleise dürfen nicht vernachlässigt werden und müssen in Betrieb gehen.

  15. 9.

    Auch zu Falkensee im Land Brandenburg lässt die überzeugte Dienstwagenfahrerin im Rahmen des Projektes i2030.de Papier produzieren.

  16. 8.

    Unser Senat und die Planer sollten einfach mal Chuck Norris und Elon Musk mit ins Boot holen, der eine macht mal fix fertig während der andere schon alle Genehmigungen hat oder noch bekommt.
    Damit die beiden sich nicht langweilen, dürfen sie auch noch ALLE anderen Verkehrsprobleme lösen.
    Dann brauchen sie nur eine Minute länger.

    Huch..., ich glaube ich habe erhöhte Temperatur. Ich muss jetzt wohl in Quarantäne?
    Naja, die beiden schaffen es auch ohne mich. Ich schreib noch schnell 'ne Mail, und muss noch telefonieren, und in ein Meeting, und...
    ...wenn sie dann nicht fertig sind bekommen sie noch eine Prämie.

  17. 7.

    Auch witzig - aus und nach Falkensee drängeln sich die Pendler in den Regionalbahnen, wird seit Jahren nichts gemacht. Jetzt kommt eine S-Bahn, wo es schon Anbindungen gibt. Die Leute quetschen sich übrigens in Spandau in den Regionalzug um nach Hauptbahnhof zu kommen-keiner will mit der Milchkannen - S-Bahn fahren. Verstehe nicht wieso das Verkehrsaufkommen nicht beobachtet wird und an entsprechender Stelle ausgebaut.

  18. 6.

    Träumer 2040! Wenn ich die Kapazitäten sehe im Bahnbau dann wird das was mit 2070!

  19. 5.

    Ich habe den Eindruck, hier soll mit aller zur Verfügung stehenden Gewalt eine S-Bahn-Trasse kreiert werden, die ab Siemensstadt absolut keinen Sinn ergibt. Bis Siemensstadt ist nun einmal die U 7 entstanden, auch wenn das aus heutiger Sicht rückwirkend gesehen ein Fehler war. Aber wer wusste schon seinerzeit darum?

    Falls S-Bahn, dann hätte sie in Gartenfeld ihren Endpunkt und danach könnte auf die Spandauer Tram umgestiegen werden. In der Daumstraße ist die Trasse sowieso schon vorgehalten worden. Nichts näher als das. Oder eben die ganze Strecke zwischen der Wasserstadt Spandau bis Jungfernheide per Tram. Züge mit zwei verschiedenen Ausstiegshöhen gibt es ja auch schon. Nur noch nicht eben in Berlin.

  20. 4.

    Es ist m. E. eine Überlegung wert, ob tatsächlich eine vollwertige S-Bahn diese Strecke befahren muss oder ob ab Regionalbahnhof Berlin-Jungfernheide auch ein anderes Verkehrsmittel diese reaktiverte Strecke bedienen könnte. Eine überteuerte Spreebrücke wäre keineswegs unabdingbar, wenn der Phantasie keine Grenzen auferlegt würde.

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