Menschen stehen vor dem Neuen-Zwölf-Apostel-Friedhof in Berlin-Schöneberg, um an der Beerdigung der Mutter von Arafat Abou-Chaker teilzunehmen. (Bild: rbb)
Video: Abendschau | 18.09.2020 | Kerstin Breinig | Bild: rbb

Berlin-Schöneberg - Polizei-Großaufgebot bei Beerdigung von Abou-Chaker-Mutter

200 Polizisten haben am Freitag eine Trauerfeier im Clan-Milieu begleitet. Die verstorbene Mutter des bekannten Berliner Clanchefs Arafat Abou-Chaker wurde beigesetzt. Ein Prozess gegen ihn und drei seiner Brüder wurde unterbrochen.

Die Beerdigung einer Mutter aus einem bekannten arabischstämmigen Clan in Berlin ist am Freitag von 200 Polizisten begleitet worden. 700 Trauergäste aus Berlin und anderen Städten waren am Vormittag zum Neuen-Zwölf-Apostel-Friedhof im Stadtteil Schöneberg gekommen. Alle hätten sich an die Corona-Regeln gehalten, hieß es von der Polizei.

Vier Söhne der gestorbenen Frau, der 44-jährige Clanchef Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder, stehen derzeit vor dem Berliner Landgericht. Sie sind angeklagt, weil sie den Rapper Bushido bedroht, beschimpft, eingesperrt und angegriffen haben sollen. Am Montag war der Prozess wegen des erwarteten Trauerfalls bis zum 30. September unterbrochen worden.

Besucher mussten sich in Listen eintragen

Die Besucher der Beerdigung mussten ihre Personalien am Eingang in eine Liste eintragen, wie es derzeit auch bei anderen privaten Veranstaltungen vorgeschrieben ist. Die Polizei sorgte dafür, dass es keine Staus aus wartenden Menschen gegeben hat und ließ die Besucher in Gruppen ein, so eine Sprecherin der Polizei. Ansonsten mussten die Menschen Abstände einhalten oder eine Atemmaske tragen. Der Friedhof hielt dafür auch Masken bereit.

Die Polizei habe in den vergangenen Tagen mit der Familie gesprochen. Es sei zugesichert worden, sich an die Bestimmungen zu halten. Nach einem Bericht der Zeitung "B.Z." hatte Arafat Abou-Chaker auch über einen seiner Internetkanäle entsprechende Aufforderungen veröffentlicht. Gegen 13 Uhr endete die Beerdigungsfeier. Ob es im Anschluss noch ein größeres privates Zusammenkommen gebe, sei nicht bekannt, hieß es.

Schon am Mittwoch hatte es in Neukölln eine Trauerfeier für die Mutter Abou-Chakers gegeben. Auch diese hatte die Polizei begleitet und auf die Einhaltung der Corona-Regeln geachtet. Es habe keine Auffälligkeiten gegeben, hieß es nach dem Einsatz.

Geisel: Beisetzung eines Menschen muss würdevoll erfolgen

Innensenator Andreas Geisel (SPD) hatte am Donnerstag im Abgeordnetenhaus gesagt: "Klar ist, dass wir die Regeln des Rechtsstaates durchsetzen. (...) Und aus welchem Milieu die Beizusetzende auch immer stammt, (...) es ist die Beisetzung eines Menschen. Und die muss würdevoll erfolgen. Das werden wir absichern. Das sollten wir bei aller Kritik an den Zusammenhängen immer bedenken."

Auf dem Friedhof war im April bereits die Mutter eines weiteren bekannten arabischstämmigen Clans beerdigt worden. Die Polizei begleitete die Bestattung damals ebenso mit einem Großeinsatz, Kontrollen, Lautsprecher-Durchsagen und einem Hubschrauber. Damals galten noch strengere Regelungen zum Infektionsschutz. Vor zwei Jahren hatten sich auf dem Neuen-Zwölf-Apostel-Friedhof 2.000 Männer aus Großfamilien bei der Beerdigung eines erschossenen Clan-Mitglieds versammelt.

Sendung: Inforadio, 18.09.2020, 14:00 Uhr

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24 Kommentare

  1. 24.

    Schön zu sehen, dass der Berliner Senat wie immer die richtigen Prioritäten setzt.

  2. 23.

    Der AfD-Abgeordnete Hanno Bachmann versuchte, die Kosten der Stadt Berlin für diese Beerdigung im Rahmen einer parlamentarischen Anfrage zu erfahren. Der Senat hält diese unter Verschluss. Die Altparteien wollen sich mit dem Thema nicht beschäftigen. Der Clan brachte auch gleich sein nicht grundgesetz-kompatibles „Hygienekonzept“ mit. Zuerst werden nur die Männer auf den Friedhof gelassen, Frauen mußten warten und kamen mit der zweiten Charge dran.

  3. 22.

    Sie dürfen davon ausgehen, dass die Polizei nicht nur auf die Einhaltung der Hygienevorschriften achtet und den Verkehr absichert, sondern sich auch ein Lagebild bzgl. der Clanmitglieder macht und die dort Anwesenden mit der Fahndungsdatei abgleicht.

  4. 21.

    Ich fass es nicht , hochgradig schwerkriminelle werden von den Leuten begleitet die den die meisten Schwierigkeiten machen. Da lungerten doch bestimmt auch Leute die noch gesucht werden.

  5. 20.

    Auf dem Video sind viele Personen zu sehen, die keine Maske tragen, obwohl sie auch näher als 1,5 m zu anderen Personen stehen oder sich mit diesen bewegen.

  6. 18.

    Bitte vorher die anderen Kommentare lesen!
    Das hatten wir doch schon!
    Als Nichtfussballer stimme ich dann dem Kommentar über Polizeieinsätze bei Fußballspielen zu (momentan ja nicht nötig)
    Das macht MICH fassungslos!

  7. 16.

    Bei uns auf dem Dorf dürfen gerade mal 2 Personen mit zum Grab bei der Beerdigung. Der Rest der Trauergemeinde muss vor dem Tor auf dem Kirchplatz bleiben. Ein Elend, dass man sich nicht verabschieden kann. Und andernorts wird so ein Spektakel noch von der Polizei beschützt.

  8. 15.

    Warum wird über die Mutter eines berüchtigten Kriminellen berichtet?? Sie machen ihn zu einem salonfähigen Sternchen! Eine Schande!

  9. 14.

    Ich habe immer gedacht in Berlin gibt es zu wenig Polizisten, viele schieben Überstunden vor sich hin.

    Falsch gedacht: es gibt offenbar 200 Polizisten zu viel.
    Die kann man dann mal eben bei einer privaten Veranstaltung einsetzen mit einer absurden Ausrede der Polizeisprecherin: Die Einhaltung der Corona-Regeln müssen geprüft und der Verkehr überwacht werden.

    Sperren wir doch gleich noch eine Strasse.

    Können wir darauf bauen, dass die Polizei - mit Billigung des Herrn Geisler - ab sofort jede größere Beerdigung begleiten wird?

    Es macht mi h fassungslos.

  10. 13.

    Man merkt immer wieder welch einfach gestrickte Gemüter Rechtsextremisten sind.

    Klar, man wird rechtsextrem und zum verfassungsfeindlichen Straftäter wenn man anderen Straftätern zusehen muß.

  11. 12.

    Der Polizeieinsatz an sich macht mich fassungslos.
    Vielmehr aber noch die Begründung der Pressesprecherin der Polizei: es geht um die Einhaltung der Corona-Regeln und um den Verkehr. Ernsthaft? Dafür braucht man 200 Polizisten? Corona wird jetzt wohl für jegliche Verfehlung der Behörden herangezogen. Aus meiner Sicht ist es eine völlig inakzeptabele Aufwertung einer einzelnen Familie auf Kosten der Steuerzahler. Dass die private Veranstaltung auch noch breit in den Medien- allen voran RBB- gezeigt wird, ist wirklich nicht mehr nachzuvollziehen.

  12. 11.

    "Oder muss dafür etwa der Steuerzahler herhalten??" Genau so selbstverständlich wie er bei Fußballspielen oder wenn sich Rechtsextremisten zusammenrotten wie in Cottbus z.B. "herhalten" muß.

    Oder vorm Reichstag.

  13. 10.

    Frau Verne - wieso soll eine Familie dafür aufkommen, wenn die Sicherheitsbehörden eines Staates entscheiden eine Beerdigung mit 2 Hundertschaften zu begleiten. Ist doch nicht die Entscheidung der Familie. Die wäre sich ohne Polizei auf der Beerdigung ausgekommen.

    Offenbar haben Sie etwas Schwierigkeiten mit den Prinzipien des Rechststaates.
    Das offenbar sich immer dann, muss man seine Prinzipien auch gegenüber Leuten einhalten die man nicht leiden kann.

  14. 9.

    Es gibt jeden Tag eine Unmenge von Polizeieinsätzen, für die die direkt und indirekt Betroffenen nicht persönlich aufkommen müssen.
    Die Polizei ist schließlich kein privater Dienstleister. Sie hat im Auftrag von Staat und Gesellschaft Recht und Ordnung zu schützen bzw. wieder herzustellen. Nichts anderes wurde da gemacht.

  15. 8.

    Sicher der Steuerzahler, ist doch bei der Fahrraddemo genauso. Übrigens auch bei allen anderen Demos.

  16. 7.

    Besser so als Stress. Und: tatsächlich zahlen auch Geschäftsleute aus dem Clan-milieu Steuern. Wahrscheinlich zu wenige..das vermuten wir nur, hängt vom Steuerberater ab. Und mehrere große deutsche Unternehmen, bei den wir alle mal einkaufen, haben die nicht zu Beginn des lockdown versucht zu betrügen (keine Miete zahlen trotz Millionengewinnen usw.) Also bitte keine Aufregung.....es gab schon Polizeieinsätze für völlig überflüssige Versammlungen und hier wurden nicht stundenlang Straßen blockiert.

  17. 6.

    Sollen wohl mehr als 700 Personen bei der Beerdigung teilgenommen haben unter anderem auch andere bekannte Größen , gut da kann das Weltbild vielleicht manchmal auch in die Schieflage geraten, wobei dann auch noch die Polizei dies bewachen muss.

  18. 5.

    Die Familie hat die Polizei nicht bestellt und muss somit auch nichts bezahlen. Jeder kann eine Trauerfeier mit 300 Personen veranstalten. Du hast ein einfaches Weltbild.

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